Blog durchsuchen
Profil
Georg Hoffmann hat an der Ruhr-Universität Bochum Physik studiert und anschliessend am Max-Planck Institut Hamburg mit einer Arbeit zu Tracern in globalen Zirkulationsmodellen, sogenannten "Klimamodellen", promoviert. Danach arbeitete er 15 Jahre in Paris am LSCE, Laboratoire des Sciences du Climat et de l'Environnement, zu verschiedenen Aspekten der Paleo-Klimatologie. Momentan forscht er im Rahmen eines gemeinsamen Projekt der Universität Utrecht, dem holländischen Weltraumzentrum SRON und dem holländischen Wetterdienst KNMI. Das Bild ist dem Stadionheft April 2004 des VFL Bochum entnommen und zeigt ihn mit der Vereinsfahne, die er einzig zu diesem Zweck quer durch die Antarktis geschleppt hatte. Tss. Unglaublich.
Letzte Einträge
- Klimaschmock des Monats Mai 2012185 Kommentare· 20.05.12
- Die kalte Sonne von Vahrenholt/Lüning: Le Trend, c'est moi!93 Kommentare· 16.05.12
- Der NRW Wahlkampf - eine Analyse mit Noten.67 Kommentare· 14.05.12
- Selbst beim Klima: Die Reichen werden reicher, die Armen werden ärmer!203 Kommentare· 08.05.12
- Dies und das - Teil III388 Kommentare· 29.04.12
Kommentare
- k3 · 26.05.12 · 16:53 Uhr Chronik eines angekündigten Skandals - Gerlich und Tscheuschner wurden peer-reviewt
- Bleyfuß · 26.05.12 · 15:39 Uhr Klimaschmock des Monats Mai 2012
- kai · 26.05.12 · 13:58 Uhr Pack das Treibhaus in den Chip: Wie man einen Photovoltaik-Chip behandeln muss, um deutlich effektiver zu werden.
- Dr. Webbaer · 26.05.12 · 08:03 Uhr Dies und das - Teil III
- axel · 25.05.12 · 23:37 Uhr Die kalte Sonne von Vahrenholt/Lüning: Le Trend, c'est moi!
Kategorien
Archiv
- Mai 2012
- April 2012
- März 2012
- Januar 2012
- November 2011
- Oktober 2011
- September 2011
- Juli 2011
- Juni 2011
- Mai 2011
- April 2011
- März 2011
- Februar 2011
- Januar 2011
- Dezember 2010
- November 2010
- Oktober 2010
- September 2010
- August 2010
- Juli 2010
- Juni 2010
- Mai 2010
- April 2010
- März 2010
- Februar 2010
- Januar 2010
- Dezember 2009
- November 2009
- Oktober 2009
- September 2009
- August 2009
- Juli 2009
- Juni 2009
- Mai 2009
- April 2009
- März 2009
- Februar 2009
- Januar 2009
- Dezember 2008
- November 2008
- Oktober 2008
- September 2008
- August 2008
- Juli 2008
- Juni 2008
- Mai 2008
« vorheriger Beitrag · nächster Beitrag »
10.09.08 · 16:24 Uhr
Glacier Mass Balance Bulletin No.9
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 5
Ich habe in der letzten Woche vom World Glacier Monitoring Service (WGMS) den letzten ihrer jährlichen Bulletins erhalten. Das WGMS ist an der Universität Zürich (nicht ETH) untergebracht und wird von Professor Häberli und seinen Mitarbeitern, Martin Hölzle (jetzt Uni Fribourg) und Michael Zemp gepflegt. Ausserdem erschien gerade frisch (1.9.08) ein UNEP/WGMS Report, der die Arbeit des Messnetzes in den letzten Jahren sehr schön zusammenfasst.

Bild 1: Chamonix 1966 mit Blick auf das Mer de Glace, dem grössten Mont Blanc Gletscher.

Bild 2: Chamonix heute. Der Gletscher ist (soweit ich mich erinnere) aus dem Tal nicht mehr zu sehen. Während der kleinen Eiszeit ging der Gletscher noch deutlich tiefer ins Tal und bedrohte bereits einige Gebäude. Der Rückzug nach 1966 hat aber sicher nicht mehr viel mit dem Ende der kleinen EIszeit zu tun.
Gletcher sind im WGMS im Wesentlichen verstanden ohne die Gletscher der beiden grossen Eisschilde Grönlands und der Antarktis (tatsächlich ist immerhin ein Gletscher der Antarktischen Peninsula im Netztwerk enthalten). Selbst dann gibt es noch eine riesige Anzahl von Gletschern und nur ein kleiner Teil geht in das WGMS ein und ist wirklich so unter Beobachtung, dass er eine Berechnung der Massenbilanz der jeweiligen Gletscher erlauben würde. Die Etablierung der Massenbilanz eines Gletscher entspricht in der Praxis Volumen- oder Dickemessungen des Gletschers und ist natürlich eine arbeitsintensive Angelegenheit. Der Vorteil solcher Messungen liegt eben darin, dass die Massenbilanz immer eine relativ direkte Reaktion auf aktuelle Klimavariationen darstellt, die repräsentativ für eine ganze Region sind. Die Massenbilanz hängt selbstverständlich von der Differenz zwischen durch Niederschlag hinzugekommener Masse und der durch Sublimation (Verdampfung) und/oder Schmelzen verringerter Gletschermasse ab. Für Letzteres braucht der Gletscher Energie und so hängt letztlich die Gletscher-Massenbilanz von der zur Verfügung stehenden Energie ab, also typischerweise von der Strahlungsbilanz im solaren kurzweligen Spektralbereich, im langwelligen infraroten Spektralbereich, sowie von den sensiblen und latenten Wärmeflüssen. Diese Energiebilanz hat in der Tat eine räumlich weitreichende Bedeutung und es wurde gezeigt, dass man mit Massenbilanzmessungen Aussagen über ganze Regionen treffen kann. Allerdings kann man, das ist ja bei der Komplexität der verschiedenen Faktoren, die die regionale Energiebilanz bestimmen, nicht verwunderlich, nicht ohne weiteres den Einfluss eines einzigen Klimaparameters (also z.B die Lufttemperatur) herausfiltern. Ferner sind, wie man sich leicht vorstellen kann, Massenbilanzen eine aufwendige Angelegenheit, die auch erst seit 1946 praktiziert wird.
Hingegen sind die den Meisten bekannten Längenänderungen der Gletscher (die man z.B. auch durch Gemälde oder alte Photographien zurück in die Vergangenheit ausdehnen kann) eine zeitlich manchmal stark verschobene Reaktion auf Massenänderungen. Insbesondere das unterliegende Felsbett kontrolliert die Reaktionszeit eines Gletschers und kann manchmal zu stark verlangsamten und manchmal zu instantanen Reaktionen auf Klimadrifts führen. Alles was nun nicht durch Massenbilanz- und Längenmessungen erfasst ist, muss dann durch satellitäre Fernbeobachtung erledigt werden.
Ich habe hier einmal die Frage gestellt, wo es denn überhaupt noch vorstossende oder zumindest nicht zurückgehende Gletscher gibt. Das Bulletin gibt Antwort und natürlich lautet sie: "fast nirgendwo". Es gibt zwei Gruppen von Gletscher-Beobachtungen. 1) Basis Informationen zur Nettobilanz, Akkumulations-Fläche und Gleichgewichtslinie. Diese Basis-Informationen existieren für mehr als 1000 Gletscher weltweit wobei die längste Zeitserie 1720 startet. 2) Detaillierte Informationen gibt es zu 30 Referenz-Gletschern aus 9 verschiedenen Bergregionen, insgesamt sind 226 Massenbilanz-Zeitserien im WGMS Netz enthalten.
Suchen wir mal nach den "Ausnahmen": Vorstossende und/oder im Gleichgewicht befindliche Gletscher befinden sich im wesentlichen in zwei Regionen. Einige sehr maritime Gletscher in Norwegen, welche zwar auch eindeutig in einer Region liegen, die sich erwärmt, in der aber bisweilen starke Niederschläge jedes potentielle Abschmelzen kompensiert. Gewachsen sind in den Jahren 04/05 insbesondere der Engabreen und der Nigardsbreen Gletscher. Die Gesamtbilanz für Norwegen ist trotzdem negatif.

Bild 3 Briksdalsbreen, ein outlet Gletscher des Jostedalsbreen, in Norwegen im Laufe der letzten 20 Jahre. Ein niedrig gelegener (340Meter über Meeresniveau) dessen Massenbilanz stark vom Winterniederschlag bestimmt wird. Ein starkes Vorstossen des Gletschers in den 90er Jahren wurde in erster Linie durch die starken NAO bedingten Niederschläge begünstigt. Kaum schwank die NAO um und der Feuchtetransport stoppte, hastete der Briksdalsbreen wieder den Berg hinauf.
In Russland wuchsen insbesondere zwei Gletscher im Kaukasus Gebirge, Djankuat und Garabashi. Für alle 6 Gletscher des russischen Netzes gilt, dass sie deutlich an Masse in den letzten 30 Jahren verloren haben (zwischen 2 bis 6 Meter Netto Bilanz).
Tja und das war's leider mit den wachsenden Gletschern im WGMS. Alles andere schmilzt, überall. ZB in den USA mit fast 20 Gletschern die alle und ohne Ausnahme in beiden Jahren weiter an Masse verloren. Hier mal die Statistik aller im WGMS befindlichen Gletscher mit Massenbilanz.
Grafik 1 zeigt die Statistik zurückgehender und vorstossender Gletscher für die verschiedenen Regionen. Diese Grafik ist wie die folgenden dem exzellenten und reich bebilderten WGMS Report 2008 entnommen und sollen nur dazu dienen für diesen Report ein wenig Werbung zu machen. Unbedingt lesen.
Wieviel Gletscher-Masse ging denn jetzt weltweit ungefähr verloren? Grafik 2 zeigt den global gemittelten Trend, der einen Gesamtverlust von ca. 20 Metern Wasseräquivalent Eisdicke anzeigt (diese Angabe ergibt sich wenn mann das Gesamt-Gletschervolumen durch die Fläche teilt. So gibt der IPCC z.B. eine Gesamteisdicke aller Gletscher von 100M en), 20% des gesamten noch vorhandenen Gletschereises.

Grafik 2: Weltweiter Massenverlust aller im WGMS enhaltenen Gletscher, deren Massenbilanz regelmäessig bestimmt wird.
Man kann auch die Informationen des WGMS nach den verschiedenen Grossregionen aufteilen und kommt dann auf Grafik 3. Wieder wurde die mittlere Eisdicke der Gletscher aufgetragen, von denen Massenbilanzen vorliegen.

Grafik 3: Massenbilanz der WGMS Gletscher nach Regionen und Zeitabschnitten aufgeteilt.
Der Eisrückgang ist global, praktisch uniform (Ausnahme die WGMS Gletscher in Neuseeland) und von allen sicher vorhandenen Komplikationen mal abgesehen mindestens eine qualitative und völlig unabhängige Bestätigung der gemessenen Temperaturtrends. Von diesen an meteorologischen Stationen gemessenen Trends hört man ja immer wieder von Skeptiker Seite, sie seien das Artefakt von falsch und stadtnah aufgestellten Temperaturfühlern: Eine sehr unwahrscheinliche Erklärung angesichts des gleichzeitigen Gletscherrückgangs.
Weiter nützliche Links zu Gletschern:
Federation of Astronomical and Geophysical Data Analysis Services:
Global Land Ice Measurements from Space:
Global Terrestrial Network for Glaciers:
Global Climate Observing System:
Global Terrestrial Observing System:
International Association of Cryospheric Sciences:
United Nations Environment Programme:
United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization:
US National Snow and Ice Data Center:
World Glacier Monitoring Service:
World Meteorological Organization:
Autor: Georg Hoffmann· 5 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
Trackbacks (1)
Gletscherschmelze: Das Sterben der weißen Riesen · ScienceBlogs · 15.09.08 · 06:30 Uhr
Kommentar schreiben
Top5
- Liebe Piraten, lasst uns endlich vernünftig miteinander reden!Astrodicticum Simplex· 14.05.2012
- Risikowahrnehmung: Wenn man vor den falschen Dingen Angst hatAstrodicticum Simplex· 20.05.2012
- Dr. h.c. im Sonderangebot für 39 Euro[sic]· 14.05.2012
- Pi auf dem Einrad!Astrodicticum Simplex· 20.05.2012
- Die Erde dreht sich nicht um die Sonne...Astrodicticum Simplex· 12.05.2012
Top5
- Liebe Piraten, lasst uns endlich vernünftig miteinander reden!Astrodicticum Simplex· 14.05.2012
- Klimaschmock des Monats Mai 2012Primaklima· 20.05.2012
- Die kalte Sonne von Vahrenholt/Lüning: Le Trend, c'est moi!Primaklima· 16.05.2012
- Risikowahrnehmung: Wenn man vor den falschen Dingen Angst hatAstrodicticum Simplex· 20.05.2012
- Der NRW Wahlkampf - eine Analyse mit Noten.Primaklima· 14.05.2012
ScienceBlogs.com
- Doubt and other products: The National Toxicology Program's Report on Carcinogens, bad for whose business?by Elizabeth Grossman As it pursues its anti-regulatory agenda the ...The Pump Handle· 22.05.2012 · 16:39 Uhr
- Weekend Recap: My Annular Eclipse Expedition!A little more persistence a little more effort and what ...Starts With A Bang· 22.05.2012 · 00:11 Uhr
- Water, waterThis image has been going around the intertubes recently I ...A Few Things Ill Considered· 21.05.2012 · 22:59 Uhr
- To be or not to be? The Prevention and Public Health Fundby Kim Krisberg We will pay for this by taking ...The Pump Handle· 21.05.2012 · 15:19 Uhr
- An important revelation regarding Heartland Gate (global warming denialism)Peter Gleick has been cleared of faking a key memo ...Greg Laden's Blog· 21.05.2012 · 12:52 Uhr

Kommentare (5)
0 Kommentare.
Und das ist auch gut so ;)
Hallo Herr Hoffmann,
freut mich einen so anschaulichen Artikel zur Gletscher-Massenbilanz zu lesen, der nicht einfach die der Weltanschauung genehmen Schnipsel herausfischt, sondern sich die Mühe der Gesamtschau macht. Nur so kann man die Einzelbeobachtungen richtig einordnen.
Es ist immer mühselig bei den Leuten, die - ich will es mal so formulieren - die Welt vor den Klimaschützern retten wollen, die Einzelbeobachtungen durch Gegenüberstellung der weltweiten und langfristigen Messungen beurteilungsfähig zu machen.
Ich kann nicht verstehen, dass wissenschaftlich vorgebildete Menschen der Darstellung einzelner genehmer Faktenschnipsel eine solche Bedeutung beimessen, dass damit die gesamte Forschung tausender Wissenschaftler in Frage gestellt sein soll.
@Meinel
Danke für die Blumen.
Ich finde es schon ein starkes Stück, dass man ueber die Alpengletscher einen Artikel schreiben kann, wie das unser Gletscherexperte Müller getan hat, in dem so massiv
die Wirklichkeit ausgeblendet wird und am Ende ernsthaft das einzige wichtige Ereignis in der Alpinen Gletscherwelt der Zuwachs eines winzigen Eisfeldes auf dem Col du Midi übrigbleibt.
Im PS am Beitrag oben haenge ich daher noch mal die Massenbilanzen der europäischen Gletscher dran (aus dem dir bereits bekannten WGMS Bericht).
Schöner Artikel. Ich bin öfters in Argentinien und muss mir da immer wieder anhören, dass alles ja nicht so schlimm sein kann, weil der perito moreno noch wachsen würde...
Gibt es so eine globale Abschätzung eigentlich auch für historische Zeiten (Mittelalter, Antike). Da gibt es natürlich kaum Beobachtungen, aber vielleicht hat ja mal wer indirekte Hinweise gesammelt?
Kai, ich habe nichts direkt zu Argentinien gefunden, habe aber in einem Extra-Post mal eine Grafik aus dem IPCC gepostet mit verschiedenen Gletscherrekonstruktionen aus allen möglichen Teilen der Welt. Georg