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Alexander Gerber ist Informationswissenschaftler und Geschäftsführer des innokomm Forschungs-zentrums für Wissenschafts- und Innovationskommu-nikation (GmbH). Sieben Jahre war er bei Fraunhofer verantwortlich für die Kommunikation des IuK-Verbunds sowie Chefredakteur von InnoVisions. Von Hause aus Journalist, ist Alexander Gerber Fachbeirat Wissenschaft des DFJV und des HPC, Vize der TELI in Berlin, WPK-Mitglied und Vertreter in der Euroscience Working Group "Science Communication". Er ist Moderator des "Forums Ideen- und Innovationsmanagement" und Initiator der "Trendstudie Wissenschaftskommunikation".
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26. Dezember 2011
Wie die "Brights" nach Deutschland kamen
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·ScienceBlogs Kategorien · Kommentare: 8
Ein Hochinteressantes Interview mit dem deutschen Übersetzer der kontroversen "Brights" aus USA und UK -- Dawkins, Gould und Bryson etc. -- ist soeben im Freitag erschienen u.a. zu der Frage, warum irgendwie nur amerikanische Wissenschaftler den Mut haben, die Bühne der politischen Debatte, Provokation oder gar der kreativen Zerstörung zu betreten:
Die Autoren [...] sind keine Wissensvermittler, die der Öffentlichkeit bloß etwas über die Wunder der Wissenschaft erzählen. Sie sind politisch motiviert, soziologisch interessiert. Und viele von ihnen scheuen die Provokation nicht, sondern suchen sie. „Das hat natürlich auch mit dem gesellschaftlichen Hintergrund zu tun, der vor allem in den USA weit fundamentalistischere Strömungen zeigt". [Zitat des interviewten Übersetzers, Sebastian Vogel] Und auf den groben Klotz [sic] käme dann eben ein grober Keil.
Dass es hierzulande weit weniger Provokation oder gar "kreative Zerstörung" tradierter Denkschulen gibt, dürfte daran liegen, dass Wissenschaft grundsätzlich nicht so politisch ist / sein will / sein soll / sein darf wie etwa in den USA. In punkto "Medialisierung" der Wissenschaft sind wir zwar schon dabei gleichzuziehen mit der amerikanischen Academia (so sehr man beim Vergleich dieser beiden doch so unterschiedlichen Systeme vorsichtig sein sollte); bei der "Politisierung" der Wissenschaft allerdings sind wir fast noch auf der Stufe der "Trennung von Kirche und Staat" (übertragen auf die Forschung).
Insofern ist die Suche nach einem "deutschen Dawkins" meiner Ansicht nach eine systemische Frage des Selbstverständnisses deutscher Wissenschaftler. Wie zum Beispiel der Klimaforscher Stefan Rahmstorf gerade erleben durfte, bewegt man sich durch engagierte öffentliche Wissenschaft schnell auch an der Grenze zur Agitation (zumindest aus Sicht vieler Wissenschaftsjournalisten) -- siehe hierzu die jüngste Aufmachergeschichte in der Verbandszeitschrift der WPK.
Auch hier ein Vergleich: Die "Science Debate" als größte politische Bewegung in der jüngeren Geschichte der USA (für die es übrigens 2012 ein deutsches Pendant geben soll; Hintergrund siehe hier) war getrieben von dem Bedürfnis der Wissenschaft, das "Monopol der Wahrheit" nicht einfach so auf dem Altar politisch-religiöser Dogmen zu opfern. Siehe dazu das gerade eben erschienene Buch "Fool me Twice" des geschätzten Kollegen Shawn Otto. Wäre das nicht, lieber Herr Vogel, prädestiniert für eine Übersetzung durch Sie in der Reihe der "Brights"? ;-)
ZUSATZ:
Prominente Vertreter der o.g. "Brights" sind der Philosoph Daniel Dennett, die US-amerikanische Bürgerrechtlerin Margaret Downey, der Zauberkünstler James Randi, der Psychologe Steven Pinker, der Biologe Richard Dawkins, der Biochemiker Richard John Roberts, der Physiker Sheldon Glashow, der Wissenschaftsjournalist Michael Shermer, der kanadische Arzt Henry Morgentaler, der belgische Physiker Jean Bricmont[16] und der deutsche Philosoph Michael Schmidt-Salomon. [Quelle: Wikipedia]
Anm.: Danke an den anonymen Kommentator, der Richard Dawkins sehr zu Recht vom Amerikaner zum Briten machte!
Autor: Alexander Gerber· 26.12.11 · 13:48 Uhr· 8 Kommentare
16. Dezember 2011
How Different Cultures Relate to Science
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·ScienceBlogs Kategorien
Our board member Martin Bauer, Professor of Social Psychology and Research Methodology at the London School of Economics and Political Science (LSE), by many of you known for his role in the Eurobarometer Studies on societal acceptance of research and technology, has published a remarkable book on intercultural aspects, changes and stabilities of public perceptions of science within the US, France, China, Japan, and across Europe over the past few decades. The contributors to the book address the influence of cultural factors; the question of science and religion and its influence on particular developments (e.g. stem cell research); and the demarcation of science from non-science as well as issues including the 'incommensurability' versus 'cognitive polyphasia' and the cognitive (in)tolerance of different systems of knowledge.
Thumb up...recommend! ;-)
Martin W. Bauer, Rajesh Shukla, Nick Allum (eds.):
The Culture of Science: How the Public Relates to Science Across the Globe
Series: Routledge Studies in Science, Technology and Society
Routledge 2011. 472 pages.
http://www.routledge.com/books/details/9780415873697
Autor: Alexander Gerber· 16.12.11 · 11:50 Uhr· 0 Kommentare
15. Dezember 2011
Rettungsaktion "WissensWerte"
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·ScienceBlogs Kategorien
Die Wissenschaftsjournalistinnen Nicola Kuhrt, Cornelia Reichert und Cinthia Briseño haben unter http://www.pro-wissenswerte.de eine Petition gestartet, um gegen den Untergang der jährlichen Bremer Branchenveranstaltung "WissensWerte" (Hintergrund siehe hier) zumindest zu protestieren. Gut 100 Kolleginnen und Kollegen haben seit gestern unterchrieben (die Unterzeichnerliste im Web ist offenbar nicht aktuell; meine Unterschrift von gestern zum Beispiel ist noch nicht drauf).
Aufgerufen ist zur Unterstützung der WissensWerte allgemein, unabhängig vom Standort Bremen ("Ja, ich finde es wichtig, dass die WissensWerte erhalten bleibt.").
Autor: Alexander Gerber· 15.12.11 · 12:42 Uhr· 0 Kommentare
12. Dezember 2011
Ernüchterndes Fazit nach WiD-Forum in Köln
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·ScienceBlogs Kategorien
Kurz ein Hinweis auf die in mehreren Blogs laufende Debatte zum 4. "Forum Wissenschaftskommunikation" (Köln), ausgerichtet wieder von Wissenschaft im Dialog.
Michael Sonnabend (Stifterverband) ist offenbar mit sehr gemischten Gefühlen nach Hause gefahren und berichtet dabei u.a. auch aus seiner Rolle als Mitglied der Programmkommission heraus.
Christoph Larssen (Kollege hier bei ScienfeBlogs) hat Bedenken, dass zu viel diskutiert und zu wenig getan wird.
Und auch Matthias Fromm (SGM) wundert sich über das "Klassentreffen", bei dem es leider keine Kratzspuren am Prüfstein gegeben habe.
Das positivste Fazit zieht da wohl noch Reiner Korbmann (Agentur Sciencde&Media) in seinem erst kürzlich gestarteten Blog, gleich mit einer ganzen Reihe von Beiträgen, bsiepislweise zu interaktiven Medien.
Kollege Henning Krause (DLR Bonn) hat eine Twitter-Liste erstellt, wobei die Zahl der tweetenden Teilnehmer mit <5% bezeichnenderweise ziemlich gering war.
Außerdem schreibt ein paar Zeilen die Kollegin Bärbel Auffermann vom Neanderthal-Museum.
...to be continued. ;-)
Autor: Alexander Gerber· 12.12.11 · 17:57 Uhr· 0 Kommentare
07. Dezember 2011
Querdenker gesucht für Wissenschaft 2.0
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·ScienceBlogs Kategorien · Kommentare: 11
Wo steht die Wissenschaft heute in Sachen Web 2.0?
Was ist (vor allem in den USA) bereits erfolgreiche Praxis und wäre auch auf Deutschland übertragbar?
Und was müssten wir dafür tun?
Dazu meine Präsentation heute auf dem Deutschen Forum für Wissenschaftskommunikation zum Mitklicken, Vertiefen und vor allem Diskutieren (Vollbildmodus über "More" > "Fullscreen"; zum zoomen scrollen):
TO DO 1
Mangels Ressourcen kann sich die Wissenschaft im Gegensatz zur Wirtschaft nicht durch Dienstleister von der Herausforderung freikaufen. Nur die großen Tanker werden aus eigener Kraft die neuen Medien interaktiv nutzen können.
Ergo:
Neue Modelle der Kooperation, Fremdfinanzierung, Ressourcenumschichtung und öfftentlichen Förderung
TO DO 2
Der immense Schulungsbedarf wird nicht allein durch kommerzielle Dienstleister zu befriedigen sein.
Ergo: Qualifizierungen für Praktiker und Berater zum Selbstkostenpreis
TO DO 3
Allein Generationswechsel werden zu keiner breiten Anwendung neuer Medien durch die Wissenschaftler selbst führen, solange die Zahl zitierter Paper das einzige "harte" Qualitätsmerkmal bleibt.
Ergo: Systemische Veränderungen mit dem Ziel formaler, aber auch informeller Anerkennung und Incentivierung
TO DO 4
In vielen Gesprächen entsteht für mich der Eindruck als habe das Wissenschafts-management die Querdenker an die Kette gelegt.
Ergo: Statt Denkverboten sollte sich die Academia für keine Maßnahmen zu schade sein, die junge Zielgruppen endlich wirksam ansprechenden.
Autor: Alexander Gerber· 07.12.11 · 12:30 Uhr· 11 Kommentare
05. Dezember 2011
Wissenschaft auf den Laufsteg gezwungen?
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·ScienceBlogs Kategorien · Kommentare: 1
Pointierte Thesen des Soziologen Alexander Bogner vom Institut für Technikfolgenabschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Herausgeber des forschungspolitischen Buches "Wozu Experten?" (2005) soeben in einem Interview mit dem Standard: Kollege Bogner zieht eine ernüchternde Bilanz aus einem Jahrzehnt PUSH in Österreich und schlägt somit in die gleiche Kerbe wie unsere Trendstudie: Vertrauensverlust, Mediatisierung und zunehmender Legitimationsdruck der Forschung -- die Problembeschreibung des Kollegen teile ich, nicht aber die anklingende Kapitulation. Jetzt erst recht! Phase 5 hat begonnen, "Post-PUSH" kann gelingen, verlangt aber nicht weniger als einen Paradigmenwechsel.
Autor: Alexander Gerber· 05.12.11 · 09:12 Uhr· 1 Kommentar
03. Dezember 2011
Kollege Korbmann 2.0
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·ScienceBlogs Kategorien
Reiner Korbmann ist unter die Blogger gegangen (frei bei Wordpress: Wissenschaft kommuniziert). So allmählich tut sich also was in der Blogosphäre zur Wissenschaftskommunikation. Korbmann, langjähriger Wissenschaftsjournalist (u.a. Chefredakteur von bild der wissenschaft) und heutiger Geschäftsführer der Agentur Science & Media, hat schon in den ersten Tagen eine beachtliche Frequenz seiner Postings vorgelegt. Wird sicherlich schwer sein, dies auf Dauer zu halten, also toi-toi-toi! Einige Beiträge der ersten Tage:
Soziale Netze - höchste Zeit aufzuspringen
Wie lange brauchen wir noch Journalisten?
Kann es sein? - Die letzte „Wissenswerte"?
Autor: Alexander Gerber· 03.12.11 · 12:06 Uhr· 0 Kommentare
Zwitschernde Forscher
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·ScienceBlogs Kategorien · Kommentare: 1
Kollege Marc Scheloske (@Werkstatt -- ehemals Redakteur hier bei ScienceBlogs) hat eine Sammlung von twitternden Wissenschaftlern gestartet. Die Liste wächst... ;-)
Für mich stellt sich dabei vor allem die Frage, welche aussagekräftigen (wissenschaftsspezifischen) Kriterien man für die Reichweite / Relevanz entwickeln bzw. aus der aktuellen Onlineforschung ableiten und anwenden sollte / könnte, und zwar gerade nicht in Richtung der aus meiner Sicht gescheiterten (weil rein quantitativen oder besser: statistischen) PeerIndex-Ansätze, sondern eben auch qualitativ. Wie ein Kollege auf der ScienceOnline treffend bemerkte: "PeerIndex is no index after all, but sheer data."
Autor: Alexander Gerber· 03.12.11 · 11:38 Uhr· 1 Kommentar
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