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Frank Abel ist Wettermann im Radio und Fernsehen. Er arbeitet als Medien Meteorologe bei der MeteoGroup Deutschland GmbH in Berlin.
Frank Abel is weatherman on the radio and television. He works as "media meteorologist" at MeteoGroup Deutschland GmbH in Berlin, part of the biggest private European weather company.
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29.10.08 · 15:01 Uhr
Warum uns dieses Vb-Tief so viel Regen bringt
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 6
Ein bisschen kann man schon über die Überschrift stolpern. Vb (sprich: fünf b)? Was ist das denn? Genauer gesagt haben wir es momentan mit einer Vb-Wetterlage zu tun. Vb ist dabei eine römische Nummerierung. Ein Vb-Tief ist ein Regenbringer für den Osten Deutschlands und zum Beispiel auch für die Oderflut 2002 verantwortlich gewesen. So ein Tief ist jetzt auf dem Weg:
Die Bezeichnung Vb-Tief hat sich im Gegensatz zu den anderen Nummerierungen bis heute gehalten. Doch was ist so Besonderes daran? Das wird etwas klarer, wenn wir uns die Zugbahnkarte ansehen, die seinerzeit der deutsche Meteorologe Wilhelm Jacob van Bebber angefertigt hat:

Für uns sind also die südlichen Zugbahnen, die Ver-Tiefs interessant. Ein Vb-Tief entwickelt sich also im südlichen Europa und zieht dann östlich an den Alpen vorbei weiter nordwärts über Polen in Richtung Ostsee beziehungsweise Baltikum.
Wie entsteht der Starkregen?
Ein solches Tief hat sich nun beim Golfe du Lion, also südlich von Frankreich entwickelt. Das konnte es, weil wir es, wie wohl viele gemerkt haben, gerade einen massiven Kaltluftvorstoß von Norden erleben, der bis nach Spanien und sogar Nordafrika die Temperaturen sinken lässt. Die Kombination: kalte Luft, noch warmes Mittelmeerwasser ist dann ideal für die Entwicklung von solchen Systemen. Das gegenwärtige Vb-Tief heißt übrigens Yulietta.
Dass Vb-Tiefs so viel Niederschlag mitbringen, verdanken sie also ihrem Ursprung, da sie mit feucht-warmer Luft des Mittelmeers angefüllt sind. Sie wandern dann an den Alpen vorbei, wobei diese warme Luft auf die viel kältere trifft. Da kalte Luft eine höhere Dichte hat, schiebt sich die Warmluft darüber. Sie wird also gehoben und gleichzeitig abgekühlt. Dadurch muss das Wasser also wie an einer kalten Cola-Dose kondensieren, und ein flächiges Niederschlagsgebiet entsteht.
Jetzt kommt es dann noch sehr auf die Zugbahn an, inwiefern Deutschland von dem Stark- bis Dauerregen betroffen ist. In diesem Fall deuten die Vorhersagen daraufhin, dass Yulietta doch von Tschechien kommend sehr knapp an der deutsch-polnischen Grenze vorbeizieht. So nah, dass die warme Luft dann sogar den Osten Bayerns und auch die Neiße erreicht:
Teils Regen, teils Schnee
Das bedeutet also, dass das Wetter recht unübersichtlich wird, weil auf kleinem Raum so viele Unterschiede entstehen: Im Laufe der kommenden Nacht nehmen jedenfalls die Niederschläge im Süden und Osten Deutschlands immer mehr zu. Ob nun viel Regen oder viel Schnee fällt, hängt dann ganz von der genauen Zugbahn des Tiefs ab. Im Osten Bayerns wird es wohl meist kräftig regnen, während die Schneefallgrenze in der kalten Luft auf 500 bis 400 Meter absinkt.
Am kältesten wird es wohl im Raum Thüringen, wo die kälteste Luft herangeführt wird. Hier sollte man dann auch im Flachland mal mit einer weißen Überraschung am Donnerstagmorgen rechnen.
Ganz unspektakulär wird das Wetter dann im Nordwesten, denn außerhalb des Einflussbereichs von Yulietta gibt es nichts außer vielen Wolken und vielleich hier und da etwas leichten Regen oder Sprühregen.
Gigantische Niederschlagsmengen
Beeindruckend ist hierbei die Maximalabschätzung des Multi-Model MOS der MeteoGroup für den Donnerstag. Maximalabschätzung deshalb, weil es die höchstmöglichen Mengen zeigt, die natürlich nicht überall erreicht werden:
Unwettergefahr!
Man sieht auch, dass insbesondere die Schweizer und Südtiroler mit heftigem Regen und Schnee zu kämpfen haben werden. Zum Vergleich: im gesamten Jahr fallen in Berlin etwa 590 mm! Überflutungen und Erdrutsche dürften die Folge sein.
Autor: Frank Abel· 6 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (6)
Oh, schön. Wir hatten ja auch schon so lange kein Jahrhunderthochwasser mehr. Die Elbanrainer dürfen schon mal die Hosen hochkrempeln.
Hallo Herr Abel,
Sehr interessanter Artikel!!!!
Bedeutet das, dass es normale Herbststürme mit viel Regen gibt, oder bedeutet es "Flutwarnung"?
Inwieweit sind die Alpen davon betroffen? Und könnte eine solche Wetterlage den Winter massgeblich mitbestimmen, wenn die Alpen dadurch abkühlen würden?
Ist eine solche Wetterlage um diese Jahreszeit normal?
Ist eine solche Wetterlage (Kaltfront) vom Atlantik abhängig, oder durchaus auch aus Russland kommend denkbar?
Liebe Grüsse und vielen Dank im Voraus für eventuelle Antworten!!!
Eddy
Hallo Eddy, hallo Fischer,
Zuallererst möchte ich für die Flüsse Entwarnung geben. Der bisherige Wasserstand von Oder, Elbe und Havel ist eher niedrig, sodass für diesen Fall kein signifikantes Hochwasser zu erwarten ist. Die Lage sah im Jahr 2002 anders aus. Ich wollte nur verdeutlichen, wozu so ein Vb-Tief in der Lage ist.
Dennoch kann es lokale Überflutungen in Straßenmulden im Osten Deutschlands geben, die dann eher für den Verkehr im Sinne von Aquaplaning eine Gefahr bedeuten.
Zu den anderen Fragen: es sieht eher danach aus, dass nach diesem Kaltlufteinbruch das Wetter eher in Richtung Hochdruckeinfluss zurückschlägt. Das bedeutet in diesem Fall viele Wolken, mildes Wetter und zunächst keine Sturmgefahr. Kurzfristig könnte es allerdings noch einmal in Ostseenähe interessant werden, da sich das Tief Yulietta auf seinem Weg dorthin beträchtlich verstärkt.
Da dieser Kaltlufteinbruch zudem nur von kurzer Dauer ist, dürfte auch die Abkühlung der Alpen von nicht allzu großer Bedeutung sein. Allerdings sind die Schneemengen im Südwesten beträchtlich. Ob dies eine Auswirkung für die Zukunft hat, bleibt abzuwarten, ist jedoch eher unwahrscheinlich.
Für diese Jahreszeit ist solche eine Wetterlage durchaus typisch, da in den polaren Regionen immer mehr Kaltluft 'produziert' wird, die dann nur durch entsprechende Strömung hierher verfrachtet werden muss.
Die kalte Luft aus Russland ist ebenso denkbar. Bestes Beispiel war Anfang November des letzten Jahres, als noch kältere Luftmassen von Nordosten nach Deutschland sickerten.
Gruß,
Frank.
Hallo Frank,
Vielen Dank für die ausführliche Antwort! Das ist sehr aufschlussreich! Dies könnte mein Lieblingsblog werden!
Also bitte weiter so und liebe Grüsse aus Luxemburg
Eddy
Das ist eine interessante Sache mit diesem exclusiven Wetterbericht danke. Das es in TH heute Morgen geschneit hat kann ich voll und ganz bestätigen. Was mich noch interessiert wie stehen die Chancen das die Kaltluft bleibt und damit der Schnee länger liegt?
viele Grüsse aus Thüringen
Rico
Hallo Rico,
die Chancen stehen leider denkbar schlecht. Denn die Kaltluft zieht sich jetzt mehr in den Südwesten Europas zurück. Wir gelangen auf die "Vorderseite", das bedeutet: wir liegen östlich von der Kaltluft. Und hier geschieht genau das Gegenteil: von Südwesten bekommen wir nämlich die milde Luft geliefert.
Wäre die Luft trocken, so ist das kein Problem, wie man aus den Alpen kennt, wo sich Leute in der warmen Sonne über dem Schnee sonnen. Allerdings kommt feucht-warme Luft, und damit herrscht Tauwetter schlechthin. Heute und morgen könnte man noch von dem übrig gebliebenen Schnee profitieren, aber zum Sonntag setzt sich dann massives Tauwetter bis auf die Schmücke durch bei 10°C.
@Eddy,
vielen Dank! "Empfehlen Sie mich weiter" ;-)