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Ludmila Carone hat in ihrem Leben Raumsonden nach ihrem Willen tanzen lassen, extrasolare Planeten mitentdeckt und die dynamische Entwicklung von Planetensystemen simuliert.
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26.04.08 · 16:06 Uhr
Asteroiden, verlorene Jungs und Seeotter
Kategorie: Naturwissenschaften·Technik · Kommentare: 2
Anlässlich der völlig aufgebauschten Killerasteroiden-Geschichte habe ich ein schönes meditatives Wissenschaftsfilmchen zum Entschleunigen für Euch. Weil doch Wochenende ist ;-)
Ihr habt vielleicht inzwischen mitbekommen, dass es nicht ganz unwichtig ist herauszufinden, woraus Asteroiden bestehen. Nur so für den Fall, dass mal wirklich ein solches größeres Teil genau auf uns zukommt.
Die japanische Raumfahrtagentur JAXA jedenfalls sah das auch als eine wichtige Aufgabe an und hat die Raumsonde "Hayabusa" ausgeschickt, um auf einem Asteroiden zu landen, welcher die Erdbahn kreuzt, und Proben davon zur Erde zu bringen.
Dazu gibt es ein interessantes Video über den "Jungen" Hayabusa, der einsam und verloren im Weltall kreist und sich allmählich daran erinnert, wo er herkommt, was passiert ist und wo er eigentlich hinwill.
Warnung: Das Video ist 33 Minuten lang. Also holt Euch was zum Trinken und Knabbern, legt die Beine hoch und stöpselt erst mal das Telefon aus ;-)
Für ganz Eilige hier die Zusammenfassung:
9. Mai 2003: Start der Sonde.
Ziel des Unternehmes: der 1998 entdeckte, die Erdbahn kreuzende Asteroid, Itokawa.
Hayabusas Aufgabe: Kartographierung, Vermessung des Gravitationsfeldes des Körpers zwecks Analyse der inneren Struktur des Körpers, eine möglichst sanfte Landung, eine Gesteinsprobe mitnehmen, starten und zurück zur Erde.
12. September 2005: Ankunft am Asteroiden Itokawa. Erste Fotos und Beginn der Suche nach einem möglichst flachen Landeplatz. "Itokawa" heißt übrigens Seeotter - weil die Form des Körpers an einen erinnert. Also, irgendwie...
![]()
Bild: 3D-Modell von Itokawa (JAXA).
4. November 2005: Es wird langsam ernst. Eine Landestelle wurde ausgewählt. Da es keine Crashlandung werden soll, beschließen die Ingenieure den Anflug zu testen und dabei einen kleinen Späher - den Rover MINERVA - auf den Asteroiden abzuwerfen.
Hayabusa kommt auf bis zu 700 Meter heran. Aber der vorher berechnete und einprogrammierte Kurs beruhte anscheinend auf unzureichenden Daten über die Bewegung des Asteroiden. Die tatsächliche Lage der Sonde im Verhältnis zum Asteroiden weicht immer mehr von diesen Berechnungen ab. Abbruch!
9. November 2005: Nächster Versuch. Diesmal kommt die Sonde auf 70 Meter runter. Der Kurs stimmt und alle Systeme funktionieren wie vorgesehen.
12. November 2005: Der letzte Landetest. Diesmal soll auch MINERVA ausgeschleust werden. Hayabusa kommt auf 55 Meter ran, zielt, wirft und...MINERVA fliegt, kommt Itokawa immer näher...und und...Scheibenkleister...fliegt knapp daran vorbei. Sie schafft es noch als Lebewohl ein paar Fotos zu machen und verschwindet schließlich auf Nimmerwiedersehen im Weltall. Mist! Aber versucht mal, einen sich bewegenden und windenden 500 Meter-Seeotter zu treffen!
OK, kann man jetzt auch nicht ändern. Versuchen wir wenigstens die Landung von Hayabusa hinzukriegen.
20. November 2005: Touchdown. Hayabusa senkt sich auf Itokawa herab, setzt auf (1) und bleibt liegen... Was seltsam ist, denn eigentlich hätte Hayabusa nach kurzem Aufenthalt sofort wieder starten sollen. Also wird der Befehl zum Abheben noch mal separat gesendet. Hayabusa sendet anschließend seine Statusdaten zur Erde und nach der Prüfung entdecken die Forscher zu ihrer Enttäuschung, dass die Kugel, welche in den Boden des Asteroiden hätte geschossen werden sollen, um Material herauszuschießen und einzusammeln, nicht gezündet wurde.
Doppelscheibenkleister.
Und nun?
26. November 2005: Zweiter Versuch. Die Sonde senkt sich herab, setzt auf und diesmal löst die Kugel aus. Hurra. Die Sonde hebt wieder ab, diesmal mit Proben an Bord...
Aber wie heißt es so schön? Ein Unglück kommt selten allein. Die zweite Landung war anscheinend doch recht hart, denn Treibstoff strömt aus und bringt die Sonde ins Taumeln. Das kann dazu führen, dass die Radioantenne überall hin zeigt, nur nicht zur Erde - und ohne Radiokontakt ist das normalerweise das Aus. Es gibt im All nun mal keine Notrufsäulen und Pannendienste.
Am 9. Dezember 2005 geht der Kontakt endgültig verloren.
Bange Tage beginnen. Die einzige Hoffnung ist, dass sich die Taumelbewegung der Raumsonde beruhigt, wenn der ganze Treibstoff ausgeströmt ist und in einem günstigen Moment, wenn die Antenne zur Erde zeigt, wieder gefangen werden kann. Viel schlimmer ist allerdings, dass eine erneute Prüfung der Statusdaten ergibt, dass möglicherweise die Kugel doch nicht abgefeuert wurde.
23. Januar 2006: Erneuter Kontakt geglückt! Die Sonde fängt sich tatsächlich wieder und kann auf Kurs Richtung Erde geschickt werden.
Jetzt stellen sich zwei Fragen: Kann Hayabusa trotz Treibstoffverlust noch die Erde erreichen? Und sind Proben des Materials an Bord?
Das wird sich Anfang 2009 herausstellen.
----------------------------
(1) Diese Stelle im Video ist wirklich sehr eindrucksvoll. Wow! Es ist überhaupt nicht einfach, auf einer Welt fast ohne Schwerkraft zu landen - und das ohne sich etwas abzubrechen oder wieder abzuprallen. Der ESA-Rosetta-Lander will das Problem lösen, indem er Harpunen in den Kometen schießt. Hier hat der Computer an Bord mittels Laser und visueller Kontrolle ständig die Höhe und Lage überwacht und die Düsen entsprechend gesteuert.
Autor: Ludmila Carone· 2 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (2)
Oh Gott ist der Film kitschig. Sehr japanisch. :)
@Tilman: Ja, ich weiß ;-) Aber es ist eben auch mal was anderes.