Blog durchsuchen
Profil

Lässige Texte über haarsträubende Wissenschaft und den ganzen Rest. Marcus Anhäuser betreibt Plazeboalarm seit April 2005. Er ist Wissenschaftsjournalist in Dresden und Leitender Redakteur von medien-doktor.de.

Archiv Januar 2011

23. Januar 2011

Liebe Telepolis-Redaktion, Entschuldigung abgelehnt ... (Update 25.1.)

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 14

...Mann...

"Wir verstehen es zwar nicht, aber egal, wir bringen es trotzdem mal," so könnte man die eigenartige Erklärung der Telepolis-Redaktion zusammenfassen, mit der sie sich vorab dafür entschuldigt, dass auf Ihren Seiten der "der LHC-könnte-die-Welt-zerstören"-Professor Otto Rössler seine bekannt kruden eigenartigen Thesen verbreiten kann. Im Original liest sich das so:

"Da die Redaktion unschlüssig war, ob wir den Text von Prof. Dr. Otto Rössler veröffentlichen sollen, weil wir nicht wirklich beurteilen können, ob die von ihm gemachten Annahmen plausibel sind ... (...)"

(bitte Update 25.1. lesen, das führt das Ganze dann ad absurdum.)

Das ist ja nett. Kann ich mir das ausborgen? Das erspart mir künftig einiges an Arbeit. Immer dann, wenn ich nicht so richtig verstehe, was ein Wissenschaftler da erklärt (und das passiert einem Wissenschaftsjournalisten immer wieder mal), setze ich einfach einen Disclaimer vor den Artikel, damit die Leser Bescheid wissen:

"Ich verstehe nicht ganz, was er erforscht hat, aber es klingt irgendwie interessant und es hat etwas mit Weltuntergang zu tun, also wollte ich es Ihnen nicht vorenthalten."

Das ist gerade in diesem Fall ja auch ein echter Dienst am Telepolis-Leser. Dann können die nämlich in einigen Jahren, wenn die Erde auf zwei Zentimeter geschrumpft sein wird (O-Ton Rössler), wenigstens sagen: "Mann, die von Telepolis, die hatten den richtigen Riecher. Hätten doch nur mehr damals den Mut gehabt, dem einsamen Rufer in der Wüste Gehör zu verschaffen."

Kommt Jungs. Macht Eure Hausaufgaben, anstatt Euch schon vorher für den Quatsch zu entschuldigen, der dann auf Eurer Seite vezapft wird.

(via Florian).


Flattr this

Update:
Der Autor des ergänzenden Begleitartikels (zu Rösslers Beitrag) findet, er hat einen Fehler gemacht und hat die Telepolis-Redaktion gebeten, seinen Text wieder aus dem Netz zu nehmen, wie er hier bei Florian in den Kommentaren und als E-Mail an mich (in cc) und Florian schreibt.

Update 25.1.:
Wissenschaftsjournalist Harald Zaun hat seinem begleitenden Artikel zu Rösslers Thesen einen zweiten folgen lassen (der erste ist nach wie vor online). Schon die Überschriften verdeutlichen die Verschiebung seiner Sichtweise die unterschiedlich Gewichtung im Artikel:
Beitrag 1: "Das Unmögliche überdenken - warum nicht?!".
Beitrag 2: "Das Doomsday-Szenarium geht nicht von Genf aus."

Im ersten Beitrag gibt es leider noch keinen Hinweis, dass der Autor einen zweiten ergänzenden Beitrag hinzugefügt hat. Vielleicht will die Redaktion ihre Leser nicht zu sehr verwirren.

Seinen ersten Beitrag kommentiert er wie folgt:

"So wollen wir abschließend - sine ira et studio - die Äußerung eines übereifrigen Autoren [er spricht von sich selbst, Anm. von mir], der als Folge eines temporären geistigen Blackouts kürzlich doch glattweg behauptet hatte, dass "jede noch so abstruse Idee" es zunächst einmal verdient habe, "von allen Seiten gründlich durchleuchtet zu werden", tunlichst und schnell ad acta legen. Wir wollen ihm [er spricht von sich selbst] hier nach einigem Überlegen die Stirn bieten und indes damit kontern, dass wohl eher das Gegenteil der Fall sein sollte: Abstruse Ideen sollten vielleicht doch besser dem Papierkorb anvertraut werden. Denn auch Papier ist bisweilen ungeduldig."

Quod erat demonstrandum ...


Autor: Marcus Anhäuser· 23.01.11 · 21:44 Uhr· 14 Kommentare

20. Januar 2011

Bankhofer-Sendung: "... gegen das Schleichwerbeverbot verstoßen" (Nachtrag 5.2.)

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 14

Mehrmals hatte der Gesundheitsjournalist Hademar Bankhofer in den letzten Jahren mit dem Vorwurf der Schleichwerbung zu kämpfen. Jetzt rügt erstmals die ZAK einen Sender aufgrund von Schleichwerbung in einer Bankhofer-Sendung.

...mehr


Autor: Marcus Anhäuser· 20.01.11 · 16:15 Uhr· 14 Kommentare

18. Januar 2011

Die ganz eigene Komik der Lebensmittelindustrie (Nachtrag)

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 38

Apropos Humor. Mein Brüller der Woche war das (nicht nach unten schielen):

Als moderner Mensch ist man ja einiges gewohnt, was die Zusammensetzung von Fertigspeisen angeht. Wir mussten alle lernen was Analogkäse ist (ein Begriff, der gerade in der digitalen Welt eine ganz besondere Ironie in sich trägt. Auch ein Lacher, wenn es nicht so traurig wäre.)

Meinen Lacher der Woche hatte ich, als ich auf den "Beipackzettel" einer gerade verspeisten Portion Tiramisú schaute. Ich konnte gar nicht mehr weiter lesen vor Lachen. Zum Glück hatte ich meinen letzen Löffel der feinen Speise schon heruntergeschluckt, sonst wäre er mir vielleicht im Halse stecken geblieben angesichts der "Zutat", die dort an erster Stelle aufgelistet wurde.

Ich sag' nur:

REKONSTRUIERTES MAGERMILCHPULVER.

Auf der Verpackung sah das so aus:

Magermilchpulver2.jpg

Dass da keine Milch im eigentlichen Sinne drin ist, das ist klar (wie sind im 21. Jahrhundert, wir sind einiges gewohnt). Also Magermilchpulver. Aber rekonstruiert? Was muss man an "Pulver" rekonstruieren? Liebe Hersteller der Nahrungsmittelindustrie, verzeiht meine Unwissenheit, aber angesichts der Berichte, die man im Laufe der Jahre so gesehen hat, kam bei mir die Frage auf:

"Rekonstruiert? Aus was?"

Ich mag gar nicht näher darüber nachdenken ... Wenn ich einfach mal so ins Blaue phantasiere: Okay, aus Milch wird es wohl nicht rekonstruiert, das wäre ja dann einfach nur Milchpulver. Aus Tierresten? Pflanzenabfall? Altöl? Nein, das würden die nie machen ... ;-)

Die Komik des Begriffes entsteht zum Teil auch aus dem Bezug von "Rekonstruktion" und "Pulver"; bei "Pulver" denke ich an einen Sandhaufen. Was gibt es da zu rekonstruieren. Etwas zu rekonstruieren, klingt nach: kompliziert, technisch raffiniert.

Was kann man rekonstruieren: Ein spätgotisches Gebäude, ein historisches Pergament mit einer unbekannten Schrift, eine Maschine Leonardo Da Vincis ...

Aber ein Pulver ... aus Magermilch?

Ob die vielleicht die molekulare Grundstruktur des Milchpulvers nachbauen oder aus Einzelmolekülen (die sonst woher stammen) durch komplizierte chemische Verfahren zusammensetzen?

Wie auch immer, wahrscheinlich ist es ganz einfach und ich müsste nur in der Wikipedia nachsehen, aber das nähme mir ja den ganzen Spaß.

... rekonstruiertes Magermilchpulver ...

Fertiggerichte entfalten oft ihre ganz eigene bizarre Komik. Natürlich auch im Zusammenhang mit dem üblichen Marketinggeschwätz auf der Vorderseite (aber das ist ja eigentlich ein alter Hut):

Tiramisu.jpg

"... 100 Jahre alte, original Bologneser Rezeptur ..."

Wie traurig wäre das Leben ohne die Lebensmittelindustrie und ihre Marketingtexter ...

Geschmeckt hat's trotzdem. Und so praktisch ...

Nachtrag (18.1.11):
Ich habe den Lebensmittelchemiker Udo Pollmer (vom E.U.L.E) per E-Mail gefragt, ob er mir erklären kann, was "rekonstruiertes Magermilchpulver" sein könnte. Wenn man konkret danach sucht gibt es im Deutschen und im Englischen kaum verwertbares. Ist auch kein Wunder, wenn Pollmer Recht hat. Er schreibt:

"Das ist ja lustig. Vermutlich soll das rekonstituiertes Magermilchpulver heißen, also Magermilchpulver plus Wasser. Aber es gibt natürlich auch ein Magermilchpulver, das nicht ganz echt ist und aus allerlei Milchfraktionen zusammengebastelt wird, bis man es vom Original nicht mehr unterscheiden kann. (...) Hier handelt es sich aber offenbar um einen Sprachunfall ..."
Flattr this

Autor: Marcus Anhäuser· 18.01.11 · 08:00 Uhr· 38 Kommentare

17. Januar 2011

Doc Hirschhausens "Homöopathie"

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 74

Hier auf den Scienceblogs braucht man das Wort Homöopathie nur hauchen und schon bricht ein Sturm der Kommentatoren los und es beginnt wieder von vorne, die Diskussion über potenzierte Kügelchen, Similé-Betrachtungen und der Wahnsinn der dahinter steckt, wenn man nur mal anfängt darüber nachzudenken.

Was dem ganzen fehlt ist eine gewisse Leichtigkeit und eine Prise Humor. Und wenn es um das Thema Medizin geht, gibt es kaum einen besseren, der all das zusammenbringt, als Eckart von Hirschhausen.

Irgendwie führten die verschlungenen Wege des Internets den Comedian auf meinen Blog und es hat ihm hier gefallen. Als kleinen Dank überließ er mir folgende kleine Spitze, die viele kleine Wahrheiten enthält, nicht nur über die Homöopathie.

Freundlicherweise erlaubte er mir auch den Text mit meinen Bloglesern zu teilen. Einige werden ihn vielleicht kennen, aber es lohnt sich, ihn immer mal wieder zu lesen.

Viel Spaß also bei Eckart von Hischhausens Homöopathie-Text (bei dem es auch um Eigenurin geht).


HOMÖOPATHIE

Auf Partys sage ich nur sehr ungern, dass ich approbierter Arzt bin. Denn dann setzen zwei Reflexe bei allen Anwesenden ein. Ich höre mir eine halbe Stunde Schauergeschichten über das Versagen der Schulmedizin an, und dann soll ich mal kurz mitkommen und im Bad eine Hautverfärbung nach ihrer Malignität beurteilen.

Auf Partys redet man am besten über Homöopathie und Eigenurin. Damit haben alle immer nur gute Erfahrungen. Wer schlechte Erfahrungen gemacht hat, darf nicht mitreden. Stiftung Warentest hat gerade das Buch: Die Andere Medizin herausgegeben, und beiden Verfahren erneut die Wirksamkeit abgesprochen.

Ich mache mir aber keine grossen Illusionen darüber, dass die ständige wissenschaftliche Widerlegung vieler komplementärer Verfahren irgendetwas an ihrer Popularität ändert. Was Dieter Bohlen für die Unterhaltungsindustrie, sind die Globuli für den Gesundheitsmarkt - nicht wegzudiskutieren. Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg.

Medizin ist in weiten Teilen bis heute keine Wissenschaft sondern Unterhaltungsindustrie. Kunst. Heilkunst. Die Kunst, dem Patienten die Zeit zu vertreiben, die der Körper braucht, um sich selbst zu helfen!

Das Wirksame an der Homöopathie ist die unverdünnte Sympathie. Jemand hört dir über Stunden aufmerksam zu, stellt Fragen, gibt dir wieder Hoffnung, Anweisungen und Struktur für dein Leben. Alles sehr wirksam, und das hört man heutzutage lieber vom Heilpraktiker als vom Therapeuten oder Pfarrer. Hochgiftiges wie Arsen, Bienengift oder Brechwurzeln wird solange verschüttelt bis nichts mehr davon im Wasser enthalten ist. Keine Chemie, kein Äba, keine Pharmaindustrie. Nichts was irgendwie Nebenwirkungen haben könnte. Das Wasser erinnert sich, womit es mal Kontakt hatte. Komisch - mein Kopf besteht zu über neunzig Prozent aus Wasser, und ich weiß oft schon am nächsten Tag nicht mehr, mit wem ich alles Kontakt hatte.

Zur Einnahme gibt es weitere selbsterfüllende Prophezeiungen: Werden die Beschwerden schlechter zeigt es, das Mittel schlägt an, wird es besser ist es auch das Mittel, und wenn sich über Wochen nichts tut - liegt es am Amalgam. Wer heilt hat recht, tut aber gut daran, das Rechtbehaltens vorher weitläufig auszulegen. Du bekommst etwas sehr Individuelles, DEIN Mittel, es ist nichts drin was schaden kann, denn dieses Millionstel ist alle Information, die dein Körper jetzt braucht.

Ich hab es tatsächlich für mich mal getestet. Es hat funktioniert. Und letzten Endes ist es mir egal, ob es an den Globuli lag oder an den hohen Dosen Mitgefühl. Als die Rechnung über zweihundert Euro kam, hab ich auch gleich bezahlt. Zwei Cent. Und dem Behandler erklärt. „Nach allem, was ich durch Sie gelernt habe, ist dies alle Information die Ihr Portemonaie gerade braucht!"

Und wenn ihr Arzt darüber lachen kann, dann bleiben sie bei dem. Wenn nicht - schnell verdünnisieren!

Anderer Fall: Eigenurin. Ich respektiere die Weisheit des Körpers. Wenn die Nieren etwas ausscheiden wollen, dann glaub ich ihnen das. Die filtern 180 Liter Blut jeden Tag, um alle Schadstoffe aus dem Körper zu entfernen. Und dann kommt jemand daher und sagt - booh. Was für ein besonderer Saft. Lass uns den oben wieder reinkippen. Anatomisch nicht korrekt - aber ich glaube, auch Nieren fühlen sich manchmal verarscht. Aber könnte man nicht das Verdünnen der Homöopathen UND den Eigenurin gleichzeitig anwenden? Ja, es geht. Im Schwimmbad! Kinder machen das intuitiv. Jetzt warte ich nur noch drauf, dass die Kasse das bezahlt.

Danke, Doc ... :-)

Nachtrag (ich Schlunz):
"Aus: Eckart v. Hirschhausen. "Die Leber wächst mit ihren Aufgaben." Rowohlt. Mit freundlicher Genehmigung des Autors"

Flattr this


Autor: Marcus Anhäuser· 17.01.11 · 09:05 Uhr· 74 Kommentare

04. Januar 2011

Der dilettantische Versuch die partielle Sonnenfinsternis zu filmen (Nachtrag)

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 11

Ich wollte die Sonnenfinsternis sehen, aber direkt in die Sonne zu schauen, haut einem die Augen weg. Eine spezielle Brille, die ich 1999 noch hatte, habe ich nicht mehr. Da fiel mir spontan ein, das ich mal in einer diese Kinderwissenssendungen gesehen habe, dass man nur einen Pappdeckel braucht und eine weiße Fläche, mit der man den Vorgang sichtbar machen kann, ohne sich die Augen zu verbrennen.

Also schnell einen Pappdeckel besorgt, kleines Loch reingebohrt und ein weißes Papier als Auffangschirm, und siehe da, es funktioniert.

Und da ich der Menschheit natürlich von dieser Großtat berichten wollte (und ich fühle mich wie Tom Hanks auf der einsamen Insel, der stolz um sein selbstgemachtes Feuer tanzt und schreit: "Seht her, was für ein Feuer.") und auch zeigen wollte wie einfach das geht, musste das ganze natürlich spontan auch noch aufgenommen werden. Das Aufnehmen war fast noch problematischer als das Erstellen der Lochkamera (diesbezüglich hätte ich gestern natürlich auch mal bei Florian vorbei schauen können). Ich habe ja nur zwei Hände, mit denen ich eigentlich das Papier und den Pappdeckel halten wollte. Also kurzerhand das weiße Papier in die Kühlschranktür geklemmt und einfach mit der iPhone-Kamera draufgehalten. Hier ist der erste Versuch, etwa um 9:30 Uhr aufgenommen.

Leider ist die Auflösung nicht ganz so toll, aber sonst dauert der Upload zu lange.

Eventuell baue ich weitere Aufnahmen später noch ein.

Viel Spaß erstmal damit ...

(Manchmal beschleicht mich zwar ein ganz leichter Zweifel, ob das wirklich die Sonnenfinsternis ist ... aber lasst mich jetzt einfach mal in dem Glauben.)

Nachtrag:
Hier noch ein zweiter Versuch, diesmal mit zwei Löchern und einem Versprecher
(als Printjournalist ist man das freie, spontane Sprechen ja nicht so gewohnt).

In dieser Version ist die Sichel etwas besser zu sehen, und natürlich doppelt.


Autor: Marcus Anhäuser· 04.01.11 · 11:43 Uhr· 11 Kommentare

ScienceBlogs.com

mehr auf www.scienceblogs.com »