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Wissenschaft und ihre Faszination weiter zu geben, ist Beruf(ung) von Christoph Larssen. Er ist Biologe und Wissenschaftsredakteur bei Wiedemeier Kommunikation und bereitet Wissen so auf, dass es verstanden wird.
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08.02.09 · 10:22 Uhr
Karl Olsberg: Der Duft - ScienceThriller
Kategorie: Kultur·Themenwoche · Kommentare: 6
Vorweg: Ich lese gerne, nein, ich verschlinge Science-Thriller (laut einem Werbeposter inzwischen eine eigene Gattung). Schöne, seichte Unterhaltung, quasi Krimi mit wissenschaftlichem Hintergrund. Genau das richtige für die Bahnfahrt. Man muss nicht parallel googlen, nicht viel nachdenken, einfach abschalten.
Das war einer der Gründe für "Der Duft" von Karl Olsberg. Der andere war, dass "Das System" (das Vorgänger-Buch) scheinbar wohl sehr gut gelaufen ist.
Die Story: Zwei Unternehmensberater müssen ein Feldlabor in Afrika auf seine Wirtschaftlichkeit testen, reisen danach quer über den Kontinent und müssen "die Welt vor dem Chaos" retten. Gorillas im Nebel, Biotech, Terror, Nahostkonflikt und Pheromone, das sind die Zutaten, die hier schön gemischt werden.Garniert mit einer überraschenden Wende als man denkt, es ist vorbei.
Dem Anspruch der Unterhaltung kommt das Buch nach, mehr aber auch nicht. Nett, vielleicht auch für den Urlaub am Pool o.ä.
kleiner SPOILER!
Gewidmet ist das Buch Dian Fossey und den Berggorillas, die danach aber eigentlich nur eine Nebenrolle spielen (also die Gorillas). Die Geschichte fängt in Deutschland an, ein wenig autobiographisch bekommt der Leser einen leichten Einblick in die Welt der Unternehmensberater. Die Helden fahren zur ominösen Biotechfirma und dann geht´s los.
Mehrere Handlungsstränge werden parallel begonnen und, man ahnt es, verweben sich am Ende zum finalen Höhepunkt. Die Biotechfirma, eine Gorillaforscherin, ein Massaker in einer Schule in Bagdad, das ominöse Forschungszentrum im Dschungel und eine Nahost-Friedenskonferenz. Sehr schnell kann man sich zusammenreimen, wie die Geschichte ausgehen wird.
Erinnert sich jemand an die Schlußszene von "Das Parfüm"? Er schüttet sein Parfüm über sich und alle Umstehenden rasten aus, getrieben von animalischen, instinktiven Reaktionen. Mit einem gewissen Sinn zur Eigen-Ironie erklärt eine der Hauptfiguren die Wirkungsweise auch so:
Hast Du mal ´Das Parfüm´gelesen?Das ist die Kernidee von "Der Duft". Ein böser Biotech Forscher soll eigentlich biologische Schädlingsbekämpfung entwickeln und bastelt daneben noch an diesem Terror-Werkzeug. Ein Pheromon (was aber irgendwie auch ein wenig nach Zimt riecht), hochkonzentriert, so dass alle Männer (und nur die) ausrasten und in einen Blutrausch verfallen. An dieser Stelle blitzt ein wenig Wissenschaft auf. Pheromone, ihre Wirkungsweise und die Bedeutung eines solchen Öko-Insektizids (das eigentliche Forschungsthema) für die Welternährung.
Nein, warum?
Ist ja auch egal, [...]
Bei der Beschreibung der Labore und der Tierställe seicht es dann aber gleich wieder ab. Lediglich die Freilandversuche erklären dann noch mal wissenschaftliche Basics. So macht man Versuche, Beobachten, Messen und Kontrollieren...
Die Geschichte hat den faden Beigeschmack, sehr stark konstruiert worden zu sein und auch hier kommt wieder die Eigen-Ironie:
Und mal ehrlich: Die ganze Geschichte ihrer Flucht ist doch ziemlich weit hergeholt, meinen Sie nicht auch? Klingt doch, als hätte sich das irgend so ein Thrillerautor ausgedacht!
An manchen Stellen kommt mir zu deutlich die Moralpredigt rüber. Etwa im Zoo
Vielleicht ist das der Sinn von Zoos: den Menschen zu zeigen, was für großartige Geschöpfe es auf der Welt gibt, damit wir nicht vergessen, was uns verloren geht.
Oder was wir schon verloren haben.
Nun, wie gesagt, so viel ´Science´ ist hier nicht wirklich drin. Aber auch keine derben Patzer, das ist schon mal löblich! Es bleibt der dumpfe Beigeschmack, dass ´Das Parfüm´, ´Gorillas im Nebel´ ein wenig aktueller Bezug (Nahostkrise) und weil es gerade Mode war, noch eine geheime Bruderschaft der ´Illuminati´ oder ´Sakrileg´ in den Mixer geraten sind. Heraus kam ´Der Duft´. Wenn der Autor Glück hat, demnächst in einer Sat1-Eigenproduktion mit "Weltpremiere" am Freitagabend...
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Autor: Chris· 6 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
Der Duft· Pheromone· Rezension· Science Thriller· Sciencebooks· Sciencethriller
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Kommentare (6)
Gibt's denn auch gute Sciencethriller.
Oder anders gesagt: ich will mal wieder was Gutes lesen.
Klar, aber ich kann mein Bücherregal ja nicht komplett hier auf einmal reinstellen ;-)
Geduld...
@Christian
Noch ein Nachtrag: Es liest sich gut, aber es hat eben weniger Wissenschaft in sich, als ich anfangs dachte. In der Geschichte wäre Potenzial gewesen, es wissenschaftlicher zu unterlegen.
Ich freue mich über diese Rezension zu meinem Buch! Besonders freue ich mich darüber, dass meine Selbstironie so gut aufgenommen wurde. ;-)
"Der Duft" hatte nie den Anspruch, ein Wissenschaftsthriller zu sein. Ich habe versucht, alles, was heute über Pheromone allgemein bekannt ist, zu berücksichtigen. Allerdings zeigt sich dabei recht schnell, dass ein Szenario, wie ich es beschrieben habe, leider - bzw. zum Glück - ziemlich unrealistisch ist. Wir wissen noch wenig über Pheromone und ihre Wirkungen auf den Menschen, aber das, was wir wissen, deutet eher auf sehr schwache Wirkungszusammenhänge hin. Ich musste mich also notgedrungen ziemlich weit von gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen entfernen, um meine Geschichte erzählen zu können.
Im Kern ging es mir aber auch nicht darum, das Phänomon der Pheromone bzw. des Geruchssinns zum Gegenstand eines Romans zu machen. Vielmehr wollte ich darauf hinaus, wie sehr wir Menschen immer noch instinkt- und triebgesteuerte Urwesen sind, die sich oft selbst kaum "im Griff haben". Der "Duft" ist insofern eine Metapher für das Triebhafte, Archaische in uns, das uns zu gewalttätigen und oft sehr kurzsichtig handelnden Wesen macht.
In meinem ersten Roman "Das System" thematisiere ich unsere Unfähigkeit, die von uns geschaffene Technik zu kontrollieren, in "Der Duft" geht es um die Kontrolle unseres eigenen Verhaltens. Beide Romane hängen also auf eine eher unwissenschaftliche Weise zusammen. In erster Linie sollen sie aber spannende Unterhaltung bieten und erst in zweiter oder dritter Hinsicht ein wenig wissenschaftlichen Hintergrund vermitteln und zum Nachdenken anregen.
Übrigens hätte ich gegen eine Sat1-Verfilmung des Buches nichts einzuwenden! ;-)
Wow, nicht oft reagiert der Autor selbst auf eine Kritik. Danke!
"Der Duft" hatte nie den Anspruch, ein Wissenschaftsthriller zu sein.
Das stimmt, der Begriff "Sciencethriller" kam von einem anderen Werbeplakat. Der Klappentext und vor allem aber auch das Titelbild hatten bei mir diese Assoziation erzeugt.
Und zum Thema Triebsteuerung: Die morgendliche Schlacht um die wenigen Sitzplätze im überfüllten Zug bezeugt zu deutlich die Ur-Instinkte "zivilisierter" Menschen, aber das ist wieder ein anderes Thema...
ich lese ihn generell gerne, da sich hinter dem Pseudonym Karl Olsberg einer der sympathischsten Köpfe der New Economy verbirgt. Insbesondere sein Roman "das System" hat mich sehr an damals erinnert...