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Lässige Texte über haarsträubende Wissenschaft und den ganzen Rest. Marcus Anhäuser betreibt Plazeboalarm seit April 2005. Er ist Wissenschaftsjournalist in Dresden und Leitender Redakteur von medien-doktor.de.

Neues in der Kategorie Technik

16. Juli 2010

Die ICE-Klimakatastrophe (Nachtrag 21.7.)

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 26

Als ich hörte, dass die Klimaanlagen der alten ICEs nur bis 32 Grad ausgelegt sind, dachte ich spontan, aber auch halb im Scherz: "Na, das ist doch mal ein Beleg für den Klimawandel. Zeigt sich sogar in den technischen Auslegungen der ICE-Klimaanlagen."

Weil ich den Gedanken irgendwie interessant fand, erwähnte ich ihn irgendwie halb lustig aufgelegt gestern in den Kommentaren bei Jörg Friedrich, der sich Gedanken zum ICE-Klimanlagen-Problem machte.

Eben im Interview beim DLF höre ich dann den Bahn Chef Grube Folgendes sagen (Fettung von mir):

Grube: Wir betreiben 255 ICE-Züge, die unterschiedlich, was die Zeit beziehungsweise das Jahr betrifft, wo sie zugelassen worden sind, im Einsatz sind. Insgesamt haben wir 255 Züge. Der ICE 1 beispielsweise aus den Anfängen der 90er-Jahre ist zugelassen bei der Klimaanlage von Minus 20 bis Plus 32 Grad. Der ICE 2, der '95 in Betrieb gegangen ist mit 44 Fahrzeugen, hat auch bei der Klimatemperatur Plus 32 bis Minus 20 Grad. Das heißt nicht, dass sie nicht darüber auch noch arbeiten, aber das ist die genormte regelkonforme Auslegung. Aber bereits der ICE 3 ist schon auf 35 Grad ausgelegt. Der ICE 3, der im nächsten Jahr kommt, ist schon auf 40 Grad ausgelegt. Und der Zug - darf ich das noch ganz kurz sagen -, den wir dann ab 2014 bestellen, ist bereits auf 45 Grad ausgelegt. Sie sehen: wir haben einen Klimawandel, der sich ganz klar reflektiert auch in den Gesetzen, denn es ist ja nicht so, dass die Deutsche Bahn die Normen für eine Klimaanlage festlegt, sondern ...

Meurer: Aber der Klimawandel ist jetzt nicht Schuld gewesen?

Grube: Wir beobachten, wir haben natürlich jetzt auch im Zusammenhang mit der Klimaanlage die Wettersituation analysiert und dabei festgestellt, in 20 Jahren gab es fünf Tage, die wärmer als 37 Grad waren, und davon waren allein drei Tage am letzten Wochenende.

Ihr könnte Euch meine Verwunderung vorstellen. Allerdings: Könnte es sein, dass man Anfang der 90er Jahre (oder als die Normen für Klimanlagen in Zügen festgelegt wurden) das Thema hohe Temperaturen im Sommer noch nicht so ernst genommen hat? (Was ich gar nicht so unverständlich fände ...)

Ist die ICE-Klimakatastrophe vielleicht tatsächlich ein weiterer Beleg für den Klimawandel?

Müsste es dazu nicht Vergleiche aus anderen Ländern geben? Wie waren da die Normen? Hat es vergleichbare Fälle gegeben?

ICE

Nachtrag:
Es wäre dann mal interessant nachzuschauen, ob sich auch in anderen technischen Bereichen Normen bezüglich Höchsttemperaturen verschoben haben (wenn das bei der Bahn tatsächlich so ist). Oder ob es in anderen technischen Bereichen auch inzwischen Probleme gibt, weil sie noch für nicht so heiße Tage ausgelegt wurden.

Nachtrag:
Auf Sueddeutsche.de heißt es dazu:

So sei die Auslegung der älteren Klimaanlagen auf Spitzenwerte von 32 Grad nicht Sache des Unternehmens, sondern entspreche einer internationalen Regelung - jener seit kurzem bekannten Norm 553 der Internationalen Eisenbahnunion UIC. Diese werde bei kommenden Generationen von Zügen automatisch angehoben, versicherte Grube.

(...) Am gestrigen Donnerstag hatte Grubes Berater Georg Brunnhuber mit erstaunlicher Offenheit zugegeben: "Zum Zeitpunkt der Planung dieser ICEs ist niemand davon ausgegangen, dass wir einmal Temperaturen von mehr als 35 Grad in Deutschland haben würden."

Nachtrag 21.7.:
Habe hier versucht an die entsprechenden Papiere zu kommen. Leider ist die Stelle nicht bereit die ansonsten kostenpflichtigen Dokumente, auch nicht auszugsweise, kostenlos an einen Journalisten abzugeben. 180,00 Euro pro Dokument übersteigt mein Budget.


Autor: Marcus Anhäuser· 16.07.10 · 10:46 Uhr· 26 Kommentare

18. März 2010

iPad & Co: Es wird alles noch viel schöner

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 7

Mir scheint, es wird alles noch viel schöner und bunter und dreidimensionaler als in meinem Tagtraum, in dem ich das goldene Zeitalter der Wissenschaftsmagazine auf den elektronischen Kladden gesehen habe.

Wenn das wirklich möglich ist, was dieses Video zeigt, dann beginnen wirklich goldene Zeiten für die Leser von Magazinen und erst recht für Wissenschaftsmagazine (Wir lassen das mit dem Geld einfach mal unter den Tisch fallen. Freie Journalisten machen das ständig so ;-)) Aber das ist ganz großes Kino.

Schauen Sie bitte mal hier (mit etwas Geduld für's Laden):

VIV Mag Interactive Feature Spread - iPad Demo from Alexx Henry on Vimeo.

Irgendwie klingt der Hinweis: "Aber das iPad kann gar kein Flash." kleinkariert in dem Zusammenhang, oder?"

Vielleicht ist das nicht mit der ersten Generation iPad möglich, aber vergleicht den ersten iPod mit dem aktuellen ...

Und wie haben die das gemacht?

So (und bitte wieder etwas Geduld für's Laden).

VIV Mag Featurette: A Digital Magazine Motion Cover and Feature for the iPad from Alexx Henry on Vimeo.

Offenbar müssen wir noch viel radikaler denken, als ich ahnte.
Man stelle sich das mit einer Zelle vor oder einem Airbus, einer Pyramide ...

Nachtrag:
Ich weiß, das ist schon fast eine Filmproduktion, aber es geht mir um die Möglichkeiten, die gezeigt werden. Der Raum in dem wir uns künftig auch als Geschichtenerzähler bewegen ...


Autor: Marcus Anhäuser· 18.03.10 · 20:02 Uhr· 7 Kommentare

17. März 2010

Ich hab' die Zukunft der Wissenschaftsmagazine gespürt (Nachtrag)

Kategorie: Kultur·Technik  ·  Kommentare: 12

Manchmal gibt es diese Momente, in denen man ganz doll merkt: Das ist es! Völlig klar! So geht's! Ganz sicher! Das ist es! So gings mir heute. Ich hatte eine Eingebung. Kurz gesagt: Ich habe die Zukunft der Wissenschaftsmagazine gespürt, gesehen, ge-was-weiß-ich-was ... Sie war groß und bunt und voller Interaktion - wie diese alten "Pop up"-Bücher

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Autor: Marcus Anhäuser· 17.03.10 · 12:32 Uhr· 12 Kommentare

12. März 2010

Wo liegt dieser Bierdeckel auf den Dächern von Paris? (Nachtrag)

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 34

Wow, da stockt einem der Atem. Da hört man gar nicht mehr auf zu gucken und herumzusuchen. Über Twitter wurde ich auf diese Rundumansicht von Paris aufmerksam. Ein Foto mit 26 Gigapixel.

Dies hier ist nur ein kleiner Ausschnitt, ein Screenshot, aus einem gigantischen Bild, dass man hier findet.

Bildschirmfoto 2010-03-12 um 16.48.04.png

Man kann herumscrollen und es so enorm auflösen, dass man wirklich auch die kleinsten Kleinigkeiten entdeckt.

Zum Beispiel: Wo findet sich wohl dieser Bierdeckel (oder ist es ein Käse?) auf einem Bistrotisch auf einem der Dächer von Paris.

Bildschirmfoto 2010-03-12 um 16.38.06.png

Wie das ganze die Fotografen Arnaud Frich und Martin Loyer gemacht haben, kann man hier im Projekt-Blog nachlesen.

Tipp: Auf Vollbild einstellen, dann macht es noch mehr Spaß.

Diese Musik, das ist aus Amelies Welt, könnte ich ständig hören, gute Wahl.

(@Bewegungsmelder, @mauisurfer25)

Nachtrag:
Menschen gibt's relativ wenige zu sehen. Wenn doch wurden sie anonymisiert, wie dieses Bild zeigt:

Bildschirmfoto 2010-03-12 um 17.15.41.png

Nachtrag:
Schau an: Was Paris kann, kann Dresden auch. Von Dresden gibt's ebenfalls eine 26 Gigapixel-Ansicht. Findet sich hier.

(via @infooffice)

Nachtrag 17.3.:
SpOn weist jetzt auch nochmal in einem Artikel auf die beiden 26 Gigapixel-Panoramas hin.

Interessant:

Bei der Gelegenheit wurden dann noch ein paar "Easter Eggs" eingebaut: Wer genau hinschaut, kann unter anderem eine Pistole, eine Schildkröte sowie zwei Ufos am Himmel über Paris entdecken. Schließlich geht es darum, das größte Foto der Welt zusammenzubasteln, nicht das realistischste.

Autor: Marcus Anhäuser· 12.03.10 · 16:52 Uhr· 34 Kommentare

02. Februar 2010

Morgens entspannt aufwachen? iPhone-App Sleep Cycle im Test bei SpOn

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 8

So ein Zufall: Da bekam ich dieser Tage eine Anfrage von einem Leser, was ich denn von dieser iPhone-App SleepCycle hielte. Eine Software, die einem morgens in der Leichtschlafphase aufwecken will, und damit ein unbeschwertes Aufwachen ermöglichen soll. (Das Prinzip: Der Bewegungssensor misst die nächtliche Bewegung im Bett, die für Tiefschlafphase und Leichtschlafphase unterschiedlich ausfällt.) Sie gehört zu den meistverkauften Apps derzeit.

SleepCycle

Da ich gerade mit Arbeit zugeballert bin, musste ich den Leser auf später vertrösten. Jetzt kann ich mir die Arbeit dafür ganz sparen (bis auf diesen kleinen Post), denn Holger Dambek von Spiegel Online hat sich die App vorgenommen und sie bei einer Person in einem Hamburger Schlaflabor getestet.

Das Ergebnis verrät schon der Titel: Mangelhafter Muntermacher.

Schwachstelle des SpOn-Tests ist natürlich: Eine Testperson ist nicht wirklich aussagekräftig. Um es wasserdicht zu machen, bräuchte man eben viele Personen über einen langen Zeitraum. Eine wissenschaftliche Studie unter kontrollierten Bedingungen eben.

Gegen das Gerät spricht aber, dass es die Schlafphasen genau falsch herum interpretiert.

"Das Programm hat das Einschlafen richtig erkannt und reagiert, als der Patient sich umgedreht hat", sagt sie. Die Schlafphasen konnte Sleep Cycle jedoch nicht korrekt zuordnen. "Statt Leichtschlaf zeigt es Tiefschlaf an", moniert die Ärztin. Auch die Traumschlafphasen seien nicht erkannt worden."

Am meisten sollte einem vielleicht die Aussage des Entwicklers Marek Drejak zu denken geben, wenn er beschreibt, wie er seine Software programmiert und eingestellt hat:

"Immer wenn ich am Programm etwas geändert habe, musste ich eine Nacht schlafen, um zu sehen, ob sie den gewünschten Effekt hat", berichtet er.
.

Nachtrag:
Hier gibt's die Story jetzt auch als Video. Da sieht es so aus, als ob der Autor selbst die Versuchsperson ist.


Autor: Marcus Anhäuser· 02.02.10 · 11:50 Uhr· 8 Kommentare

27. Januar 2010

Das Apple Tablet verändert mein Leben: Die Wunschvorstellung ...

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 32

... eines freien Journalisten). Wenn es schon nur die Ankündigung einer Produktvorstellung - die letztlich nur auf Gerüchten basiert - bis in die Deutschlandfunk Morgennachrichten schafft, dann scheint im besten Fall wirklich etwas Wichtiges zu passieren. Im schlechtesten zeigt es lediglich, das Apple das beste Marketing der Welt hat. (Ich meine, kribbelt es bei jemandem, wenn Samsung oder HP ein neues Produkt vorstellt?) Im Idealfall verändert es das Leben von vielen freien Journalisten zum Besseren (kann man sich nur wünschen).

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Autor: Marcus Anhäuser· 27.01.10 · 09:30 Uhr· 32 Kommentare

29. September 2009

Ruhig war's hier aus folgendem Grund

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 3

Kurze Mitteilung in eigener Sache. Wie aus dem nichts, ist hier tagelang nichts passiert. Das passiert hier ja immer mal wieder. Diesmal hatte es gleich drei Gründe.

1. Ich war in Kiew (ich gab einen Workshop über Wissenschaftsjournalismus)
2. Ich war in Hamburg (ich war Teilnehmer eines Workshops über CAR-Techniken).
3. Die Festplatte meines Laptops hat den Geist aufgegeben. Und (als wollte mir irgendeine übersinnliche Kraft angesichts meines Unglaubens noch eins mitgeben) gleich darauf hat sich auch noch meine externe Festplatte (also mein Backup) verabschiedet. Spätestens das wäre der Moment gewesen, an dem er Spruch "Shit happens" erfunden hätte werden müssen.

Ich bin wieder da. Mein Laptop hat eine neue Festplatte, und eine neue externe Festplatte. Und meine alte Festplatte und alte externe Festplatte sind bei einem Dienst namens "PC Feuerwehr" (die helfen auch beim Mac), der mir mitteilte, dass er meine Daten hat retten können, evtl. sei die Struktur nicht mehr zu retten. Auch gut. Kann ich das tausend Tode sterben endlich beenden.

Geht gleich weiter hier. (Und bald noch mehr, allerdings etwas anders als gewohnt.)


Autor: Marcus Anhäuser· 29.09.09 · 16:06 Uhr· 3 Kommentare

02. September 2009

Sollten Firmen für Tiere im Marketing blechen?

Kategorie: Technik·Umwelt  ·  Kommentare: 13

Gute Frage, die NYT-Wissenschaftsreporter Andy Revkin in seinem Blog Dot Earth da aufgreift (eigentlich von seinem Leser Jamie aus Seattle): "Sollte Apple helfen, Leoparden zu schützen?".

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Autor: Marcus Anhäuser· 02.09.09 · 11:04 Uhr· 13 Kommentare

20. August 2009

"Damit zu arbeiten ist wie Sex"

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 29

Entwickeln Wissenschaftler eigentlich hin- und wieder ein erotisches Verhältnis zu ihrem Werkzeug? So wie ein Porscherfahrer zu seinem 911er? Oder ein Handwerker zu seinem Makita Lithium-Ionen Akkubohrschrauber? Oder ein Journalist zu seinem weißen Apple MacBook?

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Autor: Marcus Anhäuser· 20.08.09 · 18:15 Uhr· 29 Kommentare

18. Mai 2009

Eurovison Song Contest: ISS-Live-Schalte auf russisch

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 3

Muss ich wohl verpennt haben: Die Schalte beim Eurovision Song Contest zur ISS-Crew am Samstagabend, live, als die zwei Kosmonauten den Startschuss zum Wahlmarathon eröffneten.

Was aber nach Liveschalte aussah, war möglicherweise nur eine Aufzeichnung, wie Kollege Alexander Stirn herausfand.

Wie er drauf kommt?

Kann man hier auf seinem neuen Blog Alles was fliegt lesen.

Hallo Alex, viel Erfolg und vor allem viel Spaß :-)


Autor: Marcus Anhäuser· 18.05.09 · 17:16 Uhr· 3 Kommentare

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