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Georg Hoffmann hat an der Ruhr-Universität Bochum Physik studiert und anschliessend am Max-Planck Institut Hamburg mit einer Arbeit zu Tracern in globalen Zirkulationsmodellen, sogenannten "Klimamodellen", promoviert. Danach arbeitete er 15 Jahre in Paris am LSCE, Laboratoire des Sciences du Climat et de l'Environnement, zu verschiedenen Aspekten der Paleo-Klimatologie. Momentan forscht er im Rahmen eines gemeinsamen Projekt der Universität Utrecht, dem holländischen Weltraumzentrum SRON und dem holländischen Wetterdienst KNMI. Das Bild ist dem Stadionheft April 2004 des VFL Bochum entnommen und zeigt ihn mit der Vereinsfahne, die er einzig zu diesem Zweck quer durch die Antarktis geschleppt hatte. Tss. Unglaublich.
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18.07.09 · 15:15 Uhr
Wird das Jahr 2009 das wärmste seit Beginn der Temperaturaufzeichungen?
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 16
Ich denke eher nicht, aber es könnte relativ knapp werden. Das ist meine Kurzantwort auf die Titelfrage.
Seit dem Jahr 2000 und insbesondere dem Super El Niño 1998 sind die kontinentalen Temperaturen, insbesondere der Nordhemisphäre, auf einem sehr hohen Niveau geblieben und steigen weiter an. Der globale Temperaturanstieg aber blieb moderat (GISS) oder fast Null (HadCRU). Die bekannten leichten Unterschiede in der Berechnung der globalen Mitteltemperatur zwischen GISS und HadCRU führte dazu, dass etwa Phil Jones und das HadCRU nachwievor 1998 als wärmstes Jahr führen, während das GISS das global wärmste Jahr 2005 sieht. Was jeweils für den nächsten globalen Rekordbrecher fehlte, waren im wesentlichen hohe Temperaturen in den Tropen.
Seit mittlerweile einigen Wochen stehen fast alle Modelle und nun auch alle beobachteten Indikatoren auf "El Niño". Diese gröszte natürliche Klimaschwankung variiert zwischen Warmbedingungen (Niño) und Kaltbedingungen (Niña) auf einer typischen Zeitskala von 3-5 Jahren. Bild 1 zeigt die aktuellen Temperaturbedingungen im tropischen Pazifik, die recht eng an den Äquator angeschmiegten Temperaturanomalien gehen momentan bis etwas über +1°C.

Bild 1: Temperaturanomalien im tropischen Pazifik zu Beginn des Monats Juli.
Um die Stärke und den Verlauf eines El Niño's zu bemessen, wurden verschiedenen Regionen längs des Äquators abgesteckt, die so schöne Namen tragen wie Niño3,Niño3.4, Niño 1+2 etc.. Alle diese Temperaturindices stehen momentan auf Niño (siehe Bild 2).

Bild 2: Niño Indices im Laufe der letzten Monate
Für den weiteren Verlauf des El Niño Ereignisses wird es wichtig sein, wieviel warmes Wasser unter der Oberfläche in der so genannten Thermokline darauf wartet, an der Oberfläche aufzutauchen. Während eines Niño Events schwächen sich die Passatwinde deutlich ab, was zu einem Absinken der ozeanischen Sprungschicht im Ostpazifik führt und relativ warmes Wasser aus dem Westen im Ostpazifik an die Oberfläche bringt. Offensichtlich ist der Ostpazifik bereits auf dem Niveau der Thermokline anomal warm (Bild 3), was eine kontinuierliche Fortsetzung der Niño-Bedingungen zumindest für die nächsten Monate garantiert.

Bild 3: Temperaturanomalien im Profil über dem tropischen Pazifik.
Praktisch alle mittelfristigen Vorhersagen deuten auf ein Fortsezung und vollen Entwicklung eines moderaten bis normalen Niños, einige sogar auf einen starken, d.h. mit Temperaturanomalien mit > +1.5°C für die Niño 3.4 Region.

Bild 4: Vorraussagen verschiedener Modelle für den Niño3.4 Index.
Was bedeutet das alles für die globalen Temperaturen? Ich beziehe mich jetzt mal immer auf die GISS Temperaturen. Das Jahr 2009 liegt bislang bei einer Temperaturanomalie von +0.515°C (also Jan-Jun 09). Der Rekordhalter 2005 war nicht wirklich ein Niño Jahr und liegt im Jahresmittel bei +0.628°C. Bis zur Jahresmitte, also Juni 2005, lagen wir bei 0.615°C, das heisst +0.1°C über 2009. Um noch in diesem Jahr einen neuen Rekordhalter zu bekommen, müsste man die restlichen 6 Monate des Jahres 2005, die bei +0.64°C (also Jul-Dec 05) lagen, um mindestens +0.1°C übertreffen. Ein Sechs-Monatsmittel von +0.74°C ist zwar nicht unmöglich (der Monat Juni etwa liegt bei +0.63°C), aber alles in allem doch eher unwahrscheinlich. Sollte eine "normaler" Niño sich konstant durch den Winter 09/10 ziehen und der nächste Sonnenzyklus anziehen (immer für etwa ±0.1°C gut), dann ist eher das Jahr 2010 ein guter Kandidat für den nächsten Rekordbrecher.
Auf Realclimate, bei Tamino und James Annan gab es Diskussionen, ob man denn nun für die letzten Jahre eine Extra-Erklärung brauche um die relative Stagnation der Temperaturen seit ca. einer Dekade zu erklären. Kyle Swanson meint z.B., dass es seine Art Synchronisierung verschiedener Atmosphärisch-Ozeanischer Oszillationen gäbe (El Niño ist nur eine von mehreren, siehe etwa hier und hier meine Anmerkungen zur PDO), die die forcierte Klimaentwicklung, also den durch etwa den Treibhausgasanstieg verursachten Anteil des Klimas, mal über Dekaden schneller und mal langsamer ablaufen lasse. Wie die meisten Kommentatoren (Tamino, Annan) sehe ich nicht wirklich einen Erklärungsbedarf für die aktuelle Temperaturentwicklung. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass der sich entwickelnde Niño 09/10 zumindest mal diese Diskussion zum Ende bringen wird.
Autor: Georg Hoffmann· 16 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (16)
@GHoffmann
Auf was denn sonst ?
Sonst gäb es ja nichts zu berichetn..... ;.)
Schon gelesen ?
http://www.sciencedaily.com/releases/2009/07/090716113358.htm
@Gans
Welche der hier gemachten Aussagen hingen denn deiner Meinung nach davon ab, dass ich die GISS Temperaturen genommen habe? Respektive, soll ich mal die HadCRU Temperaturen nehmen (wenn sie denn erstmal fuer Juni raus sind), um die gleiche Rechnung zu machen?
Meehl et al waere natuerlich super, wenn das so stimmt. Bisher ist ja das eigentliche Problem mit dem Sonneneinfluss gewesen, dass man nichtmals diese 0.1°C globale Temperatur-Variationen (http://www.scienceblogs.de/primaklima/2009/01/die-sonne-und-wie-sie-das-klima-kontrolliert.php) mit den Modellen verstehen konnte. Bei sagen wir 2W/M2 Schwankungen der Solarkonstante kommen ja nur ca 0.3W/m2 an radiativem Forcing an der Troposphaerengrenze an. Damit konnte man nichtmals die ±0.1°C erklaeren und es ware natuerich toll, wenn das endlich verstanden waere. (mal abgesehen davon, dass sogar ich selber Daten habe, die mit dem tropischen Wasserzyklus zu tun haben und einen starken 11 Jahreszyklus haben und die ich mir nicht habe erklaeren koennen (weshalb sie immer noch nicht veroeffentlicht sind)).
Sobald das Paper online ist, werde ich es lesen und nicht nur die Zusammenfassung. Super.
@GHOffmann
Es ist immer wieder erfreulich festzustellen, wie "settled science" tatsächlich ist, wenn es um's Klima geht.
Den Sattel, den man dazu bräuchte gibt es nämlich noch nicht
http://www.scienceblogs.de/primaklima/2009/02/science-is-settled.php#comment23657
@Gans
Zu GISS/HadCRU nichts.
Das Paper natuerlich nicht gelesen (wo kaemen wir denn da hin).
Und schliesslich:
Was hat dir denn den Eindruck gegeben, dass die Mechanismen, die zur ±0.1°C Variation mit dem 11 Jahreszyklus anlassgeben "settled" sein? Sicher nichts, was ich geschrieben habe.
Ach Gans, du bleibst dir treu. Nichts hoeren und sehen wollen, aber reden.
@ Georg Hoffmann
Auch ich halte es für wahrscheinlich, dass es im Rahmen von El Nino in den nächsten 1-3 Jahren wieder ein globales Rekordwärmejahr geben wird, welches 1998 bzw. 2005 übertrifft. Damit wäre zwar die Diskussion um eine angebliche Temperaturwende vom Tisch, aber nicht die Diskussion als solche. Dann liegt der Temperaturanstieg vermutlich an der Wolkenbilldung oder der Sonnenaktivität... Aber wenigstens wäre dann vorerst die angebliche Temperaturabkühlung aus der Diskussion, aber das auch nur so lange, bis es wieder ein Jahr gibt, welches etwas kühler als das Vorjahr war -dann nämlich wäre die nächste Abkühlungsphase geboren...-.
So ist er gestrickt, "unser" Thorsten, ist zwar nur "El Niño", aber Hauptsache eins auswischen, ist so klar wie Klosbrühe. Es gibt für ihn kein anderes Ziel.
@ Thorsten,
was ist das für eine komische Logik? Willst Du damit sagen, die wissenschaftliche Diskussion würde von der augenblicklichen Klimasituation abhängen? -> das wäre ein vollkommen verdrehtes Wissenschaftsverständnis.
@ Thorsten
Was vestehen Sie unter "im Rahmen"? Sprechen Sie hier von einer öffentlichen Veranstaltung?@GHoffmann
Auf vielen Websites sieht man die Zusammenfassung von Meehls neuste Ergebnisse zum Sonnenzyklus.
Eine ausführliche und kritische Auseinandersetzung habe ich bis jetzt nicht gefunden. Vielleicht finde ich es demnächst bei primaklima?
Würde mich freuen.
@Martin
Sehr guter Vorschlag. Kommt ganz oben auf die Liste.
Hier schonmal der Link aufs Original. http://ams.allenpress.com/perlserv/?request=get-abstract&doi=10.1175%2F2009JCLI2619.1
Ein wirklich exzellentes Beispiel dafuer, wenn Skeptiker einen Abstrakt lesen und dann das gefuehlte Verstaendnis der berichteten Forschung in ihr winziges Weltbild pressen. Herr Gans hier hat dafuer schon ein Beispiel gegeben.
@GHoffmann
Ich finde inzwischen etliche Kommentare (auf deutsch und englisch) sinngemäß: "Es ist doch die Sonne!". D.h. hier gibt es endlich mal einen Beitrag in einer angesehenen wissenschaftlichen Zeitschrift, der zeigt, dass die Schwankungen der Sonneneinstrahlung verantwortlich für die Klimaerwärmung sind und nicht der erhöhter CO2 Anteil der Atmosphäre.
Bis jetzt war ich immer der Meinung, dass der Einfluss des CO2 Anstiegs auf die globale Erwärmung deutlich größer ist als die Schwankungen der Sonneneinstrahlung (zumindestens auf die letzten Jahrhunderte bezogen).
In wieweit ändert sich Deine Einschätzung hierzu durch Meehls Veröffentlichung?
@Martin
welches Meehl-Papier soll denn das behaupten, was du sagst? Ich habe keines gefunden. Zeig mal das Papier und die Stelle im Papier, wo das so steht.
Ich habe ein neues gefunden: Amplifying the Pacific Climate System Response to a Small 11-Year Solar Cycle Forcing
Das endet mit:
This response also cannot be used to explain recent global warming because the 11-year solar cycle has not shown a measurable trend over the past 30 years
Eindeutige Antwort oder?
welches meinst du denn? Oder hast du das Papier nur mit Hilfe des Watts-Filters gelesen?
@just me
Kleine Schwankung der Sonnenaktivität, große Wirkung im Klima
Dipl.Met. Franz Ossing, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ
@Just me
A. The subject of sunspots' influence on our weather has been both touted and ridiculed for centuries and is still a hotly debated topic. In late 1979 and early 1980, the Nimbus 7 and Solar Maximum Mission satellites, respectively, began measuring the daily mean solar irradiance and showed that the solar constant is not a constant but does vary with activity on the Sun, of which sunspots are one manifestation. So, yes, solar activity includes sunspots.
Q. What, then, do you take into consideration besides sunspots?
A. The visible, ultraviolet, X-ray, and radio wavelength emissions from the Sun, for instance. I also consider the geomagnetic activity, the solar wind, and, yes, the high-speed streams that appear to be associated with coronal holes and open magnetic field lines in conjunction with the eruption of solar flares.
The Influence of Solar Activity on the Weather
Ich weiß, Klima ungleich Wetter, aber 30 Jahre Wetter = Klima.
Und ja, ich weiß, Almanach, nur auf meiner Suche nach Richard Head ich auf diese Aussagen gestoßen.
Interessant ist Dr. Head im Zusammenhang mit dem dezeitigen Sonnenminimum.
Head hat Ende der 60iger zur Sonnenaktivität einiges veröffentlicht und sich wohl mit Erfolg auf Flare-Vorhersagen eingelassen.
Einen Link dazu gibt es im nächsten Kommentar, damit das hier nicht im Spam-Filter landet.
Im vorherigen Post ist der Quote nach dem Link zu Ende
So, hier der angesagte Link:
Wieviel Schicksal bestimmen die Planeten ? - DIE ZEIT, Ausgabe 23, 1967 -© DIE ZEIT, 09.06.1967 Nr. 23
@just me
Ich meinte nicht, dass Meehl so etwas gesagt hat, sondern, dass seine Veröffentlichung so kommentiert worden ist.
Karel Vogel hat einige weitere Kommentare, die in die gleiche Richtung gehen gefunden.
@Karel Vorgel
Danke für die Beispiele.
@GHoffmann
Ich selbst bin übrigens immer noch nicht der Meinung, dass wir die Klimaerwärmung komplett dem Sonnenzyklus zuschreiben können. Ich würde aber gerne besser verstehen, ober wir jetzt der Sonne einen größeren Einfluss zumessen müssen.
Ein verständliche Aufbereitung von einem Profi wäre sehr hilfreich.