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Frank Abel ist Wettermann im Radio und Fernsehen. Er arbeitet als Medien Meteorologe bei der MeteoGroup Deutschland GmbH in Berlin.
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09.01.09 · 15:04 Uhr
Der "Ananas-Express" brachte schwere Unwetter
Kategorie: Naturwissenschaften
Eine merkwürdige Überschrift, zugegeben. Der "Ananas-Express" oder "pineapple express" ist ein Wetterphänomen, das in den letzten Tagen zu einer verheerenden Flutkatastrophe im Nordwesten der USA geführt hat. Häuser wurden evakuiert, Straßen über- und unterspült, nahezu 20 Flüsse traten über die Ufer. Was ist der "pineapple express"?
Der "pineapple Express" hat seinen Namen von seiner scheinbaren Herkunft. In einiger Regelmäßigkeit bringt nämlich ein Tief vom Pazifik feucht-warme Luft in den Nordwesten Amerikas und sorgt dann für länger anhaltenden Regen über mehrere Tage bei deutlich übernormalen Temperaturen.
Der Name rührt daher, dass das Tief die Luft mit seiner kräftigen Südwestströmung über den Pazifik an die nördliche Westküste Amerikas bringt, und die Luft damit sozusagen aus Hawaii kommt, wo viel Ananas angebaut wird:
"Denkwürdiges Ereignis"
This is going to be a memorable flood event
wird Andy Hayner vom Nationalen Wetterdienst immer wieder zitiert. Und es wirkt nicht einmal übertrieben. Regen mit bis zu 8" (über 200 mm, die Menge, die in Deutschland an den meisten Stationen in etwa 2 bis 3 Monaten fällt), fielen im Laufe von zwei Tagen, und das nach enormen Schneefällen im Dezember 2008. Hier ein Video vom 8. Januar 2009:
Wetter bei CBS am 8. Januar 2008
Auch die folgende Diashow des Washington State Department of Transportation bei FlickR spricht für sich:
Diashow von WSDOT. Bestimmte Rechte vorbehalten (siehe Text)
Wie der "pineapple express" entsteht
Im System Atmosphäre-Ozean gibt es eine ganze Reihe periodisch auftretender Ereignisse. Am bekanntesten dürfte wohl die Strömungsanomalie El Niño bzw. La Niña sein, die von Jahr zu Jahr die Niederschlagsmuster auf der ganzen Welt verändert. Man spricht hier von der El Niño Southern Oscillation (ENSO)
Gerade in den Winterhalbjahren zwischen einem La Niña und dem folgenden El Niña - Ereignis, also in so genannten ENSO-neutralen Wintern, verstärkt sich dann ein anderes wiederkehrendes Muster extremer Niederschläge im pazifischen Raum, das für die Westküste der USA von Bedeutung ist. Jeder Zyklus hat eine wesentlich geringere Lebensdauer von 30 bis 60 Tagen und wird die "Madden-Julian Oscillation" oder MJO genannt.
Es wurde beobachtet, dass die Oberflächentemperaturen des tropischen Pazifik in den ENSO-neutralen und damit aktiven MJO-Wintern etwa durchschnittlich sind. Ein Beispiel für solch einen MJO-aktiven Winter ist die Saison 1996/97, in dem Stürme und Überflutungen einen Schaden von damals 2 bis 3 Millarden US-Dollar verursachten.
Stadien der MJO

Schema des "pineapple express". Quelle: CPC/NOAA
Etwa eine Woche vor dem Ereignis treten kräftige tropische Regenfälle über dem östlichen Indischen Ozean auf, die weiter ostwärts in Richtung Pazifik ziehen. Man erkennt eine "Nase" feucht-warmer tropischer Luft, die sich in Richtung Hawaii bewegt.
3-5 Tage vor dem Ereignis bewegt sich die Feuchteblase über die Datumsgrenze hinweg und dehnt sich nordostwärts aus. Bis dahin befand sich ein Hoch über dem Golf von Alaska, das sich aber nun abschwächt und westwärts driftet. Gleichzeitig teils sich in der Höhe in etwa 9 km der Jetstream auf in einen nördlichen und südlichen Ast. In der mittleren Atmosphäre entsteht ein so genannter Trog. Dieser nimmt auf seiner Vorderseite jetzt die tropische feucht-warme Luft auf und bringt sie weiter in den Nordosten.
Zum Ereignis entsteht nun typischerweise östlich der Troges ein kräftiges Tiefdruckgebiet über dem östlichen Pazifik, wobei durch die feucht-warme Luft kräftige und andauernde Niederschläge, teils über mehrere Tage, entstehen, zusammen mit kräftigem Wind. Ist davor eine Menge Schnee heruntergekommen, so sorgt das Tauen des Schnees zusätzlich zu einer Verschärfung der Katastrophe.
Wettervorhersage
Interessant ist, dass man etwa eine Woche vorher schon prognostizieren kann, wo die kräftigsten Niederschläge auftreten. Sie hängen nämlich von dem Längengrad ab, an dem der tropische Regen zu Beginn der MJO aufgetreten ist. Tritt er bei 120° Ost auf, so ist 7 bis 10 Tage später Starkregen im westlichen Bundesstaat Washington zu erwarten (so wie jetzt). Startet der Starkregen dagegen nahe an der Datumsgrenze bei 170° Ost, so dürfen sich die Kalifornier auf katastrophale Bedingungen einstellen.
Wer noch detailliertere Informationen braucht, der kann sich die Tropical Intraseasonal Activity FAQ beim CPC in englischer Sprache durchlesen.
Hinweis: Das Foto, aufgenommen am 7. Januar 2009 vom Washington State Department of Transportation unterliegt der Creative Commons Lizenz.
Autor: Frank Abel· 0 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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