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Lässige Texte über haarsträubende Wissenschaft und den ganzen Rest. Marcus Anhäuser betreibt Plazeboalarm seit April 2005. Er ist Wissenschaftsjournalist in Dresden und Leitender Redakteur von medien-doktor.de.

Archiv Dezember 2009

16. Dezember 2009

Das alte Lied: Prozent von was ... verdammt.

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 18

Wie lautet die erste Frage, die man stellen muss, wenn man Prozentangaben sieht? Die Überschrift hat's schon verraten. XY Prozent von was? Wäre uns Verbrauchern das ins Gehirn gemeiselt, hätten Firmen wie Dr. Oetker keine Chance mit solchen Marketingstricks, wie sie die Verbraucherorganisation foodwatch gerade wieder "enttarnt" hat.

Bildschirmfoto 2009-12-16 um 14.31.46.png

Die Berliner haben ein paar Beispiele gesammelt, die belegen, wie gerne Firmen versuchen, uns mit dem alten Trick der hohen Prozentzahlen reinzulegen (Zitate aus der E-Mail-Pressemitteilung):

"Besonders dreist treibt es Dr. Oetker bei seinem Schokoladenpudding "PurChoc". Auf der Verpackung steht groß "75% Kakao in der Schokolade" und "Tansania edelbitter" - tatsächlich sind jedoch nur 1,875 Prozent Tansania-Kakao im Produkt enthalten. Die hervorgehobene Angabe von 75 Prozent Kakao bezieht sich nämlich nur auf den Schokoladenanteil, der gerade einmal 2,5 Prozent im Pudding ausmacht."

Nach dem selben Muster strickt auch Gummibären-Hersteller Haribo seine Werbeversprechen:

"Die Haribo-Fruchtgummis "Fruity-Bussi" versprechen "35% Frucht in der Füllung" - diese Füllung macht jedoch gerade einmal 12,3 % des Produkts aus. Der ausgelobte Fruchtanteil schrumpft damit auf 4,305 % im Produkt zusammen."

Das sind schöne Beispiele dafür, wie Firmen mit unserer fehlenden Bildung in Sachen Statistik Profite machen. Und wir merken es noch nicht mal und haben ein gutes Gefühl dabei.

Herr Gigerenzer, ihr Fall.

Also sprecht mir nach:

"Prozent? Von was?, "Prozent? Von was?, "Prozent? Von was?, "Prozent? Von was?, "Prozent? Von was?, "Prozent? Von was?, "Prozent? Von was?, "Prozent? Von was?, "Prozent? Von was?, "Prozent? Von was?, "Prozent? Von was?, "Prozent? Von was?,

Vielleicht sollte man daraus eine Liturgie machen, oder sowas.

Nachtrag:
SpO hat bei Dr. Oetker zur Prozentepraxis befragt. Antwort:

"Man sehe sich Wettbewerb gefährdet, wenn zu viele Informationen auf der Packung preisgegeben würden. Genaue Angaben zur Zusammensetzung ließen nämlich Rückschlüsse auf die geheime Rezeptur des Puddings zu, sagte eine Sprecherin SPIEGEL ONLINE. Dr. Oetker wolle niemanden täuschen, außerdem halte man sich an geltendes Recht."

Bild: Dr. Oetker Website


Autor: Marcus Anhäuser· 16.12.09 · 14:40 Uhr· 18 Kommentare

14. Dezember 2009

Heilung unerwünscht: So wird das Buch beworben

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 7

Nur mal so für's Protokoll. Ein Ausschnitt aus dem aktuellen Weltbild-Bücherkatalog, in dem Klaus Martens' Buch "Heilung unerwünscht" (Stichwort Regividerm) angepriesen wird. Wie es Marketing-/Katalog-Texter doch immer wieder schaffen, die Realitäten auszublenden. Als hätte es die ganze andere Geschichte nicht gegeben.

Heilung unerwünscht.png

Kann man alles lesen?

Wie die Realität mit der Salbe aussehen kann, gabs zum Beispiel hier bei Christians Frischem Wind zu sehen und zu lesen.

Nachtrag:
Für alle, die es nicht entziffern können, unten der Verkaufstext aus dem Katalog:

"Seit 25 Jahren blockiert die Pharma-Industrie ein hochwirksames Medikament gegen Neurodermitis und Schuppenflechte ...

Allein in Deutschland leiden über fünf Millionen Menschen an Neurodermitis. Die meisten von ihnen sind auf teure Medikamente angewiesen, die zudem oft schwere Nebenwirkungen mit sich bringen. Dabei könnte es seit 25 Jahren eine natürliche, preiswerte und nebenwirkungsfreie (!) Alternative geben. Wenn - ja wenn nicht die Pharmaindustrie die ganz bewusst und gezielt verhindert hätte. Eine Chronik eines himmelschreienden Skandals."

Das Ausrufezeichen steht so im Text ...


Autor: Marcus Anhäuser· 14.12.09 · 16:23 Uhr· 7 Kommentare

08. Dezember 2009

LHC-Kritik: Die "Junge Welt" sieht so alt aus

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 27

Wieso wundere ich mich eigentlich? Wieso wundere ich mich eigentlich darüber, einen solch verquarsten, pseudo-coolen-"Ich kenne Stanley Kubricks Dr. Seltsam und wie ich lernte die Bombe zu lieben"-Anti-LHC Text auf der Webseite der linken Zeitung "Junge Welt" zu finden (wo man Banner für die Internationale Rosa Luxemburg Konferenz und ein ironisches Modelabel namens Karl Maxx findet. Dieser Hinweis nur, um zu erklären wie weit links die Zeitung anzusiedeln ist).

Wieso wundere ich mich, dass es gleich zwei Autoren braucht, um einen solchen Text zu fabrizieren, mit so schlauen Sätzen wie:

"Und keiner weiß, was dabei geschieht. Denn kennten sie das Ergebnis, hätten sie sich die drei Milliarden Euro sparen können, die der große Teilchenbeschleuniger LHC gekostet hat."

Was war noch der Sinn von Wissenschaft?

Oder:

"Es ist nun aber nicht nur statistisch möglich, daß sich bei diesem Experiment Schwarze Löcher bilden. Was, wenn die bisher geltenden Theorien zutreffen, den Zusammensturz unseres Planetensystems bedeuten könnte?"

Besonders bizarr:

"Aber nicht nur beim Kegeln, auch bei den Welten im Zusammenstoß hat der Zufall nur zwei Würfe."

Wieso wundere ich mich, dass die beiden Autoren Schröder und Kalender die Wissenschaftler des LHC abwechselnd als "Strangeloves", "Dr. Seltsams von Genf", "Zauberlehrlinge" oder als "irre Physiker" die "in die Klapsmühle gehören" bezeichnen. Und die in einem Atemzug sämtliche Klischees über Wissenschaftler und Großforschung bedienen, die es so aufzuführen gibt.

(Und die offenbar die Hosen voll haben, weil sie sich davor fürchten, von Schwarzen Löchern verschluckt zu werden.)

Wieso wundere ich mich?

Ich meine, jetzt mal ernsthaft, wieso wundere ich mich, einen solchen Text in einer Zeitung bzw. auf einer Website zu finden wie dieser. In der man in der Rubrik "Für Wissen und Fortschritt" solche Artikel findet:


Junge Welt

Die LHC-Kritik von Schröder und Kalender findet sich natürlich wo? Im Feuilleton.

P.S.: Und wie stieß ich auf diesen Artikel? Offensichtlich können die Mitarbeiter von conCERNed international nicht lesen. Sonst hätte ich nicht erneut einen Newsletter von denen bekommen.


Autor: Marcus Anhäuser· 08.12.09 · 10:20 Uhr· 27 Kommentare

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