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Georg Hoffmann hat an der Ruhr-Universität Bochum Physik studiert und anschliessend am Max-Planck Institut Hamburg mit einer Arbeit zu Tracern in globalen Zirkulationsmodellen, sogenannten "Klimamodellen", promoviert. Danach arbeitete er 15 Jahre in Paris am LSCE, Laboratoire des Sciences du Climat et de l'Environnement, zu verschiedenen Aspekten der Paleo-Klimatologie. Momentan forscht er im Rahmen eines gemeinsamen Projekt der Universität Utrecht, dem holländischen Weltraumzentrum SRON und dem holländischen Wetterdienst KNMI. Das Bild ist dem Stadionheft April 2004 des VFL Bochum entnommen und zeigt ihn mit der Vereinsfahne, die er einzig zu diesem Zweck quer durch die Antarktis geschleppt hatte. Tss. Unglaublich.

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Archiv Dezember 2008

22. Dezember 2008

Jim Hansen spricht auf der AGU von einem "Runaway Greenhouse Effect"

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 222

Jim Hansen ist Direktor des Goddard Institute for Space Studies, GISS, New York. Er hielt dieses Jahr auf der weltweit grössten Tagung (dieses Jahr 16.000 Teilnehmer) der Geowissenschaften, der AGU in San Francisco, die Bjerknes Lecture. Sein Vortrag findet sich hier.


HansenVenus.jpg

Grafik 1: Jim Hansen erklärt in der 2008 AGU Bjerknes Lecture einen venusartigen "Runaway Greenhouse Effect" für möglich.


Zu meiner grossen Überraschung spricht er in diesem Vortrag davon, dass die Erde bei fortgesetzter Verbrennung fossiler Brennstoffe in einen "Runaway Greenhouse Effect" geraten könnte, wie er etwas das Klima auf der Venus bestimmt. Die Behauptung Hansens ist anscheinend, dass die verschiedenen Feedbacks sich so weit aufschaukeln können, dass erst bei Grössenordnungen höheren Temperaturen wieder ein Strahlungsgleichgewicht erreicht wird.
Hauptargument dagegen scheint zu sein, dass in früheren geologisch Zeiten (etwa zu Beginn der Trias) deutlich höhere CO2 Konzentrationen vorgelegen haben und es offensichtlich nicht zur Venus auf Erden geführt hat. Hansen meint dazu, dass erstens damals die Sonne schwächer gestrahlt hat (das sog. Early Sun Paradox) und dass zweitens zu diesen Zeiten die Erhöhung der CO2 Konzentrationen viel langsamer vorgegangen se,i als sie es heute tut. Daher habe das Erdsystem heute keine Zeit durch bekannte negative Feedbacks (insbesondere: verstärkter Niederschlag führt in einem wärmeren Klima zur verstärkter chemischer Verwitterung von Gesteinen und somit wieder zu einer Verringerung des atmosphärischen CO2) auf diese Erhöhung zu reagieren. Hansen gibt in diesem Vortrag keine Hinweise, wie er sich diese Vervenussung der Erde vorstellt und so habe ich leider auch keine wissenschaftlichen Details zu diskutieren. Die Sicherheit, mit der er diese Resultate vorstellt (siehe Grafik), überrascht mich aber doch sehr.


Autor: Georg Hoffmann· 22.12.08 · 11:55 Uhr· 222 Kommentare

21. Dezember 2008

Perimeter Institute's Public Lectures

Kategorie: Naturwissenschaften

Wer über die Feiertage Zeit hat, zu Verstand zu kommen, kann ja hier mal einen Blick reinwerfen. Ein ganz beachtliches Archiv von Videoaufzeichnugen exzellenter Vorträge hat das Perimeter Institute for Theoretical Physics mittlerweile gesammelt, alles was man wissen will zu den grossen letzten Fragen der Physik. Unter anderem aber auch etwas aus den Geowissenschaften. David Archer berichtet in seinem Seminar über die Geschichte des CO2 auf geologischen Zeitskalen.


Autor: Georg Hoffmann· 21.12.08 · 15:54 Uhr· 0 Kommentare

18. Dezember 2008

Die FAZ setzt aufs falsche Pferd

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 12

Bei der FAZ (hier und hier) wurden ebenfalls genau wie bei Realclimate und vielen anderen die offizielle Mitteltemperatur 2008 besprochen. Das kann man tatsächlich schon vor Ende des kalendarischen Jahres, da das meteorologische Jahr eben schon im November endet und im Dezember beginnt, um laufende Jahreszeiten nicht zu zerschneiden. Der Wissenschaftsjournalist Joachim Müller-Jung erklärt in seinem Artikel ganz richtig die Rolle der Klimavariabilität bei solchen Einjahres-Daten, etwa La Niña in diesem Jahr 2008. Dann allerdings kommt bereits der erste Schnitzer, wie Nils Simon hier ganz richtig gesehen hat. Müller-Jung behauptet, dass die globalen Temperaturen nicht mehr den langzeitlichen dekadischen Trends des IPCCs folgen. Wie Nils zeigt muss man schon den LANGZEITLICHEN Trend raussuchen und nicht irgendein Interval, das man gerade für bedeutsam hält. Hier hatte ich bereits gezeigt, wie es um die dekadischen Trends steht und warum die letzten 10-Jahre mit Sicherheit nicht im Konflikt mit den Modellen stehen.
Doch dann kommt Müller-Jung auf die Klimawette der Realclimate Autoren und Stefan Rahmstorf im speziellen zu sprechen. Im Zusammenhang mit einer Nature Veröffentlichung der Kielergruppe von Mojib Latif, die ich bereits hier besprochen habe, bot Stefan Rahmstorf eine Wette an, um spielerisch darauf aufmerksam zu machen, dass die in diesem Nature Paper prognostizierte Abkühlung über die nächsten Jahre nicht einstimmig als eine felsenfestes Resultat von der Klima-Community gesehen wird. Hier wörtlich was Stefan Rahmstorf als Wette vorschlägt:


Sollte die Durchschnittstemperatur in den Jahren 2000 bis 2010 (Keenlysides et al. erste Voraussage) tatsächlich niedriger oder gleich der Durchschnittstemperatur in den Jahren von 1994 bis 2004 (*) sein, zahlen wir ihnen 2500 Euro. Ist sie höher, zahlen sie uns 2500 Euro. Wer diesen Teil der Wette gewinnt, wird sich Ende 2010 erweisen.

Die Definition eines Jahres ist wieder die des meteorologischen Jahres ab Dezember des Vorjahrs wie oben erklärt.
Was meint nun die FAZ und Müller-Jung dazu:

Rahmstorf sagt dazu erstmal besser nichts. Aus gutem Grund: 2010 nämlich könnte er, wenn bis dahin die „statistische" Temperaturstagnation anhält, seine in der „KlimaLounge" annoncierte Klimawette gegen die Kieler Kollegen verlieren. Es geht um 2500 Euro und weitere 2500 Euro für eine Vorhersage bis 2015. Entschieden ist da noch gar nichts. Aber die Luft wird erkennbar dünner, oder?


lostbet1.jpg

Grafik 1: GISS globale Temperaturen und Rahmstorfs Klimawette Mitteltemperaturen. Wird die Luft dünn?

Tja, ist die Luft wirklich dünner geworden? Schaun mer mal.
Hier die GISS Temperaturen mit 2008 einschliesslich. Die entsprechenden Wettmittelwerte 1994-2004 und 2000-2008 (fehlen also noch 2 Jahre) sind mit eingezeichnet. Sieht es jetzt mit dem Jahr 2008 wirklich düster aus für Stefan Rahmstorf, sind die 2500 Mäuse weg und gibt es nur noch Erbsensuppe? Ich glaube es gibt mit ziemlicher Sicherheit auch die nächsten Zeit Fleischeinlage (zut, CO2 Quelle) im Hause Rahmstorf. In Grafik 2 habe ich mal für die nächsten 2 Jahre den nötigen Mittelwert (ein Jahr kann natürlich warmer und das andere entsprechend kälter ausfallen) eingezeichnet, damit er die Wette verliert.


lostbet2.jpg

Grafik 1: GISS globale Temperaturen und die Temperaturen der nächsten beiden Jahre, damit Stefan Rahmstorf die Wette verliert: Very Likely?

Es wäre der grösste Temperatursprung der Geschichte der Temperaturaufzeichnungen und das für zwei aufeinanderfolgende Jahre.
Hmm, ob Herr Müller-Jung noch 'ne Wette von mir animmt?


Autor: Georg Hoffmann· 18.12.08 · 16:41 Uhr· 12 Kommentare

17. Dezember 2008

Chimborazo - ein paar Reiseimpressionen

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 4

Ich dachte mir, ein paar Impressionen, aus dem Klimaforscher-Alltag wären mal ganz nett. In den Jahren 2000/2001 konnte ich zweimal an Eisbohrungen in Südamerika teilnehmen. Meine Verbindung zu dem Thema Klimaschwankungen in Südamerika war bis dahin eher lose, aber ich hatte im selben Jahr in Zusammenarbeit mit dem französischen wissenschaftlichen Auslandsdienst , IRD, die Betreuung einer Doktorarbeit übernommen, die die Interpretation der Wasserisotopen in den Anden zum Ziel setzte. Mein damaliger Doktorand, Edson Ramirez, stammt aus La Paz, Hauptstadt von Bolivien und hatte dort bereits mit dem IRD zusammengearbeitet. Mittlerweile ist er an der Universität La Paz tätig und hat es sogar mit Familienfotos zur BBC und USA Today geschafft.

Humboldt-Bonpland_Chimborazo.jpg
Bild 1: Der Chimborazo zu Humboldts Zeiten gemalt von Georg Weitsch (1810)


Wir sahen uns ein bisschen in Konkurenz zum berühmten Lonnie Thompson, der mit tropischen Eiskernen schon vor langer Zeit begonnen und viel Furore gemacht hatte. Mit einer unglaublichen Energie und, ich glaube Lonnie wäre mit dem Ausdruck einverstanden, Starrköpfigkeit hat er in den 90ern bewiesen, dass es möglich ist Eis von den höchsten Gipfeln der Welt herunterzuholen. Ein Dutzend Science Artikel zeugen von dem wissenschaftlichen Durchbruch, den seine Arbeiten bedeuteten.

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Autor: Georg Hoffmann· 17.12.08 · 16:24 Uhr· 4 Kommentare

12. Dezember 2008

Aix und Hopp - Ein Nachtrag

Kategorie: Kultur

Mir fiel zum Thema aus dem gestrigen Post noch etwas ein. Die an sich ungeheure Vorstellung, dass einer in Aix-en-Provence wohnt, in Paris arbeitet und zur Freizeit mal in die französischen Seealpen, mal an die Cote d'Azur hüpft, erinnerte mich an ein schönes Gedicht von Kurt Tucholsky, 1927:

Das Ideal
Ja, das möchste:
Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse,
vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße;
mit schöner Aussicht, ländlich-mondän,
vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn -
aber abends zum Kino hast dus nicht weit.

Das Ganze schlicht, voller Bescheidenheit:

Neun Zimmer - nein, doch lieber zehn!
Ein Dachgarten, wo die Eichen drauf stehn,
Radio, Zentralheizung, Vakuum,
eine Dienerschaft, gut gezogen und stumm,
eine süße Frau voller Rasse und Verve -
(und eine fürs Wochenend, zur Reserve) -
eine Bibliothek und drumherum
Einsamkeit und Hummelgesumm.

Im Stall: Zwei Ponies, vier Vollbluthengste,
acht Autos, Motorrad - alles lenkste
natürlich selber - das wär ja gelacht!
Und zwischendurch gehst du auf Hochwildjagd.

Ja, und das hab ich ganz vergessen:
Prima Küche - erstes Essen -
alte Weine aus schönem Pokal -
und egalweg bleibst du dünn wie ein Aal.
Und Geld. Und an Schmuck eine richtige Portion.
Und noch ne Million und noch ne Million.
Und Reisen. Und fröhliche Lebensbuntheit.
Und famose Kinder. Und ewige Gesundheit.

Ja, das möchste!

Aber, wie das so ist hienieden:
manchmal scheints so, als sei es beschieden
nur pöapö, das irdische Glück.
Immer fehlt dir irgendein Stück.
Hast du Geld, dann hast du nicht Käten;
hast du die Frau, dann fehln dir Moneten -
hast du die Geisha, dann stört dich der Fächer:
bald fehlt uns der Wein, bald fehlt uns der Becher.

Etwas ist immer.
Tröste dich.

Jedes Glück hat einen kleinen Stich.
Wir möchten so viel: Haben. Sein. Und gelten.
Daß einer alles hat:
das ist selten.

(1927)


Autor: Georg Hoffmann· 12.12.08 · 11:36 Uhr· 0 Kommentare

11. Dezember 2008

Einmal Aix und Hopp

Kategorie: Politik·Umwelt  ·  Kommentare: 5

Nun mal was ganz anderes. Montag und Dienstag war ich für zwei Tage am CEREGE, einem der grössten französischen Institute zum Thema Paleo-Klimatologie, Geophysik und Geomorphologie, sehr schön gelegen zwischen Marseille und Aix-en-Provence. Es waren zwei wirklich erfolgreiche Arbeitstage zu unserem gemeinsamen Projekt, der Interpretation von Isotopen in der Zellulose von Baumringen. Wir hoffen so, deutlich belastbarere Paleo-proxies für die letzten 1000 Jahre entwickeln zu können, als wir sie bisher zur Verfügung haben. Aber darüber wollte ich gar nicht schreiben.


carbone_gare-tgv-arbois-vue-aerienne_jpg.jpg

Bild 1: Der TGV Bahnhof von Aix-en-Provence kurz nach seiner Fertigstellung. Mittlerweile ist so gut wie die gesamte Fläche auf dem Foto ein "wilder" Parkplatz.


Wer schon mal in Frankreich gereist ist, der kennt den TGV, Train à Grande Vitesse. Vor ca. drei Jahren wurde die Strecke Paris-Marseille, der TGV Méditerranée vollständig auf Höchstgeschwindigkeit ausgebaut, so dass die Strecke mittlerweile in 2:50h bei teilweise über 300km/h zurückgelegt werden kann. Ich finde es immer wieder überraschend, wie solche Entscheidungen eine ganze Gegend verändern können, und zwar von Grund auf.
Hier ein paar der nicht wirklich geplanten Nebenwirkungen. Fährt man nicht durch bis Marseille, kann man z.B. am neu gebauten TGV Bahnhof Aix-en-Provence aussteigen (so wie ich). Aix ist eigentlich ziemlich klein und so hatte man mit ein paar Wochenend- oder Sommerurlaubern gerechnet und einen entsprechenden Parkplatz angelegt. Pustekuchen. Mittlerweile gibt es einen Haufen Leute, die in Aix-en-Provence und Umgebung wohnen und in Paris arbeiten, praktisch 1000km entfernt. Viele haben ihre sündteuren Pariser Apartments verkauft, sich stattdessen ein winziges "Studio" in Paris für die Dienstag-Mittwoch-Donnerstag (daher der Name der sogenannten "Dimidos") Arbeitswoche zugelegt und für den Rest des Geldes eine riesige Villa mit Pool in der Provence gekauft. Erste Nebenwirkung: Was auf dem Foto als freie Fläche erscheint, ist vollgeparkt, und zwar bis praktisch auf die Autobahn herunter, die man auf dem Foto schön erkennen kann. Als mein Kollege mich abends am Bahnhof absetze, musste er heftig in die Eisen steigen. Die ersten Autos standen ohne jedes Licht am Autobahnrand geparkt. Aber nicht nur die betonierte Fläche, einfach alles alles, was mit einem normalen Auto noch erreichbar ist, ist vollgeparkt. Der ungemein schnittige, aber kleine Bahnhof vom kleinen Aix wird somit von einem "Park and Rail" Parkplatz für Pariser Geschäftsleute umlagert. Natürlich wird bereits mit neuen Parkflächen und Parkhäusern gekontert, Bauarbeiten, die diese Autobahn/Parkplatz-Umgebung schliesslich völlig ins Chaos gestürzt haben. Und so sieht man dann In der Dunkelheit Pariser Buisness Köfferchen samt Träger auf lehmigen Untergrund gleitend ihren C6 suchen.
Der zweite Nebeneffekt ist im Nachhinein auch keine Überraschung. Die ersten Parisflüchtlinge haben sich noch verlassene Provence-Häuschen in der Umgebung zu einem Spottpreis unter den Nagel gerissen. Mittlerweile ist Zahltag. Die Preise um den TGV Aix herum schiessen trotz globaler Immobilienkrise nach oben. Dritte Nebenwirkung. Es gibt aber nicht mehr genug alte Provence-Villen, zu welchem Preis auch immer. Also wird gebaut, mitten hinein in die Provence. Bei der Fahrt vom Bahnhof haben mir meine Kollegen dann all die Stellen gezeigt, wo jetzt gebaut wird und es, oooupps, vor just 5 Jahren mal gebrannt hat. Ohne Wald, kein Bauschutz. Brennt es aber, so sagt das Gesetz, denn ganz dumm ist der Staat nun auch nicht, darf für 5 Jahre nicht gebaut werden. Anders ausgedrückt, bereits vor 5 Jahren als der Bahnhof in Aix noch nicht in Betrieb war, haben einige Findige bereits prophylaktisch geschützten Pinienwald abgefackelt, in der freudigen und mittlerweile bestätigten Erwartung, dass die Immobilienpreise in der Gegend deutlich anziehen werden. Und da sage noch einer, dass es nicht möglich ist, in einer Demokratie langfristig ökologische Planungen durchzuziehen. Vielleicht sollte man besser Vertreter der Marseiller Baumafia nach Poznan schicken um wirklich nachhaltig zu planen?


Autor: Georg Hoffmann· 11.12.08 · 11:43 Uhr· 5 Kommentare

05. Dezember 2008

Professor Reichholfs Klimaforschung zu Gast bei der Hayek Gesellschaft

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 64

Josef H. Reichholf ist Professor für Zoologie an der Ludwig Maximilians Universität und/oder an der TU München, so genau konnte ich das nicht rauskriegen (kann jemand seine HomePage an diesen Instituten finden?). Er arbeitet ferner als Hauptkonservator an der Zoologischen Staatssammlung München. In den letzten Jahren gab er eine grosze Zahl von allgemeinwissenschaftlichen Vorträgen im weitesten Sinne zum Thema Umwelt und veröffentlichte zunehmend Texte, die ich mal als universalwissenschaftlich/philosophisch qualifizieren möchte. Zoologie ist es jedenfalls nicht. Aber anscheinend dehnt er seine Expertise in letzter Zeit weiter aus und so wurde er in der FAZ bereits so vorgestellt: "Ein Gespräch mit dem Biologen und Klimahistoriker über die Vorzüge warmer Klimaphasen."
Klimahistoriker also.

ReichholfPicture.jpg

Bild1: Professor Reichholf, Biologe und Klimahistoriker gemäss FAZ.


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Autor: Georg Hoffmann· 05.12.08 · 17:07 Uhr· 64 Kommentare

04. Dezember 2008

Klicken statt Büffeln: Das Periodensystem

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 7

Wer, wie ich, chronische Schwierigkeiten mit der Chemie hatte und hat, dem kann jetzt geholfen werden. Die Universität Nottingham hat das gesamte Periodensystem verfilmt. Einfach das Element anklicken und in einem 5 Minuten Videostrip wird einem alles mitgeteilt, was man zu einem so interessanten Element wie Ununpentium immer schon mal wissen wollte.
Klasse gemacht und nie langweilig. EIne Art Adventskalender der Chemie.


Autor: Georg Hoffmann· 04.12.08 · 13:22 Uhr· 7 Kommentare

03. Dezember 2008

Rio, Berlin, Kyoto, Bali, Poznan: Es geht voran!

Kategorie: Naturwissenschaften·Politik  ·  Kommentare: 53

Die Weltklimakonferenz in Poznan soll verhandeln, was in Kopenhagen 2009 dann verhandelt werden soll. Engagiertere Klimaforschungskollegen, als ich es bin, nehmen die endlose Reihenfolge von Meetings zum Anlass ein bisschen zu verzweifeln. Ich alter Optimist aber meine: seis drum, da müssen wir eben durch, besser international verhandeln als jeder für sich. (Und solange ich da nicht herumsitzen, mich langweilen und endlos Kaffeetrinken muss, ... ).

nrcc-1 400.jpg
Bild 1: Reelle CO2 Emissionen und Verhandlungsziele. Konvergenz sieht anders aus. Entnommen Anna Barnetts Beitrag auf Nature Blogs.


Allerdings darf man ab und an auch mal nachschauen, was hinten so rauskommt, und da sieht es ein bisschen rabenschwarz aus. Diese schöne Grafik oben aus den Nature Blogs vergleicht mal fur die letzten 15 Jahre, was so verhandelt wurde und was wirklich geschah in Sachen CO2 Emissionen. Soll und Sein könnten kaum mehr auseinanderdriften. Der Artikel legt auch dar, warum alle rechnerischen Teilfortschritte bei der Reduktion der CO2 Emissionen fast ausschliesslich auf dem Zusammenbruch der osteuropäischen Hochenergiewirtschaft gehen (EIT= Economies In Transition in der Abbildung hier).
Die Poznan Konferenz geht noch bis zum 12.Dezember. Nature hat eine Latest News Seite dazu aufgemacht.


Autor: Georg Hoffmann· 03.12.08 · 11:54 Uhr· 53 Kommentare

02. Dezember 2008

Sonne und Klima: Ein Update

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 2

Wir haben ja hier in Frankreich auch unser Kreuz mit den Skeptikern zu tragen. Tatsächlich tauchen sie linksrheinisch an deutlich prominenterer Stelle als in Deutschland auf, nämlich in der Academie de Science in der Person von Claude Allegre und Vincent Courtillot (beides Geologen/Geochemiker vom renomierten Institut de Physique du Globe, IPG). Ihr Lieblingsklimafaktor ist (surprise surprise) DIE SONNE und so sah sich Prof. Edouard Bard, einer der profiliertesten Paleo-Klimatologen Franreichs veranlasst einen Tag am College de France dem Thema Sonne und Klima zu widmen. Die folgenden Grafiken sind seinem Vortrag entnommen.
Ich hatte hier auf primaklima bereits eine Einführung zum Thema gegeben. Die entscheidenden Fragen lauten: 1) Wie hat die solare Einstrahlung in den letzten Jahrzehnten variiert und 2) Gibt es andere solare Parameter, die eine gewisse Übereinstimmung mit dem globalen Temperaturtrend der letzten Jahrzehnte haben und die vielleicht über bislang unbekannte oder ungenügend verifizierte Wechselwirkungen einen Einfluss auf das Klima haben können.

irradianceSatellites78-08.jpg

Bild 1: Solare Aktivität von verschiedenen Satelliten zwischen 1978 und 2008 gemessen nach Lockwood&Fröhlich 08.

Ein Blick auf die bis 2008 verlängerte solare Aktiviät, die seit 1978 per Satellit gemessen wird, hilft bei Frage 1. Die Solarkonstante von 1366W/m2 ist in der Tat nicht konstant und variiert unstrittig um 1-2W/m2 im Rythmus des berühmten 11 Jahreszyklus. Seit 78 haben 6 verschiedene Satelliten mit unterschiedlicher Instrumentation und unterschiedlicher Drift bearbeitet von drei unterschiedlichen Arbeitsgruppen (Schweiz, Belgien, USA) leicht unterschiedliche Zeitserien produziert. Bis zum Jahr 2000 war der Streit insbesondere zwischen den Schweizern vom World Radiation Center aus Davos und Richard Willson von der NASA eine stete Quell für Spekulationen. Die Schweizer sahen den Langzeit-Trend der solaren Aktivität bei null und Willson sprach von einem steigenden Langzeittrend von 0.005% pro Jahr. Hier ist nun die Verlängerung der Messungen bis 2008 zu sehen. Mit dem ziemlich markanten Minimum am Ende des 23 Solarzyklus scheint im Moment alles auf eine seit 30 Jahren stabile respektive sehr leicht schwächer werdende Sonne hinzudeuten.

Danach gibt es natürlich die Fans der kosmischen Strahlung, geladene hochenergetische Teilchen (im Normalfall Protonen) die durchs Universum sausen und hier zu global warming führen sollen. Ein wahrscheinlicher Ort zumindest ihrer enormen Beschleunigung sind explodierende Sterne, sogenannte Supernovae. Da die Teilchen elektrisch geladen sind, werden sie von kosmischen Magnetfeldern in alle Richtungen abgelenkt und sind (bis auf vielleicht die allerallerschnellsten) isotrop im All verteilt, will heissen: sie kommen von überall her. Einmal in Kontakt mit unserer Atmosphäre produzieren sie einen riesigen Schwarm von Sekundärteilchen, Muonen, Neutronen, den ganzen Teilchenzoo und sollen so, gemäss einer alten Idee, für die Ionisierung der unteren Atmosphäre und dadurch für die Wolkenbildung dort mitverantwortlich sein.

neutroncounter.jpg

Bild 2: Einer der längsten Zeitserien von Sekundär Neutronen produziert durch kosmische Strahlung gemessen auf McMurdo Station in der Antarktis.


Auch da sieht es bislang recht duster aus. Hier etwa einen der längsten Zeitserien von Sekundär-Neutronen, die auf McMurdo Station, der amerikanischen Antarktisstation, gemessen wurde. Da an den Polen das Erdmagnetfeld, das zumindest einen Teil der kosmischen Strahlung ablenkt, am schwächsten ist, sollte dort das Signal eines Trends in der kosmischen Strahlung am stärksten sein. Wie man sieht, sieht man nichts. Kein Trend, daraus folgt kein Beitrag zur globalen Erwärmung.
Zusammenfassend sagen Lean&Rind im 2008 erschienen Artikel, How natural and anthropogenic influences alter global and regional surface temperatures: 1889 to 2006, : Die solare Aktivitätsschwankungen sind vernachlässigbar zur Erklärung des Klimatrends der letzten 25 Jahre und haben vielleicht um die 10% zu der beobachteten Erwärmung im 20ten Jahrhundert beigetragen.


GlobTempSunPar.jpg

Bild 3: Globale Temperatur und verschiedene Parameter mit Sonnenbezug: Solare Aktivität, geomagnetischer aa-Index und von kosmischer Strahlung produzierter Sekundär-Neutronen.


Wer das ganze nochmal als Grafik haben möchte: Solare Aktivität, Schwankungen der Sekundär-Neutronen, die von der kosmischen Strahlung produziert wurden, und die Stärke des Erdmagnetfelds (angegeben durch den sog. aa Index) im Vergleich mit der globalen Temperatur.
Wird die Sonne dadurch an Beliebtheit bei den Skeptikern verlieren? I-WO! Selbst diejenigen, die am CERN Projekt CLOUD mitarbeiten und sicher ernsthaft nach Möglichkeiten eines Mechanismus, der die kosmische Strahlung mit der Wolkenbedeckung verbindet, suchen, sind mitlerweile vom Eifer einiger Hardcore-Skeptiker genervt. So wurde, nach einem unbestätigten Gerücht, denn auch Henrik Svensmark vom weiteren CLOUD Projekt ausgeladen. Sein permanentes "Overselling" der Cosmic-Ray-Cloud Idee und dessen, was bilang wirklich gefunden wurde, ging den meisten Teilnehmern wohl zusehr auf die Nerven.


Autor: Georg Hoffmann· 02.12.08 · 15:08 Uhr· 2 Kommentare

01. Dezember 2008

Die Poznan Klimakonferenz - Ein paar tröstende Worte für den polnischen Gastgeber

Kategorie: Naturwissenschaften·Politik  ·  Kommentare: 7

Der nächste UN Klimagipfel beginnt heute in Poznan. Er steht in einer Reihe von internationalen Verhandlungen zum Thema Klimaschutz, die in Rio 92 begonnen wurde, in Kyoto zu einem ersten Abschluss kam und seitdem in einem nichtendenwollenden Kontinenthopping von Konferenz zu Konferenz fortgeführt wird. Diesmal soll in erster Linie ausgehandelt werden, worüber konkret eigentlich verhandelt werden soll bei der nächsten Konferenz zu einem möglichen Kyoto II Protokoll. Und natürlich hofft alle Welt, dass Obama nicht nur die Welt im allgemeinen sondern auch das Klima im Speziellen retten wird, auch wenn er gar nicht in Poznan mitverhandelt.

Kohle_pollution.jpg


Bild1: Kühlendes Kohlekraftwerk bei der Arbeit. So much more than just CO2 ....

Verschiedene Artikel zum Thema finden sich zum Beispiel auf der Tagesschau Seite, wo auch die Nöte und Klima-Überlegungen einer Familie aus dem Gastgeberland Polen beschrieben werden (hier als Ton-Reportage). Bei verschiedenen Konferenzen auf EU Ebene zum Thema Klimawandel hatten sich ja Polen und Italien, na sagen wir mal, besonders zurückhaltend in Sachen CO2 Reduktionsziele gezeigt. Beide Länder (aber insbesondere Polen) decken einen hohen Anteil ihres Energiebedarfs mit Kohle ab und ich nehme das mal zum Anlass auf das Pro Und Contra der verschiedenen fossilen Brennstoffe aufmerksam zu machen. Denn alle sind gleich, doch einiger sind gleicher als andere.

RFaccRamanathan.jpg

Grafik 1: Abgerechnet wird zum Schluss. Strahlungsbilanz von Treibhausgasen versus Aerosolen nach dem IPCC AR4 und nach einer jüngst erschienenen Studie von Ramanathan und Carmichael (siehe auch hier). Fossile Verbrennung setzt sicher wärmende Treibhausgase frei, doch auch kühlende Aersole, ebenfalss wärmende Russpartikel, etc. etc. Die Entscheidung fällt möglicherweise zwischen Teufel (Klimaerwärmung) und Belzebub (Luftverschmutzung).


Alle fossilen Rohstoffe setzen bei ihrer Verbrennung CO2 frei, pro Energieeinheit jedoch unterschiedlich viel. Global tragen die groszen Drei, Kohle, ÖL und Gas, je 41%, 39% und 20% zu den fossilen CO2 Emissionen bei. Ihr Wirkungsgrad ist jedoch recht unterschiedlich mit einmal 25kg/GJ für Kohle (Kilogramm pro Giga Joule), 20 kg/GJ fürs Öl und nur 15 kg/GJ fürs Gas. Diese Drei machen zusammen 80% der anthropogenen Flüsse aus. Den Rest erledigen die Zementproduktion (2%) und sogenannte "Land Use Changes (18%)".
Betrachtet man Grafik 1 oben aus dem wirklich hochinteressanten Paper von Ramanathan und Feng, aus dem ich obige Zahlen habe, erkennt man sofort, dass natürlich CO2 nur einen Anteil der anthropogen emittierten Treibhausgase darstellt. Rechnet man nämlich die verschiedenen Gase in ihrer Klimawirksamkeit um, was eben in Grafik 1 gemacht wird, indem das sogenannte Strahlungsforcing der verschiedene Gase und Spurenstoffe angegeben wird, dann sieht man, dass CO2 etwas mehr als die Hälfte der Treibhausgase ausmacht (die anderen sind vor allem Methan, das gute alte Lachgas N2O, und die verschiedenen CFCs). Damit reduziert sich der Beitrag der Erwärmung der groszen Drei auf 18% (Kohle), 17% (Öl) und 9%(Gas). Soweit so gut.
Es kommt aber noch besser. Jeder dieser drei fossilen Brennstoffe setzt bei der Verbrennung eben auch ein spezifisches Verschmutzungsprofil von Russ, Sulfaten etc. frei. Die direkte (Reflektion solarer Strahlung im Fall der Aerosole oder auch der Absorption im Falle des Russ) und indirekte (Sulfataerosole tragen zur Wolkenbildung bei) Wirkung dieser kollateralen klassischen Luftverschmutzung ist ein wichtiges NEGATIVES Klimaforcing, sprich, sie halten die Erwärmung auf. Kohle ist dabei ein besonders "ergiebiger" Verschmutzer und "Nebenher-auch-Abkühler". Die Sulfat Emissionen auf Grund von Kohleverbrennung betragen ca. 55% und die von Erdöl immerhin noch 25% der Gesamt SO2-Emissionen, während das böse Erdgas bei lediglich 1% unergiebiger Verschmutzung und somit Abkühlung liegen. Rechnet man das alles, das heisst die wärmenden (Treibhausgase) und die kühlenden (Aerosole) Beiträge jeder Verbrennung, mit ein, wird das Gas doch tatsächlich abgehängt von Öl und Kohle, wobei Öl nur knapp vor Kohle gewinnt (und zwar auf Grund des Russ).
Eine gute Verteidigungsstrategie für Polen scheint gefunden! Die Kombination aus Erwärmung und Abkühlung ergibt für die Kohle gar nicht mal die schlechteste Bilanz, das saubere und in Deutschland so beliebte Erdgas ist die gröszte Klimasau. Nun, so ganz wirklich meine ich das natürlich nicht (und Ramanathan und Feng auch nicht). Die gesundheitlichen und sonstigen Nebenwirkungen dieser kühlenden Nebenprodukte der Verbrennung (Sulfaterosole etc.) sind in der Tat gravierend. Alle Länder, die es sich irgendwie leisten können, werden versuchen, diese Art von unsauberer Verbrennung zurückzufahren oder ganz zu vermeiden. Allein in Indien werden die potentiellen Opfer chronischer Atemwegserkrankungen, die durch das Heizen und Kochen mit offenen Feuern innerhalb der Wohnung verursacht werden, auf unglaubliche 500.000 Todesfälle geschätzt. Schon in Kürze wird der Zusammenhang zwischen Treibhausgasemissionen und Sulfat/Russ.etc.-emissionen für alle Energieträger der Vergangenheit angehören und wir werden herausfinden, wieviel Erwärmung sich wirklich hinter den Aerosolen versteckt hat.
Internationale Verhandlungen, wie die in Poznan, laufen öfters herzerfrischend zynisch ab und man kann gespannt sein, wann das Argument mit der kühlenden Nebenwirkung unsauberer Kohleverbrennung kommt. Spätestens dann, wenn irgendein zukunftiges Kyoto Protokoll nicht mehr die Gesamt-CO2-Bilanz der teilnehmenden Länder anvisiert, sondern den gesamten nationalen Strahlungsbeitrag.


Autor: Georg Hoffmann· 01.12.08 · 13:44 Uhr· 7 Kommentare

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