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21.02.12 · 09:56 Uhr

Autophagie und Krebs - Das" Sich-Selbst-Fressen" scheint essentiell für das Wachstum von Krebszellen

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 4

Die Autophagie, das Verdauen zelleigener Organellen und Proteine ist ein Recyclingprogramm der Zelle, das bei der Wiederverwertung von beschädigten Proteinen und Zellbausteinen eingesetzt wird. Der Name bedeutet, dass innerhalb der Zelle Material in Hohlräume, die sogenannten Autophagosomen, eingeschlossen und anschließend durch Ansäuerung verdaut wird. Die Zelle sich also tatsächlich zum Teil selbst „frisst". Besonders in Stresssituationen wie bei mangelnder Nährstoffversorgung dient dieser Mechanismus dazu, das Energiegleichgewicht der Zelle aufrechtzuerhalten und sichert ein Überleben.

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Hepatozelluläres Karzinom (Bild: Wikipedia)

Krebszellen sind erwiesenermaßen abhängig von diesen Mechanismen, da es in schnell wachsenden Tumoren typischerweise zu Nährstoffmangel kommt. Das liegt einerseits an dem beschleunigten Wachstum, das zu einer Kompetition um Nährstoffe führt und andererseits an einem zu langsamen Einwachsen neuer Blutgefäße, die die Nährstoffe zu den Krebszellen transportieren. Um die Krebszellen weiterhin mit der nötigen Energie zu versorgen ist die Autophagie in vielen Tumorarten erhöht. Ergebnisse aus Zellkulturexperimenten und diversen klinischen Studien lieferten nun vielversprechende Aussichten für eine potentielle therapeutische Anwendung eines altbekannten Malaria- und Rheumamittels, dem Hydroxychloroquin (HDC). Denn dessen Wirkung ist eben genau die Inhibition der Autophagie und damit eine mögliche therapeutische Wirkung auf das Wachstum von Krebszellen.
In Modellen von therapieresistenten Tumoren, also mit aktueller Therapie unbehandelbar, zeigte der zusätzliche Einsatz von HDC in Kombination mit der Standardtherapie einen positiven anti-Tumoreffekt. Im Moment wird das HDC in mehr als 30 klinischen Studien kombinatorisch mit Chemotherapy, Bestrahlung oder Immuntherapy eingesetzt und erste Auswertungen zeigten vielversprechende Resultate.
Vieles ist noch unbekannt im Spiel der Wechselwirkungen von Krebs und Autophagie, doch da es sich um einen ausgesprochen essentiellen zellulären Mechanismus handelt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass es bei einem derartigen Therapieansatz zu einer tolerierenden Anpassung kommen kann. Im Moment werden auch neuartige Wirkstoffe erforscht, die eine Autophagiehemmung vermitteln können und ein neuer Wirkstoff, Lys05, zeigte beispielsweise eine 10-fach potentere Wirkung bei der Hemmung der Autophagie. Möglicherweise ist dies ein ganz neuer Ast der Krebstherapie, der in Zukunft bei der Unterstützung der bekannten Standardtherapien zum Einsatz kommen wird.

Hier die Pressemitteilung.

 

Autor: Felix Bohne· 4 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (4)

Kommentar-Direktlink Ludger· 21.02.12 · 12:36 Uhr

Sehr schön. Aber die Untersuchungen sind noch in einem sehr frühen Stadium:


(aus dem o.a. Link) Nearly 30 phase I and Phase II clinical trials involving HCQ have been launched or are in planning stages in many different malignancies, including melanoma, multiple myeloma, renal cell carcinoma, colon cancer, prostate cancer, breast cancer, and others.

Zur Erinnerung: ( http://de.wikipedia.org/wiki/Klinische_Studie#Phasen_einer_Arzneimittelstudie )

Phase II : ca. 50–200 Personen, Dauer: Monate, Hauptziel: Überprüfung des Therapiekonzepts (Proof of Concept, Phase IIa), Findung der geeigneten Therapiedosis (Dose Finding, Phase IIb), positive Effekte der Therapie sollten zu beobachten sein.

Gleichwohl handelt es sich um einen interessanten Ansatz insbesonders für die wenig chemotherapiesensiblen Tumorarten (Niere, Prostata).

Author Profile Page Felix Bohne· 21.02.12 · 13:16 Uhr

Das ist richtig! Alles sind frühe Studien! Wollte hier keine Therapieversprechen abliefern, aber vielversprechend klingt es schon (haben aber auch andere Sachen schon geklungen und sind dann wieder in der Versenkung verschwunden!). Die Autophagie ist gerade dermaßen heiß! Auch in der Virologie kommen täglich neue Aspekte ans Tageslicht.

Kommentar-Direktlink Susanne Paech· 28.03.12 · 11:36 Uhr

Noch einige neue molekularbiologische Erkenntnisse um Proteine für einen Ansatz wenig sensibler Tumorarten im Kontext einer interdisziplinären Krebstherapie. Es geht um ergänzende Hyperthermie oder Wärmebehandung bei Chemo- oder Strahlentherapie. Die Wirkung ist schon lange experimentell festgestellt, aber erst jetzt wurden einige der dafür verantwortlichen Wirkungsmechanismen entschlüsselt: die DNA-Reparaturmechanismen sowie die sogenannten Hitzeschock-Proteine. Siehe dazu auch die neue Reportage auf HYPERRAUM.TV http://www.hyperraum.tv/2012/03/24/hitzeschock-proteine/

Kommentar-Direktlink Dr. Wilhlem Herdering· 16.05.12 · 13:02 Uhr

Das Prinzip Hemmung der Autophagie wurde zum ersten Mal beim Menschen umgesetzt in Mexiko City von Sotelo et al. Er kombinierte bei frisch operierten GBM Patienten (GBM = Glioblastom Multiform, bösartigster Hirntumor) Chloroquin mit Bestrahlung und dann dem altbekannten billigen Antitumormittel BCNU (Carmustin), danach gab er das Chloroquin weiter. Mit dieser Methode verlängerte er das mediane Überleben gegenüber der heutigen Standard-Methode "Bestrahlung in Kombination mit Temodal" und dann weitere Behandlung mit Temodal von 14 auf 24 Monate.
Sotelo schrieb allerdings noch nichts über Hemmung der Autophagie sondern meinte, der Wirkmechanismus des Chloroquin sei die Stablisierung des Genoms der GBM-Zellen.
Eine chinesische Gruppe bestätigte kürzlich im Wesentlichen Sotelos publizierte Ergebnisse.
Die Chinesen schreiben sogar von "curative Effekts". 96 Patienten waren im Versuch, 48 davon wurde Chloroquin zusätzlich gegeben. Die zuätzlich mit Chloroquin behandelten Patienten zeigten mehr als eine Verdoppelung des medianen Überlebens gegenüber denen, die kein Chloroquin erhielten.

Zu finden ist das alles leicht mit medline und den Suchworten
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In Deutschland forscht Prof. A. Giese (Chef der Neurochirurgie in Mainz) in diesem Bereich,
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