Blog durchsuchen
Profil
Frank Abel ist Wettermann im Radio und Fernsehen. Er arbeitet als Medien Meteorologe bei der MeteoGroup Deutschland GmbH in Berlin.
Frank Abel is weatherman on the radio and television. He works as "media meteorologist" at MeteoGroup Deutschland GmbH in Berlin, part of the biggest private European weather company.
Letzte Einträge
- Video am Freitag: Top 20 der Wetter-Phänomene8 Kommentare· 14.10.11
- "Erweiterte Quantenphysik" zeigt: Meteorologen haben keine Ahnung vom Wetter!5 Kommentare· 23.09.11
- Video am Freitag: Hagel-Unwetter in Sachsen-Anhalt5 Kommentare· 16.09.11
- Video am Freitag: Hagel in Deutschland3 Kommentare· 24.06.11
- Video am Freitag: Unwetter Mai / Juni 20113 Kommentare· 03.06.11
Kommentare
- Alex · 07.01.12 · 08:35 Uhr Mallorca On Ice - Von Hagelschauern und Eisschichten
- Mathias · 25.11.11 · 17:39 Uhr Video am Freitag: Top 20 der Wetter-Phänomene
- Eso-Tommy · 16.10.11 · 13:12 Uhr "Erweiterte Quantenphysik" zeigt: Meteorologen haben keine Ahnung vom Wetter!
- Frank Abel · 24.09.11 · 09:35 Uhr Video am Freitag: Hagel-Unwetter in Sachsen-Anhalt
- Libby Schmidt · 31.08.11 · 15:46 Uhr Wo und warum kann man sich im Schnee sonnen - ohne zu frieren?
Blogroll
Kategorien
Archiv
- Oktober 2011
- September 2011
- Juni 2011
- Mai 2011
- April 2011
- Februar 2011
- Januar 2011
- Dezember 2010
- November 2010
- Oktober 2010
- September 2010
- Juli 2010
- Juni 2010
- Mai 2010
- April 2010
- März 2010
- Februar 2010
- Januar 2010
- Dezember 2009
- November 2009
- Oktober 2009
- September 2009
- August 2009
- Juli 2009
- Juni 2009
- Mai 2009
- April 2009
- März 2009
- Februar 2009
- Januar 2009
- Dezember 2008
- November 2008
- Oktober 2008
- September 2008
- August 2008
- Juli 2008
- Juni 2008
- Mai 2008
- Frühere Beiträge
« vorheriger Beitrag · nächster Beitrag »
20.11.08 · 14:46 Uhr
Schnee-Wahn in den Medien
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 10
Es rauscht mächtig im Blätterwald. Zurzeit wird unglaublich heiß gekocht, obwohl die ankommende Luft doch so kalt ist. Dabei stolpere ich in diesen Tagen wieder über ein altbekanntes Problem: nennt man im Winter das erste Mal Schnee, drehen die Medien durch. Was steht in den Zeitungen, und was passiert wirklich?
1. Was steht in den Zeitungen?
Beginnen wir also mit dem Wahnsinn, der typischerweise 48 Stunden vor dem ersten Schnee-Ereignis eines Winters beginnt. Den Vogel schießt dabei donnerwetter.de ab, dessen Meldung im Focus erschien:
Donnerwetter.de/Unwetter-Warnung: heftigster Wintereinbruch seit mindestens drei Jahren [...]Verkehrsprobleme am Freitagabend * Megastaus im Schnee möglich, nachts in ganz Deutschland Glätte durch Schnee und Eis Temperaturen um *2 ° C am Samstagmorgen Samstag 10-15 cm Neuschnee in den Mittelgebirgen im Flachland um 1*2 ° C mit Schneeschauern, mit der Dunkelheit verbreitet Eis und Schnee mit Schneeverwehungen nachts Sonntag weitere Schneeschauer mit Schneeverwehungen in den Mittelgebirgen um 0 Grad C im Flachland, nochmals 10*20 cm Neuschnee in den Mittelgebirgen Montag und Dienstag[...]
Nanu? Die Apokalypse, und ich habe nichts davon mitbekommen? Verbreitet (bedeutet für Meteorologen: an > 50% aller Orte) Eis und Schnee? Weitere Meldungen, die auf uns einstürzen:
- AOL: "Das winterliche Szenario könnte Metereologen zufolge das "spektakulärste Wetterereignis" seit dem Orkan Kyrill werden."
- Bild: "Schneefront rast auf Deutschland zu"
- Lobenswert die Netzeitung: "Am Freitag soll es sogar einen Wintereinbruch geben."
Manche vergleichen den Wetterumschwung sogar mit dem drastischsten Wetterereignis seit dem Orkan Kyrill. Hört sich alles sehr dramatisch an? Nun, das sollten Sie von den Medien gewohnt sein. Gerade beim Wetter wird da keine Ausnahme gemacht. Was passiert aber wirklich?
2. Was passiert wirklich?
Grob eingeschätzt handelt es sich hier um ein markantes, aber durchaus kein dramatisches Ereignis. Kurz zusammengefasst: es schneit. Ende November. Das an sich sollte niemanden vom Hocker schmeißen. Interessant ist aber schon der Luftmassenwechsel. Wir verlassen die milde Phase und nähern uns arktischer Luft. Ein kleines Tief auf dem Atlantik hat diesen Wetterwechsel ausgelöst, und so bekommen wir ab Freitag die wohl kälteste Luft, die man überhaupt bekommen kann, nämlich aus der Arktis.
Besonders eindrucksvoll sieht man die Kaltluft, die zum Teil aus Höhen oberhalb der Tropopause einsickert, in den Höhenkarten bei 5 bis 5,5 km:
Das Bemerkenswerte ist dabei einzig und allein die rasante Entwicklung eines Tiefs, das da bei uns entsteht und in Richtung Westrussland wandert. Es ist am Sonntag dort angekommen und pusht uns förmlich die arktische Kaltluft mit Nordwind gegen die Gebirge, sodass es also am Nordrand der Berge weiter winterlich zugehen kann.
Verkehrsprobleme?
Die Mittelgebirge sollte man tatsächlich am Freitag meiden, denn Wind und Neuschnee sind immer eine Kombination, die durch Verwehungen zu unpassierbaren Straßen führen kann. Doch wie sieht es im Flachland aus?
Auch hier gilt: vorsichtig fahren sollte man am Nordrand von Gebirgen, da sich hier der Schnee förmlich anstaut. Aber sonst dürfte es gerade, nachdem die trockenere Kaltluft angekommen ist, nur noch für gelegentliche Schneeschauer reichen. Im Süden sollte man sich da auf die üblichen winterlichen Straßenbedingungen einstellen, im Norden bleibt der Schnee tagsüber auf der Straße wohl noch nicht liegen, nachts haben wir aber dann eher das Problem, dass hier und da die Restnässe gefriert und zu glatten Stellen führt. Auch das ist Ende November eher die Regel als die Ausnahme.
Es gilt also: fahren Sie schon vorsichtig, meiden Sie die Gebirge am Freitag, aber lassen Sie sich auch nicht verrückt machen. Hier noch eine Übersicht über die erwartete Neuschneemenge:
Sie sehen: Es wird Winter. Ungemütlich, aber nicht ungewöhnlich. So etwas mit Kyrill zu vergleichen ist meines Erachtens absoluter Schwachsinn. Viel Spaß beim Rodeln!
Autor: Frank Abel· 10 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
Kommentar schreiben
Top5
- Franz Hörmann und die Gaskammern: vom Wissen und vom GlaubenKritisch gedacht· 27.01.2012
- "2012 - Keine Panik" - Das Buch zum WeltuntergangAstrodicticum Simplex· 30.01.2012
- Kein Platz für junge Wissenschaftler - Das Problem der fehlenden JuniorpositionenAstrodicticum Simplex· 31.01.2012
- Newton, Hunter, Jenner, Cavendish und Co: Der Einfluss der britischen Naturwissenschaftler des 18. JahrhundertsAstrodicticum Simplex· 27.01.2012
- Wie ich Wissenschaftler wurde und warum ich heute keiner mehr binAstrodicticum Simplex· 01.02.2012
Top5
- Franz Hörmann und die Gaskammern: vom Wissen und vom GlaubenKritisch gedacht· 27.01.2012
- "2012 - Keine Panik" - Das Buch zum WeltuntergangAstrodicticum Simplex· 30.01.2012
- Sonderrechte für Religiöse?blooDNAcid· 01.02.2012
- World Skeptics Congress 2012 in BerlinKritisch gedacht· 06.02.2012
- Kein Platz für junge Wissenschaftler - Das Problem der fehlenden JuniorpositionenAstrodicticum Simplex· 31.01.2012
ScienceBlogs.com
- Hey, America! Break out the Binoculars after Sunset and see Uranus tonight!The phenomena of nature especially those that fall under the ...Starts With A Bang· 09.02.2012 · 17:07 Uhr
- Day-to-day Labor: The Hazards of Low-wage Temping in Americaby Elizabeth Grossman The news of increased hiring in the ...The Pump Handle· 09.02.2012 · 16:08 Uhr
- Yes, Virginia, there is an antivaccine movement (efforts to deny it notwithstanding)There are times when I want to fall down on ...Respectful Insolence· 09.02.2012 · 03:00 Uhr
- The Big Bang for BeginnersIt took less than an hour to make the atoms ...Starts With A Bang· 09.02.2012 · 02:07 Uhr
- Melting Ice and Sea Level RiseIf all the water currently trapped in all the glaciers ...Greg Laden's Blog· 08.02.2012 · 16:40 Uhr



Kommentare (10)
Aus FOCUS Online:
Quelle: http://www.focus.de/panorama/welt/wetterumschwung-winter-kommt-mit-aller-macht_aid_350006.html
Und es geht noch weiter:
Quelle: http://www.focus.de/panorama/welt/vorhersage-winter-kommt-mit-pauken-und-trompeten_aid_349747.html
Ich gehe schon mal Lebensmittel und Batterien für den Bunker besorgen...
Ich hab mich heute auch gewundert, als ich aus Versehen mal wieder Wetterbericht im Fernsehen gesehen habe. Da wurde alles an bunten Blinkezeichen gegeben, um den Zuschauer vor dem Wetter zu warnen. Muß wohl ein Anzeichen dafür sein, dass der zivilisierte Mensch sich immer weiter von der Natur entfernt und diese seltsame weiße Decke auf dem Boden im Freien innerhalb eines Jahres verlernt hat zu deuten :)
Übrigens reichen diese reinen Vorwarnungen schon aus, um die Deutsche Bahn schon mal vorsorglich in ein Chaos zu stürzen. Wetter ist hier so wie gestern, dennoch ist alles zu spät gewesen etc....
Den Vogel abgeschossen hat aber auch Kai Zorn vom wetter.com Blog. Man richtig verfolgen, wie er sich hier in Rage schreibt:
Und so weiter, und so weiter. Wir werden sehen, wie viel von dem "Drama" übrig bleibt. Wobei ich natürlich nicht sagen möchte, dass so ein Wintereinbruch ungefährlich ist. Ein Weltuntergang ist es allerdings nicht.
Gruß, Frank.
Spektakulär ist das schon! Hier in Frankfurt ziehen gerade heftige Böen mit Regen- und Graupelschauen durch. Sichtweiten zeitweise um die 250 bis 300 Meter. Und Jetzt, keine zwei Minuten später, ein Streifen blauer Himmel. Bescheiden nur für die Leute auf der Hochhausbaustelle schräg gegenüber, deren Job möchte ich jetzt wirklich nicht haben.
hier im Dresdner Norden ist jetzt auch alles weiß
Nachlese: ja, hier im Nordschwarzwald lag kurze Zeit tatsächlich 3-5cm Schnee -- war alse ziemlich unspektakulär...
Zu diesem Thema erschien jetzt ein sehr schöner Artikel von Alexander Kissler, Kulturjournalist und Kolumnist. Sehr amüsant und empfehlenswert! Der Artikel lautet:
Wettervorhersage: Unser kleiner täglicher Weltuntergang
Alexander Kissler schreibt: "der Physiker, der mit lautem Aplomb allerletzte Gewissheiten verkündet". Mir fällt da kein aktuelles Beispiel ein. Hat sich Kissler hier in Rage geschreiben oder kann irgend ein Leser eines benennen?
Allerdings, womit wir wieder beim Klimawandel wären. Man nehme nur die Meteorologen, die am IPCC-Bericht Nr. 4 teilgenommen haben. "Die Temperatur steigt auf Grund des CO2-Anstiegs um soundsoviel Grad", wird dort verkündet.
Tatsächlich gibt es diese Gewissheit nicht, die dort verlautbart wird. Bestes Beispiel: der CO2-Ausstoß aus der Erde wurde bisher maßlos überschätzt. Tatsächlich liegt er um 20% (um ein FÜNFTEL) niedriger. Eine plötzliche Abweichung von einem Fünftel, wie will man da die genaue "globale Erwärmung" auf ein Grad genau vorhersagen können?