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Lässige Texte über haarsträubende Wissenschaft und den ganzen Rest. Marcus Anhäuser betreibt Plazeboalarm seit April 2005. Er ist Wissenschaftsjournalist in Dresden.
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03.11.09 · 10:05 Uhr
Cellagon aurum: Die zweite Staffel
Kategorie: Medizin · Kommentare: 27
Endlich geht es weiter mit der lang ersehnten zweiten Staffel meiner Texte über Cellagon aurum, der Saft der mehr sein will als andere Säfte. Einzigartig in der Blogwelt: Nach über zwei Jahren gibt es endlich die Antwort auf die Frage: Bringt mich die Studie dazu, den Saft zu kaufen?
Ich hatte vor mehr als zwei Jahren damit begonnen, mich um den Saft Cellagon aurum der H.-G.Berner GmbH aus Altenholz in der Nähe von Kiel zu kümmern. Das ist einer dieser Säfte, der für die Gesundheit ganz besonders gesund sein soll. Der verspricht mehr zu sein als ein ordinärer Multivitaminsaft oder ein Direktsaft. Es ist eine Art Saftkonzentrat, der mit Wasser verdünnt wird. Untermauert werden die besonderen, ans medizinische heranreichende Eigenschaften - wie so oft in diesem Metier - mit dem Verweis auf eine wissenschaftliche Studie.
Diese Studie eines Herrn Ronald Grossarth-Maticek (aber auch hier) hatte ich zwei Medizinern zur Beurteilung gegeben. Das Ergebnis war mehr als eindeutig, aber irgendwie habe ich es nicht geschafft, einen Beitrag daraus zu machen (das lief und läuft ja hier immer nur nebenher). Das will ich nun endlich nachholen (noch einen Beitrag Geduld bitte).
Dass dafür Bedarf besteht, zeigten zwei Dinge. Erstens: In meiner alten Plazeboalarm-Heimat sind die Texte zu Cellagon aurum im Laufe der Zeit, die am meisten besuchten. Mich erreichten immer wieder mal E-Mails, wie etwa diese hier:
"(...) Nach langer Google-Recherche musste ich feststellen, dass Ihr die einzigen seid, die nicht nur Lobeshymnen über Cellagon verbreiten, sondern tatsächlich kritisch hinterfragen.(...)"
Oder diese hier:
"(...) bin auf eure Internetseite gestoßen und wollte fragen, ob es schon eine neue Info über CELLAGON aurum gibt? Ich nehme das Produkt selber, gelange aber immer mehr zu dem Eindruck, das mir hier das Geld aus der Tasche gezogen wird, für ein Produkt, das mehr als zweifelhaft ist. Wie wirksam ist das denn wirklich??? Können Sie mir bitte eine Info geben, die meine selbstgehegten Zweifel bestätigen? (...)"
Dass das Marketing mit dem Verweis auf eine Studie goldrichtig liegt, erkennt man an folgender Feststellung eines der Mediziner, den ich zur Studie befragt hatte:
"(...) noch ein Nachtrag zu Cellagon ... gestern rief bei einer Kollegin am Arzneitherapie-Beratungstelefon ein Hausarzt an und wollte etwas zu Cellagon wissen. Er wusste sogar, dass es eine Studie gab. Was für ein Marketingerfolg :-("
Der Saft ist nicht über den normalen Handel zu beziehen, sondern in einem Direktvertriebsmodell mit Cellagon-Beratern (Nachtrag 5.11.: aber wohl auch über manche Apotheke). Wo die Berater dann zum Beispiel auftauchen, verdeutlicht folgende E-Mail eines Lesers:
"( ...) Der Saft wurde mir von einer Heilpraktikerin in die Hand gedrückt, ich solle die nächsten drei Wochen das Zeug schlucken, damit sich meine Zellen regenerieren und Schmerzen, die ich seit Jahren mit mir rumschleppen, weggehen. Die nächsten Flaschen (ich bräuchte insgesamt sechs) könnte ich bei jemandem beziehen, der in ihrer Praxis aushilft. Ich bin zwar aufgeschlossen für Neues und immer sehr interessiert, allerdings auch immer sehr skeptisch. Insbesondere, wenn Heilpraktiker mir etwas andrehen wollen, was Geschäftspartner von Ihnen vertreiben ;) (...)"
Es gibt da offensichtlich etwas aufzuklären.
Nun denn.
Wahrscheinlich einzigartig in der Blogwelt: Mehr als zwei Jahre nach dem Beginn dieser Artikelserie komme ich nun endlich zum Ende. Man könnte sagen: Cellagon aurum, die erste Staffel endete mit dem klassischen Cliffhanger.
Entscheidende Fragen blieben für den Leser unbeantwortet. Wie würden die Experten die Studie beurteilen? Kann der Saft halten, was die Studie verspricht? Werde ich ihn kaufen? Fortsetzung folgt ...
... im nächsten Beitrag der 2. Staffel.
Anmerkung:
Seit einigen Monaten wird auf der Webseite der H.-G. Berner GmbH auf eine gänzlich andere, aktuellere Studie verwiesen. Mit der hier besprochenen Studie wurde von Anfang 2004 bis 2009 für Cellagon aurum geworben (auf der englischsprachigen Seite wird nach wie vor damit geworben). Nachtrag 15.12.09: Inzwischen wurde die Studie auch auf der englischen Seite entfernt.
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Autor: Marcus Anhäuser· 27 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
Alternative Medizin· Berner GmbH· Cellagon aurum· Fruchtsäfte· Heilpraktiker· Komplementärmedizin· Nahrungsergänzungsmittel· Vitamine· Vitaminmangel
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Kommentare (27)
Die "aktuellere Studie" ist ein echter Schenkelklopfer. Randomisiert, kontrolliert und crossover - mit n = 10 Probanden! In den Resultaten kommt dann der Vergleich zur Kontrolle plötzlich nicht mehr vor, aber es sind "signifikant mehr Vitamine" im Blut. Genialer Marketingschmäh.
@Ulrich
die habe ich gerade erst beim Prof. angefordert, diese neue Studie. Wer weiß, vielleicht hat das Marketing einfach was vergessen, wir wollen ja fair bleiben :-) ... Dann kann ich mir das ja sparen. Sollte ich sie doch noch bekommen, kann ich sie dir ja schicken.
Du hast Recht - wir wollen ja niemanden vorverurteilen. Also schick mir die Studie bitte, falls du sie bekommst.
also bei 10 Probanden. Da geb ich 4 Studien in Auftrag, eine davon hat zufällig das richtige Ergebnis- die wird dann verwendet. Echt ein Schenkelklopfer.
Wartet mal ab, die alte Studie hatte immerhin 230 (115 zu 115) Teilnehmer ...
Ab wann darf man eigentlich von einer "Studie" sprechen?
Der Versuch mit 5 (!) Probanden pro Gruppe und "weichen" Kriterien wie sub. Befindlichkeit grenzt an irreführende Werbung; ist ja nicht einmal durch Laborparameter abgesichert...
@Frank
Du bringst gerade die beiden Studien durcheinander. Die 5 Probanden pro Gruppe sind in der aktuellen Studie zu finden. Die subjektive Befindlichkeit ist ein Parameter, der in der Studie zu finden ist, die bis vor ein paar Wochen online stand (seit 2004). Da wurden insgesamt 230 Personen untersucht. Über die schreibe ich hier ...
Cellagon war mir bislang gar kein Begriff. Insofern bin ich jetzt sehr gespannt auf Dein morgiges Posting. Generell bin ich schon allein deshalb skeptisch, weil mir nicht in den Kopf will, weshalb man solche Produkte nicht stinknormal unter die Leute bringen kann, sondern den Direktvertrieb wählt.
Erinnert mich insgesamt sehr stark an die Masche mit dem Mangostan-Saft. Weiß eigentlich jmd, was mich so ein Fläschchen Cellagon kostet? Auf der Website halten sie sich ja bedeckt.
@Marc
vielleicht ist die Marge beim Direktvertrieb höher, keine Ahnung. Die Flasche kostet etwas 47 Euro, wird aber verdünnt und soll wohl 50 Tage halten, irgendwo steht 1,60 pro Tag.
Warte bis morgen, dann erfährst Du mehr ...
Klingt wieder gesund und lecker. Stimmt es denn, dass unter der Flasche ein Dauermagnet klebt und dass levitiertes Quellwasser verwendet wird?
(könnte ich gut gebrauchen, wo ich mit den Mangostan Gold Aktien doch so reingefallen bin - kwasi zum körpereigenen Depotauffüllen ;-))
Noni- Saft und Juice plus lassen grüßen!
Material für die nächsten 39.765 Beiträge (eines besser als all die anderen, versteht sich):
http://www.google.de/products?q=nahrungserg%C3%A4nzung&hl=de
@GeMa
das mit dem Magneten habe ich auch gelesen, aber nicht auf der Firmenseite, sondern auf einer Anbieterseite:
http://www.wellness-care-bochum.de/unsere-produkte/celagon%20aurum.htm
Es passt insofern, weil laut Firmenseite die Firma oder der Chef sich mit Magnetfeldtherapie beschäftigt hat:
http://www.cellagon.de/de/ueber_uns/index.htm
"Ende der 70er Jahre, Forschung, Entwicklung auf dem Gebiet der Magnetfeld-Therapie"
Ah, danke. Ich hatte es nicht gleich gefunden.
Wirklich, ganz zauberhaft. So praktisch auch. Obwohl, wenn mein Obst und Gemüse schneller wächst, brauch ich ja auch keinen Cellartrunk mehr :-)
Das mit dem Magneten kann ich bestätigen, ich kannte mal jemanden der diesen Saft getrunken hat (Medizinstudentin). Das hat damals auch meine Recherchegeister geweckt - das Gedöns mit den Vitaminen klang ja noch halbwegs logisch (auch wenns natürlich auch Unsinnig ist, weil "viel hilft viel" bei Vitaminen nunmal nicht stimmt), aber der Magnet, der das ganze energetisch aktiviert, hat es dann total in den Bereich Esoterik verschoben. Der Preis und das Vertriebsmodell weisen natürlich auch darauf hin.
Kann es sein das in der neuen Studie ein Saftkonzentrat gegen einen Saft getestet wurde? Ich vermute das in einem Konzentrat mehr Vitamin C und E ist als in einem Saft. Das dann "mehr" vom Körper aufgenommen wurde verwundert mich nicht. Da hätte wohl eine Laboruntersuchung zu den chemischen Inhaltsstoffen genügt.
@Anhaltiner
auf der Webseite heißt es "mit Wasser angerührt". Cellagon aurum ist ein Konzentrat, dass man mit Wasser verdünnen soll, um es zu trinken (1 Teil Saft auf 12 Teile Wasser o.a.).
Wer lesen kann ist klar im Vorteil :-) Hab ich wohl überlesen.
Ich frag mich nur warum jetzt kein Fragebogen hinterhergeschoben wurde, wie man sich denn so fühle? Da hätte man doch gleich zwei Fragen mit einer Klappe schlagen können - objektive Laborwerte und subjektives Wohlbefinden. Oder schließt das eine das andere aus?
@Anhaltiner
subjektives Wohlbefinden gabs ja schon in der ersten "großen"Studie (siehe Beitrag 3).
Diesmal hat das ja ein Lebensmittelchemiker gemacht, den interessieren wahrscheinlich das Wohlbefinden nicht so ... (Schuster bleib bei deinem Leisten ;-)
Nabend die Damen (hoffe doch! :D) und Herren.
Meine Mutter trinkt den Mist, wollte sogar mal "Beraterin" werden und damit Geld machen, was natürlich gescheitert ist, weil es nicht genug Bekloppte gibt, die das Zeugs trinken.
Das mit dem Magneten kann ich bestätigen. Einen Vorteil hat das - man hat immer Kühlschrankmagneten. :D
Wie dem auch sei, ich blicke bei deiner Artikelhirarchie nicht ganz durch und würde mich freuen, wenn du diese etwas verständlicher auffächern würdest. Ich muss meine Mutter gleich erstmal auf die Magneten ansprechen - und ob sie das nicht etwas bescheuert findet. Von Schüsslersalzen konnte ich sie schon fast ganz runterbringen, LoL. Leute gibt's.
Gruß,
mrb
@MrBaracuda
war bis heute unterwegs, deswegen melde ich ich erst jetzt.
Es sind 3 Artikel. Den ersten liest Du oben. Dann folgt "Cellagon aurum 2: Der Saft gegen den Mangel" (die 2 steht für 2. Staffel), dann schließlich "Cellagon aurum 2: Diesen Saft, den kauf ich nicht".
Viel Glück beim Überzeugen.
Guten Abend nochmals.
Danke, jetzt habe ich durchgeblickt.
Sie läuft derzeit mit diesem Produkt am Bein herum:
Narf. Hervorhebungen meine. Irgendein Tipp für mich, wie ich Sie davon runterbringe? LoL. Es ist zum Verzweifeln. :)
P.S.: Die Pflaster hat Sie zur Probe von einem aus ihrem Eso-Dunstkreis bekommen. Noch kann ich die finanzielle Gefahr abwenden! ;-) Schönes Wochenende wünsche ich.
Ja, gib Deiner Mutter irgendwas mit "Schlacke" zur Hand. Da kann man sehen, wie ES wirkt und spart Geld - ist jedem Klebepflaster haushoch über. Plasteschüssel mit nem Löffel Kochsalz und Flachbatterie - Füße reinhängen und wirst mal staunen, wieviel Körperschlacke, Schwermetalle, Gifte und die kleinen Tierchen (die sonst im Schrank sitzen und einem ständig die Kleider enger nähen) da reinkommen.
Fürs erhöhte Energieniveau nimmst einfach die V oder A der Batterie argumentativ zur Hand ;-)
Machmal hilft nur noch Budenzauber gegen Budenzauber - wenn dabei wenigstens die Finanzen nicht auch noch den Bach runter gespült werden ;-)
Ihr seid doch alles Vollhonks... Besonders Anhäuser und MrBaracuda habt keine Ahnung. Geschweige denn, habt Ihr selber noch gar nichts davon getrunken. Gerade Ihr müsstet davon trinken, dass Ihr mal wieder klar im köppes kommt. Deine Mutter hat wahrscheinlich auf Dich dummen Depp gehört. Habt den lieben langen Tag nichts besseres zu tun, als irgendwie Scheisse zu labern.
Deswegen gibt ja Joey Kelly, Timo Boll usw. seinen Namen für das Produkt her, bzw nehmen die das ja selber, weil es ja halt so schlecht ist... ne?
Ich kenne mindestens 50 Leute die das Cellagon Aurum nehmen. Darunter meine ganze Familie und ich natürlich auch.
Also macht den Kopp zu!
Und Anhäuser sieht echt gut aus... du schluckst lieber noch das Felice und Vitale von dem Cellagon mit.
@Stefan
na, Du bist ja nett.
Warum sollten Joey Kelly und und Timo Boll nicht ihren Namen dafür her geben? Vielleicht bekommen Sie ein Honorar? Auch Promis haben nicht immer Recht oder glaubst Du alles nur, weil ein vermeintlich Prominenter etwas dazu sagt? Sie sind Checker in ihrem "Fachbereich", aber ob sie von Wissenschaft und Medizin Ahnung haben? Und auch Prominente unterliegen dem Placeboeffekt, warum auch nicht?
Außerdem: Es sagt niemand, dass der Saft schlecht ist. Nur: Die wissenschaftlichen Studien sagen nichts bis kaum etwas darüber aus.
Hallo!
Ich habe eine Bekannte, die ebenfalls eine sog. "Cellagon-Beraterin" ist und mir hartnäckig von Cellagon vorschwärmt und mir das Zeug unbedingt andrehen möchte. Sie zeigte mir neben all den bunten tollen Broschüren jetzt eine "ORAC-Studie" der Universität für Ernährungswissenschaften in Jena über die antioxidative Kraft von Cellagon im Vergleich zu anderen Säften. Cellagon hat da mit Abstand die höchsten Werte. Ich finde das Vertriebssystem von Cellagon zwar komplett bedenklich und kann mit Wischi-Waschi-Pseudo-Studien auch nichts anfangen, aber meint Ihr nicht, daß zumindest die Studie der Universität Jena halbwegs seriös ist?
Hallo Eva Mathieu,
der ORAC- Wert ist ja auch nur wieder ein sog. Surrogat-Marker. D.h. er könnte ein Maß dafür sein, wie "heilsam" der Saft ist. Aber ob er es wirklich ist, sagt er nicht. Er sagt nur: Dieser Saft hat nach meinem Messverfahren einen hohen Wert erreicht.
Wir denken dann, zumal es von der Uni Jena ist: "Oho, das kommt von der Universität." Aber lass dich da nicht täuschen. Von der Uni Jena kommt auch die aktuelle Studie mit der die Firma wirbt. Leider ist sie noch nicht veröffentlicht in einem Fachmagazin, aber die Firma wirbt schon kräftig damit. Einige sind der Meinung, diese Studie mit zehn bzw- zwanzig Leuten kann man direkt in die Tonne werfen, einer hat sich dieser Studie wohlwollender angesehen. Sein Ergebnis findest Du hier:
http://www.scienceblogs.de/plazeboalarm/2009/11/cellagon-aurum-2-diesen-saft-den-kauf-ich-nicht.php#comment75061
Was ich sagen will: Nur weil was von der Uni kommt, heißt das nicht, dass es toll sein muss.