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Frank Abel ist Wettermann im Radio und Fernsehen. Er arbeitet als Medien Meteorologe bei der MeteoGroup Deutschland GmbH in Berlin.
Frank Abel is weatherman on the radio and television. He works as "media meteorologist" at MeteoGroup Deutschland GmbH in Berlin, part of the biggest private European weather company.
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23.10.09 · 09:26 Uhr
Warum Ex-Taifun "Lupit" so unberechenbar ist
Kategorie: Naturwissenschaften
"Lupit" war ein Taifun, der im Moment den Norden der Philippinen trifft. Schon bei der Beschreibung von "Lupit" gibt es Probleme, denn zum Zeitpunkt dieses Blogbeitrags hat er gerade den Status eines Taifuns unterschritten und wird als Tropischer Sturm bezeichnet. Aber auch sonst ist seine Zukunft eher unsicher. Schauen wir in das sich schließende Auge des Tropensturms:
Dazu eine Reise zurück zu der Entstehung von Lupit: Er entstand am 14. Oktober ein paar hundert Kilometer nördlich der Yap-Inseln, gehörend zu den Föderierten Staaten von Mikronesien:

Geschichte von "Lupit". Quelle: Google Earth
Knapp 250 km/h!
Im Gegensatz zu Tornados benötigt ein tropischer Wirbelsturm schwache und wenig gescherte Winde in der Höhe. Dieses war gegeben, so konnte sich "Lupit" sehr schnell zu einem Taifun (ab 118 km/h mittl. Windgeschwindigkeit) entwickeln. Bis zum 19. Oktober, 00 Uhr UTC entwickelte er sich dabei zu einem Supertaifun der höchsten Kategorie 5 mit mittleren Windgeschwindigkeiten von 249 km/h! (Randbemerkung: Ich verwende wegen der Zeitumstellung am Sonntag heute nur UTC, so kann man selbst für unsere Winterzeit +1 Stunde, für die noch gültige Sommerzeit +2 Stunden hinzurechnen. Damit spare ich mir jegliches Zeitchaos.)
Kurz vor seinem Höhepunkt sieht man in diesem beeindruckenden Satellitenbild das Auge in seinem Zentrum:

Supertaifun "Lupit" mit gut erkennbarem Auge am 19.10.2009 um 2:10 UTC. Quelle und höhere Auflösung bei MODIS
Das letzte Foto vom hochauflösenden Terra-Satelliten der NASA stammt vom 22.10.09 um 02:40 UTC. Auch zu diesem Zeitpunkt war "Lupit" noch ein Taifun, allerdings nur noch der Kategorie 1. Man kann das Auge in seinem Zentrum kaum noch erkennen, dennoch geht immer noch eine Menge zerstörerisches Potenzial von ihm aus.

Taifun "Lupit" am 22.10.2009 um 2:40 UTC. Quelle und höhere Auflösung bei MODIS
Schwierige Prognose
Wie geht es jetzt weiter mit Lupit? Jedenfalls wird er mit größerer Wahrscheinlichkeit nicht mehr den Status eines Taifuns erreichen, sondern als Tropischer Sturm zwischen den Philippinen und Taiwan in der Luzonstraße umherirren dürfte. Durch die Interaktion mit den Landflächen geht dem Tropensturm zunächst förmlich der "Sprit" aus, er braucht eine ständige Zufuhr von feucht-warmem Meereswasser, um weiter zu existieren.
Durch die enorme Menge an niederschlagbarem Wasser, die der Tropensturm noch in sich trägt, geht weiter eine hohe Gefahr von ihm aus. Bis zum 28.10. werden immer noch Winde von im Mittel knapp 90 km/h prognostiziert. Damit könnte der Tropensturm relativ langlebig sein.
Damit dies so ist, muss allerdings die Prognose stimmen, und sie ist weiterhin alles andere als sicher. Das liegt an den unklaren Strömungsverhältnissen in der Höhe, hier im Bereich des subtropischen Hochdruckgürtels. Zwei Hochdrucksysteme schieben dabei an dem tropischen Sturmsystem herum, hier in der Analyse von ca. 5,5 km Höhe mit 1. und 2. bezeichnet:

Wind in ca. 5,5 km Höhe, Analyse vom 23.10.09, 00 UTC. Quelle: MeteoGroup
Der Tropische Sturm "Lupit" befindet sich also gerade in sehr windschwachen Verhältnissen zwischen diesen beiden Systemen. Es fehlt nicht viel, dass "Lupit" etwas weiter nördlich in die Westwindzone "gedrückt" wird, doch hindert ihn daran derzeit ein kleiner "Finger" des Hochdruckgebiets Nummer 2, das hier kaum erkennbar nördlich des Tropensturms blockierend wirkt.
Es gibt daher mehrere denkbare Möglichkeiten, wie es mit dem Tropensturm "Lupit" weiter geht. Die wahrscheinlichste Möglichkeit ist, dass es "Lupit" im Laufe der kommenden 24 Stunden etwas weiter nach Norden schiebt, verursacht durch einen hier nicht sichtbaren Kurzwellentrog, grob gesagt also durch eine kleinräumige Störung der Höhenströmung. Nachdem er in den nächsten 24 Stunden noch etwas weiter nord-nordwestlich driften würde, käme der Sturm allmählich in den Einfluss der etwas kräftigeren Höhenwinde, und er würde sich dann an Taiwan vorbei wieder hinaus in die Philippinensee begeben und damit auch seine derzeitige Stärke in etwa behalten, wie man derzeit hier im Storm Tracker von Wunderground sieht (Link verfällt).

Wind in ca. 5,5 km Höhe, Prognose für den 25.10.09, 00 UTC. Quelle: MeteoGroup
Nicht ganz, aber fast genauso möglich wäre aber auch, dass der Tropensturm durch die trockenere Luft in der Umgebung und dem teilweise Überstreichen der Landflächen an Kraft verliert und dann nicht mehr durch die Höhenwinde, sondern durch die Winde in der Nähe der Oberfläche gesteuert würde. Da diese derzeit aus dem Nordosten kommen, würde dann der Tropensturm genau in die entgegengesetzte Richtung wandern, nämlich in Richtung Südchinesisches Meer.
Hohe Überschwemmungsgefahr
Dieses ziellose Umherirren von Lupit in der Luzonstraße in den kommenden 72 Stunden macht die Sache sehr kompliziert. Denn allein durch seine sehr langsame Verlagerungsgeschwindigkeit von derzeit gerade einmal 5 km/h zwischen den sechs Stunden 22.10.09, 21 bis 23.10.09, 3 UTC kann er eine Menge Wasser ablassen. Gerade die philippinische Hauptinsel Luzón muss also mit verheerenden Überschwemmungen rechnen und leider auch mit der Unsicherheit über den weiteren Verlauf des Tropensturms.
Weiterführende Links:
Wer mehr über die weitere Zuglaufbahn von "Lupit" oder anderen Taifunen oder Hurrikanen wissen möchte, der kann dies besonders gut per Google Earth tun. Es geht aber auch per Flash:
- .kmz Datei (.zip Archiv) für Google Earth zum Anzeigen von Tropenstürmen
- Tropenstürme weltweit inklusive Flash Tracker von Weather Underground
Autor: Frank Abel· 0 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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