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Lässige Texte über haarsträubende Wissenschaft und den ganzen Rest.
Marcus Anhäuser betreibt Plazeboalarm seit April 2005. Er ist Wissenschaftsjournalist in Dresden und Leitender Redakteur von medien-doktor.de.
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11.09.08 · 09:15 Uhr
Hält die ARD kritische Berichte zurück? (Nachtrag 4, 9.10.)
Kategorie: Kultur · Kommentare: 5
Vergeblich warten wir auf kritische Sendungen in der ARD, die sich mit dem Schleichwerbeverdacht im Fall Bankhofer in der ARD befassen. Erneut saßen wir gestern Abend vergeblich vor dem Fernseher. Was ist los mit dem Senderverbund? Keine kritischen Reporter mehr oder Druck aus den eigenen Reihen?
Okay, wir sind keine Medienjournalisten, und auch keine TV-Macher. Aber wir sind Journalisten, und wir wissen, dass das eigentlich eine gute Story war (und noch ist), die ganze Bankhofer-Geschichte (Print und Online zumindest hatten sich drauf gestürzt, das muss man nicht mal mehr verlinken).
Es ist eine gute Story, weil sich entweder der Verdacht der Schleichwerbung bestätigt und es vielleicht ein ganzes System dahinter aufzudecken gibt. Oder weil es auch eine spannende Geschichte im Umfeld von alten und neuen Medien (ist). "Blogs sind unbedeutend, quatsch, Blogs stürzen Deutschlands bekanntesten TV-Gesundheitsguru" oder so ähnlich.
Oder wie unkritisch und sorglos Journalisten und Redaktionen mit Experten umgehen. Oder wie leicht es offenbar ist, die ARD dazu zu bringen, einen bekannten Gesundheitsexperten aus dem Programm zu nehmen.
Wenn das keine guten Geschichte sind, dann wissen wir es nicht.
Und es gäbe ja auch eine Menge Fragen zu beantworten.
Aber nichts da, nada. Kein einziger Beitrag, seit jetzt fast acht Wochen.
Indes.
Wir hörten davon, dass in KONTRASTE ein kritischer Beitrag zum Fall Bankhofer erscheinen sollte. Der wurde geschoben, noch mal geschoben und irgendwann wurde er "einkassiert" (nicht unsere Wortwahl).
Uns kam auch zu Ohren, dass auch das Medienmagazin ZAPP des NDR was machen wird, zum Thema Schleichwerbung und ARD und Bankhofer u.a. und so. Der Beitrag wurde geschoben und geschoben und ...
... auch gestern abend in der Sendung gab es wieder nichts dazu.
Was ist da los in der ARD? Wo bleiben die kritischen Berichte aus dem eigenen Haus über das eigene Haus (wir betrachten den Senderverbund jetzt mal als ein Haus)?
Ist der Fall Bankhofer und die Klostermelisse zu wenig. Okay, aber man könnte das ausbauen und sich um die medizinische Qualität der Empfehlungen kümmern. Es gibt Leute, die Prof. Bankhofers Gesundheitstipps massiv kritisieren in dieser Hinsicht, und das seit Jahren.
Oder ist es schon zu lange her? Es könnte sich dann lohnen nochmal bei der Stationären Aufnahme nachzuschauen.
Um nachzufragen, warum die ARD jetzt plötzlich still und leise agiert und schleichwerbetechnisch heikle Inhalte (und Moderatoren) in ihrem Netz verschwinden lässt, wenn die Stationäre Aufnahme und lanu die ARD mit der Nase drauf stoßen. (etwa zum Thema Kanne Brottrunk oder zum Thema Dr. Höhn, siehe Stationäre Aufnahme seit Anfang dieser Woche).
Also: Material wäre da. Nur die kritischen Berichte in KONTRASTE oder ZAPP fehlen noch. Die haben doch die Leute für solche Geschichten, wir sind uns ganz sicher.
Was ist also los bei der ARD? Werden kritischen Stimmen unter dem Deckel gehalten und schwierige Fälle klammheimlich entsorgt?
Das stellen wir jetzt mal so in den Raum und hoffen, dass uns das mal jemand erklärt, etwa ein Medienjournalist oder TV-Macher oder beide.
Nachtrag 1:
Auch wenn am Mittwochabend in ZAPP erneut nichts zum Thema Bankhofer erschien, es soll noch was kommen, hörten wir. Wir hoffen weiter, dass zumindest einer der unzähligen Sender sich mit dem Thema befasst. Schon eigenartig, oder?
Zusatz zum Nachtrag:
Auch was die Beantwortung/Bearbeitung von Zuschauern zu diesem Fall angeht, kann man die Reaktionen der ARD und ihrer Sendeanstalten als zurückhaltend bezeichnen. Lanu von der boocompany weiß ein Lied davon zu singen.
Nachtrag 2:
Und wieder nichts, heute Abend am 24.9. 2008. Schade. Dabei fiel uns auf, dass es ja die Rubrik: "Das Video der Woche" gab (ist aber auch keine ständige Rubrik, oder?). Jedenfalls, da hätte hockeysticks Werk doch wunderbar reingepasst. Dann hätte der Fall Bankhofer zumindest irgendwo in der ARD stattgefunden.
Aber Leute, das kann doch alles nicht sein. Im Online-Angebot verschwinden nach lanus Interventionen nach und nach die Bankhofer-Seiten. Gleichzeitig fehlt bis heute ein Statement der ARD (des WDR), was denn aus den Nachforschungen zum Schleichwerbeverdacht im Moma wurde. Das soll alles kein Thema sein. Das alleine ist ja schon ein Thema, dass das bei der ARD kein Thema ist.
Nachtrag 3:
Es bleibt dabei. Bankhofer ist bei ZAPP kein Thema, auch in der Sendung vom 1. Oktober nicht. Das wird nichts mehr. Schade. Bedenklich.
Nachtrag 4:
Es bleibt dabei: Bankhofer war gestern Abend in Zapp wieder (immer noch) kein Thema. Es gab zwar einen ausführlichen Beitrag über einen ARD-Mann, aber da hätte Bankhofer auch nicht reingepasst: Der Fall Emig.
Innerhalb von fast drei Monaten nach der Entlassung von Hademar Bankhofer beim WDR und HR gab es nicht einen einzigen Beitrag in einem der ARD-Anstalten. Es sollte einen Beitrag für Kontraste geben, der nicht gesendet wurde. Es gab Recherchen bei Zapp, die nicht zu einem Beitrag führten.
Es gäbe so viele Fragen zu beantworten, die die Rolle der ARD (und ihrer Sendeanstalten betreffen).
Dann müssen das wohl andere machen.
Autor: Marcus Anhäuser· 5 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (5)
Ich verstehe nicht, wie jemals jemand diesen Herrn irgendwohin einladen konnte. Jedem Menschen, der einigermaßen bei Verstand ist, sollte beim ersten Mal, wenn er Bankhofer im Fernsehen sieht oder im Radio hört, klar sein, dass dieser Mann jede Menge unwissenschaftlichen Quatsch von sich gibt.
Aber das ist nicht der einzige Fall, in dem die Öffentlich-Rechtlichen zweifelhaften "Experten" ein Forum geboten haben. Z.B. verstehe ich auch überhaupt nicht, wieso jemand wie Arnulf Baring immer wieder im Fernsehen seine reaktionären Ansichten verbreiten darf, ohne dass sich irgendein Moderator die Mühe machen würde, dem kritisch entgegenzutreten.
Im Fall von Baring haben Sie jetzt hier aber das Thema verfehlt.
Ich denke nicht: Der wird auch nur deshalb immer und immer wieder in die unterschiedlichen öffentlich-rechtlichen Medien eingeladen, weil alle anderen es auch tun -- genau wie Bankhofer. Würde eine Person ohne diese "Rückendeckung" derartige Äußerungen von sich geben, hätte sie jede Chance verspielt in eine (weitere) öffentlich-rechtliche Diskussionsrunde eingeladen zu werden
Ich denke Journalisten sind bequem: Wenn man wiederholt, was alle sagen, kann einem niemand Einseitigkeit vorwerfen. Wenn man die selben Leute einlädt wie alle, kann einem keiner vorwerfen, unseriöse Gäste einzuladen. Im Zweifel kann man sich immer darauf berufen, dass alle es so machen. Ich glaube das ist das wirklich Besorgniserregende an dieser ganzen Affäre.
Vor allem was Sie im zweiten Absatz schreiben hat viel wahres. Und das erklärt sicher einen Teil des Problems. Aber ich finde allmählich nimmt das ganze noch deutlich Besorgnis erregendere Züge an: Wenn in der ARD Fehler gemacht werden, und diese dann aber nicht kritisch beleuchtet werden dürfen. Das sieht nicht gut aus. Es sieht schon - aus meiner Sicht - nicht gut aus, wenn darüber einfach niemand berichten will. Aber es sieht noch schlechter aus, wenn Journalisten aus dem eigenen Haus berichten wollen, aber man sie nicht lässt.
ums auch nochmal anders zu sagen: ich bin Fan der Öffentlich Rechtlichen, aber so Sachen sind einfach ärgerlich. Man stelle sich vor, wie die BBC damit umginge, die ja schlichtweg DAS Vorbild für viele der altgedienten ARD Journalisten und Redakteure ist, wenn ich das so in den letzten Jahren richtig mitbekommen habe.