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Georg Hoffmann hat an der Ruhr-Universität Bochum Physik studiert und anschliessend am Max-Planck Institut Hamburg mit einer Arbeit zu Tracern in globalen Zirkulationsmodellen, sogenannten "Klimamodellen", promoviert. Danach arbeitete er 15 Jahre in Paris am LSCE, Laboratoire des Sciences du Climat et de l'Environnement, zu verschiedenen Aspekten der Paleo-Klimatologie. Momentan forscht er im Rahmen eines gemeinsamen Projekt der Universität Utrecht, dem holländischen Weltraumzentrum SRON und dem holländischen Wetterdienst KNMI. Das Bild ist dem Stadionheft April 2004 des VFL Bochum entnommen und zeigt ihn mit der Vereinsfahne, die er einzig zu diesem Zweck quer durch die Antarktis geschleppt hatte. Tss. Unglaublich.
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25.09.09 · 00:21 Uhr
Wenn sie doch nur mal sitzen bleiben würden - Eindrücke von einer Klimakonferenz in Lima
Kategorie: Politik · Kommentare: 4
Ich bin gerade in Lima bei einer Konferenz zum Thema: Klimawandel und die Anden. Eingeladen hatte die Communidad Andina, eine Art Mini-Mini Uno für die Anden Länder (Equador, Peru, Bolivien). Hauptaufgabe ist wohl, das Geld der Weltbank in der Region zu koordinieren.
Ich hatte bereits meine 15 Minuten Ruhm und Aufmerksamkeit und langweile mich gerade. So gibt's jetzt ein paar online Berichte. Wifi Verschlüsselung gibt's schonmal nicht in Peru, absolut alle Netze sind offen wie das Wattenmeer. Sehr gut. Ich finde diese ganze Sicherheitsbesessenheit sowieso nervend. Von Peru lernen, heisst siegen lernen.

Bild 1: In Peru weiss man zu schmausen. Das ist keine Ratte, sondern ein Meerschweinchen. Cross und lecker.
Auftritt der Direktor des CAN. Er begrüsst alle überschwenglich ungefähr 10 Minuten lang. Dann hat er sein Coming Out als Dichter. Er spricht von einem Kolibri, der irgendwie immer hin und her fliegt und mit einem Tröpfchen Wasser im Schnäbelchen einen Waldbrand löschen wollte. Ausserdem, dass die Menschheit die Erde schlecht behandele. Erde, Mutter Erde, Mama...es folgt eine Liste von mindestens 10 weiteren Ausdrücken für Mutter Erde, die ich nicht mehr verstanden habe. Einige waren wohl in Quetchua. Ich war aber kurz davor mich umzubringen.
Danach die französische Botschafterin, die seeehr französisch herüberkam und die auch nochmal unterstrichen hat, wie wichtig der Klimawandel sei, für Sie, für M le President, der letzte Woche die Taxe Carbon ausgerufen hat, für die Anden, für ALLE. Alle sind völlig bezirzt, Hoffnung bleibt aber nur wenig.
Danach die stellvertretende Umweltministerin Perus, die geschätzte 23 Jahre alt ist. Während alle darüber nachdenken, wie sie in so jungen Jahren zu dem Job gekommen ist, ist auch schon alles vorbei. Sie macht es kurz und knackig. Alle drei Politiker erheben sich, danken sich und schütteln sich die Hände. Der Applaus verrauscht nur langsam. Abschluss der Eröffnungsveranstaltung. Die kleine Pause, bevor die wissenschaftlichen Vorträge beginnen, wird von den drei Politikern umgehend genutzt, fluchtartig den Raum zu verlassen. Sie sind zutiefst überzeugt, dass die Menschheit mit dem Rücken zur Wand steht, die Wissenschaft, die das angeblich zeigen soll, interessiert nicht mehr. Sie sind wohl schon einen Schritt weiter.

Bild 2: Nicolas Sarkozy erklärt die Grundlagen der Atmosphaerenphysik. And so it goes: Die Kohlenemissionen produzieren das Ozonloch.
Vielleicht aber sollten sie doch ab und an noch bleiben. Dann blieben den Politikern doch einige Desaster erspart. In einem grossen Fernsehinterview, das vorgestern vom ersten und zweiten französischen Kanal ausgestrahlt wurde, sagte Nicolas Sarkozy das folgende:
"Wissenschaftler aus der ganzen Welt haben sich Monate und Monate zusammengesetzt und sind zu folgender Schlussfolgerung gekommen: Die Welt geht auf den Abgrund zu, wenn wir weiter ungebremst Kohlenstoff ausstossen, welcher das Ozonloch verursacht und welcher das Gleichgewicht dieser Welt zerstört."
Ich will nicht zu hart sein. Wie oft müsste mir wohl einer die Konsequenzen des Spitzensteuersatzes erklären, bevor ich diese auch nur wiederholen könnte. Sarkozy ist der erste frz. Präsident, der das Thema Klimwandel wirklich einen fast zentralen Platz in seiner Politik einräumt. Trotzdem, trotzdem, manchmal wünschte man sich, sie würden ab und an mal sitzen bleiben und ein bisschen zuhören.
PS. Heute das erste Mal einen Vortrag in Spanisch gegeben. Mir ist noch ganz schlecht, so aufgeregt war ich. Ausserdem hatte ich mit 30 abgehalfterten Wissenschaftlern gerechnet, wie immer halt. Stattdessen waren fast 300 Leute da, mit Fernsehteam und allem. Aber egal, irgenwann gehen jede 45 Minuten vorbei und das wichtigste ist sowieso, ein/zwei gute Gags in einen Vortrag einzubauen. Das gibt allen das Gefuehl, dass es irgendwie ein netter Vortrag war.
Autor: Georg Hoffmann· 4 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (4)
Webbaer·
25.09.09 · 11:51 Uhr
War nicht einmal FCKW als Verursacher ausgemacht, jetzt ist es gleich der Kohlenstoff, wow. Hach, ich liebe den Alarmismus!Das Meerschweinchen (oder, mal ganz ehrlich, wars ne Ratte?) sieht in der Tat nicht unlecker aus. Wäre genau das richtige als Hähnchenersatz; die kann man nicht zu oft essen, dann schmecken die nicht mehr.
Beste Grüße!
WB
Äh, webbär, hab ich jetzt den Ironiemodus in Deinem Beitrag übersehen?
Auf die Gefahr hin, mich jetzt unsterblich zu blamieren: das war doch grad der Gag!
Wobei man heute glaubich davon ausgeht, dass die erhöhten CO2-Emissionen tatsächlich die Erholung der Ozonschicht verzögern.
Eine so fette Ratte vermute ich in Peru eher nicht. Meersäue sind dort eine traditionelle Speise. Sind auch einfach leichter zu fangen als Ratten...
BS
@Breitseite
Alles, alles richtig. (der eigentliche Gag, die Meersau etc).
Ob Sarkozy aber auf diesen dritten Effekt bei der Ozonchemie aus war, ... Moeglich ist es natürlich.
@BreitSide:
Die Ironie wurde in diesem Punkt bemerkt, aberrr der Gag mit der Ratte (Bildunterschrift) wurde idT überlesen und dann als Eigengag noch einmal eingebracht. :--)