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Georg Hoffmann hat an der Ruhr-Universität Bochum Physik studiert und anschliessend am Max-Planck Institut Hamburg mit einer Arbeit zu Tracern in globalen Zirkulationsmodellen, sogenannten "Klimamodellen", promoviert. Danach arbeitete er 15 Jahre in Paris am LSCE, Laboratoire des Sciences du Climat et de l'Environnement, zu verschiedenen Aspekten der Paleo-Klimatologie. Momentan forscht er im Rahmen eines gemeinsamen Projekt der Universität Utrecht, dem holländischen Weltraumzentrum SRON und dem holländischen Wetterdienst KNMI. Das Bild ist dem Stadionheft April 2004 des VFL Bochum entnommen und zeigt ihn mit der Vereinsfahne, die er einzig zu diesem Zweck quer durch die Antarktis geschleppt hatte. Tss. Unglaublich.
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26. Januar 2012
Abstimmung: Kernkraft, ja, nein, ein bisschen, vielleicht doch irgendwann mal
Kategorie: Politik · Kommentare: 712
Der Beitrag der drei französischen Academie Mitglieder, Balibar, Bréchet, Brézin, hat hier auf Primaklima ein heftige Diskussion ausgelöst. Bald 500 Kommentare zeugen davon. Es geht dabei nicht mehr nur um die Wissenschaft, es geht um solche Fragen wie Verantwortung für zukünftige Generationen, um immer auch subjektive Sicherheitsbedürfnisse, um Vertrauen in Wissenschaft. Kurz, die Kernkraftdiskussion ist vor allem eine politisch-moralische, die in Deutschland lange, lange Tradition hat. Ein Blick auf die Alterszusammensetzung bei Anti-Atomdemos überzeugt uns sofort davon. Da sind sicher einige seit 30 Jahren und länger dabei.
Die Diskussion in Deutschland ist entschieden, liest man häufig, und das mag sicher auch so sein. Ein Fünftel der Befragten in einer Stern Umfrage geben etwa an, sehr grosze Angst vor einem Kernkraftunfall zu haben.Trotzdem interessiert mich einmal wirklich eure Meinung zur Kernkraft, nach Fukushima und mitten in der globalen Erwärmung.
Scienceblogs ist gewiss nicht in eine Kategorie Pro oder Kontra Atom einzuordnen, aber sicher in die Kategorie Pro-Wissenschaft mit einer guten Portion Technologiefreundlichkeit. Wie also sieht eine solche nicht repäsentative Gruppe die Frage nach der Kernkraft? Ich habe die Frage über das reine Ja/Nein mal ein wenig aufgesplittert, um vielleicht ein paar Infos mehr zu erhalten. Also los!
Frage 1
Frage 2
Frage 3
Autor: Georg Hoffmann· 26.01.12 · 15:27 Uhr· 712 Kommentare
24. Januar 2012
Habemus Nature - Teil I : Wie man die eiszeitliche Produktivität abschätzt.
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 863
Na ehrlich gesagt, haben wir keinen Nature Artikel, sondern einen Nature Geoscience Artikel. Auch nicht schlecht. Ich dachte, das wäre mal eine Gelegenheit, von dem zu sprechen, was ich denn konkret den lieben langen Tag so treibe, obwohl ich selbst, warum auch immer, nie besondere Lust über etwas auf Primaklima zu schreiben, worüber ich ohnehin schon den ganzen Tag gearbeitet habe.
Worum geht es in dem Artikel? Eines der drei groszen Probleme der Paleoklimaforschung ist es wahrscheinlich, den Faktor oder die Faktoren zu finden, die für den glazialen CO2 Wert verantwortlich sind. Bevor der Mensch in den letzten 200 Jahren das Kommando bei den CO2 Flüssen übernahm, variierte der CO2 Wert in der Atmosphäre in den letzten ca 10000 Jahren, dem sogenannten Holozän, sehr wenig zwischen 260ppm und 280ppm. Davor aber lag eine Zeitspanne von 30.000 Jahren glazialer Bedingungen, in der die CO2 Werte zwischen 180ppm und 200 ppm schwankten. In dieser Zeit liegt auch das glaziale Maximum um ca 21.000 Jahren vor Heute mit der gröstzen kontinentalen Eisausdehnung und den niedrigsten CO2 Werten. Doch wie kommt es zu den ca. 100ppm Differenz zwischen dem heutigen Interglazial und der letzten Eiszeit? Das Problem existiert ja nicht nur in den letzten 100.000 Jahren sondern, wie uns Messungen am Dome C EPICA Eiskern zeigen, praktisch die gesamten letzten 1 Millionen Jahre.

Bild 1: Methan, Wasserisotope und CO2 vom europäischen Eiskernprojekt EPICA, Dome Concordia in der Ost-Antarktis. Die Wasserisotope sind im wesentlichen linear von der lokalen Temperatur bestimmt. Es ist einer der fundamentalen Fragen der Geochemie, wieso die eiszeitlichen CO2 Werte um 100ppm niedriger waren, denn der kältere, glaziale Ozean erklärt dies eben gerade nicht.
Autor: Georg Hoffmann· 24.01.12 · 14:28 Uhr· 863 Kommentare
19. Januar 2012
Angesichts des Klimawandels ist die Kernkraft wirklich eine "Energie der Vergangenheit"?
Kategorie: Technik·Umwelt · Kommentare: 638
Die drei renomierten französischen Physiker, Sébastien Balibar, Yves Bréchet und Edouard Brézin, alle drei Mitglieder der Academie de Sciences, sprechen sich in diesem Aufruf für einen weiteren Einsatz und sogar Ausbau der Kernenergie aus. Sie begründen dies insbesondere mit den Gefahren des durch Treibhausgase verursachten Klimawandel. Im gerade beginnenden Wahlkampf in Frankreich setzen sie sich in diesem Text insbesondere mit der deutschen Entscheidung zum Ausstieg auseinander.
Der Text wurde zuerst von Sylvestre Huet auf science^2 veröffentlicht. Er selbst als auch Edouard Brézin waren mit der Zweitveröffentlichung einverstanden und Primaklima bedankt sich natürlich dafür.
«UNE ÉNERGIE DU PASSÉ ?
Die Zukunft unserer Kernenergie findet sich mitten im Wahlkampf wieder. Es gibt eine Spaltung zwischen rechts/links, aber auch eine Debatte innerhalb der Linken, wie die Erklärungen von Michel Rocard und Jean-Pierre Chévenement bezeugen (Anm. Ricard war sozialistischer Ministerpräsident unter Mitterand und Chevènement Innenminister. Beide gehören zur eher konservativen Linken, etwa wie Schmidt oder Steinmeier). « Archaische Energie » nennen es die Grünen, die Augen ganz auf das deutsche Vorbild gerichtet, wobei sie aber sich jeder Stellungnahme zu den dutzenden Kohlekraftwerken enthalten, die sich gerade bei unseren Nachbarn im Bau befinden, oder zu dem beachtlichen Anstieg der CO2 Emissionen, zu dem die deutsche Entscheidung eines sofortigen Nuklearstops bereits führte : 2 Millionen Tonnen zusätzlich pro Monat. Unter diesen Umständen nichts und niemand kann an der Diskussion teilnehmen ohne verdächtigt zu werden der Sprecher einer Partei oder eines Parteiflügels zu sein. Möge also der Leser bitte uns zugestehen : Nichts von all dem motiviert uns hierzu.

Bild 1: Yves Brechet ist Physiker und Materialforscher am Laboratoire "Science et ingénierie des matériaux et des procédés" de Grenoble (SIMAP). Seit 2010 Mitglied der Academie de Sciences.
Autor: Georg Hoffmann· 19.01.12 · 22:33 Uhr· 638 Kommentare
18. Januar 2012
Umfrage: Wer kennt das Hartwell Paper?
Kategorie: Naturwissenschaften·Politik·Umwelt · Kommentare: 54
Auf einem anderen Planeten im WWW kam es zu einer Diskussion zu diesem und jenem (wie das ja so ublich ist in der Galaxie "Internetblogs") und da ich ja immer der Meinung bin, dass man Streitfragen am besten auf den Grund gehen sollte, versuche ich das jetzt mal mit dieser Umfrage.
Wer hat schon mal von dem Hartwell Paper gehört? Das ist die eigentliche Umfrage und es gibt im Wesentlichen nur Ja/Nein. Falls die Antwort ja ist, bitte zwei beliebige Stichworte dazu unten in den Kommentaren nennen. Und, heh, nicht spiecken!
Vielen Dank an alle, die mitgemacht haben. Ich habe einmal hier die Scienceblogs Community "missbraucht", um einen kleinen Streitpunkt zu klären. Mein Gegenüber in einer Diskussion meinte, dass sich in Sachen Klimadebatte einiges seit dem Hartwell Paper geändert hätte, und ich vertrat die Meinung, dass das eher unwahrscheilich ist, schon allein weil es keiner kennt. Das Ergebnis hier (ca. 200Stimmungen, 90% haben noch nie vom Hartwell Paper gehört) scheint mir ja eher recht zu geben. Insbesondere wenn man sich vor Augen führt, dass die Leser hier eher zu den gut bis best Informierten in Sachen Klima gehören. Anyhow, wer doch neugierig geworden ist, findet das Hartwell Paper hier.
Autor: Georg Hoffmann· 18.01.12 · 16:58 Uhr· 54 Kommentare
15. Januar 2012
Pack das Treibhaus in den Chip: Wie man einen Photovoltaik-Chip behandeln muss, um deutlich effektiver zu werden.
Kategorie: Technik · Kommentare: 232
Sonnenlicht einfangen, in Wärme umwandeln und die Wärmeabstrahlung, soweit es geht, verhindern. Für einen Klimawissenschaftler hört sich das irgendwie bekannt an, stimmts? So könnte man den Treibhauseffekt kurz zusammenfassen. Ein Artikel aus dem Economist hatte diesen ironischen Twist für mich. Aber der Reihe nach.
Die Sonnenenergie ist ja der Umweltbewegung ihr Liebling (Ruhrgebiet-Genitiv). Ich konnte und kann mich eigentlich dafür bislang nicht so recht begeistern. Viele Gründe dafür finden sich in dem hervorragenden Buch "Sustainable Energy - Without the hot air" von David JC MacKay (vollständig online verfügbar). Insbesondere für Photovoltaik gilt: Hoher Flächenverbrauch, hohe Produktionskosten, Umweltprobleme bei der Produktion und der Beschaffung der nötigen seltenen Erden, zu kurze Lebenszeit. Das heisst natürlich nicht, dass es nicht eines Tages alles besser aussieht, als es das bislang tut.
Um aus der Sonnenenergie Strom herzustellen, hat man im Prinzip bislang zwei Möglichkeiten. (1) Man kann die einfallende Strahlung konzentrieren, Wasser erhitzen und dann "klassisch" per Turbinen Strom erzeugen. Hier in der Nähe von Sevilla, genauer in Sanlucar Mayor, gibt es eines der ersten Solarkraftwerke diesen Typs. Die hier in Andalusien ja nun reichlich vorhandene Sonne wird von ein paar hundert Spiegeln gebündelt und auf den oberen Teil eines Turms konzentriert (siehe Bild 1), in dem ein steter Wasserfluss bis zur Verdampfung erhitzt wird. Danach geht es klassisch weiter mit Turbinen und schliesslich Strom für die Einwohner von Sanlucar. Bei meinen Radtouren hier in der Umgebung kann ich das strahlende Licht der beiden Türme immer zur Orientierung benutzen. Bei Gelegenheit werde ich mal zu den beiden Türmen fahren, selber ein paar Fotos machen und, wenn sich etwa an einem Tag der offenen Tür die Gelegenheit bietet, mit den dortigen Ingenieuren sprechen. Positiv an der Konstruktion in Sanlucar ist, dass im Prinzip das gesamte einfallende Sonnenlichtspektrum genutzt wird. Negativ, und zwar so negativ, dass meines Wissens nach die Anlage nicht wirklich oekonomisch funktioniert, sind die permanenten mechanischen Probleme. Hört sich einfach an, wurde aber anscheinend bisher nicht zufriedenstellend gelöst. Sanlucar blieb selbst hier in Andalusien bislang eine Versuchsanlage.
(2) Die andere Möglichkeit, Energie aus der einfallenden Sonnenstrahlung zu produzieren, ist natürlich die Photovoltaik. Die Effizienz liegt bei kommerziell üblichen Modellen um die 25%, vor allem deshalb, weil nur ein beschränkter Teil des Spektrums wirklich zum Herauskicken der Elektronen aus den P-N Bindungen in klassischen Halbleiterelemente genutzt wird. Mal abgesehen davon, dass sich die Produktion von etwas aus Gallium-Arsen Mischungen nicht gerade gesund anhört, gibt es ein Problem mit der Effizienz dieser PN Bindungen, deren theoretisches oberes Limit bei 31% liegt, dem sogenannten Shockley-Queisser Limit. Das Grundproblem besteht darin, dass der stromerzeugende Halbleiter eben gleichzeitig der Absorber ist. Als Absorber nimmt er das gesamte solare Spektrum auf, als Halbleiter kann er aber nur einen Teil des Spektrums benutzen.

Bild 1: Sonnenkraftwerk in Sanlucar La Mayor, 30 km von Sevilla entfernt.
Autor: Georg Hoffmann· 15.01.12 · 16:51 Uhr· 232 Kommentare
10. Januar 2012
Der neueste globale Gletscherreport des WGMS ist raus
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 150
Mittlerweile gibt es ja 4 globale Temperaturdatensätze (HadCRU, GISS, NOAA, und seit neuestem auch BEST), die auf meteorologischen Temperaturdatensätzen beruhen, und zwei (RSS, UAH), die auf Satelitenmessungen im Mikrowellenbereich beruhen. Die globalen Trends dieser Datensätze ähneln sich sehr (über die letzten 40 Jahre eine Erwärmung von ca 0.15°C/Dekade). Korrigiert man diese Datensätze um ihren Anteil natürlicher Variablität (ENSO, Vulkane, Sonne), auf den jeder Datensatz ein wenig anders reagiert (die Satellitendatensätze etwa reagieren stärker auf ENSO, da die untere Atmosphäre, die sie eigentlich messen, sich schneller und weitflächiger bei ENSO Ereignissen erwärmt oder abkühlt.), so ist der verbleibende und somit bereinigte Erwärmungstrend der letzten 40 Jahre aller Datensätze praktisch identisch.

Bild 1: Die WGMS Gletscher. 114 regelmäszig beobachtete Gletscher und 22 davon Langzeit-Rekords.
Autor: Georg Hoffmann· 10.01.12 · 22:39 Uhr· 150 Kommentare
03. Januar 2012
Mein Chef in der FAZ
Kategorie: Kultur · Kommentare: 205
Schon im Dezember veröffentlichte die FAZ ein Interview mit meinem ehemaligen Chef, Jean Jouzel. Es ist ein sehr nettes Gespräch und Jean ist sehr gut getroffen. Seit einiger Zeit hat er auch Aufgaben in der französischen Energiekomission übernommen und ist zu seinem Bedauern zu oft mit anderen Dingen als der Analyse seiner Eiskerne beschäftigt. Jean ist der meist-zitierte Geo-Wissenschaftler Frankreichs.

Zeichnung von Jean Jouzel angefertigt von Burhard Neie erschienen in der FAZ vom 19.12.2010. Der vollständige Artikel ist hier.
Zitat Jean Jouzel zur anstehenden Errichtung neuer Erdölfelder in der Arktis:
Was nun die Nachricht von einer möglichen Ausbeutung der Ressourcen in der Arktis anbetrifft: Das macht mir als Forscher tatsächlich zu schaffen, ich bin äußerst besorgt. Es geht dabei nicht einmal vordringlich um die technischen Risiken - die sind sicher auch vorhanden. Es geht hauptsächlich um die psychologischen Folgen solcher Aktionen, also die Nachricht, dass so etwas überhaupt passieren könnte. Danach erst um die mögliche Verwirklichung eines solchen Projekts. Sehen Sie, die Arktis hat hohen Symbolwert für die Menschheit. Wir stellen uns die Frage: Dürfen wir im Rahmen der Erforschung des Planeten wirklich an jedem Ort, in jeder Region, wo das technisch möglich ist und von wirtschaftlichem Profit gekrönt werden könnte, die Ausbeutung vorhandener Bodenschätze vorantreiben?
Autor: Georg Hoffmann· 03.01.12 · 20:27 Uhr· 205 Kommentare
02. Januar 2012
Gibt es einen Einfluss des geomagnetischen Feldes auf das Klima?
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 140
Anlässlich eines jüngst erschienenen von Forster und Rahmstorf kamen wiedermal einige schon tausend Mal wiederlegte Argumente zum Thema "Was beeinflusst die globalen Temperaturen" nach oben geblubbert. F&R haben sich damit beschäftigt, was passiert wenn man bekannte/häufig diskutierte externe Forcingfaktoren (ENSO, Vulkanausbrüche und Variationen der Sonnenaktivität) von den existierenden Temperaturdatensätzen abzieht. Sicher ist ENSO nicht im gleichen Sinne "extern" wie es meinethlaben ein Vulkanausbruch ist. Da aber bislang ohnehin keine Änderungen von El Niño/La Niña Variationen bekannt sind, die mit dem ansteigenden Treibhauseffekt zu tun hätten und eine solche Verbindung (ENSO - globale Erwärmung) auch für die Zukunft nicht klar vorausgesagt ist, kann man ENSO jetzt mal als "extern" betrachten. Schliesslich geht es in F&R darum, das anthropogene Signal in den verschiedenen globalen Temperaturdatensätzen "gereinigt" vom störenden Rest der natürlichen Faktoren darzustellen.

Bild 1: Verformung des Erdmagnetfeldes durch den Sonnenwind und Variationen des solaren Magnetfeldes.
Autor: Georg Hoffmann· 02.01.12 · 13:40 Uhr· 140 Kommentare
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