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Lässige Texte über haarsträubende Wissenschaft und den ganzen Rest.
Marcus Anhäuser betreibt Plazeboalarm seit April 2005. Er ist Wissenschaftsjournalist in Dresden und Leitender Redakteur von medien-doktor.de.
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Archiv September 2009
30. September 2009
Klebers Gesetz
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 9
Genau wie zeitliche Nähe zweier Ereignisse zwar verlockend nach ursächlichem Zusammenhang aussieht (das eine passiert, weil das andere passiert), aber eben kein Garant dafür ist, genau so gehen wir in die kognitive Falle, wenn wir glauben, nur weil ähnliches besonders häufig vorkommt, müsste sich eine Regel dahinter verbergen.
Claus Kleber, Journalist und Moderator des heute-Journals hat das gerade erst sehr schön spontan auf den Punkt gebracht. Ein Satz, den man sich leicht merken kann, wenn es mal wieder erforderlich ist.
Im Interview in Zeit Online Campus antwortete er auf folgende Frage, die sich ergab weil Kleber Messdiener war.
ZEIT CAMPUS: Andere Fernsehgrößen waren früher auch Messdiener: Thomas Gottschalk, Jürgen von der Lippe, Frank Elstner. Bereitet das Amt als Messdiener aufs Fernsehen vor?
Kleber antwortet kurz und klar.
Kleber: Interessante These, aber nicht jede Häufung ist ein Gesetz.
Fettung von mir
Zack, so einfach ist das manchmal.
Autor: Marcus Anhäuser· 30.09.09 · 09:36 Uhr· 9 Kommentare
29. September 2009
Mann stirbt nach BILD-Lektüre (Update 2)
Kategorie: Medizin · Kommentare: 18
Manchmal hilft es, einen Satz durch einen ähnlichen zu ersetzen. Genau wie im Fall der aktuellen Meldung zum Tod eines 14-jährigen Mädchens kurz nach einer HPV-Impfung (ich mag gar nicht dran denken).
Irgendwie sind wir so gestrickt, dass wir bei solchen Meldungen wie "Mädchen stirbt nach HPV-Impfung" sofort einen ursächlichen Zusammenhang herstellen. Aber fairerweise muss man sagen: Niemand weiß bisher, warum und woran das Mädchen gestorben ist. Ich hoffe, es wird ein eindeutiges Ergebnis geben.
Zeitliche Nähe bedeutet nicht automatisch, dass es einen ursächlichen Zusammenhang gibt. So verlockend es auch zu sein scheint. Das muss man sich immer wieder mal in Erinnerung rufen.
Das ist eine kognitive Falle.
Wie viele Menschen starben wohl rein zufällig, kurz nachdem sie die BILD-Zeitung gelesen hatten.
(via nicolakuhrt, bad astronomy)
Update: hockeystick von Stationäre Aufnahme rechnet vor (ab Update 5 seines Beitrags), warum er es für eher unwahrscheinlich hält, dass das Mädchen rein zufällig nach der Impfung verstorben ist. (bitte auch die Kommentare beachten)
Update 2: Das junge Mädchen ist laut einer Meldung von Reuters an den Folgen eines bösartigen Tumors verstorben.
"The pathologist has confirmed today at the opening of the inquest into the death of Natalie Morton that she died from a large malignant tumour of unknown origin in the heart and lungs," said Dr Caron Grainger, joint director of public health for the Coventry area where Natalie died."There is no indication that the HPV vaccine, which she had received shortly before her death, was a contributing factor to the death, which could have arisen at any point," Grainger said in a statement.
Autor: Marcus Anhäuser· 29.09.09 · 21:38 Uhr· 18 Kommentare
Endlich ein Saft Getränk, das die Wahrheit sagt
Kategorie: Medizin · Kommentare: 10
Es begegnen einem ja immer wieder Säfte (Nachtrag: oder andere Getränke), die nahezu medizinische Wirkungen versprechen. Hielten sie tatsächlich, was sie versprechen, sie wären kein Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel geworden, sondern ein Medikament.
Trotzdem versuchen sie es immer wieder. So wie neulich, als mir in unserer Küche eine Saftflasche (die sich nachher als Eistee-Flasche entpuppte, siehe 1. Kommentar) einer amerikanischen Firma begegnete .
Wie es in der Branche so üblich ist, prahlte sie mir, der ich unter EisteeSaftflaschen wohl noch nicht als Journalist aus dem Gesundheitsbereich bekannt zu sein scheine, ein breites, geschickt platziertes, Gesundheit versprechendes "ANTIOXIDANT" entgegen:
Ich sah die durchaus attraktive Flasche erst verwundert, dann etwas verärgert an, um anzudeuten, dass sie damit bei mir an der falschen Adresse wäre.
"Komm", meinte ich väterlich, "das meinst du doch nicht im Ernst."
Verstohlen gab sie ganz schnell bei, drehte sich kleinlaut um und und präsentierte mir Ihre Rückseite, auf der sie dann ganz unumwunden zugab, dass das alles nicht so ernst gemeint war:
Sie war so eingeschüchtert, die kleine amerikanische EisteeSaftflasche, dass sie prompt den Text übersetzte, weil sie annahm, ich spräche ihre Sprache nicht (sie war eben aus den USA).
"Dieses Produkt ist ein Nahrungs-, kein Arzneimittel. Es ist nicht dazu gedacht, um irgendeine Krankheit zu diagnostizieren, zu behandeln, zu heilen oder ihr vorzubeugen."
"Ist schon gut, kleine SaftFlasche", sagte ich und nutze sie seitdem als Blumenvase.
Ob sie weiß, dass alle ihre Brüder und Schwestern in Deutschland nicht so ehrlich sein müssen?
Autor: Marcus Anhäuser· 29.09.09 · 17:50 Uhr· 10 Kommentare
Ruhig war's hier aus folgendem Grund
Kategorie: Technik · Kommentare: 3
Kurze Mitteilung in eigener Sache. Wie aus dem nichts, ist hier tagelang nichts passiert. Das passiert hier ja immer mal wieder. Diesmal hatte es gleich drei Gründe.
1. Ich war in Kiew (ich gab einen Workshop über Wissenschaftsjournalismus)
2. Ich war in Hamburg (ich war Teilnehmer eines Workshops über CAR-Techniken).
3. Die Festplatte meines Laptops hat den Geist aufgegeben. Und (als wollte mir irgendeine übersinnliche Kraft angesichts meines Unglaubens noch eins mitgeben) gleich darauf hat sich auch noch meine externe Festplatte (also mein Backup) verabschiedet. Spätestens das wäre der Moment gewesen, an dem er Spruch "Shit happens" erfunden hätte werden müssen.
Ich bin wieder da. Mein Laptop hat eine neue Festplatte, und eine neue externe Festplatte. Und meine alte Festplatte und alte externe Festplatte sind bei einem Dienst namens "PC Feuerwehr" (die helfen auch beim Mac), der mir mitteilte, dass er meine Daten hat retten können, evtl. sei die Struktur nicht mehr zu retten. Auch gut. Kann ich das tausend Tode sterben endlich beenden.
Geht gleich weiter hier. (Und bald noch mehr, allerdings etwas anders als gewohnt.)
Autor: Marcus Anhäuser· 29.09.09 · 16:06 Uhr· 3 Kommentare
16. September 2009
Hier irrte der Experte (I)
Kategorie: Expertenserie·Umwelt · Kommentare: 13
Diese ganze Geschichte um Asse und ob der Salzstock jemals für ein Endlager geeignet war, ist schon interessant. Auch die Geschichte um den politischen Druck um Gorleben (und ich frage mich, ob das nicht Geschichte waren, um die sich Wissenschaftsjournalisten hätten kümmern müssen, oder vielleicht auch haben? Das nur am Rande).
Auf jeden Fall habe ich beim Lesen eines empfehlenswerten Artikels zu diesem Thema (also Asse) ein schönes Zitat gefunden, mit dem ich eine gerade so eben spontan beschlossene Serie eröffnen möchte: "Hier irrte der Experte."
Es soll eine lose Folge von Zitaten werden, die offenbaren, dass Experten sich auch mal irren können, was ja bekanntlich menschlich ist. Warum Sie sich irrten, dass kann man ja dann mal in den Kommentaren diskutieren. Dabei werde ich mich nicht für Zitate verbürgen können, ich vertraue da ganz auf die Recherchefähigkeit der Kollegen, in deren Artikel ich die zitierten Zitate fand. Möglicherweise sind die Zitate auch aus irgendwelchen Zusammenhängen gerissen und ganz anders gemeint, wer dafür sachdienliche Hinweise hat, bitte hinweisen.
Damit also zu unserem ersten Beispiel. Zum Thema Endlagerung radioaktiven Mülls gab der Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker 1969 folgende Einschätzung ab:
(...) dass der gesamte Atommüll der Bundesrepublik im Jahr 2000 »in einen Kubus von 20 Meter Seitenlänge« hineinpassen würde. »Wenn man das gut versiegelt und verschließt und in ein Bergwerk steckt, dann wird man hoffen können, dass man damit dieses Problem gelöst hat.« (...)
Gefunden in Atommülllager: Das Lügengrab von Roland Kirbach (zeit.de)
Und mir ist natürlich bewusst, dass ich, sollte ich jemals als Experte für irgendwas betrachtet werden und mich irren, ich mir meine eigene Serie um die Ohren hauen lassen muss, um mich am Ende selbst in die Serie aufzunehmen. Aber wie sagte der Teamchef: "Schauen wir mal, dann sehen wir schon."
Autor: Marcus Anhäuser· 16.09.09 · 09:40 Uhr· 13 Kommentare
14. September 2009
Leberreinigung: Director's cut
Kategorie: Medizin · Kommentare: 76
Derzeit gibt es einen Artikel von mir bei Spiegel Online über einen Mann, der im Internet ein Rezept für eine alternative "Leberreinigung" fand, um seine Gallensteine los zu werden. Wie erfolgreich er war, und was tatsächlich dahinter steckt, könnt Ihr dort nachlesen. Hier gibt es noch ein paar Zusatzinfos zum Beitrag.
Autor: Marcus Anhäuser· 14.09.09 · 09:35 Uhr· 76 Kommentare
08. September 2009
Wie Muttern neulich Verschwörungstheoretiker und Impfgegner entsorgte und mich nicht mal fragte
Kategorie: Medizin · Kommentare: 83
Meine Mutter fand kürzlich einen Wurfzettel im Briefkasten, hat ihn eingescannt und mir gemailt. "Junge, das ist doch was für Dich", schrieb Sie. Und gleich hinterher: "Ich hab' es direkt in den Müll befördert." Gute Mutter. Sie hat gleich gesehen, dass diese Informationen zur Schweinegrippe nicht ganz koscher sind.
Autor: Marcus Anhäuser· 08.09.09 · 09:30 Uhr· 83 Kommentare
05. September 2009
Wie Hokuspokus Vitamin C zum Allheilmittel machte
Kategorie: Medizin · Kommentare: 18
Vitamin C ist wohl der Inbegriff des Gesundheitsstoffes schlechthin. Schon bei dem Gedanken daran, habe ich das Gefühl, mir kann keine Krankheit etwas anhaben. In den 30er Jahre war das noch nicht so. Damals hatte ein Schweizer Chemiker der Firma Roche das Patent zur Herstellung von synthetischem Vitamin C verkauft. Es fehlte nur der Markt für ein solches Produkt.
Autor: Marcus Anhäuser· 05.09.09 · 20:48 Uhr· 18 Kommentare
02. September 2009
Sollten Firmen für Tiere im Marketing blechen?
Kategorie: Technik·Umwelt · Kommentare: 13
Gute Frage, die NYT-Wissenschaftsreporter Andy Revkin in seinem Blog Dot Earth da aufgreift (eigentlich von seinem Leser Jamie aus Seattle): "Sollte Apple helfen, Leoparden zu schützen?".
Autor: Marcus Anhäuser· 02.09.09 · 11:04 Uhr· 13 Kommentare
Jako, DFB und all die anderen Kläger gegen Blogger ...
Kategorie: Kultur · Kommentare: 9
Wenn ich die Geschichte dieses Trikotherstellers Jako gegen Blogger Trainer Baade lese oder nochmal Jens Weinreichs Geschichte mit dem DFB, dann könnte ich, verzeiht die Wortwahl am frühen Morgen, kotzen... (es gibt kein anderes Wort, "übergeben" ist noch zu anständig dafür.)
Weiter machen, gar nicht darüber nachdenken, ... die Schere im Kopf muss stecken bleiben ... (oh, das kann man auch missverstehen ...)
Mann, Mann, Mann ...
Autor: Marcus Anhäuser· 02.09.09 · 09:29 Uhr· 9 Kommentare
01. September 2009
Hörtipp: Die Geschichte der Astronomie
Kategorie: Kultur · Kommentare: 3
Hier kurz ein Hörtipp für alle Astrofans und Interessierte an Wissenschaftsgeschichte, vor allem für Florian und Ludmilla :-):
Seit Mitte August präsentiert WDR 5 Leonardo (die Wissenschaftssendung bei WDR 5) eine Serie über die Geschichte der Astronomie.
Wer Sendungen verpasst hat: Hier gibt es sie zum Nachlesen und -hören. Download habe ich noch keinen gefunden ...
Es beginnt beim Ötzi und endet bei Außerirdischen.
Aufwändig produziert im Hörspiel-Stil. Sehr schön ...
Autor: Marcus Anhäuser· 01.09.09 · 16:46 Uhr· 3 Kommentare
Rechercheauftrag an die Leser: "Mit Verlaub, hier irrte der Herr Nobelpreisträger."
Kategorie: Kultur · Kommentare: 18
Ein Versuch: Lasst mich meinen Blog doch mal als Recherchetool nutzen. Im Oktober werden - wie jedes Jahr - die Nobelpreise bekanntgeben. Da wird es wieder ganz hektisch in den Redaktionen, alle sitzen da und warten auf die Namen (dieses Jahr auch auf Twitter, Facebook und Youtube), um sie in quasi Echtzeit in ihrem Medium zu verkünden (zumindest online). In kürzester Zeit versuchen wir aus dem Material der Nobelstiftung (und Wikipedia ;-) in wenigen Zeilen zu erklären "Wieso, weshalb, warum?".
Ist ein Deutscher dabei, ist alles noch viel schlimmer, weil dann natürlich alle versuchen ein Interview zu bekommen (exklusiv ;-), aber das Telefon ist natürlich dauernd besetzt.
("Hat jemand die Privatnummer? - War ja nur 'ne Frage. ... (Versuch's doch an einem Nebenanschluss) ... Entschuldigung, ich wollte eigentlich den Herrn Professor, der hat ja heute den Nobelpreis bekommen ... ja, ich weiß, Sie haben ihn nicht bekommen, ich habe mich da wohl verwählt, könnten Sie vielleicht ... Nein, können Sie nicht? ... Ach der Kollege von der XXX hat es auch schon so versucht... tut mir leid, aber könnten Sie vielleicht doch versuchen ...).
Naja, auf jeden Fall möchte ich mich da dieses Jahr raushalten und statt dessen einen Beitrag im Umfeld dieser heißen Tage anbieten. Es geht natürlich um den Nobelpreis, es soll aber mal nicht um die glorreiche Entdeckung und ihre Bedeutung für die Welt gehen, sondern um die die Irrwege und Fettnäpfchen, vor denen auch Nobelpreisträger nicht gefeit sind. Denn auch Nobelpreisträger sind nur Menschen und können sich mal irren oder einfach mal Unsinn verzapfen (postuliere ich jetzt einfach mal). Sie haben keinen Heiligenschein (obwohl ich im Angesicht eines echten Nobelpreisträgers wahrscheinlich auch erstmal innerlich einen Moment auf die Knie sinke, davon können die Lindau-Interviewer bei Gelegenheit mal berichten ...)
Normalerweise begebe ich mich für sowas also auf Recherche und wühle mich durch unzählige Internetseiten, Archive usw. (zumindest so in der Art).
Aber warum soll ich eigentlich alles alleine machen, was viele viel schneller und besser können (Stichwort: Weisheit der Massen)? Irgendwas übersieht man ja immer ...
Daher also meine Rechercheanfrage an meine werten Leser:
Welche Geschichten kennt Ihr über Nobelpreisträger und ihre Ideen, Aussagen oder was auch immer, die gar nicht so nobelpreisverdächtig sind?
Überschüttet mich mit Links oder Tipps mit Fällen von Nobelpreisträgern, in denen diese ziemlich daneben lagen, weil sie sich auf ein Terrain begaben, von dem sie nicht so viel Ahnung haben wie auf dem Gebiet ihres Nobelpreisthemas.
Hier zwei bekannte Beispiele:
Der zweimal Heilige Linus Pauling und sein Vitamin-C-Wahn.
Der Heilige James Watson und seine rassistischen Ansichten.
Es geht schlicht und ergreifend um Geschichten, die zeigen sollen: "Hey, Nobelpreis ist fantastisch, aber das bedeutet nicht, dass er oder sie jetzt allwissend ist." Geschichten, die das Zeug dazu haben, Nobelpeisträgern den Heiligenschein herunterzureißen (den sie oft von anderen verliehen bekommen und ihn selbst wahrscheinlich ziemlich blöd finden).
Kurzer Hinweis reicht mir schon.
Wollen doch mal sehen, was ein Blog so leisten kann ... (oder auch nicht)?
Und wehe, liebe Kollegen, ihr klaut mir das Thema ... sollte ich einen erwischen, dem hetze ich meine Leser auf die Kommentarseiten ... ich appelliere an Eure journalistische Ehre.
Dann mal los ...
Wichtig: Es geht vor allem um die Fälle, bei denen sich Nobelpreisträger abseits Ihrer Nobelpreispfade bewegten ... Das sind die Geschichten, die ich suche.
Nachtrag 29.11.:
Tobias liefert noch ein schönes Beispiel für Nobelpreisträger-Wahnsinn: Luc Montagnier und der Nachweis, dass DNA elektrolmagnetische Signale aussenden ...
Autor: Marcus Anhäuser· 01.09.09 · 10:05 Uhr· 18 Kommentare
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