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21.08.08 · 12:29 Uhr
Behinderte Sportler in Peking- oder auch nicht
Kategorie: Kultur·Technik·Themenwoche·Themenwoche
Ich finde es toll, wenn auch behinderte Sportler bei den "regulären" olympischen Spielen starten.
Wie z.B. die Schwimmerin Natalie du Tout beim 10 km-Freiwasserschwimmen, das dieses Jahr übrigens das erste Mal olympische Disziplin war.
Das ist nicht selbstverständlich. Der südafrikanische Sprinter Oscar Pistorius musste sich sein Recht auf Olympia regelrecht erstreiten. Allerdings gibt es da ein paar Dinge zu beachten, denn Pistorius läuft auf so genannten "Cheetah Blades". Was die Frage aufwarf, ob diese Prothesen speziell im Leistungssport nicht vielleicht sogar dem Bein eines anderen Athleten überlegen sind.
Aufgrund eines Gutachtens von Gert-Peter Brüggemann, dem Leiter des Institutes für Biomechanik und Orthopädie an der Deutschen Sporthochschule Köln, wurde Pistorius vom Weltleichtathletikverband (IAAF) die Teilnahme an den olympischen Spielen verwehrt, weil Brüggemanns Tests ergaben, dass "der Südafrikaner bei gleicher Laufgeschwindigkeit 25 Prozent weniger Energie einsetzen muss als unversehrte Sprinter."(Quelle: ARD)
Allerdings wurde nachher von Pistorius und seinem Trainer geltend gemacht, dass die Vorteile der Prothesen durch Nachteile mehr als wett gemacht werden: So bräuchte er mehr Energie um sich überhaupt in Bewegung zu setzen und bei Regen und Wind wäre er beeinträchtigt. Laut Robert Gailey von der Universität Miami spiele noch ein weiterer Punkt eine Rolle: a prosthetic leg returns only about 80 percent of the energy absorbed in each stride, while a natural leg returns up to 240 percent, providing much more spring.(Quelle: New York Times)
Übersetzung: Die Prothese gibt nur 80% der bei jedem Schritt absorbierten Energie wieder ab, während ein natürliches Bein bis zu 240% freisetzt und so eine höhere Sprungkraft hat.
Diese Aussage ist rein physikalisch betrachtet Blödsinn oder zumindest unvollständig. Energie kann sich nicht mal eben um das 2,4fache vermehren. Da muss noch irgendwo zusätzliche Energie aufgebracht werden. Vielleicht vom Unterschenkelmuskel, der beim Lauf schließlich nicht schlaff in der Gegend rumhängt? Außerdem, egal, was bei jedem einzelnen Schritt passiert, entscheidend ist doch, was hinten raus kommt. Da zeigen Brüggemanns Tests anscheinend, dass der Sportler mit Cheetah Blades Energie spart.
Der internationale Sportgerichtshof CAS hob im Mai diesen Jahres das Verbot des IAAF auf, weil in diesem Fall nicht genügend Faktoren berücksichtigt wurden. Pistorius hätte also an den olympischen Spielen teilnehmen könnte, scheiterte aber an der Qualifikation.
Na ja, vielleicht beim nächsten Mal und dann können wir vielleicht auch besser abschätzen, ob Pistorius Einwände berechtigt sind oder nicht.
Mein Vorschlag zur Lösung wäre, erst einmal vom Start bis zum Schluss auszutesten, ob diese speziellen Prothesen beim Sprinten insgesamt einen Vorteil gegenüber einem Bein bringen oder nicht. Wenn sich dann immer noch rausstellen sollte, dass die Blades Energie sparen, dann sollten eben Prothesen entwickelt werden, die diese Energieeffizienz nicht mehr haben. Ein Downgrade kann doch nicht so schwer sein, oder seh ich das falsch? Damit können dann Läufer wie Oscar Pistorius an den regulären Wettkämpfen teilnehmen.
Es stellt sich natürlich die Frage, was an technischen Hilfsmitteln erlaubt ist und was nicht? Wir wissen ja inzwischen, dass da einiges an Geld reingepumpt wird. Wo ziehen wir also die Grenze?
Ich würde sagen, dass in diesem speziellen Fall die Aufregung ein bisschen übertrieben ist. Nur weil ein beinamputierter Läufer auf Stelzen daherkommt, heißt das noch lange nicht, dass die anderen jetzt alle anfangen werden, sich Prothesen anzuschnallen. Natürlich sollte auch dieser Sportler im Großen und Ganzen die gleichen Chancen haben wie die anderen. Aber dieses Gerede vom Cyborg-Athleten und das Geschwafel von der "Reinheit" des Sports ist doch Schmarrn. Sportarten entwickeln sich weiter. Olympische Disziplinen kommen hinzu oder fallen weg. Neue Sportarten mit neuen technischen Hilfsmitteln werden erfunden. Was soll also diese Aufregung um ein paar Beinprothesen?
Leider ist eines sicher: Wenn die Paralympics zwischen dem 6.-17.9.2008 stattfinden werden, wird sich die Berichterstattung und das Interesse daran deutlich in Grenzen halten und das finde ich sehr schade. Deswegen sei hier noch einmal die Werbetrommel gerührt.
Autor: Ludmila Carone· 0 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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