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Lässige Texte über haarsträubende Wissenschaft und den ganzen Rest. Marcus Anhäuser betreibt Plazeboalarm seit April 2005. Er ist Wissenschaftsjournalist in Dresden und Leitender Redakteur von medien-doktor.de.

Neues in der Kategorie Naturwissenschaften

08. Februar 2012

Making of eBook: '2012 - Keine Panik'

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 16

Florian Freistetter hat ein Buch geschrieben. Ich hab's produziert. Wie sich das für eine moderne Medienproduktion gehört, erzähle ich hier, wie das Endprodukt entstand. Hier also das "Making of '2012 - Keine Panik''.

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Autor: Marcus Anhäuser· 08.02.12 · 08:00 Uhr· 16 Kommentare

02. Oktober 2011

iPhone-Liebe-Hirnscan: Das wäre doch was als Meldung, oder? (Nachträge)

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 21

Nur eine kurze Wochenendwarnung an all die Kollegen, die nach einer schönen Meldung für die kommenden Tage suchen. Solltet Ihr in die Versuchung kommen, daraus (Stichwörter sind iphone, Liebe, Hirnscan) eine Nachricht zu stricken (und es bietet sich an, weil am Dienstag neue iphones präsentiert werden), haltet einen Moment inne - und lest erst mal folgende Blogposts dazu:


Versucht zu widerstehen, gefällt vielleicht Eurem Chef ... aber ihr wisst es besser und Eure Leser werden es Euch danken ...


Nachtrag: David Dobbs weist auf Twitter noch auf einen Beitrag aus dem Juni hin, der erklärt, was generell das Problem mit diesen "Hirnscan zeigt, dass ..."-Meldungen ist:

Noch ein Nachtrag: ... und spätestens jetzt sollte man wirklich die Finger davon lassen (oder die Reaktion auf den New York Times-Artikel als Anlass für einen Beitrag nutzen). Ed Yong weist auf Twitter auf einen Kommentar auf seinem Google+-Account hin, wonach 43 Neurowissenschaftler einen Brief an die NYT geschickt haben, um sich über den Artikel zu beschweren.

Nachtrag 3: Und noch zwei Stücke:


Autor: Marcus Anhäuser· 02.10.11 · 16:04 Uhr· 21 Kommentare

28. September 2011

Was macht eigentlich der Medien-Doktor? oder Braucht der Wissenschaftsjournalismus auch sowas?

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Medizin·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 4

Spätestens jetzt sollte ich vielleicht endlich mal ein wenig erklären, was der Medien-Doktor genau ist (u.a. der Grund, warum es hier so still ist auf dem Blog). Gerade jetzt bietet es sich an, weil Alexander Gerber auf seinem [sic]-Blog (hier bei Sb) u.a. die Frage aufgeworfen hat, ob es für den Wissenschaftsjournalismus auch so etwas bräuchte wie den Medien-Doktorder, der sich um Medizinberichterstattung kümmert (und dessen Leitender Redakteur ich bin).

Anlass für Alexander ist der Vorschlag englischer Wissenschaftler (hier beim Freitag gibt es den Artikel aus dem Guardian in deutsch), für einen regelmäßigen Faktencheck wissenschaftsjournalistischer Artikel/Beiträge, den die Journalisten bei den Wissenschaftlern, über die sie berichten, durchführen lassen sollen.

Medien-Doktor Logo

Damit alle wissen, was der Medien-Doktor eigentlich ist und macht, stelle ich hier mal einen Artikel online, den ich für das Branchenmagazin 'Der Fachjournalist' geschrieben habe und der dort in der April-Ausgabe erschien (hier kann man sich ihn als pdf runterladen).

Er ist keine Antwort auf die Frage, ob Wissenschaftsjournalismus so etwas wie den Faktencheck braucht, aber er erklärt, wie ein System aussehen kann, das u.a. helfen kann, immer wieder auf die Fallstricke im Wissenschaftsjournalismus hinzuweisen.

Hier also eine durchaus ausführliche Erklärung, was der Medien-Doktor macht und leisten möchte. Es geht nämlich durchaus nicht nur um Kritik ...

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Der Medien-Doktor: Bei Journalisten zur Visite

Fast jeder von uns hat sie wohl schon gelesen, gehört oder gesehen - und sich geärgert: Diese Meldungen, die einen „Durchbruch" bei der Bekämpfung einer schweren Krankheit verkünden oder eine einfache Lösung für ein gesundheitliches Problem, das Millionen von Menschen plagt. Sie füllen die Seiten der Tageszeitungen und Wochenmagazine, Internetpostillen oder TV-Rubriken: „Neun Walnüsse am Tag senken Bluthochdruck", „Vitamin B könnte gegen Alzheimer helfen", „Erfolg im Kampf gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs"... Wer ausgewogenen und kritischen Medizinjournalismus erwartet, wird dabei nicht immer, aber immer wieder enttäuscht. Der Nutzen der Therapie wird maßlos übertrieben, auf Risiken und Nebenwirkungen geht der Text nicht ein, an der Studie war nur eine Handvoll Probanden beteiligt, die Pressemitteilung war die einzige Quelle.

Es gibt viele ausgezeichnete Artikel und Sendungen über Gesundheitsthemen - differenziert, einordnend, mit journalistischer Distanz und gesunder Skepsis. Doch es gibt eben auch diese übertriebenen, unnötigen und des- informierenden Beiträge, die leider nicht nur journalistische wie medizinische Profis ärgern und unbedarfte Leser und Zuschauer falsch informieren, sondern auch Patienten und ihren Angehörigen unbegründete Hoffnungen oder Sorgen bereiten.

Die Gründe für solche Texte und Sendungen sind viel- fältig: Sie reichen von den immer schlechter werdenden Bedingungen im Journalismus, Zeitdruck und Platzmangel über Unkenntnis und Unvermögen bis hin zu Faulheit und „Wurschtigkeit". Ausbaden müssen es am Ende Leser, Zuhörer und Zuschauer.

Seit einigen Jahren gibt es in mehreren Ländern Projekte, die sich nicht mehr damit abfinden wollen. Sie überprüfen medizinjournalistische Beiträge auf Herz und Nieren, bewerten sie und veröffentlichen ihr Lob und ihre Kritik im Internet. „Behind The Headlines", „Media Doctor" oder „HealthNewsReview" heißen sie. Die einen verfolgen einen eher deskriptiven Ansatz wie „Behind the Headlines", die anderen gehen nach einem festgelegten Kriterienkatalog vor.

Im deutschsprachigen Raum sind es bisher vor allem Blogs, die zumeist Kritik über schlechten Gesundheitsjournalismus äußern - Lob für gute Stücke findet sich in Blogs (naturgemäß?) eher selten. Seit November 2010 gibt es nun aber auch im deutschsprachigen Raum ein professionelles Monitoring-Projekt, das die Qualität im hiesigen Medizinjournalismus untersucht, gleichermaßen lobt wie kritisiert, auf Fallstricke in der Berichterstattung hinweist und Hilfestellung geben will: Der Medien-Doktor. Angesiedelt ist das Projekt an der Technischen Universität Dortmund, am Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus von Holger Wormer. Unterstützt wird es vor allem von der Initiative Wissenschaftsjournalismus (mit den Trägern Robert Bosch Stiftung, Stifterverband für die deutsche Wissenschaft und BASF. NACHTRAG: nur noch bis Ende 2012) und die Fachverbände „WPK - die Wissenschaftsjournalisten" und VDMJ.

Welche Informationen benötigen Leser, Zuhörer und Zuschauer?

Voila_Capture250.pngRegelmäßig bewertet ein Gutachterteam aus erfahrenen Medizin- und Wissenschaftsjournalisten eine ganz bestimmte Kategorie medizinjournalistischer Beiträge: Artikel und Sendungen, in denen über den Nutzen oder die Sicherheit von (neuen) Therapien, Wirkstoffen, Nahrungsergänzungsmitteln oder auch diagnostischen Tests berichtet wird. Der Medien-Doktor folgt dabei einem Kriterienkatalog, der von den Vorgängerprojekten in Australien, Kanada, Hongkong, Japan (Media Doctor) und den USA (HealthNewsReview) aufgestellt wurde und noch immer angewendet wird. Gemeinsam ist diesen Kriterien die starke Rezipientensicht, die Orientierung an dem, was Leser und Zuschauer, Patienten und ihre Angehörigen an Informationen benötigen, um sich ein vollständiges Bild machen zu können.

Dazu gehört zum Beispiel dass der Nutzen einer Therapie nicht übertrieben dargestellt wird - wieder einmal also nur die Senkung des relativen Risikos für eine Erkrankung Erwähnung findet. So zum Beispiel wenn es heißt, ein Mittel senke die Zahl der Herzinfarkte um „sensationelle 50 Prozent", absolut betrachtet aber die Anzahl der Herzinfarkte von weniger spektakulären zwei je hundert auf einen je hundert Behandelten sinkt. Zu einem vollständigen Bild gehört auch, dass Nebenwirkungen, Kosten und Alternativen thematisiert werden, dass es eine Einschätzung gibt, wie neu ein Ansatz wirklich ist, dass klar wird, wann und für wen ein Mittel verfügbar ist oder wie gut die Evidenz der Studien ist. Wichtig für das Urteil eines Lesers oder Zuschauers ist auch die Einschätzung von Medizinern, die nicht an der vorgestellten Studie beteiligt sind, oder auch die Information, welche Interessenkonflikte bestehen.

Qualität erforschen

Die Ansiedlung des ganzen Projekts an der Dortmunder Universität hat - abgesehen von der Unabhängigkeit - weitere Vorteile. Im Laufe der Zeit erhalten wir durch die regelmäßige Begutachtung einen einmaligen Datenschatz. Diesen können wir nutzen, um Erkenntnisse über die Qualität in einem bestimmten Bereich des Medizinjournalismus' in Deutschland zu gewinnen. Im Hinblick auf welche Kriterien informieren Journalisten die Konsumenten besonders gut, wo haben sie besondere Probleme? Gibt es Unterschiede zwischen Lokalredaktionen und den Redaktionen der überregionalen Blätter? Zwischen Spezialisten und Allroundern? Zwischen Print und TV? Wir können diese Erkenntnisse dann gezielt an die Journalisten zurückgeben - in Form maßgeschneiderter Seminare oder einer medizinjournalistischen „Blattkritik", die der Lehrstuhl im Rahmen des Drittmittelprojekts „Initiative Wissenschaftsjournalismus" den Redaktionen schon jetzt anbietet. Schließlich fließen die Ergebnisse auch in Lehre und Ausbildung der jungen Kollegen und Studierenden.

Diese haben schon in der Vorbereitungsphase in einem Seminar zur Qualität im Medizinjournalismus unter Leitung des Lehrstuhlinhabers Holger Wormer an den Kriterien mitgearbeitet, sie erweitert und getestet, was letztlich in weiteren Entwicklungsschritten mit unseren journalistischen Gutachtern zu dem nun verwendeten Set der „Allgemeinjournalistischen Kriterien" führte.

Und die Entwicklung geht weiter: Wie etwa lässt sich das Konzept des Kriterienkatalogs auf andere Bereiche des Medizin- und Wissenschaftsjournalismus übertragen? Welche Kriterien könnte man zum Beispiel für die Umweltberichterstattung, den Technikjournalismus oder die Behandlung von Physik- und Chemiethemen übernehmen? Welche müsste man neu definieren? Könnte man sogar Qualitätskriterien für (medizinische) Pressemitteilungen entwickeln? Risiken und Nebenwirkungen gibt es auch in anderen Bereichen.

Öffentlichkeit gehört zum Konzept

Die Gutachten werden ganz ähnlich dem wissenschaftlichen „peer review"-Verfahren von jeweils zwei Journalisten unabhängig voneinander erstellt und dann zu einem Gutachten zusammengeführt. Das Endergebnis präsentieren wir, der Medien-Doktor, schließlich auf unserer Webseite www.medien-doktor.de. Für jedes Kriterium begründen wir, warum wir es als „erfüllt" oder als „nicht erfüllt" betrachten. Aus dem Verhältnis von „erfüllten" zu „nicht erfüllten" Kriterien errechnet sich die Gesamtwertung, im besten Fall fünf, im schlechtesten Fall null Sterne.

Voila_Capture251.png

Dass wir die Gutachten veröffentlichen, gehört dabei zum Konzept des Projektes, genau wie bei unseren internationalen Schwesterprojekten, die zum Teil schon seit 2004 medizinjournalistische Beiträge bewerten. Mit jedem einzelnen Gutachten - ob im Ergebnis gut oder schlecht - haben wir die Chance, am konkreten Beispiel zu diskutieren, was ein medizinjournalistischer Beitrag benötigt, damit Leser, Zuhörer und Zuschauer unserer Meinung nach gut und richtig informiert werden. Damit bieten wir gerade auch den besonders guten und bemerkenswerten Beiträgen eine Plattform und helfen damit vielleicht anderen, am guten Beispiel zu lernen. Letztlich erhoffen wir uns durch die Präsentation auf der Webseite Lerneffekte, die womöglich nachhaltiger sind als so manches Zwei-Tage-Seminar.

Tipps und Kniffe für Medizinjournalisten

Aber wir wollen nicht nur loben, kritisieren und ein Bewusstsein für bestimmte Kriterien im Medizinjournalismus wecken. Wir betrachten die Website auch als eine zentrale Plattform für unsere Zunft, auf denen Journalisten Ressourcen finden, die ihnen bei ihrem nicht immer einfachen Job helfen (sollen). So verweisen wir im Bereich „Tools für Journalisten" (der noch im Aufbau ist) auf Artikel und Webressourcen, die weiterhelfen, etwa bei den Fragen, wie man gute von schlechten Studien unterscheidet, wie man mit Statistiken umgeht oder wo man schnell verlässliche Quellen für die Recherche findet. Im neu gestarteten Blog „Sprechstunde" bieten wir regelmäßig Linktipps rund um den Medizinjournalismus an oder widmen uns in ausführlichen Artikeln einem ganz spezifischen Problem unserer Zunft.

Eines wollen wir mit unserem Projekt aber auf keinen Fall: Journalisten an den Pranger stellen. Wir hoffen, unsere Kritik wird als konstruktiv empfunden. Uns geht es auch nicht um den einzelnen Kollegen. Ein Beitrag ist oft genug ein Gemeinschaftswerk, an dem auch Redakteure, Layouter, Grafiker oder Kameraleute beteiligt sind. In den Gutachten nennen wir nie den Namen eines Autors. Es muss sich also niemand sorgen, dass eine schlechte Bewertung in der Google-Liste seines Namens auftaucht.

Für erste Ergebnisse ist es naturgemäß noch viel zu früh, wir haben gerade die ersten 25 Gutachten veröffentlicht. Wir haben Fünf-Sterne-Artikel gesehen, wir haben auch null Sterne vergeben. Der Nutzen wird selten verständlich erklärt oder quantifiziert, Risiken und Nebenwirkungen fallen oft unter den Tisch - auch bei Leitmedien. Zu oft war die Pressemitteilung die einzige Quelle. Im Regionalbereich fällt zum Teil eine Art Hofberichterstattung auf: Der leitende Arzt einer Klinik darf sich und seine OP-Methode im besten Licht präsentieren, kritische Anmerkungen fehlen völlig. Ein erstes Muster, das sich aber erst noch bestätigen muss.

Feedback der Autoren

Und was sagen die Autoren? Wir haben auch erste Feedbacks bekommen. Vor allem, wenn das Sterneergebnis mager ausfiel, sind der erste Schreck und auch ein Funke Empörung in mancher E-Mail zu spüren. „Warum haben Sie ausgerechnet meinen kleinen Artikel ausgesucht?", „Das ist doch unfair, Texte aus einer Lokalredaktion mit denen einer großen Wochenzeitung zu vergleichen!" Selbst Rufschädigung wurde schon deklamiert. Und überhaupt: „Was erwarten Sie denn, bei dem Honorar, so wenig Platz und Zeit?"

Das sind natürlich verständliche Reaktionen, aber sie sind auch symptomatisch, denn es wird fast immer aus der Perspektive des Journalisten heraus argumentiert: „Die Bedingungen sind so, was sollen wir denn machen?" Richtig, die Bedingungen sind so, wir vom Medien-Doktor wissen das alle nur zu gut. Aber wir bewerten die Beiträge vor allem aus der Sicht der Rezipienten. Die lesen den Artikel oder sehen den Bericht und erwarten, gut und richtig informiert zu werden - im Wochenmagazin genauso wie auf der Lokalseite. Wäre das nicht eine absurde Vorstellung, wenn wir vom Leser oder Zuschauer erwarteten, er müsse die Bedingungen im Journalismus mit in seine Überlegungen einbeziehen? Frei nach dem Motto: „Hier hätte mich noch die Einschätzung eines unabhängigen Mediziners interessiert, aber wahrscheinlich hat der Autor zu wenig Honorar bekommen. Schade, eigentlich."

Dass wir mit unserer Bewertung tatsächlich Hilfestellung geben können, zeigt, wie ich finde, die professionelle Reaktion einer Autorin. Nach dem ersten Schreck und einigen Erklärungen unsererseits, schrieb sie uns zurück: „Ich habe jedenfalls für mich beschlossen, in Anlehnung an die beim Medien-Doktor verwendeten Kriterien [...] meine eigene kleine Beurteilungsliste aufzustellen und meine künftigen Texte vor Abgabe daran zu messen. Das ist mein Beitrag zur Verbesserung."

Wenn das mit der Zeit immer mehr Kollegen machen, dann haben wir mit dem Medien-Doktor tatsächlich etwas erreicht.


Autor: Marcus Anhäuser· 28.09.11 · 11:16 Uhr· 4 Kommentare

23. Januar 2011

Liebe Telepolis-Redaktion, Entschuldigung abgelehnt ... (Update 25.1.)

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 14

...Mann...

"Wir verstehen es zwar nicht, aber egal, wir bringen es trotzdem mal," so könnte man die eigenartige Erklärung der Telepolis-Redaktion zusammenfassen, mit der sie sich vorab dafür entschuldigt, dass auf Ihren Seiten der "der LHC-könnte-die-Welt-zerstören"-Professor Otto Rössler seine bekannt kruden eigenartigen Thesen verbreiten kann. Im Original liest sich das so:

"Da die Redaktion unschlüssig war, ob wir den Text von Prof. Dr. Otto Rössler veröffentlichen sollen, weil wir nicht wirklich beurteilen können, ob die von ihm gemachten Annahmen plausibel sind ... (...)"

(bitte Update 25.1. lesen, das führt das Ganze dann ad absurdum.)

Das ist ja nett. Kann ich mir das ausborgen? Das erspart mir künftig einiges an Arbeit. Immer dann, wenn ich nicht so richtig verstehe, was ein Wissenschaftler da erklärt (und das passiert einem Wissenschaftsjournalisten immer wieder mal), setze ich einfach einen Disclaimer vor den Artikel, damit die Leser Bescheid wissen:

"Ich verstehe nicht ganz, was er erforscht hat, aber es klingt irgendwie interessant und es hat etwas mit Weltuntergang zu tun, also wollte ich es Ihnen nicht vorenthalten."

Das ist gerade in diesem Fall ja auch ein echter Dienst am Telepolis-Leser. Dann können die nämlich in einigen Jahren, wenn die Erde auf zwei Zentimeter geschrumpft sein wird (O-Ton Rössler), wenigstens sagen: "Mann, die von Telepolis, die hatten den richtigen Riecher. Hätten doch nur mehr damals den Mut gehabt, dem einsamen Rufer in der Wüste Gehör zu verschaffen."

Kommt Jungs. Macht Eure Hausaufgaben, anstatt Euch schon vorher für den Quatsch zu entschuldigen, der dann auf Eurer Seite vezapft wird.

(via Florian).


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Update:
Der Autor des ergänzenden Begleitartikels (zu Rösslers Beitrag) findet, er hat einen Fehler gemacht und hat die Telepolis-Redaktion gebeten, seinen Text wieder aus dem Netz zu nehmen, wie er hier bei Florian in den Kommentaren und als E-Mail an mich (in cc) und Florian schreibt.

Update 25.1.:
Wissenschaftsjournalist Harald Zaun hat seinem begleitenden Artikel zu Rösslers Thesen einen zweiten folgen lassen (der erste ist nach wie vor online). Schon die Überschriften verdeutlichen die Verschiebung seiner Sichtweise die unterschiedlich Gewichtung im Artikel:
Beitrag 1: "Das Unmögliche überdenken - warum nicht?!".
Beitrag 2: "Das Doomsday-Szenarium geht nicht von Genf aus."

Im ersten Beitrag gibt es leider noch keinen Hinweis, dass der Autor einen zweiten ergänzenden Beitrag hinzugefügt hat. Vielleicht will die Redaktion ihre Leser nicht zu sehr verwirren.

Seinen ersten Beitrag kommentiert er wie folgt:

"So wollen wir abschließend - sine ira et studio - die Äußerung eines übereifrigen Autoren [er spricht von sich selbst, Anm. von mir], der als Folge eines temporären geistigen Blackouts kürzlich doch glattweg behauptet hatte, dass "jede noch so abstruse Idee" es zunächst einmal verdient habe, "von allen Seiten gründlich durchleuchtet zu werden", tunlichst und schnell ad acta legen. Wir wollen ihm [er spricht von sich selbst] hier nach einigem Überlegen die Stirn bieten und indes damit kontern, dass wohl eher das Gegenteil der Fall sein sollte: Abstruse Ideen sollten vielleicht doch besser dem Papierkorb anvertraut werden. Denn auch Papier ist bisweilen ungeduldig."

Quod erat demonstrandum ...


Autor: Marcus Anhäuser· 23.01.11 · 21:44 Uhr· 14 Kommentare

18. Januar 2011

Die ganz eigene Komik der Lebensmittelindustrie (Nachtrag)

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 38

Apropos Humor. Mein Brüller der Woche war das (nicht nach unten schielen):

Als moderner Mensch ist man ja einiges gewohnt, was die Zusammensetzung von Fertigspeisen angeht. Wir mussten alle lernen was Analogkäse ist (ein Begriff, der gerade in der digitalen Welt eine ganz besondere Ironie in sich trägt. Auch ein Lacher, wenn es nicht so traurig wäre.)

Meinen Lacher der Woche hatte ich, als ich auf den "Beipackzettel" einer gerade verspeisten Portion Tiramisú schaute. Ich konnte gar nicht mehr weiter lesen vor Lachen. Zum Glück hatte ich meinen letzen Löffel der feinen Speise schon heruntergeschluckt, sonst wäre er mir vielleicht im Halse stecken geblieben angesichts der "Zutat", die dort an erster Stelle aufgelistet wurde.

Ich sag' nur:

REKONSTRUIERTES MAGERMILCHPULVER.

Auf der Verpackung sah das so aus:

Magermilchpulver2.jpg

Dass da keine Milch im eigentlichen Sinne drin ist, das ist klar (wie sind im 21. Jahrhundert, wir sind einiges gewohnt). Also Magermilchpulver. Aber rekonstruiert? Was muss man an "Pulver" rekonstruieren? Liebe Hersteller der Nahrungsmittelindustrie, verzeiht meine Unwissenheit, aber angesichts der Berichte, die man im Laufe der Jahre so gesehen hat, kam bei mir die Frage auf:

"Rekonstruiert? Aus was?"

Ich mag gar nicht näher darüber nachdenken ... Wenn ich einfach mal so ins Blaue phantasiere: Okay, aus Milch wird es wohl nicht rekonstruiert, das wäre ja dann einfach nur Milchpulver. Aus Tierresten? Pflanzenabfall? Altöl? Nein, das würden die nie machen ... ;-)

Die Komik des Begriffes entsteht zum Teil auch aus dem Bezug von "Rekonstruktion" und "Pulver"; bei "Pulver" denke ich an einen Sandhaufen. Was gibt es da zu rekonstruieren. Etwas zu rekonstruieren, klingt nach: kompliziert, technisch raffiniert.

Was kann man rekonstruieren: Ein spätgotisches Gebäude, ein historisches Pergament mit einer unbekannten Schrift, eine Maschine Leonardo Da Vincis ...

Aber ein Pulver ... aus Magermilch?

Ob die vielleicht die molekulare Grundstruktur des Milchpulvers nachbauen oder aus Einzelmolekülen (die sonst woher stammen) durch komplizierte chemische Verfahren zusammensetzen?

Wie auch immer, wahrscheinlich ist es ganz einfach und ich müsste nur in der Wikipedia nachsehen, aber das nähme mir ja den ganzen Spaß.

... rekonstruiertes Magermilchpulver ...

Fertiggerichte entfalten oft ihre ganz eigene bizarre Komik. Natürlich auch im Zusammenhang mit dem üblichen Marketinggeschwätz auf der Vorderseite (aber das ist ja eigentlich ein alter Hut):

Tiramisu.jpg

"... 100 Jahre alte, original Bologneser Rezeptur ..."

Wie traurig wäre das Leben ohne die Lebensmittelindustrie und ihre Marketingtexter ...

Geschmeckt hat's trotzdem. Und so praktisch ...

Nachtrag (18.1.11):
Ich habe den Lebensmittelchemiker Udo Pollmer (vom E.U.L.E) per E-Mail gefragt, ob er mir erklären kann, was "rekonstruiertes Magermilchpulver" sein könnte. Wenn man konkret danach sucht gibt es im Deutschen und im Englischen kaum verwertbares. Ist auch kein Wunder, wenn Pollmer Recht hat. Er schreibt:

"Das ist ja lustig. Vermutlich soll das rekonstituiertes Magermilchpulver heißen, also Magermilchpulver plus Wasser. Aber es gibt natürlich auch ein Magermilchpulver, das nicht ganz echt ist und aus allerlei Milchfraktionen zusammengebastelt wird, bis man es vom Original nicht mehr unterscheiden kann. (...) Hier handelt es sich aber offenbar um einen Sprachunfall ..."
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Autor: Marcus Anhäuser· 18.01.11 · 08:00 Uhr· 38 Kommentare

04. Januar 2011

Der dilettantische Versuch die partielle Sonnenfinsternis zu filmen (Nachtrag)

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 11

Ich wollte die Sonnenfinsternis sehen, aber direkt in die Sonne zu schauen, haut einem die Augen weg. Eine spezielle Brille, die ich 1999 noch hatte, habe ich nicht mehr. Da fiel mir spontan ein, das ich mal in einer diese Kinderwissenssendungen gesehen habe, dass man nur einen Pappdeckel braucht und eine weiße Fläche, mit der man den Vorgang sichtbar machen kann, ohne sich die Augen zu verbrennen.

Also schnell einen Pappdeckel besorgt, kleines Loch reingebohrt und ein weißes Papier als Auffangschirm, und siehe da, es funktioniert.

Und da ich der Menschheit natürlich von dieser Großtat berichten wollte (und ich fühle mich wie Tom Hanks auf der einsamen Insel, der stolz um sein selbstgemachtes Feuer tanzt und schreit: "Seht her, was für ein Feuer.") und auch zeigen wollte wie einfach das geht, musste das ganze natürlich spontan auch noch aufgenommen werden. Das Aufnehmen war fast noch problematischer als das Erstellen der Lochkamera (diesbezüglich hätte ich gestern natürlich auch mal bei Florian vorbei schauen können). Ich habe ja nur zwei Hände, mit denen ich eigentlich das Papier und den Pappdeckel halten wollte. Also kurzerhand das weiße Papier in die Kühlschranktür geklemmt und einfach mit der iPhone-Kamera draufgehalten. Hier ist der erste Versuch, etwa um 9:30 Uhr aufgenommen.

Leider ist die Auflösung nicht ganz so toll, aber sonst dauert der Upload zu lange.

Eventuell baue ich weitere Aufnahmen später noch ein.

Viel Spaß erstmal damit ...

(Manchmal beschleicht mich zwar ein ganz leichter Zweifel, ob das wirklich die Sonnenfinsternis ist ... aber lasst mich jetzt einfach mal in dem Glauben.)

Nachtrag:
Hier noch ein zweiter Versuch, diesmal mit zwei Löchern und einem Versprecher
(als Printjournalist ist man das freie, spontane Sprechen ja nicht so gewohnt).

In dieser Version ist die Sichel etwas besser zu sehen, und natürlich doppelt.


Autor: Marcus Anhäuser· 04.01.11 · 11:43 Uhr· 11 Kommentare

26. November 2010

Asse und der Krebs: Hatte niemand beim NDR die Chuzpe 'Nein' zu sagen?

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 32

Ich sollte das nicht tun. Meinen Ärger über den NDR verbloggen. Aber irgendwo muss er hin der Ärger, mit dieser Meldung über die Krebsfälle und die Asse.

Lieber NDR, lass' sie doch bitte sein, diese Asse-Meldung. Lösch sie einfach, diese Meldung über Asse und die Krebsfälle, in der Dinge drin stehen wie:

"Nach Angaben des Niedersächsischen Sozialministeriums gegenüber dem NDR Regionalmagazin "Hallo Niedersachsen" liegt bei Männern die Zahl der Neuerkrankungen im Untersuchungszeitraum bei zwölf - statistisch erwartbar wären 5,2. Die Erkrankungsratefür Schilddrüsenkrebs bei Frauen hat sich laut der Untersuchung des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen (EKN) sogar verdreifacht. Die Erkrankungshäufigkeit für Leukämien bei Frauen ist ebenfalls erhöht, allerdings nicht signifikant (...)

Oder ein solcher Bilduntertitel:

"Rund um das ehemalige Bergwerk Asse gibt es eine deutliche Zunahme von Krebserkrankungen."

Diese ganze andere hin und her, wer was sagte ("nicht gefährlich", "doch gefährlich"),auf das will ich gar nicht eingehen.

Warum habt ihr das gemacht? Hättet ihr nicht noch ein bisschen warten können? Bis man mehr weiß, außer diesen nackten Zahlen, die rein gar nichts besagen?

Zum Glück gibt es Kollegen, die es blicken.

Heute mittag etwa erklärte Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich beim DLF:

"Man weiß nicht, waren es Mitarbeiter der Asse, die jetzt beispielsweise bei den Männern in die Statistik reinschlagen. Es ging 2009 durch die Presse, dass mehrere Mitarbeiter der Asse an Krebs erkrankt sind. Fallen die jetzt darunter? Wann sind sie an Krebs erkrankt? Was sind das für Krebse? Das muss man dann alles einmal genau anschauen. Auf der anderen Seite ist es so, wenn man sich jetzt den Jahresbericht anschaut von 2002, 2005 oder jetzt den jüngsten, 2006, 2007, dann stellt man plötzlich fest, dass andere Landkreise durchaus auch bei diesen Leukämien oder Schilddrüsenkrebsen im früheren Zeitraum höhere Fälle haben, höhere Neuerkrankungen haben als Wolfenbüttel beziehungsweise dieser gesamte Landkreis in dieser Gegend."

Oder:

"Es kann Zufall sein. Die Erkrankungen sind ja da, aber es kann ein statistischer Effekt sein - das ist immer möglich bei der einen Sache - und es kann sein, dass Leute zugezogen sind. Man weiß nicht, waren es starke Raucher, wie sind die Lebensumstände. Das sind alles Sachen, die geklärt werden müssen, um so eine Medizinstatistik wirklich sauber zu führen. Das ist sehr aufwendig und man muss viele verschiedene Risiken betrachten."

Heute Abend hat es dann Markus Becker von Spiegel Online auf seine gewohnt direkte Art geschrieben:

"Was diese Zahlen über eine erhöhte Krebsgefahr durch das Atommülllager aussagen? Rein gar nichts."

Zur Ergänzung hat er die Zahlen schön anschaulich nochmal erklärt, und das klingt mit dem verdreifachten Risiko bei Frauen und Schilddrüsenkrebs gar nicht mehr so dramatisch (für die Frauen ist das dramatisch, aber der reine Zahlenanstieg ist es nicht):

"Demnach erkrankten unter den rund 10.000 Bewohnern der Samtgemeinde Asse - die aus sieben Einzelgemeinden besteht - von 2002 bis 2009 insgesamt 18 Menschen an Leukämie, darunter zwölf Männer und sechs Frauen. Gemessen am bundesweiten Durchschnitt seien aber nur acht Fälle zu erwarten gewesen, teilte das niedersächsische Sozialministerium mit. Das Risiko für Frauen, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken, sei gar um das Dreifache erhöht gewesen: Zehn Frauen seien betroffen gewesen, obwohl es statistisch nur 3,3 hätten sein sollen."

Einerseits gilt dies:

"Zudem sei die Zahl der Krebsfälle in der Asse-Region so gering, dass schon die zufällige Abweichung vom bundesweiten Durchschnitt eine prozentual deutliche Steigerung verursachen könne, erklärt Krebsexperte Becker."

Außerdem gilt das:

"Die Daten des EKN sind vollständig anonymisiert. Und sie enthalten lediglich das Geschlecht der Krebspatienten. Der genaue Wohnort - der für die Abschätzung eines strahlenbedingten Krebsrisikos wichtig wäre - fehlt. Das gleiche gilt für andere Faktoren, die für das individuelle Krebsrisiko eine entscheidende Rolle spielen, wie etwa der Beruf und das Alter der Betroffenen. Aus den Daten ist nicht einmal ersichtlich, ob die Patienten direkt im Atommülllager gearbeitet haben oder nicht."

Aber der NDR hat's erstmal rausgehauen, dann den üblichen Stimmenwirrwarr dazu eingefangen (Ausgewogenheit ist wichtig) - und die Aufmerksamkeit ist dem Sender gewiss. Was für ein Scoop.

Dabei gilt doch das:

"So etwas muss man vorher prüfen, bevor man mit solchen Zahlen an die Öffentlichkeit geht", kritisiert Nikolaus Becker, der am Deutschen Krebsforschungszentrum das epidemiologische Krebsregister von Baden-Württemberg leitet.

Fettung von mir. NDR. Mann. VORHER.

Es hätte doch auch jemand "Nein." sagen können. "Nein, das bringen wir noch nicht, weil es viel zu früh dazu ist. Weil wir zu wenige Informationen haben. Weil wir die Leute vielleicht unnötig verängstigen. Deshalb bringen wir es (jetzt) nicht. Lasst uns abwarten, bis wir mehr wissen."

Hatte keiner die Chuzpe?


Autor: Marcus Anhäuser· 26.11.10 · 20:58 Uhr· 32 Kommentare

09. März 2010

Wie Peter Moosleitners interessantes Magazin mein Leben veränderte

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 23

Na, dann trage ich auch noch mein Scherflein bei zur ungeplanten SB-Serie: "Welche Medien mein wissenschaftliches Weltbild formten." Ich geb's zu: Abgesehen von Löwenzahn, Hoimar von Ditfurth, Sendung mit der Maus und Horst Stern hat eine Zeitschrift ganz entscheidend zu meiner Bildung beigetragen: Peter Moosleitners interessantes Magazin: P.M.

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Autor: Marcus Anhäuser· 09.03.10 · 08:12 Uhr· 23 Kommentare

24. Februar 2010

Mindflex: Wie Mattel unsere Denkschwäche ausnutzt (Update)

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 35

Update: Bitte beachte auch dieHinweise in den Kommentaren, wonach das System angeblich funktionieren soll (wobei unklar bleibt, was tatsächlich gemessen wird, Muskelkontraktionen oder doch irgendwelche 'Hirnströme'). Ich konnte dies bisher nicht nachrecherchieren.

Meine Tochter (5) würfelte und würfelte beim Mensch ärgere dich nicht-Spiel, doch es kam einfach keine 6. Dann würfelte sie zur Abwechslung mal mit beiden Händen - und siehe, da war die gewünschte 6 endlich. Ab da würfelte sie nur noch mit zwei Händen.

Das ist ein schönes Beispiel für die menschliche Fähigkeit Zusammenhänge herzustellen, wo eigentlich gar keine existieren. Dem Würfel ist es egal, ob er mit einer oder zwei Händen geworfen wird. Aber unser Hirn konstruiert ganz schnell aus zeitlicher Nähe einen kausalen Zusammenhang.

Diese Denkschwäche nutzt offenbar auch der Spielehersteller Mattel aus. Er verkauft derzeit in den USA ein Gerät namens Mindflex (laut Spiegel Online ab Herbst in Deutschland erhältlich).

Dieses Spiel springt auf einen Zug der Hirnforschung auf, wonach es immer besser gelingt, allein per Kraft der Gedanken etwas zu beeinflussen (z.B. ein Objekt auf einem Bildschirm).

Bei Mindflex soll man auf diese Weise einen schwebenden Schaumstoffball bewegen können. Das wäre mal der direkte Weg aus den Forschungslabors ins Spielzimmer.

Dass das ganze offenbar eine Luftnummer ist, entlarvt SpOn-Autor Hilmar Schmundt in einem schönen Beitrag (Text und Video).

Mit dem Hirnforscher John-Dylan Haynes von der Charité zeigt er, wie man dem Spiel auf die Schliche kommt.

"Im Auftrag des SPIEGEL versuchte er, hinter das Geheimnis von Mindflex zu kommen - mit einem Trick. Haynes nimmt den Plastikkopf einer Schaufensterpuppe und legt ein nasses Handtuch darüber. Dann zieht er das Hirnsteuerungs-Stirnband über das feuchte Tuch, dessen elektrischer Widerstand in etwa dem eines menschlichen Kopfes entspricht - und schaltet die Maschine ein.

Und siehe da: Wie von Geisterhand schwebt der Ball in die Höhe, kurz darauf sinkt er wieder ab - und zwar garantiert gedankenlos."

Mattel nutzt dieselbe Denkschwäche aus, die auch meine Tochter zum Würfeln mit zwei Händen verführt:

"Bei Mindflex werden Nutzer psychologisch darauf trainiert, einen Zusammenhang anzunehmen, wo keiner besteht", urteilt Haynes: "Diese Überzeugung kann sich sehr intensiv anfühlen."

Wie stark dieser Effekt ist, verdeutlicht schon das Video, wenn man sieht, wie Schmundt das Gerät im Einsatz testet.

Mattel schreibt übrigens über die Funktionsweise des Mindflex:

"Whenever you concentrate, you generate brainwave activity. Mindflex uses a variation of EEG technology to "read" the intensity of these brainwaves via sensors positioned on your forehead and ears. (...) Once the Mindflex headset recognizes your brainwaves, it transmits a signal to a fan within the console. This fan controls ball levitation. Your brainwaves, in turn, control the power of the fan. The more effectively you concentrate, the stronger the fan blows and the higher the ball floats. Relaxing your mind relaxes the fan's airflow, which lowers the ball."

Erstaunlich ...

Hier mal ein Video, in dem das Ding erklärt wird:


Autor: Marcus Anhäuser· 24.02.10 · 13:22 Uhr· 35 Kommentare

01. Februar 2010

Quantenphilosopie. Aha? Und Spiritualität. Mhm.

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 20

Und ich stand in einer S-Bahn-Station in Hamburg und sah dieses Plakat:

Quantenphilosophie und Spiritualität

Erster Reflex: Uah, nein, warum nur?
Zweite Reaktion: Aber warum nicht? Vielleicht bewegt sich da was aufeinander zu.
Dritte Reaktion: Nee, komm. Quanten und Philosophie und Religion und Spiritualität, das ist zu viel.

Also, ein bisschen rumgesurft.

Quantenphilosophie, okay, Artikel bei "Welt der Physik". Bin ich doch so ignorant. Aber man kann ja nicht alles wissen. Mal demnächst lesen.

Mal 'nen Namen googeln. "Ulrich Warnke". Müsste ich den kennen?

Erster Fund.

Ulrich Warnke

Mhm, eine Firmenseite. Der Begriff Elektrosmog soll aus seiner Arbeitsgruppe stammen. Weiß ich gar nicht, ob ich das so gut finden soll ... . Aber was sind das für Dinger unten im Bild?

Und dieser Satz? : " ... der positive Effekte einer Gefäßerweiterung und erhöhten Perfusion auf pulsierende Magnetfelder beim Menschen sichtbar machen konnte ... "

Magnetfelder, mhm. Was sind das jetzt für Geräte?

Bildschirmfoto 2010-02-01 um 10.07.28.png

Mhm, "Das UNITTRON-Lamda dient zur Lichtbehandlung .... ", "Real-Time-Potential-Feedback", und für Tiere gibt's das auch: "Eine veterinärmedizinisce Produktlinie rundet unser Produktsprektrum ab ...".

Leute, Leute, ich weiß nicht, was soll man davon halten? (ich ahne es ja irgendwie schon).

Was ist das da ganz oben, oben rechts im ersten Bild, in rot: NEU, BionMed.

Mal schauen:

BionMed

Uh. Gesundheit durch Information. Jetzt kippt es aber. "Mit Hilfe von Licht und anderen natürlichen Energieinformationen können die Körperzellen energetisch aktiviert werden."

Links zur Uni des Saarlandes laufen ins Leere.

Vielleicht mal bei Wikipedia? Kein Eintrag.
Bei Esowatch vielleicht? Da gibt's einen Eintrag.

Tja, und was mach ich jetzt mit dieser Vorrecherche? Lass' ich mal so stehen, und schau ein anderes mal, wer Dagmar Uecker ist.

Und der Vortrag? Kann ja trotzdem spannend gewesen sein.

Aber man kann sich ja nicht um alles kümmern ;-)


Autor: Marcus Anhäuser· 01.02.10 · 10:35 Uhr· 20 Kommentare

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