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Georg Hoffmann hat an der Ruhr-Universität Bochum Physik studiert und anschliessend am Max-Planck Institut Hamburg mit einer Arbeit zu Tracern in globalen Zirkulationsmodellen, sogenannten "Klimamodellen", promoviert. Danach arbeitete er 15 Jahre in Paris am LSCE, Laboratoire des Sciences du Climat et de l'Environnement, zu verschiedenen Aspekten der Paleo-Klimatologie. Momentan forscht er im Rahmen eines gemeinsamen Projekt der Universität Utrecht, dem holländischen Weltraumzentrum SRON und dem holländischen Wetterdienst KNMI. Das Bild ist dem Stadionheft April 2004 des VFL Bochum entnommen und zeigt ihn mit der Vereinsfahne, die er einzig zu diesem Zweck quer durch die Antarktis geschleppt hatte. Tss. Unglaublich.
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13.11.08 · 16:54 Uhr
Klimaflüchtlinge?
Kategorie: Politik · Kommentare: 5
Vor kurzem war ich zu einer Panel Diskussion zum Thema "Klimaflüchtlinge" nach Bobigny geladen worden. Dort fand ein viertägiges, ja wie soll man sagen, Festival/Austellung/Meeting zum Thema Ökologie/nachhaltige Ökonomie/etc. mit dem Namen Terren-en-Tête statt. Bevor es mit der Diskussion los ging, war ich nur kurz in einem der Austellungszelte, in der eine wilde Mischung aus NGOs, Jugendverbänden, Schulen, ein paar Forschungseinrichtungen wie das INRA, aber auch meinethalben der Verband der Wärmekopplungshersteller ihre Stände bezogen hatten. Es war ziemlich gut besucht, nicht zuletzt weil alle Schulen aus dem Umfeld dorthin geschlört wurden.
Eine französische Spezialität , die mich immer wieder verwundert, ist die schier grenzenlose zumindest institutionelle Toleranz bei solchen Veranstaltungen. Da steht der Greenpeace-Stand (gegen CO2 Sequestrierung, gegen Biotreibstoffe, gegen Kernenergie, pro Sparen, Sparen,Sparen) direkt neben dem ADEME Stand (ADEME ist hier verantwortlich für Endlagerung und propagiert ganz stark (auch durch Forschungsprojekte mit unseren und ähnlichen Labors) die Kernkraft als Lösung des CO2 Problems. Soweit ich weiss, ist alles ganz friedlich ausgegangen, aber man stelle sich einmal eine solche Kombination (Greenpeace hier und Siemens Kernkraft dort) in Deutschland vor.

Bild 1:Überschwemmungsopfer in Bangladesh
Ein paar Worte zur Diskussion: Klimaflüchtling ist die Fortschreibung des Begriffs "environmental refugee", welcher in den 70ern vom Worldwatch Institut eingeführt wurde. Der erste "offizielle" Text, der diesen Begriff "environmental erfugee" erklärt und weiter verwendet ist ein Positionspaper des United Nations Environment Programme (E.El-Hinnawi, 1980). Das eigentliche Thema "Klimaflüchtlinge", also eine Art Weiterentwicklung des "environmental refugee" wurde wohl von einer französischen Reporter Gruppe ARGOS eingeführt, die um dieses Thema eine Mischung aus Video-,Photo- und herkömmlichen Reportagen gestartet hat (hier ist deren Webseite mit vielen wirklich guten Fotos zum Thema, Aude Roux, einer der Mitbegründer von ARGOS war ebenfalls bei der Diskussion anwesend). Alles in allem bin ich mir nicht sicher, inwieweit ein solcher Begriff politisch oder praktisch den betroffenen "Klimaflüchtlingen" hilft oder inwieweit man ihn überhaupt sauber definieren kann. Die UNO kennt bislang praktisch nur Flüchtlinge aus mehr oder minder "politisch/sozialen" Motiven und hat in ihrer Charta entsprechende Schutzmassnahmen vorgesehen ("forced migration"). Schon dabei gibt es jedesmal ein Riesen-Hickhack und die UNHCR muss sich mächtig ins Zeug legen, grössere "Migrationsströme" gegenüber den Staaten, die am meisten betroffen sind, anerkennen zu lassen.
Der Stempel "Klima-Flüchtling" hätte weitreichende rechtliche Konsequenzen und gerade in den USA, dem Land, in dem sogar davor gewarnt werden muss, dass der Kaffee möglicherweise heiss ist, könnte leicht jemand daraufkommen, die Verantwortlichen für solche "Environmental Migrations" zu verklagen. Jim Hansen scheint tatsächlich schon einmal in diese Richtung gedacht haben. So sehr ich den Betroffenen sicher wünsche, dass Ihnen auch finanziell geholfen wird, habe ich doch den Eindruck, dass solche Änderungen internationalen Rechts nicht hilfreich sind und gerade in den USA wieder allergische Reaktionen hervorrufen würden.
Ein weiteres Problem, auf das ich auch bei der Diskussion aufmerksam gemacht habe, ist, wie man die heillos komplizierte Ursachen-Wirkungskette, die zur Flucht der Betroffenen führte, auseinanderdividieren will. Die Flüchtlinge im Darfour sind 1) Opfer ethnisch/religiöser Konflike, die 2) von einer skrupellosen Zentral-Regierung angefeuert wurden. Die vermeintlich ethnisch/religiösen Konflikte kaschieren aber zumindest teilweise 3) einen Konflikt zwischen Farmern und Hirten, die wiederum 4) deshalb verschärft auftreten, weil das verfügbare Wasser in der Region knapper geworden ist. Insbesondere dieser Punkt würde die Flüchtlinge im Sudan somit zumindestens teilweise zu "Environmental Refugees" machen. Ich möchte da kein Gutachten schreiben, was am Ende darüber entscheidet, wie und in welcher Form den Opfern, die ihre Heimat verloren haben, nun geholfen wird.

Bild 2: Flüchtlingslager in Darfour.
Zur Zeit schätzt die UNHCR ungefähr 24 Millionen Menschen als "Environmental Refugees" ein, die meisten als Folge von Desertifizierung von vormals Agrarflächen und von zunehmenden Überschwemmungen, wie im Brahmaputra Delta in Bagladesh. Mehrere Studien (Myers 2002, 2005 und andere) gehen von einer baldigen (2010) Verdoppelung ihrer Anzahl und von bis zu 200 Millionen solcher Flüchtlinge bis zum Jahr 2050 aus. Ich habe in einer dieser Studien mal hereingeschaut und kann ohne Zweifel nicht Fundiertes dazu sagen. Für einen Naturwissenschaftler scheinen diese Studien aus sehr subjektive Abschätzungen zu bestehen, die aber möglicherweise auf sehr viel praktischer Erfahrung, also schlichter Empirie, basieren.
Mehr Informationen zum Thema gibt es insbesondere in dem gründlich recherchierten Wiki-Artikel "climate refugee" und in den folgenden Quellen:
Autor: Georg Hoffmann· 5 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (5)
Hallo Herr Hoffmann,
Es gibt keine einzige Arbeit, die eine Umweltkatastrophe direkt mit dem anthropogenen Klimawandel in Verbindung bringen kann. Das Klima war noch nie konstant und deshalb hat es schon immer "Klimaflüchtlinge" gegeben. http://de.wikipedia.org/wiki/Malaria
"Im Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war die Malaria nicht nur in Süd-, sondern auch in Mitteleuropa verbreitet. ... Erst durch die Trockenlegung von Sumpfgebieten und durch den systematischen Einsatz von Insektiziden konnte die Malaria in den 1960er Jahren in Europa ausgerottet werden."
Ihr Beitrag zeigt nur wie sehr sich die Klima"arbeit", wie Sie sie ja auch teilweise selbst betrieben oder noch heute betreiben, verselbständigt hat. BSE-Panik lässt grüssen.
Das ist Katastrophenpanikmache par excellence und es könnte selbstverständlich noch viel schlimmer kommen! ;-) (Kippprozesse nicht ausgeschlossen) ;-))) (cf Klimalounge http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/klimalounge/debatte/2008-03-14/sicherheitsrisiko-klimaspiralen-are-we-tumbling-down-the-rabbit-hole)
Man sollte das Schicksal dieser Welt um Gottes Willen doch bitte nicht Fanatikern anvertrauen?!
Bei der Gelegenheit möchte ich darauf hinweisen, dass ich hier http://klimakatastrophe.wordpress.com/2008/11/13/warmster-oktober-aller-zeiten-peinlicher-fauxpas-von-james-hansens-nasa-giss-arbeitsgruppe-%e2%80%93-teil2/#comment-1645 eine Frage an Sie gerichtet habe.
Liebe Grüsse
Eddy
@Eddy
Es spricht einiges dafuer, dass Sie den obigen Text nichtmals flüchtig gelesen haben.
Anyhow
"deshalb hat es schon immer "Klimaflüchtlinge" gegeben"
Na wenn dem so ist, dann sind Sie ja damit einverstanden, dass die UNHCR diesen bislang nicht existierenden Fluechtlingsstatus vergibt. In den verlinkten Papern geht es im uebrigen um Desertifizierung und Ueberschwemmungen als Ursache von erzwungener Migration.
@Georg
Doch, hab ick :-)
Sie outen sich ja als Skeptiker :-) "Für einen Naturwissenschaftler scheinen diese Studien aus sehr subjektive Abschätzungen zu bestehen, .."
Sie wissen offenbar noch nicht, dass das BÖSE ist!!! ;-)
Anyhow, wissen Sie aber was Desertifizierung und Üerschwemmungen alles so an Krankheiten hervorrufen?!
Liebe Grüsse
Eddy
Hallo Georg,
Bei fast jeder Antwort in dem Blog http://klimakatastrophe.wordpress.com/ wird ihnen empfohlen:
[XXX Admin @Hoffmann: Bitte keine Beleidigungen mehr. XXX]*
oder hier: http://www.scienceblogs.de/planeten/2008/09/wenn-journalisten-falsche-experten-erschaffen.php
[Georg, bitte werde nicht beleidigend. Es gibt gewisse Dinge, die dulde ich in meinem Blog nicht. Von keiner Seite. Danke! Gez. Ludmila]*
Anstatt sich dauernd in jenen Blogs zu bösen zweifelnden Laien rüpelhaft zu äussern, sollten sie doch bitte einmal in folgenden Blog reinsehen: http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/klimalounge und sich zu dieser Diffmationsorgie à la "realclimate" äussern. Das hat aber auch rein gar nichts mehr mit "Wissenschaft" zu tun, die diffamierten Wissenschafstler werden nicht einmal darüber informiert, dass sie in dem Blog kritisiert werden und 90% der "Beschuldigungen", die diesen Blog (an sich) ausmachen, sind komplett an den Haaren herbei gezogen.
Sie, als Klimawissenschaftler, könnten dem Treiben ein Ende bereiten, um der Klimawissenschaft das Minimum an Kredibilität zu erhalten, das sie heute gerade noch besitzt.
Welche exakte Wissenschaft hat es nötig so aufzutreten oder so * (siehe oben).
"Beleidigung" ist anscheinend das meist benutzte Instrument in der Klima"wissenschaft". "Ubiquitär" nennt man das wohl auf blogdeutsch?!
Man muss sich wohl sehr glorreich fühlen, so weit oben über allen anderen Wissenschaften und allen Laien. Ich glaube nicht einmal GOTT reicht an SIE heran?!
;-)
@Eddy
Sorry, alle Kommentare mit Links landen erstmal im Span-Filter und da schau ich halt nicht immer nach.
Ansonsten wiederhole ich, was ich hier schon mehrmals gesagt habe, wem der Ton nicht gefaellt und obendrein meint, hier keine wissenschaftlichen Informationen zu finden: EINFACH WEGKLICKEN.
Was auf Klimalounge steht ist alles, aber nicht diffamatorisch.
Und ja, kommt Gott vorbei und macht einen Fehler in Physik, wird er von mir sofort korrigiert. Klar, danach kann er (oder sie) die Physik aendern, aber das ist unfair, finde ich.