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Georg Hoffmann hat an der Ruhr-Universität Bochum Physik studiert und anschliessend am Max-Planck Institut Hamburg mit einer Arbeit zu Tracern in globalen Zirkulationsmodellen, sogenannten "Klimamodellen", promoviert. Danach arbeitete er 15 Jahre in Paris am LSCE, Laboratoire des Sciences du Climat et de l'Environnement, zu verschiedenen Aspekten der Paleo-Klimatologie. Momentan forscht er im Rahmen eines gemeinsamen Projekt der Universität Utrecht, dem holländischen Weltraumzentrum SRON und dem holländischen Wetterdienst KNMI. Das Bild ist dem Stadionheft April 2004 des VFL Bochum entnommen und zeigt ihn mit der Vereinsfahne, die er einzig zu diesem Zweck quer durch die Antarktis geschleppt hatte. Tss. Unglaublich.
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30. August 2008
Der Nordpol ist eisfrei !
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 18
Anthony Watts ist möglicherweise der erfolgreichste "Klimablogger" (mit oder knapp hinter realclimate), was die Anzahl der Aufrufe seiner Webseite angeht. Sein Erfolgsrezept ähnelt dem vieler Klima-Skeptiker. Er schwingt immer zwischen zwei Haltungen: Einerseits einfacher Mann von der Strasse, dem die "linken" Wissenschaftler das Geld aus der Tasche ziehen wollen und das mit Argumenten, die "offensichtlich" dem gesunden Menschenverstand widersprechen. Andererseits, Experte qua 30 jähriger Tätigkeit als Wetterfrosch im Fernsehen (wie man auch am ehemaligen ZDF Wettermann Wolfgang Thüne sieht, ist der Fernsehwettermann ein Beruf, der einerseits wie kaum ein anderer Andy Warhols Zukunftsvision von 5 Minuten Berühmtheit eines jeden ( täglich nach den Nachrichten) erfüllt und andererseits offensichtlich manchmal bei der Pensionierung zu schweren Entzugserscheinungen führt: Wer schaut mir jetzt noch zu? Ob diese Sehnsucht nach Aufmerksamkeit das Motiv einiger Frensehwetterfrösche für ihren so "fundierten" Skeptizismus ist? Man weiss es nicht.
Egal, jedesmal wenn Watts in die Nähe von etwas wie Mathematik kommt, führt das regelmässig zu unglaublichen Desastern: Hier, hier und hier. Trotz alle dem, seine Mischung aus Schenkelklopfhumor, Politik und Pseudowissenschaft kommt jedenfalls an. Sein grösstes und wahrlich herkulanisches Projekt: Er sammelt Fotos von Wetterstationen und malt mit Photoshop einen Pfeil ins Bild, der auf den zu nahe am Temperaturfühler stehenden Mini-Van zeigt. Die Message ist klar, global warming ist nur ein Artefakt von ein paar unglücklich aufgestellten Thermometern.
Während er bei praktisch jedem Satz Politik mit seinem Verständnis von Wissenschaft vermischt, schickt er allen Ernstes an alle möglichen Wissenschaftler Beschwerde-Mails: Wie kann es sein, dass ein aus öffentlichen Geldern bezahlter Wissenschaftler sich erkühnt, ein Zitat Al Gores auf seiner Webseite zu lassen (und ähnliches)?
Richtig lachen darf man aber bei den Kommentaren. Das diesjährige Sommerseeeis nähert sich (zu meiner Überraschung) doch arg dem letztjährigen Minimum-Rekord. Anlass zur Besorgnis? I WO! Mark Serreze vom NSIDC hatte eine Wahrscheinlichkeit von Fifty-Fifty für einen eisfreien Nordpol angegeben. Damit meinte er eben genau diesen präzisen geographischen Punkt, der keinerlei besonderes Interesse aus klimatologischer Sicht hat. Vermutlich hatte Serreze eine "symbolische" Pressemitteilung machen wollen, während er über den ungewöhnlichen Zustand des Seeeises in den letzten Monaten sprach (1 Jahreseis am Nordpol zu Beginn der Schmelzsaison). Sei es wie es sei, hier eine echte Watts Jüngerin, Katherine: Das könne doch wohl kaum ungewöhnlich sein, denn in Bild 1 sei klar zu sehen, dass der Nordpol bereits 1987 eisfrei war!

Nur in dem Sinne ist der Nordpol wahrscheinlich in jedem Jahr eisfrei. Der erschütternde Beweis der aus dem EIs vortauchenden U-Boote kann fast jedes Jahr irgendwann beobachtet werden. Hier (Bild 2) das letzte Foto der am Nordpol aufgestellte Webcam. Tatsächlich, Serreze hat recht: Der Nordpol ist eisfrei!

So siegt sich Watts schamfrei von Niederlage zu Niederlage, von Erratum zu Erratum. Sein Weg ist gepflastert mit "Red Herrings" (oder "Ignoratio elenchi" für unsere Lateiner und Griechen) und widerlegt gnadenlos, was nie jemand behauptet hat.
Hurra, das Meereis 2008 ist doch noch grösser als 2007, ohne ein Wort darüber zu verlieren, dass das Entscheidende bereits eingetreten ist, der Trend geht weiter und 2008 wird mit grosser Wahrscheinlichkeit das Jahr der zweit-kleinsten arktischen EIsbedeckung in der Satellitenära werden.
Autor: Georg Hoffmann· 30.08.08 · 12:30 Uhr· 18 Kommentare
01. August 2008
Reaktionen aus Bayreuth Teil I - Die Beck Festspiele
Kategorie: Naturwissenschaften·Politik
Nein, nicht Reaktionen zum letzten Parzifal. Es wurde ja wie berichtet "Beck" im Kolloquium der Uni Bayreuth gegeben und, wie angekündigt, habe ich mich bemüht ein bisschen mehr zu erfahren: Wie war's beim ersten Mal? Wer hielt das Date mit Beck für eine prima Idee und warum? Kurz, all die dirty details.

Bild 1: E.G Beck konnte durchaus einen Teil des Publikums an der Uni Bayreuth überzeugen. 100ppm CO2 rauf oder runter, who cares?
Vielleicht ein Gedanken vorneweg, zusätzlich zu dem, was ich hier und hier bereits geschrieben habe. Nicht jedes Wort, was an einer deutschen Uni gesprochen wird, muss "die Wahrheit und nichts als die Wahrheit" sein. Nehmen wir mal für einen Moment an, Becks Thesen sind der Unfug, für den ich ihn halte: So what? Jeder kann (falls es ihn interessiert) seine Argumente daran schärfen und über das eine oder andere "Fundament einer Theorie" nachdenken, welches praktisch schon ins Fachpaleolithikum gewandert ist und längst nicht mehr diskutiert wird. Zu dieser Art von "in-der-Ruhe-liegt-die-Kraft-Haltung" hat mich die folgende Mail von Dr. Johannes Lüers, Mitorganisator des Bayreuther Kolloquiums und am Lehrstuhl für Mikro-Meteorologie tätig, überzeugt. Es sei auch gesagt, dass er unter anderem zu CO2 Emissionen terrestrischer Ökosysteme forscht, und doch ist er mit viel Zen bis zum Ende des Vortrags geblieben. Hier sein Kommentar:
Ich habe mich natürlich über Herrn Beck informiert,
als ich die Einladung eines meiner Kollegen bekommen habe.
Klar habe ich nachgefragt, was das soll.
Es war trotzdem sein ausdrücklicher Wunsch Herrn Beck einzuladen.
So konnte ich dann die Einladung des Herrn Becks
nicht verhindern, obwohl wir alle den Kopf geschüttelt haben.
Es war dann beim Vortrag bzw. bei anschließender Diskussion
rasch klar, dass sich alle Befürchtungen hinsichtlich der fachlichen Aussage von
Herrn Beck leider bestätigten.
Er war keinem "physikalischen Argument" zugänglich.
Wie bei vielen ähnlich gelagerten Fällen, wird auch Herr Beck
nicht von seinem "Standpunkt" abrücken, komme was Wolle.
Ich persönlich denke, wenn wir solch einen "Vortrag" nicht
"verkraften" dann hilft uns so und so Nichts mehr.
Zudem können "wir" etwas aus der Art und Weise solcher
"Vorträge" lernen, da sie uns reichlich Munition liefern, mit der wir
die fachlichen "Dinge" wieder ins rechte Lot rücken können.
Aus meiner Erfahrung entlarven sich Leute wie Herr Beck oder Herr Thüne
von ganz alleine. Wer ihnen (live) zuhört, der merkt schon nach den
ersten Sätzen, dass es nicht ums eigentliche Fachthema, sondern um
entweder ganz "private, persönliche Probleme" oder "gekaufte Meinungen"
geht.
Nebenbei:
Wer sich Becks Messwerte GENAU anschaut, der findet die C.D. Keeling-Kurve
und deren Verlängerung in die Vergangenheit (durch Eisbohrungen)
exakt BESTÄTIGT. Denn immer dann wenn die bodennahen Messungen, die
verschiedenst seit Mitte 19es Jahrhundert durchaus unbestritten sehr exakt
durchgeführt wurden, bei der für Hintergrundmessungen "richtigen"
atmosphärischen Durchmischung
(damals per Zufall, heute (Keeling) mit Absicht) erfasst wurden lagen die Werte
alle ausnahmslos im anerkannten (Keeling, bzw Eisbohr)-Level.
Hoffe, dies stillt ihre Neugierde.
Mit besten Grüßen aus Bayreuth
Dr. Johannes Lüers
Universität Bayreuth
Abteilung Mikrometeorologie
Autor: Georg Hoffmann· 01.08.08 · 13:57 Uhr· 0 Kommentare
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