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Lässige Texte über haarsträubende Wissenschaft und den ganzen Rest.
Marcus Anhäuser betreibt Plazeboalarm seit April 2005. Er ist Wissenschaftsjournalist in Dresden und Leitender Redakteur von medien-doktor.de.
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25.01.08 · 08:05 Uhr
Weltexklusiv: Das Leben atmet Comedy
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 3
Wir haben das gemacht, woran keiner gedacht hat, weder die Kollegen in den klassischen Medien, noch deren Herausforderer und Kritiker in den neuen Medien (sprich Blogs). Wir haben Sam Shuster einfach mal gefragt, was es denn nun mit seinem Einrad-Fahren und der Studie in der Weihnachtsausgabe des British Medical Journals auf sich hat …
Um die Weihnachtszeit kursierte eine Meldung durch die Wissenschaftsseiten der etablierten (v.a. deutschen) Medien, nach der der Humor von Männern irgendwie mit ihrem Testosteron-Spiegel zusammenhängt und deswegen auch anders ausfalle als bei Frauen und Kindern. Veröffentlicht hatte das ein emiritierter britischer Professor und Dermatologe (also Hautexperte) namens Sam Shuster in der Weihnachtsausgabe des (Achtung) RENOMMIERTEN Fachmagazins British Medical Journal (BMJ), die bekanntlich nicht ganz so ernsthaft ausfällt wie es sich für ein solches Magazin geziemt.
“Okay, deine Hartnäckigkeit gewinnt. Was ich im BMJ geschrieben habe, war ein präziser Bericht dessen
(wenngleich für das Magazin zusammengefasst), was passiert ist, was ich beobachtet habe, und zu welchen Schlussfolgerung mich meine Beobachtungen führten.
Verwechsle nie die Seriosität der Darbietung mit der Ernsthaftigkeit der Bedeutung (frei:Hinter einer seriösen Darbietung steckt nicht immer eine ernst gemeinte Bedeutung): Das echte Leben ist voll von Komödiantentum.”
“OK, your determination wins.
What I wrote in the BMJ was a precise account (albeit compressed for the journal) of what happened, what I observed, and what conclusions my observations led to.
Never confuse seriousness of presentation with seriousness of meaning: real life breathes comedy.”
Okay, das beantwortete nicht alle unsere Fragen, wie wir es gehofft hatten. Wir wiederholten nochmal Fragen wie: Wer kam auf die Idee? Hatten Sie damit gerechnet, dass jemand das als ernsthafte Meldung aufnehmen würde? Aber mehr will er uns wohl nicht erklären.
Autor: Marcus Anhäuser· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (3)
schön, dass Du mit Deiner weltexklusiven Nachfrage geklärt hast, dass Journalisten, Blogger, journalistische Blogger und bloggende Journalisten -- alle -- nur mit Wasser kochen ;-)
Für mich steht Shuster in der Tradition der britischen Forschungsreisenden, die über ihre Beobachungen mit Witz und Understatement zu berichten wissen. Nur, dass er eben durch seinen Wohnort mit dem Einrad radelte.
(sind eben keine Journalisten, die sich an gewisse Standards halten müssen *wegduck*)
Kein Grund zum Wegducken. Das hat aber eher mit beschränkten Ressourcen zu tun als mit (offensichtlich von Journalisten auch nicht eingehaltenen) Standards. Im Wissenschaftsbetrieb ist es allerdings auch generell so, dass eine Veröffentlichung erst mal für sich selbst sprechen muss.
Zu Shuster: dass das mit dem Einradfahren real war und die Sprüche nicht erfunden, hatte ich auch so gesehen. Dass es einen Zusammenhang zwischen Aggressivität, die ruhig in Humor eingekleidet sein kann, und Testosteron gibt, ist ja auch eher unstrittig. Es ändert aber nicht an der Tatsache, dass, unabhängig von den Ansichten, die der Autor privat pflegt, der Artikel nie in einem wissenschaftlichen Journal erschienen wäre, wenn nicht als Witz in der Witzausgabe. Von daher ist der Artikel immer noch ein Witz.
Daraus dann als wissenschaftliche These "Männer haben mehr Humor" mitzuteilen, wie leider gerade noch mal in einem Wissenslogs-Blog, ist immer noch Quatsch.
Und was den oben verlinkten "Abgesang" auf den Wissenschaftsjournalismus angeht, hatte ich den nicht auf Shusters Artikel gegründet, das war mehr eine Generalkritik. Mir ist der print-mediale Wissenschaftsjournalismus zu sehr ein Wissenschafts-Nachrichtenjournalismus: zu unkritisch, mit zu wenigen Hintergründen und zu ergebnisfixiert (und schlimmstenfalls bereit, Ergebnisse hochzuspielen, wenn's die eigene Berichterstattung relevanter erscheinen lässt).
Zugegebenmaßen gehöre ich als Wissenschaftler vielleicht auch nicht zu Zielgruppe, für den dieser Journalismus verfasst ist. Ich halte die Diskussionen von (heute noch meist englischsprachigen, aber ihr ändert das ja gerade) Bloggern und Onlinemagazinen relevanter und bekomme dadurch ein viel besseres Bild von Wissenschaft, weit jenseits meines Fachbereichs oder konventioneller Berichterstattung -- ich sehe da schon ein Problem auf Wissenschaftsjournalisten zukommen, die es sich in ihren überregionalen Redaktionsstuben eingerichtet haben und denken, das würde immer so weiterlaufen wie bisher.
Ich möchte nur darauf verweisen, dass Martin in Kritische Masse sich hierzu auch geäußert hatte. http://www.scienceblogs.de/kritische-masse/2008/01/britische-weihnachtsente-in-deutschen-qualitatsmedien.php