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Lässige Texte über haarsträubende Wissenschaft und den ganzen Rest. Marcus Anhäuser betreibt Plazeboalarm seit April 2005. Er ist Wissenschaftsjournalist in Dresden und Leitender Redakteur von medien-doktor.de.

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28.10.09 · 12:08 Uhr

Wieso stehen einem im Trampolinkäfig die Haare zu Berge?

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 20

Das wäre ja auch was für die Forschungsfrage hier bei SB. Aber bevor ich mich da anstelle, drängele ich mich einfach vor und nutze meine privilegierte Stellung als SB-Autor.

Eine Freundin aus Australien schickte mir kürzlich folgendes Bild ihrer zwei süßen Kleinen:

static2.png

Die Frage, die sich ziemlich klar aufdrängt, lautet:

Wieso stehen den beiden die Haare zu Berge?

Sie sitzen in einem dieser beliebten Trampolinkäfige. Unser Nachbar hat auch so einen auf der Wiese stehen. Da ist mir das Phänomen im Sommer auch aufgefallen. Konnte es aber nicht so wunderbar als Foto festhalten.

Wer kann es verständlich erklären? (Vor allem, warum das auf einem normalen Trampolin ohne Käfig nicht passiert?)

 

Autor: Marcus Anhäuser· 20 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (20)

Kommentar-Direktlink Lars Fischer· 28.10.09 · 13:52 Uhr

Statische Elektrizität. Ich vermute, die Reibung des Gummis an der Aufhängung trennt ein paar Ladungen.

Kommentar-Direktlink Lars Fischer· 28.10.09 · 13:54 Uhr

Zusatz: Ich vermute auch, dass das nichts mit dem Käfig selbst zu zun hat, sondern mit den verwendeten Materialien. Wenn das Gestell nacktes Metall ist, lädt sich da natürlich nichts auf.

Kommentar-Direktlink RabenAas· 28.10.09 · 14:04 Uhr

Es wäre interessant zu erfahren, ob etwas passiert, wenn die Kinder in diesem Zustand an das Gitter fassen...

Kommentar-Direktlink Florian Freistetter· 28.10.09 · 14:56 Uhr

Ich kann bestätigen, dass den Kindern die Haare auch ohne Käfig zu Berge stehen würden. Hab ich selbst schon erlebt.

Author Profile Page Marcus Anhäuser· 28.10.09 · 16:40 Uhr

Danke erstmal. Okay, statische Elektrizität. Aber warum stehen die Haare zu Berge? Werden die von etwas angezogen? Von was? Was passiert da im Detail? Nicht für mich erklären, für die Kinder?

Kommentar-Direktlink rolak· 28.10.09 · 16:54 Uhr

Die Haare sind -da über den Körper leitend verbunden- alle gleich geladen und von Haus aus beweglich und flexibel. Da sich gleiche Ladungen/Pole abstoßen (läßt sich schön mit Magneten demonstrieren), versuchen sich die Haare so weit wie möglich voneinander weg zu verteilen. Und weiter auseinander als in dieser Igelform geht halt nicht unter der Bedingung, daß die Haare weiterhin auf dem Kopf bleiben ;-)

Author Profile Page Marcus Anhäuser· 28.10.09 · 17:00 Uhr

d.h. sie werden nicht angezogen, sondern abgestoßen. Wichtiger Punkt. Danke. Aber warum ist denn da so viel gleiche Ladung im Körper.

Kommentar-Direktlink Ludmila· 28.10.09 · 17:48 Uhr

Marcus: Nicht im Körper. Auf dem Körper. Die Ladungen verteilen sich gleichmäßig über die Oberfläche mit maximalen Abstand. Und die Ladungen kommen daher, dass Atome gegeneinander gerieben werden.

Wann immer zwei Objekte gegeneinander reiben, zerreißt es auch Elektronen aus der Umarmung des Atomkerns. Die Atome bzw. Moleküle sind geladen. Das passiert immer. Nur merkt man meist nichts davon, weil Ladungen im Regelfall sofort abfließen können. Die Natur sucht da immer den Ausgleich und versucht die Ladungen wieder zu neutralisieren.

Das Abfließen der Ladungen funktioniert aber bei bestimmten Materialien nicht so gut. Wie eben z.B. bei Gummi. Da bleiben die Ladungen nach der Reibung oben auf der Oberfläche kleben und verteilen sich dort mangels Abfluss. Und auch der menschliche Körper ist nicht so ein guter Leiter. Erst, wenn man etwas anfasst, was gut leiten kann (Metall) und das mit etwas verbunden ist, wo ungeladene Atome auf eine Komplettierung warten (z.B. die Erde), dann fließt dieser ganze Stausee an Ladungen schlagartig ab. Und man kriegt eine gewischt.

Kommentar-Direktlink rolak· 28.10.09 · 17:59 Uhr

tja, das ist der schwierigere Punkt für kindgerechte Erklärung, ich versuchs in solchen und ähnlichen Fällen mit der Wahrheit ;-) Diverse Nichtleiter haben die Tendenz, Oberflächenladungen auszubilden, besonders lästig z.B. bei Kunststoffoberflächen, die zum Staubsammler werden. Wenn nun diese Ladungen 'mitgenommen' werden (als Beispiel vielleicht einen Plexistab mit Wolle reiben..) baut sich in beiden Beteiligten langsam aber sicher eine große Ladung/Potentialdifferenz auf, auch gegenüber neutralen Unbeteiligten (..mit dem Stab kann man dann Papierschnipsel 'anlocken'). Kennt man vielleicht von der bitteren Erfahrung, mit den falschen Sohlen auf Kunstfaserteppich unterwegs gewesen zu sein - alle paar Meter reicht die Spannung zu einer Entladung, nem schönen Miniblitz in Richtung Türklinke oder so. ~Erhellend kann auch das Ausziehen von Kunstfaserpullis im Dunkeln sein - da spielen sich ganze Gewitter ab. Die Monstershow zum Thema Ladungen verschieben und sammeln sind Gerätschaften á la Van der Graaff Generator (=»Tube,=»Wiki)

Author Profile Page Marcus Anhäuser· 28.10.09 · 18:34 Uhr

Danke euch beiden.
Ludmila sagt: "Und die Ladungen kommen daher, dass Atome gegeneinander gerieben werden. Wann immer zwei Objekte gegeneinander reiben, zerreißt es auch Elektronen aus der Umarmung des Atomkerns."

Aber wann werden denn die Atome gerieben? Ständig? Egal was ich mache, oder beim Trampolinspringen ganz besonders viele? Stellen sich die Haare auch schon zu Berge, wenn ich mich nur einfach eine Zeit lang auf das Trampolintuch setze, und weil die Ladungen eben nicht abfließen können, weil das Sprungtuch eben kein guter Leiter ist, sammeln sie sich, und nach einige Zeit stehen mir auch ohne Hüpfen die Haare zu Berge? Oder geht das durchs Hüpfen einfach schneller? Aber was reibt da eigentlich an was? Meine Oberflächeatome an der Luft? Meine Atome, aus denen ich zusammengesetzt, untereinander aneinander?

Kommentar-Direktlink rolak· 28.10.09 · 19:26 Uhr

Zum gerieben werden reicht es natürlich auch schon, sich in den Wind zu stellen. Von selber tut sich da aber nix - wo vorher alles neutral war und nachher die Ladungen getrennt sind, ist Arbeit geleistet worden, muß also a) etwas hereingesteckt worden sein und b) das Ausgleichen verhindert werden. Ob nun durch Sonnenlicht (beim Wind) oder verschärftes Hüpfen (Trampolin) in Gang gebracht, interessant wird es erst durch isolierende Materialien. Bei einigen Trampolinmodellen wird so das Sprungtuch auf Niveau gebracht (gegenüber Aufhängung+Boden, der Erde), ob jetzt durch Reibung am Rand oder durch Dehnung/Streckung des Elastomers oder wie genau auch immer, weiß ich nicht. Das Ergebnis sieht man auch am niedlichen Photo: die klucken ruhig auf der Matte und es sträubt sich immer noch alles, Matte&Kinder sind also Teile eines Pols. Es dürfte funken, wenn eins der Kinder aussteigt oder, besonders wirkungsvoll, da zwei treffend, wenn jemand ein Kind vom Trampolin herunterhebt.
(diesmal hab ich aber gespinxt, ob Ludmilla wieder schneller war ;-)

Kommentar-Direktlink schlappohr· 28.10.09 · 21:11 Uhr

Ich hab mal irgendwo gelesen, dass sich die Rotorblätter von Helikoptern im Flug enorm statisch aufladen (und damit die Außenhaut des Helikopters). Anscheinend bewirkt die Reibung eines gegen die Erde isolierten Gegenstandes an der Luft statische Aufladung, und ich kann mir vorstellen, dass unter und über dem Trampolin eine Menge Luft verwirbelt wird, wenn die Kiddies darauf rumhüpfen. Da das Tuch isoliert aufgehängt ist (Gummibänder), kann kein Ausgleichsstrom fließen, und die Ladung bleibt erhalten. (Damit endet der wissenschaftliche Teil.) Schlag Deiner Freundin mal vor, ein Känguruh auf den Trampolin zu setzen. Vielleicht kann sie damit einen Kühlschrank betreiben :-)

Author Profile Page Marcus Anhäuser· 28.10.09 · 21:22 Uhr

@Schlappohr
ein Känguruh auf den Trampolin zu setzen. Vielleicht kann sie damit einen Kühlschrank betreiben

gute Idee, werde ausrichten ...

Kommentar-Direktlink anke maria· 29.10.09 · 01:45 Uhr

halloechen
als mutter der beiden kinder kann ich nur sagen: ja, des oefteren entlaed sich die spannung. z.b. wenn die kinder das gitter anfassen, sich gegenseitig anfassen, oder manchmal auch wenn sie beim aussteigen in meine arme springen!!! haengt vielleicht auch davon ab was alle beteiligten so anhaben und wie die luftfeuchtigkeit ist.

das mit dem kaenguruh auf dem trampolin ueberleg ich mir nochmal gut., die sind naemlich nicht immer kooperativ und meist ganz schoen gross. dabei waere es gar nicht schlecht extra energie zu gewinnen denn bei staendigen 35 grad im nicht vorhandenen schatten brummt der kuehlschrank schon ganz ordentlich. vielleicht waere das auch eine alternative zum internationalen solarautorennen, das am sonntag in darwin gestartet ist. voll spannend diese ufos!!!

Author Profile Page Marcus Anhäuser· 29.10.09 · 08:25 Uhr

Hallo liebe Anke Maria, willkommen auf meinem Blog.
Hier hats heute morgen 8 Grad Nieselregen. Ich weiß, nicht was mir lieber ist ...

Kommentar-Direktlink schlappohr· 29.10.09 · 09:13 Uhr

Also das mit dem Känguruh war nur so ein Gedanke. Bevor ich hier Ärger mit den Tierschutzverbänden bekommen, bitte ich von der Umsetzung dieser Idee abzusehen.

Kommentar-Direktlink Martin· 29.10.09 · 10:45 Uhr

Mann/Kind bekommt übrigens in dem Zustand einen schönen Schlag, wenn man das Metallgestell was auf dem Boden steht anfasst! (Quelle: eigene Forschung)

Kommentar-Direktlink Pilgrim· 22.04.10 · 17:20 Uhr

Hallo Zusammen - hoffe es bloggt noch wer zurück.

Wir vertreiben solche Trampoline mit Fangnetz. ih habe eine Menge verstanden und eine Anmerkung so wie eine Frage:
1) die Matten sind zumeist an Stahl-Federn und nicht an Gummis aufgehängt. Die Matten selbst sind aus PP Fasern.
2) wie vermeiden Kinder eine empfindliche Entladung? Also kann man den Strom langsam abfließen lassen?

Author Profile Page Marcus Anhäuser· 22.04.10 · 18:20 Uhr

@Pilgrim
da bin ich überfragt. Vielleicht meldet sich einer der Physikversteher hier nochmal.

Kommentar-Direktlink oliver· 25.04.10 · 14:45 Uhr

Hallo zusammen,

wir haben das gleiche Problem, dass jeder, der das Trampolin benutzt ständig einen gewischt kriegt.
Zur Frage, ob bzw. wie Kinder die Entladung vermeiden: Meine Kinder (w, 2; m,6; m,8J) Soweit ich es beobachten kann und auch aus eigener Erfahrung wenn ich drauf bin: Die Entladung schmerzt und nervt. Aber beim Spaß auf dem Trampolin, ist meist so viel Action, dass man es binnen Sekunden vergisst und dann eben bald den nächsten Schlag kriegt.
Ich bin auf den Blog gestoßen bei der Suche nach Abhilfe für die lästige statische Auf- und Entladung.
Würde es vielleicht etwas helfen, wenn man den Bodenkontakt des Trampolins auch isoliert, so dass kein Strom in den Boden abfließen kann?

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