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Lässige Texte über haarsträubende Wissenschaft und den ganzen Rest. Marcus Anhäuser betreibt Plazeboalarm seit April 2005. Er ist Wissenschaftsjournalist in Dresden und Leitender Redakteur von medien-doktor.de.

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09.12.08 · 10:10 Uhr

Antwort von PISA wg. Evolution

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 10

Das ging schnell: Herr Prenzel vom PISA 2006-Team hat schon geantwortet - leider noch nicht auf unsere Fragen. Wir versuchen es weiter. Hier seine Antwort.

Sehr geehrter Herr Anhäuser,

nicht erst seit Karl Popper ist klar, dass auch eine naturwissenschaftliche Theorie niemals bewiesen (sondern allenfalls empirisch widerlegt werden kann). Sie gilt immer nur als vorläufig bekräftigt.

Mit freundlichen Grüßen
Manfred Prenzel

Unsere Replik darauf:

Sehr geehrter Herr Prenzel,

vielen Dank für Ihre schnelle Rückmeldung.

Aufgrund des öffentlichen Interesses wäre es sehr hilfreich für die Diskussion auch Antworten auf die von mir gestellten Fragen zu bekommen. Ich gehe davon aus, dass Sie ein viel beschäftigter Mann sind, eine sofortige Beantwortung meiner Fragen ist gar nicht erforderlich.

Mit freundlichem Gruß

Marcus Anhäuser

P.S. Da es sich um eine Diskussion auf den Blogplatformen handelt,
werde ich auf meinem Blog plazeboalarm.de (Teil von scienceblogs.de )
über meine Anfrage und ihre Antworten berichten.

 

Autor: Marcus Anhäuser· 10 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

Tags: · · · · ·

Trackbacks (1)

Die Evolutionstheorie muss als bewiesen angesehen werden. Bitches. · Begrenzte Wissenschaft · 10.12.08 · 14:09 Uhr


Kommentare (10)

Kommentar-Direktlink Christian· 09.12.08 · 10:31 Uhr

Die Antwort an sich gefällt mir ja. Die Crux dabei scheint mir aber zu sein, das man von 15jährigen doch eigentlich nicht erwarten kann, dass sie solche Überlegungen anstellen können (oder lernt man Wissenschaftstheorie jetzt doch in der Schule?). Damit bleibt es in meinen Augen eine etwas seltsam formulierte ("gegenwärtig") Fangfrage. Wie Thilo außerdem in den Kommentaren zu meinem Artikel richtig bemerkt hat, klingen die anderen Biologie-Fragen des PISA-Tests vollkommen anders, obwohl man sie nach der Logik sicherlich teilweise ähnlich hätte formulieren müssen...

Kommentar-Direktlink Floh· 09.12.08 · 12:30 Uhr

Eine der Fragen kann ich zumindest zum Teil beantworten:

das Item ist im Englischen wie folgt formuliert:

Question 3: EVOLUTION S472Q03
Which one of the following statements best applies to the scientific theory of
evolution?
A The theory cannot be believed because it is not possible to see species
changing.
B The theory of evolution is possible for animals but cannot be applied to humans.
C Evolution is a scientific theory that is currently based on extensive evidence.
D Evolution is a theory that has been proven to be true by scientific experiments.

Leider kann ich das Item in den Datensätzen die auf der OECD Seite verfügbar sind nicht finden. (http://pisa2006.acer.edu.au/downloads.php)
2000 gab es noch die Datensätze zu den jeweiligen Literacy Test, dort müsste das Item dann auch unter "Science Achievement" zu finden sein.

Kommentar-Direktlink Floh· 09.12.08 · 12:47 Uhr

nochmal zur Sprache und Übersetzungspraxis:
Punkt 5 beschreibt zwar nicht im Detail das Vorgehen, gibt aber denke ich einen gewissen Überblick über das Verfahren:

http://www.oecd.org/dataoecd/57/24/39736696.pdf

Kommentar-Direktlink Joerg· 09.12.08 · 12:51 Uhr

Irgendwie klingt das für mich, vor allem auch dadurch dass es aus dem Englischen stammt, als hätte man sich da einfach amerikanische Fragensätze geschnappt. Das klingt nämlich nach dem typischen Nitpicking, durch das amerikanische Kreatonisten versuchen, eine Hintertür für ihre Lehren offen zu halten, siehe auch SGU Podcast #175
http://www.theskepticsguide.org/skepticsguide/podcastinfo.asp?pid=175

Dort berichtet ein texanischer Wissenschaftler, der gegen den Einfluss der Young-Earth Kreationisten auf Schulbücher kämpft. Da es denen nicht (mehr) gelingt, direkte Evolutionskritik anzubringen, wird es durch solche Hintertüren versucht, solchen sprachlichen Raubbau an "Theorie" etc.

Das hat definitiv nichts in einem Schulbuch oder Test zu suchen, auf diesem Niveau muss tatsächlich C UND D richtig sein.
Oder, falls nicht, bitte auch ein paar Fragen zu Gödels Unvollständigkeitstheorem, das ist dann doch eigentlich noch deutlich wichtiger?

Kommentar-Direktlink David Marjanović· 09.12.08 · 14:57 Uhr

oder lernt man Wissenschaftstheorie jetzt doch in der Schule?

Schön wärs!!!

Kommentar-Direktlink knorke· 10.12.08 · 12:51 Uhr

@Floh: Das ist ja interessant. Das klingt ganz anders als die auf Deutsch formulierten Fragen. Ganz anders. Jetzt bin ich mal gespannt, was sonst noch so an Antworten dazu von offizieller Seite zu erwarten ist.

Kommentar-Direktlink A.S.· 10.12.08 · 14:19 Uhr

Also zunächst ist klar, dass Antwort C richtig ist und Antwort B falsch. Theorien können nicht „bewiesen“ werden. Allerdings ist die Frage aus drei Gründen unglücklich gestellt und Herr Prenzels Aussage ist hier bis zur Arroganz verkürzt.

Erstens, und das ist hier und in den Kommentaren zum Originalbeitrag von Frau Thal ja bereits diskutiert worden, ist es mehr als fraglich, ob man von Schülern erwarten kann, das zu wissen. Meine Studierenden wissen es nicht, wenn sie an die Uni kommen, und es fällt ihnen auch nicht leicht, es wirklich und mit allen Konsequenzen zu verstehen. Die Schüler werden sich im Zweifelsfall auf die umgangssprachliche Bedeutung von beweisen beziehen und danach wäre B zumindest auch richtig.

Zweitens, und das ist es wohl, was Frau Thal ärgert, könnte man die Frage auf jede wissenschaftliche Theorie beziehen, inklusive der Theorie der Schwerkraft oder der Theorie der Existenz von Himmelskörpern. Dass hier ausgerechnet die Evolutionstheorie, eine der am besten ausgebauten und empirisch abgesicherten Theorien gewählt wird, hinterlässt angesichts der fortwährenden Attacken auf diese Theorie aus religiösen Kreisen (nicht nur in den USA) einen schalen Nachgeschmack.

Drittens, und das ist bislang nicht deutlich genug herausgestellt worden, gibt es einen Unterschied zwischen Evolution und der Evolutionstheorie. Letztere ist ja schon vom Namen nach „nur“ eine Theorie der Mechanismen, durch die Evolution vonstatten geht. Erstere aber ist keine Theorie sondern eine direkt beobachtbare Tatsache. Frau Thal hält diese beiden Ebenen leider selbst nicht sauber auseinander und ihre Argumente sind deshalb nicht völlig stringent.

Allerdings, und das ist hier entscheidend: Die PISA-Frage und die Antworten halten die Ebenen ebenfalls nicht auseinander: In der Frage ist von der Evolutionstheorie die Rede, in den Antworten aber von Evolution -- das verwirrt zusätzlich. Strenggenommen sind Antwort B und C schon semantisch sinnlos. Ein Satz, der mit „Die Evolution ist eine (wissenschaftliche) Theorie, die...“ anfängt, vermischt schon auf der sprachlichen Ebene die Beobachtung mit der Theorie.

Kommentar-Direktlink Floh· 10.12.08 · 17:29 Uhr

Ich denke man sollte berücksichtigen, dass PISA keine Lehrplanvalidität beansprucht, sondern "Basiskompetenzen" erheben will. Es ist also eigentlich völlig unerheblich, ob solche wissenschaftstheoretischen Details gelehrt werden oder nicht. Ich denke Prenzels Antwort deutet recht eindeutig darauf hin, dass der Aspekt den das Item abfragen sollte, der Falsifikationsgedanke in der Wissenschaft ist.
Ich kann aber auch verstehen, dass man, wenn man auf die Kreationismusdebatte sensibilisiert ist, diese Frage skeptisch betrachten kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Antwortverhalten auf ein solches Item, wenn man "Evolution" durch "Gravitation" ersetzt ein deutlich anderes (im Fragekontext falscheres) Ergebnis erbringen würde.

Kommentar-Direktlink Thilo· 30.04.09 · 16:59 Uhr

Hat Herr Prenzel die Fragen eigentlich inzwischen beantwortet?

Author Profile Page Marcus Anhäuser· 01.05.09 · 12:39 Uhr

ich habe nie mehr was gehört.

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