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Lässige Texte über haarsträubende Wissenschaft und den ganzen Rest.
Marcus Anhäuser betreibt Plazeboalarm seit April 2005. Er ist Wissenschaftsjournalist in Dresden und Leitender Redakteur von medien-doktor.de.
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28. September 2011
Was macht eigentlich der Medien-Doktor? oder Braucht der Wissenschaftsjournalismus auch sowas?
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Medizin·Naturwissenschaften · Kommentare: 4
Spätestens jetzt sollte ich vielleicht endlich mal ein wenig erklären, was der Medien-Doktor genau ist (u.a. der Grund, warum es hier so still ist auf dem Blog). Gerade jetzt bietet es sich an, weil Alexander Gerber auf seinem [sic]-Blog (hier bei Sb) u.a. die Frage aufgeworfen hat, ob es für den Wissenschaftsjournalismus auch so etwas bräuchte wie den Medien-Doktorder, der sich um Medizinberichterstattung kümmert (und dessen Leitender Redakteur ich bin).
Anlass für Alexander ist der Vorschlag englischer Wissenschaftler (hier beim Freitag gibt es den Artikel aus dem Guardian in deutsch), für einen regelmäßigen Faktencheck wissenschaftsjournalistischer Artikel/Beiträge, den die Journalisten bei den Wissenschaftlern, über die sie berichten, durchführen lassen sollen.

Damit alle wissen, was der Medien-Doktor eigentlich ist und macht, stelle ich hier mal einen Artikel online, den ich für das Branchenmagazin 'Der Fachjournalist' geschrieben habe und der dort in der April-Ausgabe erschien (hier kann man sich ihn als pdf runterladen).
Er ist keine Antwort auf die Frage, ob Wissenschaftsjournalismus so etwas wie den Faktencheck braucht, aber er erklärt, wie ein System aussehen kann, das u.a. helfen kann, immer wieder auf die Fallstricke im Wissenschaftsjournalismus hinzuweisen.
Hier also eine durchaus ausführliche Erklärung, was der Medien-Doktor macht und leisten möchte. Es geht nämlich durchaus nicht nur um Kritik ...
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Der Medien-Doktor: Bei Journalisten zur Visite
Fast jeder von uns hat sie wohl schon gelesen, gehört oder gesehen - und sich geärgert: Diese Meldungen, die einen „Durchbruch" bei der Bekämpfung einer schweren Krankheit verkünden oder eine einfache Lösung für ein gesundheitliches Problem, das Millionen von Menschen plagt. Sie füllen die Seiten der Tageszeitungen und Wochenmagazine, Internetpostillen oder TV-Rubriken: „Neun Walnüsse am Tag senken Bluthochdruck", „Vitamin B könnte gegen Alzheimer helfen", „Erfolg im Kampf gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs"... Wer ausgewogenen und kritischen Medizinjournalismus erwartet, wird dabei nicht immer, aber immer wieder enttäuscht. Der Nutzen der Therapie wird maßlos übertrieben, auf Risiken und Nebenwirkungen geht der Text nicht ein, an der Studie war nur eine Handvoll Probanden beteiligt, die Pressemitteilung war die einzige Quelle.
Es gibt viele ausgezeichnete Artikel und Sendungen über Gesundheitsthemen - differenziert, einordnend, mit journalistischer Distanz und gesunder Skepsis. Doch es gibt eben auch diese übertriebenen, unnötigen und des- informierenden Beiträge, die leider nicht nur journalistische wie medizinische Profis ärgern und unbedarfte Leser und Zuschauer falsch informieren, sondern auch Patienten und ihren Angehörigen unbegründete Hoffnungen oder Sorgen bereiten.
Die Gründe für solche Texte und Sendungen sind viel- fältig: Sie reichen von den immer schlechter werdenden Bedingungen im Journalismus, Zeitdruck und Platzmangel über Unkenntnis und Unvermögen bis hin zu Faulheit und „Wurschtigkeit". Ausbaden müssen es am Ende Leser, Zuhörer und Zuschauer.
Seit einigen Jahren gibt es in mehreren Ländern Projekte, die sich nicht mehr damit abfinden wollen. Sie überprüfen medizinjournalistische Beiträge auf Herz und Nieren, bewerten sie und veröffentlichen ihr Lob und ihre Kritik im Internet. „Behind The Headlines", „Media Doctor" oder „HealthNewsReview" heißen sie. Die einen verfolgen einen eher deskriptiven Ansatz wie „Behind the Headlines", die anderen gehen nach einem festgelegten Kriterienkatalog vor.
Im deutschsprachigen Raum sind es bisher vor allem Blogs, die zumeist Kritik über schlechten Gesundheitsjournalismus äußern - Lob für gute Stücke findet sich in Blogs (naturgemäß?) eher selten. Seit November 2010 gibt es nun aber auch im deutschsprachigen Raum ein professionelles Monitoring-Projekt, das die Qualität im hiesigen Medizinjournalismus untersucht, gleichermaßen lobt wie kritisiert, auf Fallstricke in der Berichterstattung hinweist und Hilfestellung geben will: Der Medien-Doktor. Angesiedelt ist das Projekt an der Technischen Universität Dortmund, am Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus von Holger Wormer. Unterstützt wird es vor allem von der Initiative Wissenschaftsjournalismus (mit den Trägern Robert Bosch Stiftung, Stifterverband für die deutsche Wissenschaft und BASF. NACHTRAG: nur noch bis Ende 2012) und die Fachverbände „WPK - die Wissenschaftsjournalisten" und VDMJ.
Welche Informationen benötigen Leser, Zuhörer und Zuschauer?
Regelmäßig bewertet ein Gutachterteam aus erfahrenen Medizin- und Wissenschaftsjournalisten eine ganz bestimmte Kategorie medizinjournalistischer Beiträge: Artikel und Sendungen, in denen über den Nutzen oder die Sicherheit von (neuen) Therapien, Wirkstoffen, Nahrungsergänzungsmitteln oder auch diagnostischen Tests berichtet wird. Der Medien-Doktor folgt dabei einem Kriterienkatalog, der von den Vorgängerprojekten in Australien, Kanada, Hongkong, Japan (Media Doctor) und den USA (HealthNewsReview) aufgestellt wurde und noch immer angewendet wird. Gemeinsam ist diesen Kriterien die starke Rezipientensicht, die Orientierung an dem, was Leser und Zuschauer, Patienten und ihre Angehörigen an Informationen benötigen, um sich ein vollständiges Bild machen zu können.
Dazu gehört zum Beispiel dass der Nutzen einer Therapie nicht übertrieben dargestellt wird - wieder einmal also nur die Senkung des relativen Risikos für eine Erkrankung Erwähnung findet. So zum Beispiel wenn es heißt, ein Mittel senke die Zahl der Herzinfarkte um „sensationelle 50 Prozent", absolut betrachtet aber die Anzahl der Herzinfarkte von weniger spektakulären zwei je hundert auf einen je hundert Behandelten sinkt. Zu einem vollständigen Bild gehört auch, dass Nebenwirkungen, Kosten und Alternativen thematisiert werden, dass es eine Einschätzung gibt, wie neu ein Ansatz wirklich ist, dass klar wird, wann und für wen ein Mittel verfügbar ist oder wie gut die Evidenz der Studien ist. Wichtig für das Urteil eines Lesers oder Zuschauers ist auch die Einschätzung von Medizinern, die nicht an der vorgestellten Studie beteiligt sind, oder auch die Information, welche Interessenkonflikte bestehen.
Qualität erforschen
Die Ansiedlung des ganzen Projekts an der Dortmunder Universität hat - abgesehen von der Unabhängigkeit - weitere Vorteile. Im Laufe der Zeit erhalten wir durch die regelmäßige Begutachtung einen einmaligen Datenschatz. Diesen können wir nutzen, um Erkenntnisse über die Qualität in einem bestimmten Bereich des Medizinjournalismus' in Deutschland zu gewinnen. Im Hinblick auf welche Kriterien informieren Journalisten die Konsumenten besonders gut, wo haben sie besondere Probleme? Gibt es Unterschiede zwischen Lokalredaktionen und den Redaktionen der überregionalen Blätter? Zwischen Spezialisten und Allroundern? Zwischen Print und TV? Wir können diese Erkenntnisse dann gezielt an die Journalisten zurückgeben - in Form maßgeschneiderter Seminare oder einer medizinjournalistischen „Blattkritik", die der Lehrstuhl im Rahmen des Drittmittelprojekts „Initiative Wissenschaftsjournalismus" den Redaktionen schon jetzt anbietet. Schließlich fließen die Ergebnisse auch in Lehre und Ausbildung der jungen Kollegen und Studierenden.
Diese haben schon in der Vorbereitungsphase in einem Seminar zur Qualität im Medizinjournalismus unter Leitung des Lehrstuhlinhabers Holger Wormer an den Kriterien mitgearbeitet, sie erweitert und getestet, was letztlich in weiteren Entwicklungsschritten mit unseren journalistischen Gutachtern zu dem nun verwendeten Set der „Allgemeinjournalistischen Kriterien" führte.
Und die Entwicklung geht weiter: Wie etwa lässt sich das Konzept des Kriterienkatalogs auf andere Bereiche des Medizin- und Wissenschaftsjournalismus übertragen? Welche Kriterien könnte man zum Beispiel für die Umweltberichterstattung, den Technikjournalismus oder die Behandlung von Physik- und Chemiethemen übernehmen? Welche müsste man neu definieren? Könnte man sogar Qualitätskriterien für (medizinische) Pressemitteilungen entwickeln? Risiken und Nebenwirkungen gibt es auch in anderen Bereichen.
Öffentlichkeit gehört zum Konzept
Die Gutachten werden ganz ähnlich dem wissenschaftlichen „peer review"-Verfahren von jeweils zwei Journalisten unabhängig voneinander erstellt und dann zu einem Gutachten zusammengeführt. Das Endergebnis präsentieren wir, der Medien-Doktor, schließlich auf unserer Webseite www.medien-doktor.de. Für jedes Kriterium begründen wir, warum wir es als „erfüllt" oder als „nicht erfüllt" betrachten. Aus dem Verhältnis von „erfüllten" zu „nicht erfüllten" Kriterien errechnet sich die Gesamtwertung, im besten Fall fünf, im schlechtesten Fall null Sterne.
Dass wir die Gutachten veröffentlichen, gehört dabei zum Konzept des Projektes, genau wie bei unseren internationalen Schwesterprojekten, die zum Teil schon seit 2004 medizinjournalistische Beiträge bewerten. Mit jedem einzelnen Gutachten - ob im Ergebnis gut oder schlecht - haben wir die Chance, am konkreten Beispiel zu diskutieren, was ein medizinjournalistischer Beitrag benötigt, damit Leser, Zuhörer und Zuschauer unserer Meinung nach gut und richtig informiert werden. Damit bieten wir gerade auch den besonders guten und bemerkenswerten Beiträgen eine Plattform und helfen damit vielleicht anderen, am guten Beispiel zu lernen. Letztlich erhoffen wir uns durch die Präsentation auf der Webseite Lerneffekte, die womöglich nachhaltiger sind als so manches Zwei-Tage-Seminar.
Tipps und Kniffe für Medizinjournalisten
Aber wir wollen nicht nur loben, kritisieren und ein Bewusstsein für bestimmte Kriterien im Medizinjournalismus wecken. Wir betrachten die Website auch als eine zentrale Plattform für unsere Zunft, auf denen Journalisten Ressourcen finden, die ihnen bei ihrem nicht immer einfachen Job helfen (sollen). So verweisen wir im Bereich „Tools für Journalisten" (der noch im Aufbau ist) auf Artikel und Webressourcen, die weiterhelfen, etwa bei den Fragen, wie man gute von schlechten Studien unterscheidet, wie man mit Statistiken umgeht oder wo man schnell verlässliche Quellen für die Recherche findet. Im neu gestarteten Blog „Sprechstunde" bieten wir regelmäßig Linktipps rund um den Medizinjournalismus an oder widmen uns in ausführlichen Artikeln einem ganz spezifischen Problem unserer Zunft.
Eines wollen wir mit unserem Projekt aber auf keinen Fall: Journalisten an den Pranger stellen. Wir hoffen, unsere Kritik wird als konstruktiv empfunden. Uns geht es auch nicht um den einzelnen Kollegen. Ein Beitrag ist oft genug ein Gemeinschaftswerk, an dem auch Redakteure, Layouter, Grafiker oder Kameraleute beteiligt sind. In den Gutachten nennen wir nie den Namen eines Autors. Es muss sich also niemand sorgen, dass eine schlechte Bewertung in der Google-Liste seines Namens auftaucht.
Für erste Ergebnisse ist es naturgemäß noch viel zu früh, wir haben gerade die ersten 25 Gutachten veröffentlicht. Wir haben Fünf-Sterne-Artikel gesehen, wir haben auch null Sterne vergeben. Der Nutzen wird selten verständlich erklärt oder quantifiziert, Risiken und Nebenwirkungen fallen oft unter den Tisch - auch bei Leitmedien. Zu oft war die Pressemitteilung die einzige Quelle. Im Regionalbereich fällt zum Teil eine Art Hofberichterstattung auf: Der leitende Arzt einer Klinik darf sich und seine OP-Methode im besten Licht präsentieren, kritische Anmerkungen fehlen völlig. Ein erstes Muster, das sich aber erst noch bestätigen muss.
Feedback der Autoren
Und was sagen die Autoren? Wir haben auch erste Feedbacks bekommen. Vor allem, wenn das Sterneergebnis mager ausfiel, sind der erste Schreck und auch ein Funke Empörung in mancher E-Mail zu spüren. „Warum haben Sie ausgerechnet meinen kleinen Artikel ausgesucht?", „Das ist doch unfair, Texte aus einer Lokalredaktion mit denen einer großen Wochenzeitung zu vergleichen!" Selbst Rufschädigung wurde schon deklamiert. Und überhaupt: „Was erwarten Sie denn, bei dem Honorar, so wenig Platz und Zeit?"
Das sind natürlich verständliche Reaktionen, aber sie sind auch symptomatisch, denn es wird fast immer aus der Perspektive des Journalisten heraus argumentiert: „Die Bedingungen sind so, was sollen wir denn machen?" Richtig, die Bedingungen sind so, wir vom Medien-Doktor wissen das alle nur zu gut. Aber wir bewerten die Beiträge vor allem aus der Sicht der Rezipienten. Die lesen den Artikel oder sehen den Bericht und erwarten, gut und richtig informiert zu werden - im Wochenmagazin genauso wie auf der Lokalseite. Wäre das nicht eine absurde Vorstellung, wenn wir vom Leser oder Zuschauer erwarteten, er müsse die Bedingungen im Journalismus mit in seine Überlegungen einbeziehen? Frei nach dem Motto: „Hier hätte mich noch die Einschätzung eines unabhängigen Mediziners interessiert, aber wahrscheinlich hat der Autor zu wenig Honorar bekommen. Schade, eigentlich."
Dass wir mit unserer Bewertung tatsächlich Hilfestellung geben können, zeigt, wie ich finde, die professionelle Reaktion einer Autorin. Nach dem ersten Schreck und einigen Erklärungen unsererseits, schrieb sie uns zurück: „Ich habe jedenfalls für mich beschlossen, in Anlehnung an die beim Medien-Doktor verwendeten Kriterien [...] meine eigene kleine Beurteilungsliste aufzustellen und meine künftigen Texte vor Abgabe daran zu messen. Das ist mein Beitrag zur Verbesserung."
Wenn das mit der Zeit immer mehr Kollegen machen, dann haben wir mit dem Medien-Doktor tatsächlich etwas erreicht.
Autor: Marcus Anhäuser· 28.09.11 · 11:16 Uhr· 4 Kommentare
16. November 2009
Der Selbstmord und die Lage der Nation
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 20
Ich kann zu dem ganzen Fall nicht viel sagen. Bei so was fehlen mir die Worte. Deshalb nur für die, die den Tod von Robert Enke als ein Zeichen dafür betrachten, wie es um das Land steht. Dass der Druck der Leistungsgesellschaft immer größer wird. Dass die Ellbogengesellschaft immer öfter ihre Opfer fordert. Dass immer mehr Menschen keinen Ausweg mehr sehen und sich deshalb selbst töten.
Abgesehen davon, dass man von einem Fall nicht auf's ganze Land schließen kann, der Blick auf die Zahlen zeigt das jedenfalls nicht - wenn die Daten nur annähernd wiedergeben, wie viele Menschen sich jedes Jahr umbringen.
Hier die Statistik für den Zeitraum 1980 bis 2007. Todesursache: Vorsätzliche Selbstbeschädigung, so heißt das beim Statistischen Bundesamt. Quelle: ebendieses.

1981 waren es 18.825, 2007 waren es 9.402. Das heißt, außer Robert Enke starben an diesem Tag noch etwa 24 weitere Menschen durch Suizid, und am Tag davor und am Tag danach, und an jedem weiteren Tag des Jahres.
Doch wenn die Zahlen stimmen (und vergleichbar sind), dann waren es 1980 50 Menschen jeden Tag.
Ich weiß nicht, was so ein Selbstmord bedeutet. Aber das ein einzelner Fall für alles möglich herhalten muss inklusive des Zustands der gesamten Gesellschaft, dass finde ich, sollten wir uns schenken.
Ob das Ganze drumherum um den Tod von Robert Enke etwas bedeutet, weiß ich auch nicht. Aber ich finde Harald Martenstein hat viel Richtiges geschrieben. Und Niggemeier sowieso, vorher schon.
Nachtrag: Das Statsitische Bundesamt hat auch eine sog. standardisierte Sterbeziffer bestimmt (S. 964), um Unterschiede im Bevölkerungsaufbau über die Jahre auszugleichen. Danach kamen 1980 auf 100.000 Menschen 24 Selbsttötungen pro Jahr, 2006 waren es elf.
Autor: Marcus Anhäuser· 16.11.09 · 21:30 Uhr· 20 Kommentare
31. August 2009
Wo sind die Wissensvermittler der Kultur?
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 53
Alle reden immer davon, dass Naturwissenschaft der breiten Bevölkerung nahe gebracht werden muss. Es gibt/gab die PUS-Bewegung. Wir Wissenschaftsjournalisten sollen (vor allem) als Übersetzer der Wissenschaftler deren Wissenschaft vermitteln (obwohl wir eigentlich noch was anderes zu tun haben, da haben auch einige was nicht mitgekriegt), es gibt Kommunikator-Preise für Naturwissenschaftler, die ihre Wissenschaft populär vermitteln können.
Es kommt einem manchmal so vor, als hätten die Naturwissenschaften irgendwie ein schlechtes Gewissen entwickelt, das ihnen ständig erklärt: "Wir müssen was tun, damit uns die Menschen verstehen."
Wäre es nicht längst mal an der Zeit, dass die Kultur- und Geisteswissenschaften das auch machen? Oder gibt's das schon?
Oder haben die einfach keinen Bock, weil diese Aussage stimmt?:
"Es ist traurig, dass die Engstirnigkeit auf Seiten der Kunst meist noch größer ist als die der Wissenschaft. Künstler rühmen sich manchmal kokett, von Mathematik und Physik nichts zu verstehen. Es gibt natürlich auch Naturwissenschafter, die Shakespeare nicht gelesen haben - aber sie sind wenigstens nicht stolz darauf.Beide Seiten müssen sich anstrengen, diesen Graben zu überbrücken. Die Bringschuld auf Seiten der Geisteswissenschaft und der Kunst ist heute aber größer als auf Seiten der Naturwissenschaften."
Das sagt Gottfried Schatz, emeritierte Professor der Universität Basel. Er wurde am Samstag für seine Vermittlerrolle zwischen Natur- und Geisteswissenschaften, mit dem Europäischen Wissenschafts-Kulturpreis der Kulturstiftung Pro Europa ausgezeichnet.
Ich habe bis heute keinen Shakespear gelesen, und denke immer wieder mal: "Man, müsste ich wirklich mal tun. Da habe ich ein Defizit." Aber ob jemand aus dem Bereich Geistes-/Sozial-/Kulturwissenschaft denselben Gedanken hat, wenn er das Wort Mitochondrium hört und nicht weiß, was es ist?
Der Witz ist: Sein Körper ist voll davon.
Das Zitat stamm aus diesem Interview. Kam drauf via.
Autor: Marcus Anhäuser· 31.08.09 · 11:04 Uhr· 53 Kommentare
13. April 2009
Wissenschaftsjournalismus in der Krise?
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 22
Wer noch ein bisschen Futter braucht für die These, der Wissenschafts- und Medizinjournalismus dieser Tage gerate qualitativ mehr und mehr in die Krise (obwohl er so viel Raum hat wie nie), der findet Bestätigung in einem Artikel des Wissenschaftsjournalisten Michael Gross im Fachmagazin Ethics in Science and Environmental Politics.
(schon im Oktober 08 online veröffentlicht, ich und andere wurden durch einen Hinweis der Chefredakteurin erst jetzt darauf aufmerksam).
Autor: Marcus Anhäuser· 13.04.09 · 18:12 Uhr· 22 Kommentare
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