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22.08.09 · 18:45 Uhr
(Normale ?) Menschliche Neugier
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 8
1996 richteten Astronomen das Weltraumteleskop Hubble zu folgender Region aus:
![]()
Bild (HST): Der gelb-umrandete Bereich war das Ziel dieser Messung.
Das Ziel der Messung war "nichts". Jedenfalls nichts, was auf den ersten Blick erkennbar gewesen wäre. Es war die pure Neugierde darauf, was wohl dahinter steckt, wenn man mal ganz genau hinsieht. Genau das haben die Astronomen dann auch gemacht.
10 Tage lange sammelte das Teleskop geduldig Photonen aus dieser Region des Weltalls. Das kam heraus, als sie die Bilder übereinander legten:
Noch mal zur Erinnerung: An dieser Stelle des Himmels schien nichts zu sein. Bis auf wenige Ausnahmen ist jeder Lichtpunkt in diesem Bild eine eigene Milchstraße. Tausende und Tausende Galaxien in einem winzigen Abschnitt des Nachthimmels. Wenn man davon ausgeht, dass dieser Fleck nichts Besonderes ist und jeder Abschnitt so aussieht, dann existieren in unserem Universum - ausgehend von diesem einen Bild des Hubble Space Teleskops - hundert Milliarden Galaxien.
Auf einmal, war das Universum voller Galaxien, von deren Existenz die Menschen bis dahin noch nicht mal was ahnten. In einigen Fällen war das Licht über 10 Milliarden Jahre lang auf dem Weg gewesen, bis es hier auf der Erde empfangen wurde.
Das alles nur, weil eine Handvoll komische Eierköpfe neugierig waren. Einfach nur rein menschlich neugierig.
Zwischen September 2003 bis Januar 2004 wiederholte sich dann das Spiel mit einem anderen Bereich der Galaxie mit einer neuen verbesserten Kamera:
![]()
Bild (HST): Hubbe Ultra Deep Field.
Ein ähnliches Bild, nur noch tiefer in den Raum hinein geblickt, diesmal mit zehntausend Galaxien und über 13 Milliarden Jahre in die Vergangenheit. 13,7 Milliarden Jahre alt ist das Universum nach allem, was wir wissen. Wir sehen hier also etwas aus der Frühzeit das am Anbeginn der Zeit selbst stand.
Dabei hat Anfang der 90erjeder über Hubble gelacht. "Huhu, haha! Diese komischen Eierköpfe haben sooo viel Geld ausgegeben für so einen Scheiß, der eh niemanden interessiert. Und dann hat das teure Spielzeug auch noch einen Sehfehler."
Jetzt fast 20 Jahre später sind sich alle einig: Hubble hat die Welt verändert und Maßstäbe gesetzt. Jeder, der sich auch nur im Entferntesten für Astronomie interessiert, kennt und schätzt das Weltraumteleskop.
2, 8 Milliarden Dollar hatte es damals gekostet. War es das wert? Wie teuer darf eine Galaxie sein? Wie teuer darf ein Flug zu den Anfängen von allem sein? So wie in der Animation unten, in der wir dreidimensional durch das "Hubble Ultra Deep Field" hindurch fliegen. Das ist fast so gut, als ob wie vor Ort wären. Eigentlich ist es sogar noch besser. Weil ein Raumschiff bei den großen Entfernungen gar nicht soviel sehen könnte, wie wir bei diesem virtuellen Raumflug:
P.S.: Ja, ich weiß, Florian hatte es schon mal gepostet, aber ich fand es einfach nur zu schön.
Autor: Ludmila Carone· 8 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
Astronomie· Galaxie· Hubble· Hubble Deep Field· Hubble Ultra Deep Field· Video
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Kommentare (8)
Die Parallelen zum Start des LHC sind echt frappierend, ich bin zuversichtlich dass dessen Erfolgsgeschichte ähnlich verlaufen wird.
Toll.
Bewegen sich ähnlich weit entferne Galaxien mit ähnlichem Tempo von uns weg, oder gibt es schnellere und langsamere Ausnahmen?
Bei 2:22 heißt es "racing away from us, in some cases faster than the speed of light". Uh? Wie geht das?
@Maschinenbäuerin: Das ist der Raum, der sich ausdehnt.
"Starts with a Bang" hat es mal erklärt, mit einer Ameise auf einen Luftballon, der sich immer weiter ausdehnt. Wenn die Ameise losläuft und sich irgendwann später umsieht, dann sieht sie wie sich die Dinge hinter ihr schneller entfernen, als sie selbst gelaufen ist. Es ist halt auf einmal mehr Strecke dazwischen, als es eigentlich sein sollte:
http://scienceblogs.com/startswithabang/2009/07/the_size_of_the_universe_a_har.php
@Tobias:
Ja. Weil das Universum expandiert. Mal ein paar Punkte auf den Luftballon und blase sie auf und Du siehst, wie sich die Punkte voneinander entfernen. Daher sollte es eigentlich auch keine Ausnahme geben, denn dann würde ja einer Stelle der Raum schneller expandieren als woanders.
Die Geschwindigkeit und die Entfernung sind über die Hubblekonstante sogar miteinander verknüpft. Man kann also aus dem einen das andere berechnen.
Es ist aber wohl schon so, dass die Galaxien sich selbst noch mal hunderten von km/s zueinander bewegen. Da aber diese Geschwindigkeiten von uns aus gesehen in alle Richtungen gehen, während die Fluchtgeschwindigkeit immer von uns weggerichtet ist, kann man beide Effekte trennen, indem man viele Galaxien in einem Entfernungsbereich ansieht. Dann sollte sich die Eigengeschwindigkeit herausmitteln.
Soweit ich das jetzt verstanden habe. Ich bin ja eigentlich kein Astronom sondern Planetologe.
Ich freu mich schon auf das erste Bild vom James Webb Telescope...
Und was damit wohl noch entdeckt werden kann!
@Ludmilla:
"Ja. Weil das Universum expandiert."
Ich habe Tobias' Frage etwas anders verstanden, etwa so:
Wenn man die Expansionsbewegung herausrechnet, in welcher Größenordnung stehen dann die Relativbewegungen der Galaxien zu dieser Expansionsbewegung?
Wenn ich da nix verwechsel, gibt es doch auch Galaxien, deren Licht blauverschoben ist?
@H.M.Voynich: Gute Frage. Das weiß ich ad hoc jetzt nicht bzw. muss ich mal länger drüber nachdenken.