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Georg Hoffmann hat an der Ruhr-Universität Bochum Physik studiert und anschliessend am Max-Planck Institut Hamburg mit einer Arbeit zu Tracern in globalen Zirkulationsmodellen, sogenannten "Klimamodellen", promoviert. Danach arbeitete er 15 Jahre in Paris am LSCE, Laboratoire des Sciences du Climat et de l'Environnement, zu verschiedenen Aspekten der Paleo-Klimatologie. Momentan forscht er im Rahmen eines gemeinsamen Projekt der Universität Utrecht, dem holländischen Weltraumzentrum SRON und dem holländischen Wetterdienst KNMI. Das Bild ist dem Stadionheft April 2004 des VFL Bochum entnommen und zeigt ihn mit der Vereinsfahne, die er einzig zu diesem Zweck quer durch die Antarktis geschleppt hatte. Tss. Unglaublich.

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Archiv August 2010

27. August 2010

Rekordticker - Juli 2010

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 173

Yo, was soll ich sagen. Der Juli hat global weiter eher zur Abkühlung nach dem Niño 2009/10 Peak im April/Mai beigetragen. Bei meiner Wette auf das Jahr 2010 als den neuen Temperatur-Spitzenreiter in zumindest einem der globalen Datensätze sieht es auch ziemlich unverändert aus. Im HADCRU Datensatz sieht es eher duster aus (Bild 1). Die Temperaturen in der Nordhemisphäre blieben zwar auf hohen Niveau (ich sag nur Moskau), die Südhemisphäre ist aber unter relativ starkem Einfluss der anbrechenden Post-Niño /Prä-Niña Bedingungen (Bild 3). Anyhow, kein Grund zu verzagen. Im GISS Datensatz sieht es nach wie vor nicht sooo schlecht aus. Jahresmittel 2005 0.62 - Jahresmittel 2010 (bis jetzt): 0.69 Schwelle über der der Rest des Jahres liegen muss: 0.53

Apropos Moskau und der russischen Sommertemperaturen: Die "Klimaskeptiker" à la "EIKE up with that" haben rausgefunden, dass die Rekordtemperaturen mit einer meteorologisch ungewöhnlichen Situation zusammenhängen. Da muss man erstmal drauf kommen! Trotz dieser eifrigen Bewerbung, das wird zum Klimaschmock nicht reichen.


Hier nochmal die kurze Erklärung zu den Grafiken:
Blau: Das jeweilige Rekordjahr des jeweilegen Datensatzes
Gelb: Mittel der Monate des laufenden Jahres (2010).
Rot: Wo der Rest des Jahres landen muss, um den Rekord zu brechen.

rekordJuly2010_Page_1.jpg

Bild 1: Global HadCRU

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Autor: Georg Hoffmann· 27.08.10 · 22:34 Uhr· 173 Kommentare

25. August 2010

Klimaschmock des Monats August 2010

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 250

Auch die Qualitätsmedien kümmern sich um den Klimawandel und die Klimaphysik. Und sie haben ihre besten Männer darauf angesetzt: Oliver Janich vom Focus recherchierte zum Klimawandel. Ausgiebig. Und er fand raus, dass das CO2 ja überhaupt gar nicht die Erdoberfläche erwärmen kann. Warum denn nur?, fragt der verzagte Forscher: Was habe ich nur falsch gemacht? "Weil Kohlendioxid gar keine Energie aus dem Nichts erzeugen kann", meint da frisch aufgeklärt der Janich.


hall-of-fame.jpg

Bild 1: Oliver Janich erhält mit deutlichen Abstand für seine FOCUS Kolumne: "Klimaschock 2.0" den Klimaschmock 8/2010 verliehen. Die Jury gratuliert.

Nun zwei Anmerkungen zu dieser völlig korrekten Aussage, deren Gegenteil niemals jemand behauptet hat.

1) Wenn man etwas widerlegt, sollte man dann nicht wenigstens wissen, welche Aussage man eigentlich widerlegt? Kohlendioxid erzeugt keine Energie (wie auch immer Herr Janich sich das Gegenteil vorgestellt haben mag) und trägt trotzdem zur Erwärmung der Erdoberfläche dar. So verwirrend kann Physik sein. Eine Decke, bis an die Ohren gezogen, übrigens auch nicht, und doch ....

2) Andererseits, wie kommt er denn auf sowas? Ich meine, wie hat sich der Janich denn soweit in die Physik vorwagen können, um dann eine so unsinnige Aussage zu machen? Nun, dafür zuständig waren die Crème de la Crème deutschsprachigen Klimaskeptizismus:
"der Quantenphysiker Professor Gerlich wie auch einer der weltberühmten Atmosphärenphysiker, Prof. Gerhard Kramm". Beide Referenzmänner tauchen in der einen oder anderen Form in meinem Artikel hier auf. Kaum hatte ich mir die Tränen der Heiterkeit aus den Augen gewischt, fiel mir eigentlich nur noch eins ein. "Weltberühmt", who the f... is weltberühmt? Derjenige, der mir liebenswerter Weise den Artikel zugesandt hatte, hat gleich eine kleine Literaturstudie zu den beiden Fixsternen der Klimaforschung mitgeliefert:


23 papers seit 1991 sind zusammen gerade mal 311 mal zitiert worden. Weltführend?
Gerlichs 22 Papers übrigens insgesamt nur 51 mal. Die Hälfte von Gerlichs papers sind gar nicht oder nur von ihm selbst zitiert worden.


Gerlich veröffentlichte im besten Forscheralter von 68 Jahren sein höchstwahrscheinlich meistzitiertes klimatologisches Spätwerk, welches ja dann dermaszen in Grund in Boden widerlegt wurde, dass ihm auf ewig eine treue Anhängerschaft klimaskeptischer Irrlichter folgen wird, die seine intellektuelle Selbstaufgabe kultisch verehren werden. Diese beiden also, Gerlich und Kramm, sind, nach Janich, die "weltberühmten" Abrissbirnen, die das IPCC Gebäude zum Einriss gebracht haben. Da hat einer ja wirklich gründlich recherchiert. Wenn Kramm übrigens ein "weltberühmter Atmosphärenphysiker" ist, was ist dann Hansen? Ein im ganzen Universum verehrter achtfacher Nobelpreisträger?

focus.jpg

Bild 2: Eine kleine Kolumne für einen Kolumnisten, ein groszer Preis für die Menschheit. Manchmal reichen auch wenige, gutgesetzte Zeilen, um jemanden zum Klimaschmock zu qualifizieren.

Jetzt könnte man natürlich denken: "Gott, der Janich, arbeitet im Börsenteil, woher soll der denn schon wissen, wie das mit dem CO2 und der Wärme so funktioniert und was ein "weltberühmter Atmophärenphysiker so ist". Zwei Punkte sprechen gegen diese mildernden Umstände und qualifizieren Janich definitiv zum Klimaschmock August 2010.

1) Wenn er nichts davon versteht, warum denn dann gleich ein Kolumnchen im Focus schreiben? Zwingt ihn doch keiner.

2) Meine jahrelange Erfahrung mit dem "kritischen Denken in Klimafragen" sagt mir, dass solche völligen Aussetzer selten isoliert von statten gehen. Wer meint mit Gerlich und Kramm die smoging gun in Sachen Klima gefunden zu haben, der ist auch bereit, bei anderen Themen jeden Schmarrn zu glauben. Janich ist da keine Ausnahme und ohne Probleme findet man intellektuelle Kollateralschäden, die in Janichs Fall, seine Aussetzer in Klimafragen noch weit übertreffen.

Meine in den Klimawissenschaften verdienten Millionen were ich übrigens dann doch nicht gemäsz FOCUS Börsenteil anlegen. Da kauf ich lieber BP Aktien.


Autor: Georg Hoffmann· 25.08.10 · 18:00 Uhr· 250 Kommentare

24. August 2010

An Gorta Mor - die irische Hungersnot 1845 als Beispiel einer Umweltkatastrophe

Kategorie: Themenwoche·Umwelt  ·  Kommentare: 47

Eigentlich sollte dies ein kurzer Review zu Brian Fagans Buch "The Little Ice Age" werden. Es wird aber letztlich der Versuch eines Vergleichs der momentanen Klimapolitik/problematik mit Irland in den 1840er Jahren. Das hört sich erstmal vermessen an. Ein Vergleich bedeutet aber nicht, dass zwei historische Situationen identisch, ja auch nur objektiv ähnlich sind. Es reicht sicher, wenn sich einige Elemente, die die jeweilige Situation geprägt haben, ähneln, um etwas aus dem Vergleich lernen zu können. So halte ich etwa den Vergleich vorheriger Umweltkrisen und das damalige Zwischenspiel von Wissenschaft/Experten und Politik mit der heutigen "Klimakrise" für sehr interessant. Prominente Beispiele sind etwa the very german Waldsterben in den 80ern oder die Geschichte des Ozonlochs und des anschliessenden Montreal Protocols zum weltweiten Verbot der FCKWs. Beiden Umweltkrisen haftet aber etwas Modelleisenbahn-mässig Niedliches an. Beim Klimawandel aber geht es vielleicht oder wahrscheinlich um die Wurst, sowohl was die Kosten der Mitigation angeht als auch was das Spektrum möglicher Konsequenzen angeht. Es kann daher ganz lehrreich sein, sich einmal wirkliche Katastrophen anzuschauen. The great irish famine, oder wie es auf Irisch heisst, An Gorta Mor, war eine solche Umweltkatastrophe. Zurück aber nochmal zu "Little Ice Age" und seinem Autor.

The Daily Show With Jon StewartMon - Thurs 11p / 10c
Brian Fagan
www.thedailyshow.com
Daily Show Full EpisodesPolitical HumorTea Party

Video: Brian Fagan stellte sein neuestes Buch "The Great Warming" in Dave Stewarts Daily Show vor.

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Autor: Georg Hoffmann· 24.08.10 · 16:32 Uhr· 47 Kommentare

19. August 2010

Wie geht man mit den Skeptikern um und wie wird man einer? Interviews mit Judith Curry und Gavin Schmidt

Kategorie: Politik·Umwelt  ·  Kommentare: 96

Die "Experten" in den Klimakriegen kennen die Links wahrscheinlich schon. In den jungsten Auseinandersetzungen ging es schon wieder mal um den Hockeystick (Schnzzzzzzzz!), wie man mit wissenschaftlicher Kritik umgehen soll, wie mit etwas weniger wissenschaftlicher und der Zukunft der Klimadebatten im Internet. Ich fand's ziemlich spannend und wer persönliche Attacken liebt, der kommt auch nicht zu kurz:

1) Der Anlass: Ein Review eines Buchs zum Hockeystick (ein ganzes Buch zu einem 12 Jahre alten 3 Seiten Artikel).

Es kanm zum Clash zwischen Judith und Gavin und daraufhin zu zwei, wie ich finde, recht interessanten Interviews mit den beiden.


Sumo.jpg

Science is a contact sport: Innige Diskussion zwischen Judith Curry und Gavin Schmidt.


2) Judith Curry befragt von Keith Kloor.

Mit dem Lieblingssatz:

"discrediting scientists holding other view points by dismissing them as cranks, trivializing their credentials and say that they are not qualified to hold an opinion; and attacking the motives of anyone that challenges the consensus. Sound familiar? In the case of climate change, the authoritarianism of "science tells us we should . . . " could not withstand the public perception of scientists engaging with pressure groups, lack of transparency that meant people were unable to evaluate the information themselves, and then the climategate affair that raised questions about the integrity of the scientists."

Sie verteidigt eine Dialogbereitschaft, die ich mal etwas unfair so paraphrasiere: Der Klimawandel ist erst dann anthropogen und bewiesen wenn Anthony Watts davon überzeugt ist.

3) Gavin Schmidt befragt von Keith Kloor.

Mit dem Lieblingssatz:

"Where I think we disagree is in what drives the politicisation and rancour. In my opinion it has very little to do with anything specific related to particular scientists or papers or how people treated Steve McIntyre. Instead, it is something that has happened to many fine scientists through no fault of their own, mainly because something got traction - Ben Santer, Steve Schnieder, Mike Mann, Phil Jones, have all had horrendous and untrue things said about them mainly because it was useful for some people to do that in order to discredit science and scientists. But if it hadn't been them, it would have been someone else, and next year it will be. "

und vielleicht noch:

"Basically, though it sounds paradoxical, by getting more involved with policies, the climate science community can have less to do with politics. That doesn't mean we should stop talking about CO2 - that would be irresponsible, but continuing to be clearer about the complexities can help get the conversations out of the rut."

Falls jemand in Deutsch diese Beiträge diskutieren möchte, können wir das gerne hier tun, ansonsten haben die obigen Beiträge auch Kommentaroptionen mit Antworten von Judith und Gavin.


Autor: Georg Hoffmann· 19.08.10 · 12:39 Uhr· 96 Kommentare

18. August 2010

Arktisches Meereis - eine Paleoperspektive II

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 3

Ich hatte im ersten Teil dieses Postings Meereis-Rekonstruktionen über eine Zeitskale von Jahrmillionen bis Jahrtausenden diskutiert. Auch auf der Skala der immer so umstrittenen letzten 1000 Jahre gibt es Resultat. Ich kann aber nicht sagen, dass die mich alle wirklich sooo überzeugten.

Ein Versuch besteht darin in Eiskernen, die ja eine sehr hohe zeitliche Auflösung besitzen und durchaus zur Analyse der letzten 1000 Jahre geeignet sind, chemische Spuren zu finden, die direkte Schlüsse auf die Meereisausdehnung zuliessen. Öfters wird da Meersalz erwähnt, welches man durch die Messung der entsprechenden Ionen/Kationen im Eis bestimmt. Meersalz kann zu einem Aerosol werden, nämlich an der Meeresoberfläche, wo Gischt entsprechende Mikropartikel in die Luft einträgt. Die Idee ist dann, dass bei grösserer Meereis-Ausdehnung die verschiedenen Regionen, in denen Eiskerne gezogen wurden, eben entsprechend weiter von den potentiellen Quellgebieten des NaCl entfernt waren. Manchmal scheint diese Idee ganz gut zu passen (Baffin Bay) und manchmal nicht. Grönländische Eiskerne zeigen etwa ein jahreszeitliches Ionen/Anionen Maximum im Winter, also dann wenn die Meereisausdehnung am grössten ist. Offensichtlich ist dort das Meersalz eher ein Proxy für die allgemeine Sturmaktivität im Nordatlantik als ein Proxy für den Abstand zwischen Bohrstelle und Quellgegend.

seaicemillenium.jpg

Bild 1: Vergleich einer Multiproxy Rekonstruktion der Meereis-Ausdehnung (extent) in der GIN sea zwischen 1200-1997 und der direkt beobachteten (Schiffe, Satelliten) Maximalausdehnung nach Kinnard et al. Siehe Macias-Fauria et al 2009.


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Autor: Georg Hoffmann· 18.08.10 · 17:25 Uhr· 3 Kommentare

17. August 2010

Arktisches Meereis - eine Paleoperspektive I

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 8

Arktisches Meereis ist ja immer ein beliebtes Thema und ich habe mal ein zweiteiliges Blog Post zu den verschiedenen Versuchen geschrieben, dieses Meereis jenseits der heutigen Satelitenära abzuschätzen. Los geht's.

Ein kleiner Update dessen, was eigentlich ohne Diskussion feststeht. Das Sommer-Meereis geht seit einigen Jahren deutlich zurück und hatte einen All-Time Rekord im September 2007 hingelegt. Das Wintermeereis geht vergleichsweise langsamer zurück (siehe Bild 1) und dieser jahreszeitliche Unterschied führt logischerweise dazu, dass man in den Meereisanomalien nun seit einigen Jahren deulich einen Jahresgang erkennen kann (siehe Bild 2). Im Detail hatte ich das einmal hier erklärt. Dieser jahreszeitliche Unterschied führt übrigens auch dazu, dass die Sommertemperaturen in der Arktis kaum steigen und die Wintertemperaturen eben deutlich steigen: Entweder (Sommer) wird zusätzliche Wärme eben zum Schmelzen des Eises (latente Wärme) genutzt oder eben (Winter) dazu, die Atmosphäre zu erwärmen (da man viel zu weit von den Schmelztemperaturen entfernt ist).

SEASSEAICE.jpg

Bild 1: Arktisches Meereis in den verschiedenen Jahreszeiten während der letzten 100 Jahre. Satellitendaten + Schiffs/flugzeugbeobachtungen. Siehe Broennimann et al. 2008.

Auch in diesem Jahr (siehe Bild 2) sieht es nicht so aus, als ob der Meereis-Schwund sich durch ein Wunder in Nichts auflösen würde. Tatsächlich sieht die aktuelle Entwicklung relativ dramatisch aus (über 1 Mill. Km2 sind in etwas mehr als 2 Wochen im Juni "zusätzlich", d.h. im Sinne eine klimatologischen Anomalie, verschwunden), ist es aber nicht. So einen Absturz hat es auch schon mal zuvor gegeben (z.B. hier 1996-1997). In diesem Jahr war insbesondere die Hudson Bay sehr früh eisfrei, was beim diesjährigen Winter (Link) mit Temperaturanomalien bis zu +4°C im entsprechenden Teil Kanadas/Hudson Bay auch nicht wirklich erstaunlich ist.

CryosSatRecSseaice.jpg

Bild 2 : Arktische Meereisanomalie abgeleitet von Satelliten-Daten (Cryosphere). Der durchgezogene Strich entspricht dem 1979-2000 Mittelwert.

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Autor: Georg Hoffmann· 17.08.10 · 15:30 Uhr· 8 Kommentare

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