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Georg Hoffmann hat an der Ruhr-Universität Bochum Physik studiert und anschliessend am Max-Planck Institut Hamburg mit einer Arbeit zu Tracern in globalen Zirkulationsmodellen, sogenannten "Klimamodellen", promoviert. Danach arbeitete er 15 Jahre in Paris am LSCE, Laboratoire des Sciences du Climat et de l'Environnement, zu verschiedenen Aspekten der Paleo-Klimatologie. Momentan forscht er im Rahmen eines gemeinsamen Projekt der Universität Utrecht, dem holländischen Weltraumzentrum SRON und dem holländischen Wetterdienst KNMI. Das Bild ist dem Stadionheft April 2004 des VFL Bochum entnommen und zeigt ihn mit der Vereinsfahne, die er einzig zu diesem Zweck quer durch die Antarktis geschleppt hatte. Tss. Unglaublich.
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27.05.08 · 10:15 Uhr
Das Fell des Bären
Kategorie: Naturwissenschaften·Politik · Kommentare: 11
Noch ist das Arktische Seeeis vorhanden, schon wird kräftig darum gestritten, was wem gehört, wenn's denn bald, zumindest im Sommer, verschwunden ist. Spätestens seit dem Sommer des letzten Jahres wissen wir, dass nun die vielen Feedback-Prozesse wirklich in Gang gekommen sind und massiv auf Oberfläche und Dicke des Sommereises einwirken. Ein Blick auf den aktuellen Stand des Sommerseeeises bei Cryosphere (die Seite der Universität Illinois von William Chapman unterhalten) zeigt nicht nur den riesigen Sprung von 2 Millionen km2 (3-4 Mal die Fläche Frankreichs), sondern auch das schnelle Hin-und-Her danach. Die Schmelzsaison hat noch gar nicht richtig begonnen und schon scheinen wir auf dem Niveau des Sommers 2007. Diese erhöhte Variabilität ist in der Tat genau das, was man erwartet. Das ausgedünnnte Eis kann schneller schmelzen, einfacher von Wind und Strömungen zusammengeschoben werden, leichter durch die Framstrasse aus der Arktis rausbewegt werden und entsteht doch, wenn die Oberflächentemperaturen es erlauben, jeden Winter auf riesigen Flächen neu (wenn auch viel dünner als zuvor, als das Mehrjahresseeeis eine Art permanenten Grundstock bildete).

Diese weiteren Anzeichen des baldigen Verschwindens (die Schätzungen einiger Experten liegen jetzt eher bei 15-30 Jahren als zuvor bei 40-70 Jahre) des Sommerseeis sind den arktischen Anrainerstaaten Anlass genug, sich nun um die Schürf- und Fischrechte zu streiten. Es mangelt sicher nicht einer gewissen Ironie, dass bei diesen Verhandlungen auch die Bush Regierung kräftig und selbstverständlich mittut. Obwohl Teile (Jäger und Vize Cheney) der US Regierung eindeutig einen EInfluss des Menschen auf das Klima für ausgeschlossen halten, legen sie sich ins Zeug, um ein Stück des arktischen Kuchens für sich abzuschneiden. Eine Verhandlung also, die nur dann sinnvoll ist, wenn in der Tat die globales Erwärmung zum Verschwinden des Eises führt. Na, man muss nicht alles verstehen.
PS. Kleiner Nachtrag, der zum Thema passt. Hier in Planet Earth unter anderem der Bericht eines NERC Operators, der beim Anblick des verschwundenen Seeeises (??, ihr wisst was ich meine) seinen Augen und den Satelliten nicht mehr trauen wollte.
Autor: Georg Hoffmann· 11 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (11)
Hallo Georg, freue mich, dass wir jetzt ein Blog eines kompetenten Klimaforschers hier haben. Willkommen!
Du schreibst:
Logisch ist das aber doch nachzuvollziehen, wenn man davon ausgeht, dass der Klimawandel eben nicht menschgemacht ist, sondern ein natürliches Phänomen, das auch ohne anthropogenen Einfluss auftritt, oder?
Werde dein Blog mit regem Interesse verfolgen und mit Sicherheit noch was lernen.
Schönen Gruss von nebenan.
Tobias
"Logisch ist das aber doch nachzuvollziehen, wenn man davon ausgeht, dass der Klimawandel eben nicht menschgemacht ist, sondern ein natürliches Phänomen, das auch ohne anthropogenen Einfluss auftritt, oder?"
Ein natuerliches Phaenomen, das bis zum Verschwinden des gesamten Sommerseeeises fuehren wuerde. Hm..Habe ich zwar noch nicht gehoert, auch nicht von Dick Cheney, moeglich ists. EIne andere Moeglichkeit waere die nach dem Motto "Schaden kann's ja nicht". So wie ein Atheist sich etwas beim EIntreten in die Kirche bekreuzigt.
"Die Schmelzsaison hat noch gar nicht richtig begonnen und schon scheinen wir auf dem Niveau des Sommers 2007."
Wir sind derzeit bei -1.
Im Sommer 2007 waren wir bei -2.
Nur zur Info. Die Antarktis ist derzeit bei +1.
-1+1 macht was?
Mein Gottchen Mueller
wenn ich ueber globale Seeeisanomalien sprechen wollte, haette ich das bestimmt kenntlich gemacht. Wenn du das moechtest, kannst du das gerne machen, nur woanders.
Der Mai 2007 lag bei -(0.8-0.9). Erst ab Ende Juni waren dann die -1 vorhanden. Die besten Vorraussetzungen fuer einen neuen Rekord sind ein Rekord grad zuvor. Schaun mer mal.
Und wie stehen die Wetten für einen neuen Rekord? Was wird der entscheidende Einfluss sein? Meeresströmungen, Luftströmungen und/oder Wetter/Wolken?
Ich glaube auch Georg verwechselt Wetter mit Klima ;)
Erst einmal wird dem Klimagott in den ersten Zeilen gehuldigt. Wie der Hasenzuchtverein setzt er Werte mal rauf und mal runter.
@adenosine
Hmm. Das letzte Jahr war einfach zu heftig. Da haben sicher auch Wetterfaktoren (wie etwas ungelenk unser Mueller es gerne formulieren moechte) mitgeholfen. Das permanente Hochdrucksystem hatte alle Wolken weggeraeumt und schliesslich auch zu den Temperaturanomalien beigetragen, die oben im Planet Earth Artikel zum Erstaunen des NERC Operatirs gefuehrt haben. Das waere schon heftig wenn sich das genauso nochmal wiederholt. Andererseits geht das Ausdünnen des Eises immer weiter (ich schreibe in Kuerze darueber).
Kurz ich wuerde nicht drauf wetten, dass es diese Jahr bereits so weit ist. Wieso? Moechtest du eine Wette vorschlagen?
Hier die NSIDC Presseerklaerung von damals.
http://nsidc.org/news/press/2007_seaiceminimum/20071001_pressrelease.htmlik
Mal was erfreuliches für das Fell des Bärens
http://www.myvideo.de/watch/782307/DSDS_Gangsta_Braut
Jedwede Sorge um das Arktische Seeeis ist begrüßenswert. Doch diese Sorge sollte auf einem Wissen über das was sich vor 90 Jahren in der Arktis bei Spitsbergen abgespielt hat gründen. Damals schossen die Wintertemperaturen auf Spitsbergen in die Höhe und verblieben hoch bis 1939. Der Wendepunkt war der Winter 1918/19 mit einem Temperatursprung um mehre Grad. Ausführlich dazu: http://www.arctic-warming.com/ Dort wird auch ein vor kurzem erschienener Artikel von: Joe D'Aleo Multidecadal Ocean Cycles and Greenland and the Arctic , 12 May 2008, erörtert, weil sich der Vorgang im hohen Norden sicherlich nicht mit einem Zyklus begründen läßt, denn schon 1930 sah der norwegische Wissenschaftler B. J. Birkeland darin den größten Temperatursprung, der je gemessen wurde. (‘Temperaturvariationen auf Spitzbergen’, Meteorologische Zeitschrift, Juni 1930, p.234-236).
@ArndB
1) "Jedwede Sorge um das Arktische Seeeis ist begrüßenswert. "
Warum? Ich bin nicht besonders besorgt. Letztlich ist es ja nicht mein Bier.
2)"Noch diese Sorge sollte auf einem Wissen über das was sich vor 90 Jahren in der Arktis bei Spitsbergen abgespielt hat gründen. " Warum? Eine einzelne Station, die zudem sehr sensibel auf Seeeistrasnsport reagiert. An der arktisweiten Erwaermung kann auch nicht ein Hauch von Zweifel herrschen. D'Aleo "veroeffentlicht" nichts, zumindest in meinem Sinne von wissenschaftlichen Veroeffentlichungen. Er schreibt auf einer privaten Webseite. Pensioniert, wie so viele Skeptiker (man hat fast den Eindruck, es handele sich um ein gerontologisches Leiden), ist er zumindest Meteorologe gewesen.
3) Was die Seite "http://www.arctic-warming.com/" nun genau sagen will, weiss ich auch nicht. Unter anderem aber wohl, dass die arktische Erwaermung durch kreuzende Kriegsschiffe verursacht wurde:
http://www.arctic-warming.com/can-WWI-have-caused-the-Spitsbergen-warming.php
Was soll ich dazu sagen? Das beruehrt die Grenzen auch meiner Phantasie.
Georg
RE: GERD HOFFMANN 31.05.08 · 16:33 Uhr
Die plötzliche Erwärmung in der Arktis seit Winter 1918/19 für zwei Dekaden ist neben der globalen Abkühlung von 1940 bis ca. 1970 das herausragenste Klimaereignis des letzten Jahrhunderts. Die Untersuchung von http://www.arctic-warming.com/ kommt zu dem Ergebnis, dass die „Explosion“ der Wintertemperaturen (FN 1) nur von einer sehr plötzlichen und dramatischen Veränderung in der Struktur des warmen Spitzbergenstrom verursacht worden sein kann. Von hier, westlich von Spitzbergen, wo der Nordatlantik eisfrei bis fast an den Arktischen Ozean bleibt, begann die arktische Erwärmung, die von 1919 bis 1940 anhielt. Bereits 1936 wies J. Scholsaky darauf hin, dass sich die kalte Deckwasserschicht, die über dem Spitzbergenstrom liegt, von 200 Metern in den 1890er auf nur 100 Meter in den 1920er Jahren verringert hätte (FN 2). Dies hätte besonders große Auswirkung auf die Wintertemperaturen, da der Einfuß der Sonne in diesem Zeitraum gering ist. Insbesondere dem Seeeisvorkommen während der Wintersaison muss besondere Aufmerksamkeit zukommen. Bisherige Untersuchungen haben diese Aspekte kaum berücksichtigt.
Die Kernaussage der vorgelegten Untersuchung ist, dass alleine das Meer für die Erwärmung der Arktis im frühen letzten Jahrhundert verantwortlich war.
Bleibt die Frage, was war der Auslöser im Meere westlich von Spitzbergen, der zu der Temperaturexplosion führte? Dies ist ausführlich diskutiert worden (hier) und http://www.seaclimate.com/ (Chapter 5_12) .
FN 1)__Mehr als acht Grad Celsius in dem Zeitraum 1912/14 und 1923/25.
FN 2)__ Schokalsky, J.; ‚Recent Russian researches in the Arctic Sea and the in moun tains of Central Asia’, in: The Scottish Geographical Magazine, Vol. 52, No.2, March 1936, p. 73-84.