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Lässige Texte über haarsträubende Wissenschaft und den ganzen Rest. Marcus Anhäuser betreibt Plazeboalarm seit April 2005. Er ist Wissenschaftsjournalist in Dresden und Leitender Redakteur von medien-doktor.de.

Archiv August 2009

31. August 2009

Wo sind die Wissensvermittler der Kultur?

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 53

Alle reden immer davon, dass Naturwissenschaft der breiten Bevölkerung nahe gebracht werden muss. Es gibt/gab die PUS-Bewegung. Wir Wissenschaftsjournalisten sollen (vor allem) als Übersetzer der Wissenschaftler deren Wissenschaft vermitteln (obwohl wir eigentlich noch was anderes zu tun haben, da haben auch einige was nicht mitgekriegt), es gibt Kommunikator-Preise für Naturwissenschaftler, die ihre Wissenschaft populär vermitteln können.

Es kommt einem manchmal so vor, als hätten die Naturwissenschaften irgendwie ein schlechtes Gewissen entwickelt, das ihnen ständig erklärt: "Wir müssen was tun, damit uns die Menschen verstehen."

Wäre es nicht längst mal an der Zeit, dass die Kultur- und Geisteswissenschaften das auch machen? Oder gibt's das schon?

Oder haben die einfach keinen Bock, weil diese Aussage stimmt?:

"Es ist traurig, dass die Engstirnigkeit auf Seiten der Kunst meist noch größer ist als die der Wissenschaft. Künstler rühmen sich manchmal kokett, von Mathematik und Physik nichts zu verstehen. Es gibt natürlich auch Naturwissenschafter, die Shakespeare nicht gelesen haben - aber sie sind wenigstens nicht stolz darauf.

Beide Seiten müssen sich anstrengen, diesen Graben zu überbrücken. Die Bringschuld auf Seiten der Geisteswissenschaft und der Kunst ist heute aber größer als auf Seiten der Naturwissenschaften."

Das sagt Gottfried Schatz, emeritierte Professor der Universität Basel. Er wurde am Samstag für seine Vermittlerrolle zwischen Natur- und Geisteswissenschaften, mit dem Europäischen Wissenschafts-Kulturpreis der Kulturstiftung Pro Europa ausgezeichnet.

Ich habe bis heute keinen Shakespear gelesen, und denke immer wieder mal: "Man, müsste ich wirklich mal tun. Da habe ich ein Defizit." Aber ob jemand aus dem Bereich Geistes-/Sozial-/Kulturwissenschaft denselben Gedanken hat, wenn er das Wort Mitochondrium hört und nicht weiß, was es ist?

Der Witz ist: Sein Körper ist voll davon.

Das Zitat stamm aus diesem Interview. Kam drauf via.


Autor: Marcus Anhäuser· 31.08.09 · 11:04 Uhr· 53 Kommentare

30. August 2009

Landtagswahlen 09: Upps, die PDS ist wieder da ...

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 2

Die Jungs bei SpOn haben Stress ... die PDS ist wieder da:

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Autor: Marcus Anhäuser· 30.08.09 · 18:24 Uhr· 2 Kommentare

Locker bleiben trotz Arsen im Bier

Kategorie: Umwelt  ·  Kommentare: 4

Stellt Euch vor, Ihr freut Euch auf das schöne kühle Blonde am Ende eines heißen Tages. Ihr habt richtig Brand. Das Bier steht vor Euch, Ihr greift zu, setzt zum großen Schluck an und ... "Stopp, tun Sie das nicht", warnt eine aufgeregte, ins Hysterische kippende Stimme. "In diesem Bier ist Arsen". Und wenn die Stimme das Wort Arsen ausspricht, hebt sie extra noch einmal an, um ihm auch das nötige Gewicht zu verleihen.

Ihr haltet kurz inne - dann schließt Ihr die Augen, setzt das Glas an und genießt das kühle Nass, das Schluck für Schluck die Kehle runter rinnt.

Das nenne ich aufgeklärte Biertrinker der Wissensgesellschaft. Locker bleiben trotz Arsen im Allerheiligsten.

bier.jpg

Denn wie wir alle wissen: Nur weil eine Substanz vorhanden ist, stirbt man nicht gleich daran. Die Dosis macht das Gift (Bekannter Spruch der Wissensgesellschaft).

Wie ich drauf komme: Es gibt einen Öko-Test-Test diverser Biermarken (deswegen tauchen momentan in den Bierwerbespots so viele Hinweise auf "sehr gut" auf, schon gemerkt? Aber das ist gar kein Alleinstellungsmerkmal, weil sowieso alle getesteten Biere toll waren. Ich meine wo sind wir. Wenn sie bei uns kein ordentliches Bier machen können, wo dann. Und die kleinen Privatbrauerein sind noch einen Tick besser als die großen Marken).

Auf jeden Fall entdeckte Ökotest in einem Bier Arsen. Dies versetzte den Hersteller in ein leichte Unruhe.

"Die XYZ-Brauerei schickte uns einen Brief und erklärte, wir sollten die gefundenen Arsengehalte bitte "nicht veröffentlichen". Die Angabe "verunsichert den Verbraucher total", so die Geschäftsführerin."


(XYZ von mir eingefügt, Erklärung siehe unten)

Das kann natürlich nur passieren, wenn die Menschen völlig irrational reagieren und eben nicht Teil einer aufgeklärten Wissensgesellschaft sind, in der die Menschen wissen, dass man heutzutage Mengen einer Substanz nachweisen kann, die so winzig sind, dass man schon aus reinem Trotz noch ein Bier drauf trinken solte.

"Hoho, seht her, ich trinke ein Bier mit Arsen ..."

Öko-Test entschied sich deshalb für folgendes Vorgehen:

"Statt Informationen zu unterdrücken, klären wir unsere Leser aber lieber auf und weisen darauf hin, dass die gefundenen Arsenspuren bei einem normalen Bierkonsum als gesundheitlich unbedenklich einzustufen sind."

Jetzt frage ich mich nur: Was genau ist ein normaler Bierkonsum? Heißt das jetzt: "Täglich ein, zwei Glas." oder "Die ganze Woche nichts, dafür dann am Samstagabend einen ordentlich über den Durst."?

Und was ist mit all den jugendlichen Komasäufern? Wobei, die trinken eh kein Bier, sondern nur diese Mix-Getränke plus purem Hochprozentigem. Indes: Da eröffnet sich vielleicht noch eine neue Dimension. Sich mit Alkohol besinnungslos zu saufen, ist nicht besonders mutig. Aber sich mit jeder Flasche dem Arsen-Grenzwert zu nähern, das erfordert Mut. Das wäre doch mal eine Herausforderung.

Wahrscheinlich sind aber die Arsen-Mengen so niedrig, dass derjenige welcher längst vom Hocker direkt ins Koma gefallen ist, bevor der Grenzwert auch nur in Sichtweite gerät.

Fazit: Die Sorge der Geschäftsführerin ist nur bedingt berechtigt (aber weil es eben doch noch ein paar irrationale Genossen gibt, lassen wir den Markennamen unter den Tisch fallen und verlinken nicht auf den Ökotest-Artikel, wir wissen ja, wie hysterisch das Netz reagieren kann).

Für die Anderen, die Aufgeklärten, die Menschen des 21. Jahrhunderts gilt: Locker bleiben. Arsen im Bier? Wir haben echt andere Sorgen ...

Und eigentlich müssten wir mit einer Gegenfrage antworten: "Wie viel?"

Prost.

(... und wenn Öko-Test das Herunterladen noch etwas einfacher gestaltet hätte (ohne Registrierung), dann hätte ich jetzt auch erzählen können, wie niedrig die Arsen-Mengen in besagtem Bier war, und ob es noch andere Biere gab, in denen das Gift aufgespürt wurde.)

Übrigens, was viele oft vergessen: Da ist ja auch Ethanol drin, im Bier. Da regt sich ja auch niemand drüber auf ... (Okay, das ist jetzt ziemlich blöd ...)


Autor: Marcus Anhäuser· 30.08.09 · 11:14 Uhr· 4 Kommentare

26. August 2009

Ich glaub es raucht ...

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 5

Wie geht das ...

Rauch 3.png

... eigentlich mit dem ...

Rauch 4.png

zusammen?

Hier die zugehörigen Artikel bei Spiegel Online und Stationäre Aufnahme.


Autor: Marcus Anhäuser· 26.08.09 · 21:50 Uhr· 5 Kommentare

25. August 2009

Eliteuni, in der Stadt am CH20? (Update 28.8.)

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 29

Ooh, wenn das die Jungs und Mädels von der Eliteuni sehen ...

Konstanz ist die Stadt am - Wasser, okay (Der Bodensee ist voll davon.)

Wie war die chemische Strukturformel für Wasser? Oder fragen wir anders: Was glauben die Werbegrafiker dafür zu halten, die das Plakat "Konstanz, die Stadt am H20" umgesetzt haben?

konstanz2.JPG.jpeg (Ausschnitt aus dem Plakat, das man hier in Gänze sehen kann)


Kann man in Formaldehyd schwimmen? (Formaldehyd musste ich aber auch schnell nachschauen und es fehlt auch die Doppelbindung vom Sauerstoff ..)

Oh, Leute ... was man alles falsch machen kann ist doch immer wieder erstaunlich.

(Fischer hat's gefunden, dort gibt's auch ein Foto vom Plakat)

Erstaunlich ist auch, dass die Kampagne wohl schon Ende Mai gestartet wurde ... ist bisher niemandem aufgefallen?

Hier mal zum Vergleich die Strukturformeln von H20 (Wasser, links) und CH2O, (Formaldehyd, rechts):

H2O.png

Und der Einfachheit halber haben sich Chemiker darauf geeinigt, dass man das "C" für Kohlenstoff auch weglassen kann ... (weil man sonst bei größeren Molekülen und in der organischen Chemie (früher auch bekannt als Kohlenstoffchemie) die Struktur vor lauter "C" nicht mehr erkennt ... da schreibt man sich ja sonst die Finger wund ... aber das kann Fischer sowieso besser erklären).

Nachtrag: In den Kommentaren erklärt Lars Fischer auch, warum die Doppelbindung vom Sauerstoff (O) zum Kohlenstoff (C oder eben weggelassen) auch nicht notwendigerweise in der Strukturformel angegeben werden muss.

Zusatz: Und warum im Text die "2" in H2O tiefer gestellt ist, aber in der Überschrift nicht, kann man hier nachlesen.

Update 15:00:
Der Geschäftsführer der Konstanzer Stadtmarketing GmbH Hilmar Wörnle antwortet auf die spöttische Kritik am Plakat auf Lars Fischers Blog.

Er fühlt sich irgendwie falsch behandelt, habe ich den Eindruck:

"Und um es kurz zu machen, ein Element wie auf dem Werbebild abgebildet, gibt es nicht. Ich könnte jetzt lange erklären warum es in dieser Form auf dem Plakat ist, doch habe ich den Eindruck, dies interessiert gar nicht. Wichtiger ist es aus einem überflüssigen Symbolstrichlein eine ganze Kampagne, einzelne Firmen und Einrichtungen eine ganze Stadt mit all' Ihren Wissenschaftseinrichtungen zu beschädigen. Es verwundert mich, daß viele angehende Wissenschafter nicht die Frage nach dem „Warum machen die das so", sondern gleich das Ergebnis ("Unfähigkeit, Deppen, Peinlichkeit, Idioten, Penner") postulieren ...".

Gleich kam natürlich die Frage auf, woher er die "Unfähigkeit, Deppen, Peinlichkeit, Idioten, Penner" hat. Außerdem fragen sich einige auch zurecht, wer hier einzelne "Firmen und Einrichtungen eine ganze Stadt mit all' ihren Wissenschaftseinrichtungen" beschädigt". Der Verursacher oder die Kritiker.

Mich würde natürlich schon interessieren, was sich die Plakatmacher dabei gedacht haben.

Update 16:00:

Herr Wörnle gibt noch ein paar mehr Infos bei Lars in den Kommentaren. Er nimmt's auf seine Kappe, auch wenn es "einer größeren Gruppe von Leuten beim Auswahlprozess aus 30 Vorschlägen" nicht aufgefallen sei.

Offenbar ist das schon länger bekannt:

"Auch haben wir, als uns der Lapsus erstmals auffiel Kontakt mit leitenden Chemikern der Industrie aufgenommen und um Ihre Meinung gefragt. Hier wurde Entwarnung signalisiert und ein eher entspannter Umgang emfohlen."

Klingt alles in allem nach: Shit happens ...

Oder sollte da doch noch tieferes, kreatives Geheimnis hinter stecken, das uns Wissenschaftsaffinen nicht aufgeht? Sind wir zu pingelig?

Dann erklärt's uns. Bitte.

Update 27.8.:
SpOn hat das Thema aufgegriffen. Herr Wörnle erklärt nochmal, dass die Uni nichts damit zu tun hat.

Fischer freut sich über steigende Besucherzahlen bei den Scilogs.

Update 28.8.:
Auch die SZ hat das Thema kurz aufgegriffen. In der Bildunterschrift tut sich der Autor allerdings auch ein wenig schwer mit der Strukturformel:

"Die Strukturformel ergibt nicht Wasser, sondern ähnelt am ehesten Formaldehyd, sagen Chemiker: Die Verbindung zwischen den beiden Hs und dem O erinnere eher an die Doppelbindung bei Formaldehyd - auch wenn das C fehlt, was Chemiker aber in der Regel weglassen." (Fettung durch mich)

Es bleibt schwer ...

Fischer hat nichts von dem Artikel, da die SZ nicht verlinkt ...

Ein paar Regionalzeitungen haben das Thema auch aufgegriffen.

Und Blogkollege Ernst Peter Fischer (nicht verwandt mit Lars Fischer, nehme ich an) vom Wissenschaftsfeuilleton nebenan - in Konstanz lebend und an der Eliteuni arbeitend - kann dem Ganzen sogar noch etwas positives abgewinnen:

" ... und immerhin wissen jetzt mehr Menschen, wie Formaldehyd aussieht."

... na zumindest so ungefähr ...


Autor: Marcus Anhäuser· 25.08.09 · 09:16 Uhr· 29 Kommentare

24. August 2009

Die Doppelköpfigkeit der Wissenschaft

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 30

Wissenschaftliche Ergebnisse können zum Nutzen wie zum Schaden der Menschheit eingesetzt werden. Ein Marketingtext für ein US-Sachbuch bringt dieses doppelköpfige Dasein schön auf den Punkt:

"... At the dawn of the twentieth century, humanity was facing global disaster: Mass starvation was about to become a reality. A call went out to the world's scientists to find a solution.


This is the story of the two men who found it: brilliant, self-important Fritz Haber and reclusive, alcoholic Carl Bosch. Together they discovered a way to make bread out of air, built city-sized factories, and saved millions of lives.

But their epochal triumph came at a price we are still paying. The Haber-Bosch process was also used to make the gunpowder and explosives that killed millions during the two world wars. Both men were vilified during their lives; both, disillusioned and disgraced, died tragically. ... "

(Fettung durch mich)

Wer jetzt nicht direkt drauf kommt, was mit "make bread out of air" bedeuten könnte (hier lesen ja nicht nur Wissenschaftler mit), dem hilft dieser Wikipedia-Eintrag weiter (das entscheidende Stichwort lautet "Dünger").

Das bringt mich auf die Frage: Welche vergleichbaren Beispiele gibt es eigentlich noch, in denen eine wissenschaftliche Entdeckung/Erfindung für das Gute/wie auch das Böse (brrr, wie schwarz-weiß) genutzt wird.

(Kernspaltung lassen wir jetzt mal weg, ich hab keinen Bock auf ewige Kommentarschlachten,das wäre ja auch zu einfach.)


Autor: Marcus Anhäuser· 24.08.09 · 12:25 Uhr· 30 Kommentare

22. August 2009

Die richtige Einordnung des Problems Schweinegrippe

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 9

Der GMX-Newsletter, der regelmäßig in meinen E-Mail-Ordner schneit, gehört nicht zu meinen primären Informationsquellen. Ich lösche ihn in den allermeisten Fällen sofort. Auch wenn die Themen wie Gesundheit u.ä. irgendwie auf mich zugeschnitten scheinen, traue ich dem Sammelsurium an Texten aus verschiedensten Quellen nicht, weil sich alldieweil Werbung dahinter verstecken könnte.

Heute jedoch hielt mich etwas von der direkten Vernichtung des Newsletters ab. Es gab dort einen Vorspann - wie immer mit persönlicher Anrede - zum Thema "Schweinegrippe".

Da ist die Rede von einer "Welle von Neuerkrankungen", von der "größten Impfaktion seit einem halben Jahrhundert" und der Sorge vor "einer vermehrten Anzahl bisher unbekannter Nebenwirkungen". Über die Risiken könne man sich im GMX-Magazin informieren.

Aber offenbar war dies dem bearbeitenden Redakteur zu viel "Doomsday"-Szenario oder wahrscheinlich war er schlicht gezwungen zwei Themen unter einen Hut zu bringen, die durchaus schwer zusammenzubringen sind. Auf jeden Fall folgt nach dem Besorgnis erregenden Schweinegrippe-Szenario noch folgender Hinweis:

(...) Und weil zum Gesundbleiben auch eine große Portion gute Laune gehört, haben wir schöne Tipps für alle zusammengestellt, die sich in ihrer Haut wohlfühlen möchten.

Überraschend.

Vielleicht ist das aber auch ein unfreiwilliger Hinweis der GMX-Redaktion, dass man bei dem Thema "Schweinegrippe" eigentlich ganz ruhig bleiben kann. Dieser Eindruck verstärkt sich, wenn man den Newsletter weiter liest. Dort gibt es noch einen Vorspann zum Thema "Schweinegrippe", der einerseits das Szenario weiterstrickt ... :

(...) Doch es gibt noch viele offene Fragen, obwohl das Kabinett Vorsorge für die Operation getroffen hat. Die Zeit drängt. Bisher sind fast 13 000 Bundesbürger mit der Schweinegrippe infiziert, täglich kommen hunderte neue Fälle dazu.

... aber erneut scheint GMX seinen Nutzern versteckt mitteilen zu wollen: "Okay, das klingt irgendwie gefährlich, ist es aber gar nicht." Woraus der Leser das schließen kann? Schauen Sie mal, was GMX an Themen vorschlägt, die zum Thema "Schweinegrippe" passen:

GMX4.png

Und? Das relativiert doch das Ganze.

Wahrscheinlich gibt es im Contentmanagementsystem (CMS) einen Algorithmus, der von alleine die passenden Themen sucht. Wer jetzt glaubt, da sei diesmal wohl etwas schief gelaufen, der irrt. Denn das ist in diesem Fall definitiv ein Vorteil, weil die Auswahl so nicht von der Gefühlswelt des Redakteurs abhängt. Dieser ist wahrscheinlich durch die tägliche Berichterstattung über die Schweinegrippe schon ganz aufgebracht und in seiner Einschätzung der Lage nicht mehr objektiv. Anders das unpersönliche, gefühllose und unbeeinflussbare CMS. Einfach die Stichworte analysiert, und paff! Das Thema "Schweinegrippe" sollte man wie "Übergewicht und Cellulite" behandeln.

Das nenne ich mal eine korrekte Einordnung der Gefahrenlage.

Im Müll ist der Newsletter dann aber doch gelandet ...


Autor: Marcus Anhäuser· 22.08.09 · 11:30 Uhr· 9 Kommentare

20. August 2009

"Damit zu arbeiten ist wie Sex"

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 29

Entwickeln Wissenschaftler eigentlich hin- und wieder ein erotisches Verhältnis zu ihrem Werkzeug? So wie ein Porscherfahrer zu seinem 911er? Oder ein Handwerker zu seinem Makita Lithium-Ionen Akkubohrschrauber? Oder ein Journalist zu seinem weißen Apple MacBook?

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Autor: Marcus Anhäuser· 20.08.09 · 18:15 Uhr· 29 Kommentare

18. August 2009

Wissenschaft zerstört das Rätselhaft-Schöne! Nur zu.

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 14

Es gibt diese Befürchtung, dass Wissenschaft das Mystische, das Phantastische und damit das Geheimnisvoll-Schöne in der Welt zerstört und sie damit irgendwie ärmer macht. Klassisches Beispiel ist der Regenbogen, dessen Schönheit angeblich verschwindet, wenn man weiß, wie er entsteht. Als ob das Wissen ein Geheimnis verrät.

Da ist ja auch ein bisschen was dran. Zumindest in einem ersten Moment. Denn es gibt zusätzlich zum Gefühl der Erhellung und Auflösung auch diesen Funken von Enttäuschung, weil eine Erklärung eine Sache plötzlich so einfach, so logisch, so banal, erscheinen lässt. „Ach so, so einfach." Das Mystische, das Rätselhafte, ein möglicherweise großes Geheimnis fällt wie ein Kartenhaus zusammen. Schade.

Aber dann, und das ist, wie ich finde, das wunderbare, stellt sich zumindest bei mir immer wieder dieses andere Gefühl ein: Eine aufregende Mischung aus Staunen und Neugier, aus „Ah, so ist das, klar." gepaart mit: „Mhm, und was bedeutet das weiter." „Was folgt daraus?" oder „Aber warum ist das so?".

Genau das passierte mir am Wochende hier in Dresden auf dem Stadtfest. Meine Familie und ich schlenderten die Fressbuden entlang, um auf den Platz zu gelangen, auf dem das goldene Reiterstandbild „August des Starken" den feisten Glanz der Barockzeit ins 21. Jahrhundert retten soll (und mich doch immer nur an Joachim Witts „Goldenen Reiter" erinnert, umgeben von Plattenbauten, die die Fußgängerzone in diesem Teil der Stadt säumen und die die Alleebäume mehr oder weniger gut verstecken).

Auf diesem Platz gab es eine Bühne auf der zwei Kabarettisten ein Programm für Kinder, Jugendliche und Eltern veranstalteten, die Physikanten oder so ähnlich, eine Mischung aus Zauberei und Wissenschaft. Wir blieben einen Moment stehen, schauen den beiden zu, diesen etwas klamaukig-überdrehten Darstellern (einer im weißen Wissenschaftlerkittel, einer ohne).

Auf der Bühne steht ein Aquarium, auf einem Tisch, offensichtlich leer. Der „Wissenschaftler" weist den „Assistenten" an, ein U-Boot (ein „Etwas" aus dünner gold- und silberfarbenen Alufolie, das dem Rumpf eines Bootes oder einer seitlich halbierten Tonne ähnelt) zu Wasser zu lassen.

Der „Assistent" wundert sich, denn im Aquarium ist nichts drin. „Aber da ist ja gar kein Wasser drin!", beschwert sich der „Assi". Der Wissenschaftler nimmt das Boot und legte es trotzdem in das Aquarium. Und siehe da: Anstatt auf den Boden zu fallen, schwimmt es auf magische Weise am oberen Rand des Aquariums. Es schwebt.

Erstaunlich. Verrückt. Zauberei.

„Das ist Zauberei. Das ist Magie", ruft der Gehilfe aus. Tatataaa. Die Zuschauer klatschen. „Ja, das ist Zauberei", sagt der Wissenschaftler und fällt sich gleich ins eigene Wort „Äh, nein, natürlich nicht. Das ist Wissenschaft, keine Zauberei." Und man spürt einen Hauch von Enttäuschung im Publikum, weil das aufregend Rätselhafte, das Geheimmnisvolle zu schwinden droht. Zugleich macht sich auch Neugier breit, die erfahren will, wieso das Boot auf einem Nichts schwimmen kann. Und der „Wissenschaftler" erklärt es Ihnen.

„In dem Aquarium ist kein Wasser, auch keine Luft, sondern Schwefelhexafluorid. Das ist ein Gas, das schwerer ist als Luft." Obwohl wir nichts sehen, ist in dem Aquarium etwas drin: Ein Gas, und das sorgt für einen Effekt so als wäre Wasser darin.

Luft und Gas sind nicht nichts. Ein Gas ist etwas, auf dem etwas anderes schwimmen kann.

Wieder ein sanftes, ein befreites Raunen im Publikum. Aah, ach so, klar. Guck mal an. So ist das. Was es alles gibt. Reingefallen. Man soll sich nicht täuschen lassen. Aber schon komisch. Nichts drin, und doch was drin.

Wir gehen weiter ... und bei mir geht das Rattrn los ... Wie leicht wir uns ins Bockshorn jagen lassen ... Ja, aber wieso schwimmt das Alufolienboot auf dem Gas? Weil es leichter ist! Weil es leichter ist? Wie, Alu ist leichter als Gas? Ein Gas ist nicht nichts. Lass dich nicht ins Bockshorn jagen! Wieso schwimmt nochmal ein tonnenschweres Schiff aus Stahl auf dem Wasser. Weil es leichter ist!? Wie war das noch mit Dichte, Auftrieb, Archimedes usw.?

Muss ich nachgucken. Oder meine Frau fragen, die ist Physikerin.

Ist das nicht toll? Ich finde das toll. Die Rätsel verschwinden nicht. Ein Rätsel gelöst, das nächste steht schon vor der Tür. Und das Geheimnisvolle, das auch ein bisschen dunkel ist, erhellt sich ...

Wie kann man nur glauben, die Welt würde ärmer indem man ihre Rätsel löst?


P.S.: Ja, ich habe Dawkins' „Der entzauberte Regenbogen."


Autor: Marcus Anhäuser· 18.08.09 · 12:36 Uhr· 14 Kommentare

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