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Lässige Texte über haarsträubende Wissenschaft und den ganzen Rest.
Marcus Anhäuser betreibt Plazeboalarm seit April 2005. Er ist Wissenschaftsjournalist in Dresden und Leitender Redakteur von medien-doktor.de.
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04.06.09 · 13:15 Uhr
Kunst als verdeckte Werbung
Kategorie: Medizin · Kommentare: 12
Für verschreibungspglichtige Medikamente darf außerhalb von Fachkreisen (sprich Medizinern u.ä.) nicht geworben werden. Da muss man sich schon was einfallen lassen, um die Zielgruppe direkt zu erreichen. Die Firma Wyeth macht es ganz geschickt, um für Ihr Mittel gegen Psoriarsis zu werben: eine Fotoaustellung, die auch online erreichbar ist.
Anders als sonst erlaube ihr mir mal eine Pressemitteilung, in dem Fall der geschätzten Kollegen von Gute Pillen - Schlechte Pillen, eins zu eins widerzugeben. Brotjob schlaucht gerade.

"Was als Kunst daherkommt, kann in Wahrheit Werbung für ein Medikament sein, warnt die unabhängige Verbraucher-Zeitschrift Gute Pillen - Schlechte Pillen. Eine Fotoausstellung „Psoriasis - die nackte Wahrheit" dient nur vordergründig dem Zweck, auf die chronische Hautkrankheit aufmerksam zu machen. Eigentlich ist es eine geschickt getarnte Werbeaktion, um den Verkauf eines sehr teuren und risikoreichen Medikaments zu steigern.Die Fotoausstellung portraitiert 19 Menschen mit der Hautkrankheit Psoriasis. Das Pharmaunternehmen Wyeth hat die Ausstellung beim Star-Fotografen Ralf Tooten in Auftrag gegeben. Aber kaum ein Bild zeigt die Hautveränderungen, und stattdessen entsteht unterschwellig der Eindruck, man könnte die Hautkrankheit erfolgreich behandeln. Die Fotos sind auch auf der Webseite „The naked truth" zu sehen.
Patienten erzählen dort von ihrer Krankheit, und man findet weitere Informationen zu Psoriasis. Immer wieder wird auf die Hilfe durch ein neues Medikament verwiesen - ein „Biologikum". Kein Wunder: Wyeth stellt einen solchen gentechnisch veränderten Wirkstoff her. Die Fotoausstellung ist eine Werbeplattform für ein rezeptpflichtiges Medikament. Dabei werden Hoffnungen geweckt. Die Schattenseiten der teuren und riskanten Therapie treten in den Hintergrund. Biologika dürfen wegen ihrer Risiken nur verwendet werden, wenn andere Therapien versagt haben, und sie helfen nicht jedem. Werbung - Aufgepasst!"
Die detailliertere Analyse findet sich als pdf-Download an dieser Stelle.
Autor: Marcus Anhäuser· 12 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (12)
Ganz schön dreist.
Dreist?
Immerhin ist das Bemühen zu erkennen, die gesetzlichen Bestimmungen wenigstens nicht eindeutig zu verletzen. Der Name des Pharmakonzerns hinter der Aktion ist klar und deutlich zu erkennen, ein Wirkstoff oder Handelsname wird nicht genannt. Eine Disease-Awareness-Kampagne, wie es sie schon zigfach gegeben hat.
Wenn ich das mal mit verschiedenen aktuellen Kampagnen besonders der deutschen Pharmakonzerne vergleiche, dann ist das geradezu vorbildlich, gesetzeskonform und transparent gelöst.
Ach ja, ich vergaß - was nicht so ganz eindeutig verboten ist, ist ja erlaubt. Das weitere Bemühen um das kulturelle Angebot an die Bevölkerung muß ich da natürlich auch noch gebührend würdigen. Sehr vorbildlich. Wir brauchen unbedingt mehr davon.
Ein zweischneidiges Schwert, derjenige der eine Linderung seiner Krankheit findet, greift nach jedem Strohhalm. Ob die Kunst hier missbraucht wird, ist schwer zu sagen.
Die Idee gefällt mir aber trotzdem.
Gruss Wolfgang
@GeMa: Solange auf der Titelseite der BILD-Zeitung ungestraft für verschreibungspflichtige Medikamente geworben wird, solange die Medien voll sind von ungekennzeichnter Pharma-Schleichwerbung, solange das Werbeverbot für verschreibungspflichtige Medikamente von bestimmten Pharma-Unternehmen schlichtweg ignoriert wird, solange kann ich mich über so etwas beim besten Willen nicht aufregen. Natürlich ist die hier besprochene Kampagne unethisch, aber welche Pharmamarketing-Kampagne für verschreibungspflichtige Medkamente ist das nicht? Beispiele werden gerne entgegengenommen.
Hier wurde darüber auch schon diskutiert, von Betroffenen:
http://www.psoriasis-netz.net/forum/showthread.php?t=228291
Klar ist es gesetzeskonform, aber die Grenzen kennen die Firmen auch zu gut. Die ganzen "Krankheits-Servicecenter" wie von BSMO leben davon.
@Hockeystick
Jetzt komm doch mal wieder runter. Keiner verlangt, dass Du Dich darüber aufregen sollst. Ich muß das trotzdem nicht gut finden, nur weil noch dreistere Sachen ablaufen.
Aber ehrlich - bin ich der Gesetzgeber? Oder Redakteur oder Journalist, der sich dafür bezahlen lässt, als Artikel getarnte Werbung zu schreiben? Nö. Ich bin auch nicht der Chefe der Ärztekammern, die pharmagesponserte "Fortbildung" zertifizieren. Usw. usw. ;-)
@ hockeystick
die BILD macht das wirklich?
ich achte nicht explizit darauf, behaupte aber, dass mir das auffallen würde (bei Zeitungen in .at)
Die Aktion an sich finde ich eher mäßig verwirrend. Wie oben schon geschrieben ist die Assoziation mit der Firma klar erkenntlich.
@fatmike182:
BILD macht es sowieso. Bemerkenswert ist eher, dass Bayer und Jenapharm es machen. (gesundheit.blogger.de/stories/1406848/, Hintergrund: gesundheit.blogger.de/stories/1403649/)
In Österreich läuft das Pharmamarketing und auch die Schleichwerbung i.d.R. noch eine Nummer unverfrorener ab, z.B. gesundheit.blogger.de/stories/712548/, gesundheit.blogger.de/stories/1413732/
Das Land ist deshalb immer wieder ein beliebtes Thema bei uns (gesundheit.blogger.de/topics/Oesterreich/).
jetzt ist man mal einen Tag außer Haus und schon zankt ihr euch ... :-)
Es ist immer eine Frage, von welcher Warte aus man das betrachtet. Jemand wie hockeystick freut sich ja schon ;-), wenn der Firmenname zeigt wo's herkommt. Da grabt ihr ja ganz andere Sachen hervor, im Vergleich dazu, ist das hier ja Kinderkram. Für alle anderen ist das einfach nur wieder mal noch eine Variante, die zeigt, was alles versucht wird, um den Endkunden direkt zu erreichen.
Gesundheitsblogger kann ich nicht lesen, ohne das mir hin und wieder der Draht aus der Mütze kommt. Deswegen empfehle ich den Blog auch immer gerne weiter. :-)
Das ist wirklich ein eher harmloses Beispiel. Wyeth kann auch anders:
Sie [Die disease awareness Kampagne] sah wie folgt aus: In einer ersten Etappe wurde in sechs österreichischen Medien die kryptische Frage "Wie sieht ihre Lösung dafür aus, Herr ...?" an sechs verschiedene Meinungsführer im österreichischen Gesundheitssystems in Form eines Inserates gerichtet. Konkret adressiert waren Franz Bittner, Chef der Wiener Gebietskrankenkasse im Kurier, Ärztekammerpräsident Walter Dorner in der Presse, Gewerkschaftschef Rudolf Hundstorfer in der Krone, SPÖ- Gesundheitssprecherin Sabine Oberhauser in der Ganzen Woche und Martin Gleitsmann von der Wirtschaftskammer; in der Anzeige des Standard wurde Rheuma-Experte Josef Smolen angesprochen. In der zweiten Anzeigenwelle eine Woche später wurden die Statements der Befragten publiziert: Diesmal aber prangte auf den Anzeigen plötzlich der Auftraggeber der Kampagne, die Pharmafirma Wyeth, die sich diese Art der Awareness 300.000 Euro hatte kosten lassen.
... und alle sprachen sich für einen möglichst frühen Einsatz moderner Medikamente aus.
derstandard.at/?url=/?id=1220460613639