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Frank Abel ist Wettermann im Radio und Fernsehen. Er arbeitet als Medien Meteorologe bei der MeteoGroup Deutschland GmbH in Berlin.
Frank Abel is weatherman on the radio and television. He works as "media meteorologist" at MeteoGroup Deutschland GmbH in Berlin, part of the biggest private European weather company.
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19.11.09 · 15:23 Uhr
Unwetter: Warum die Kanaren untergingen
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 3
Eher am Rande sah man in den vergangenen Tagen die Nachrichten von den verheerenden Unwettern am Montag und Dienstag auf den Kanarischen Inseln. In dem auch jetzt als Urlaubsparadies genutzten "Inseln des ewigen Frühlings" wurden Autos und Häuser von Wassermassen mitgerissen. Wie entstanden die schlimmsten Unwetter seit 40 Jahren?
Eigentlich ist die Unwetterlage so klassisch, wie sie klassischer nicht hätte sein können. Vorweg: Dass diese dann ein geographisch so eng begrenztes Gebiet betreffen wie die Kanarischen Inseln vor der Westküste Afrikas, macht dann wahrscheinlich die Seltenheit des Ereignisses aus. Hier zunächst ein Video um das Ausmaß der Katastrophe nachvollziehen zu können:
Letzte offizielle Böenmeldungen vom Flughafen südlich von Santa Cruz de Tenerife waren 83 km/h am Morgen des 16.11.09. Man kann aber fest davon ausgehen, dass örtlich deutlich heftigere Böen gewütet haben, und auch die 20 mm Niederschlag in Puerto de la Cruz am 16.11. zwischen 13 und 19 Uhr dürften örtlich deutlich übertroffen worden sein.
Wetterlage
Wie gesagt: Klassisch. Grund für die Wärme in Deutschland ist ja ein Kaltluftvorstoß über dem Atlantik. Auf der Vorderseite dieses extrem weit südwärts voranstoßenden so genannten Troges brettert der Jetstream, ein Starkwindband in der Höhe, von hier wieder nach Nordosten und bringt dementsprechend die warm-feuchte Luft aus diesen Regionen mit. Sie ist also angefüllt mit Wärme und mit Feuchtigkeit, beides bedeutet Energie.

Taupunkt als Feuchtemaß, Analyse vom 17.11.09, 13 Uhr MEZ. Quelle: MeteoGroup
Hier sieht man am Taupunkt, wie die feuchte Luft vom Atlantik ankommt. Dazu näherte sich dann in der Höhe die kältere Luft. Die Schichtung der Atmosphäre war also labil, Luftpakete vom Boden konnten leicht in die Höhe steigen, da die Umgebung kälter (und damit dichter) ist als das Luftpaket selbst. Zusätzlich hatten wir noch eine beträchtliche Windscherung. Das bedeutet, dass sich der Wind in den unteren drei Kilometern stark in Richtung und Betrag änderte.

Radiosondenaufstieg von Guimar, Teneriffa am 16.11.09, 13 Uhr MEZ. Man beachte die Windänderung mit der Höhe am rechten Rand. Quelle: University of Wyoming
Die aufsteigende Luftsäule geriet also in Rotation, und es ergab sich durch einen Pirhouetteneffekt eine Trennung von Auf- und Abwindbereich. Dies ist dann der Garant für hochreichende, gut organisierte Gewitter, die die gesamte massive Feuchtigkeit des Atlantiks über die Kanarischen Inseln ergießen konnte. Außerdem konnte der kräftige Höhenwind dabei gleich mit auf die Erde transportiert werden, wodurch es zu den kräftigen Böen kam.
Autor: Frank Abel· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (3)
"gut organisierte Gewitter": Der Begriff gefällt mir besonders gut ;)
(hab einmal das Vergnügen gehabt, ein gut organisiertes Gewitter von etwas weiter weg zu sehen, war dann auch wahrscheinlich gleich ne Superzelle. Ich kenne Augenzeugenberichte aus dem inneren - zum Glück kein Tornado)
Schönen Dank für den Eintrag!
Hallo Christian,
die gut organisierten Gewitter, die ich bisher erleben durfte, waren mir immer noch nicht organisiert genug. Es gab aber schon beeindruckende Exemplare. Eine Tornadosichtung blieb bisher leider noch aus, ich hätte nichts dagegen.
Gruß, vielen Dank und schönes Wochenende
Frank
Ich hätte auch nichts gegen eine Tornadosichtung, diese und ähnliche Ereignisse haben mich schon immer fasziniert. Aber wenn, dann bitte aus entsprechender Entfernung und möglichst da wo es keinen stört. ^^