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Wissenschaft und ihre Faszination weiter zu geben, ist Beruf(ung) von Christoph Larssen. Er ist Biologe und Wissenschaftsredakteur bei Wiedemeier Kommunikation und bereitet Wissen so auf, dass es verstanden wird.
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18.09.08 · 10:00 Uhr
Michael Crichton: Next
Kategorie: Naturwissenschaften·Themenwoche · Kommentare: 7
Durch verschiedene Umstände kam ich erst jetzt dazu, das besagte Werk vom Erfolgsautoren zu "geniessen". Nicht auszudenken, ich hätte mir damals die Hardcoverversion zugelegt. Eigentlich verschlinge ich solche Bücher, wenn ich denn die Zeit dazu habe.
Um es vorweg zu nehmen, "Next" lohnt sich nicht im Geringsten.
Spoiler:
Hatte er damals mit Dinopark 1 noch wirklich ein Thema wissenschaftlich halbwegs korrekt abgehandelt und damit einen neuen Trend der Science-Fiction eingeläutet, ist "Next" eher lau.
Bei "Beute" hatte er sich auf Nanotechnik und künstliche Intelligenz eingeschossen, ganz nett.
Die Themen jetzt von "Next":
-transgene Tiere
-Genpatente
-Gentherapie
-Gen-Ethik
-Organhandel
-Vaterschaftstests
Klingt nach ziemlich viel, ziemlich starken Tobak?
Jep, ist es auch. Zu viel für den guten Herrn Crichton. Alles wird irgendwie in verschiedenen Handlungssträngen erzählt, die sich dann natürlich kreuzen und vermischen. Alles wird irgendwie angerissen, aber nicht richtig. Und vor allem: Es ist viel Unsinn. Zu viel.
Während man "Dinopark" vielleicht noch gutheißen kann, dass es einen Beitrag zur Wissenschaftskommunikation geleistet hat und den Lesern die Gentechnik etwas nahe gebracht hat, wird bei "Next" eigentlich nur Panik gemacht.
Grobe Geschichte: Mann hat Krebs, bei der Therapie wird Gewebe entnommen. Aus dem Gewebe wird eine ganz tolle Zell-Linie etabliert. Die wird patentiert und für Milliarden verhökert, von der Uni. Der Spender geht leer aus und ist sauer. Er läst alle Zellkulturen kontaminieren(geht ja ganz einfach), die böse Biotechfirma braucht neue Zellen, weil sie ihr ja gehören. Spender taucht unter und was macht die böse Firma? Sie beauftragt Kopfgeldjäger, um bei der Tochter des Spenders, ggf. auch bei seinem Enkelsohn neue, frische Zellen zu organisieren! ARGH!
Das ist Mendel-Genetik etwa 10.Schulklasse. Klar, die Zellen vom Enkel sind ja ganz bestimmt identlisch mit denen des Opas. Deshalb haben wir ja auch nirgendwo irgendwelche Probleme der Organtransplantaten, weil irgendein Verwandter findet sich immer....[Ironie aus] Welcher Ghost-writer hat diesen Unsinn verzapft? Der Enkel hat nach Mendel, um es mal nicht sooo kompliziert zu machen (MHC-Gene etc sind weitaus komplexer!!), vermutlich noch ein Viertel der Gene des Opas (die Tochter die Hälfte)... Das war der erste Patzer, doch die nächsten kommen zugleich.
Anderer Handlungsstrang, ein Forscher arbeitet mit transgenen Schimpansenembryonen, denen er irgendwelche menschlichen Gene einpflanzt, um Autismus zu erforschen. Durch einen seltsamen Zufall muss er seinen Versuch abbrechen, ohne sein Wissen wird der transgene Embryo aber ausgetragen und es entsteht - festhalten - ein Schimpanse, der super schlau ist und sprechen kann. Der unwissende Forscher erfährt davon, adoptiert sein Schimpansenkind und schickt es zur Schule unter dem Deckmantel einer seltenen, genetischen Haarwuchs-Krankheit.
Es geht in diesem Stil so weiter, im großen Showdown wird der Affe zum Retter und die Zell-Linien-Besitzer dürfen per Gerichtsbeschluß nicht die Zellen der Tochter oder des Enkels verlangen....
Moral der Geschicht: Nicht jedes hippe Thema eignet sich und nur weil ein Autor mal gute Bücher geschrieben hat, ist das kein Siegel für andere Werke.
1 Das Buch kam gefühlte Ewigkeiten VOR Jurrasic Park raus!
Autor: Chris· 7 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (7)
Soweit ich das sehen kann, verzapft Crichton nur noch Bockmist. "Beute" ging ja noch, obwohl ich auch das extrem unrealistisch fand, aber danach ging es nur in den Keller. "Beute" hatte immerhin eine durchaus spannende, wenn auch vorhersehbare Handlung. Bei "state of fear" ist die Handlung dermaßen bescheiden, dass sie kaum noch verhehlen kann, dass der Autor mit dem Buch Propaganda macht. Ich hab den Einruck, dass seine Wissenschaftsfeindlichkeit immer schlimmer wird. Das merkte man schon an Dinopark.
Die Menschen sollen mit der Gentechnik nicht "Gott" spielen, wobei Crichton geflissentlich übersieht, dass die jahrtausende Zucht von Tieren und Pflanzen dann auch ein "Gott spielen ist". Klimaforscher sind böse. Da verwundert dieses Machwerk nicht wirklich.
Überall nur Risiken und nirgendwo Chancen zu sehen, das nervt mich langsam an bei der Wissenschaftskommunikation. Crichton ist nur ein prominenter Vertreter dieses Wissenschaftspessimismus.
Crichton ist wirklich ein grauenhafter Autor wenn es um Wissenschaft geht. Ich hab hier auch schon mal eines seiner Bücher vorgestellt. Da ging es um Quantenphysik und Zeitreisen. Absolut grottig - und die physikalische Seite absolut falsch (Er erklärt beispielsweise das Doppelspalt-Experiment mit Paralleluniversen...)
Halbwegs? Es gibt ein ganzes Buch mit dem Titel "The Science of Jurassic Park and The Lost World, or, How to make a Dinosaur", das lang und breit die Fehler erklärt.
Außerdem nervt es, dass seine Bücher (ich habe auch Congo gelesen) strikt wie griechische Tragödien aufgebaut sind: Alle, die irgendwie Schuld auf sich geladen haben, sterben. Völlig vorhersagbar. Es geht so weit, dass in The Lost World die Bösen ununterbrochen "fuck" sagen ("oh, fuck", "who the fuck", "why the fuck", "how the fuck", "fuck knows what" usw. usf....), während die Guten überhaupt nicht schimpfen.
Übrigens glaubt Crichton an Löffelbiegen, soweit ich mich erinnere. Die Quelle für diese Behauptung ist allerdings verschwunden.
@David: Mit "halbwegs" meine ich, dass wesentliche Aspekte korrekt sind. Fremde DNA in leere Eizelle etc.
Im Vergleich zu Next ist Dinopark ein Lehrbuch. Nebenbei sind die beiden Fortsetzungen grottig. OK, das Ende von Dinopark war auf eine Fortführung ausgelegt, die dann aber komplett anders aufgegriffen wurde... Congo habe ich schon verdrängt...
Und zum Thema griechische Tragödien: Das trifft auf rund 90% aller Geschichten zu! Soll ich Dir noch was verraten: Bei CSI werden die Gangster immer (irgendwann) geschnappt! ;-)
Ein leidenschaftliches Plädoyer gegen die Kommerzialisierung der Genforschung, welches schlussendlich an einem Gewirr von Nebenhandlungen und unvollständigen Ende scheitert.
Leider kam ich erst jetzt dazu das Buch zu lesen. Ich bin auch der Meinung, dass Weniger Mehr gewesen wäre, aber vermutlich wollte oder musste er alles was ihn zu diesem Thema bewegte in ein Buch pressen, weil er wusste, dass er keine weiteren Bücher mehr schreiben würde. Die vielen Handlungsstränge sind vielleicht anstrengend, aber ich sehe das eher als stilistisches Mittel.
Man darf eines nicht vergessen: Crichton schrieb Unterhaltung, keine wissenschaftlichen Abhandlungen! In erster Linie sind Bücher Fiktion! Was Crichton jedoch immer erreichte: Fiktion und Fakten so miteinander zu verknüpfen, dass man sich als wissenschaftlicher Laie hin und wieder beklommen fragte, wo die Fakten endeten und die Fiktion begann. Ob dem Leser nun der Inhalt lag oder nicht ist sicher von persönlichen Interessen, Anschauungen und Wissensstand abhängig. Ein Physiker wird sicher mehr an "Beute" zu meckern haben, als der Durchschnittsleser, das gleiche gilt für "Welt in Angst" oder "Airframe" etc.
Ich geh mal davon aus, das 80% der Leser keine Spezialisten sind sondern nur Spaß an ziemlich gut recherchierten Wissenschaftsromanen haben und das ist "Next" allemal.
Ich finde, dass "Next" noch zwei Jahre nach Ersterscheinung nichts an Aktualität verloren hat und das auch noch eine Weile so bleiben wird. Das Buch ist mit Sicherheit nicht dazu geeignet in der Straßenbahn schnell mal drei Seiten zu lesen, dazu sind es einfach zu viele Handlungsstränge mit entsprechend vielen Personen, aber dafür gibt es ja auch andere Bücher. Als Durchschnittsleser fühlte ich mich jedenfalls bestens unterhalten. Schade, dass nichts mehr nachfolgen wird. RIP
Nee, aber er hat zuviel zu falsch dargestellt. Hier wird bewußt Unsinn verbreitet.
THEORETISCH (und viele sind ja dabei), könnte man aus der Mammut oder Dino DNA, die man irgendwo findet, eine Nachzucht klonen. Ist sehr aufwendig und kostspielig. Deswegen war Dinopark noch halbwegs im grünen Bereich.
Aber bei Next ist soviel Schmarn drin, das hier mE dem Leser ein vollkommen falsches Bild suggeriert wird. Der Enkel hat die selben Zellen wie der Opa? Ein Schimpanse bekommt ein Gen und geht dann zur Schule??? Könnte auch aus der Bild stammen.