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14.04.08 · 15:21 Uhr
Die Endlichkeit des Lichtes
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur·Technik · Kommentare: 3
Das Bildrätsel vom Wochenende ist gelöst. Ich bin beeindruckt. Sogar der Ort der fotografierten Struktur wurde richtig benannt.
Physikerkollege Stefan Scherer, die eine Hälfte vom Backreaction-Blog, hat es richtig gelöst:
Stimmt, mit dem dritten Bild ist die Antwort zur zweiten Frage eindeutig :-)
Wie man unschwer erkennen konnte, war es der hydraulische Aufzug im Louvre in Paris. Kann man überhaupt ohne Aufhängung von Aufzug sprechen? (1)
Aber die erste Frage... Ist das ein Rad auf dem zweiten Foto? Ja! Wenn man genau hinsieht, erkannt man auch, dass darunter Schienen sind.
Stand da mal ein Teleskop unter diesem baufällig aussehenden Schuppen? Ja! Es handelt sich um eine alte Teleskophalle auf Schienen.
Aber das Foto ist nicht am Observatorium von Paris aufgenommen, oder? Öh, doch!
![]()
Das Haus und der Teleskopschuppen stehen auf der Seite des Geländes, das vom Boulevard Arago zugänglich ist.
Ich war vorletzte Woche am IAP in Paris und hatte die Gelegenheit ein bisschen über das Gelände zu stromern ;-) Ich hab erst hinterher herausgefunden, dass der Zugang zum Gelände für die Öffentlichkeit nur sehr begrenzt bis gar nicht möglich ist, was sehr schade ist. Es gibt wohl einmal im Monat Führungen.
Das Gros des Gelände und die schönsten Bauten sind von der Straße aus gar nicht bzw. kaum einsehbar. Wenn man da als unbedarfter Besucher lang geht, hat man also keine Ahnung, welche Schätze sich dahinter verbergen:
![]()
Z.B. dieses 40cm Spiegelteleskop nach Foucault aus dem Jahr 1871.(2)
Zudem hat an diesem Ort Ole Römer gewirkt und die Hypothese aufgestellt und bewiesen, dass die Geschwindigkeit des Lichtes endlich sei. Zu dieser Idee gelangte er, weil er versuchte, einen Fahrplan für die Sichtbarkeit der galileischen Monde um Jupiter herum aufzustellen. Dabei fand er Abweichungen im Fahrplan, die abhängig davon waren, wie die Erde zum Jupiter stand. Weil nämlich die Strecke, die das Licht von den Jupitermonden bis zur Erde zurücklegen musste, immer unterschiedlich lang war und es daher unterschiedlich lange unterwegs war. Zu diesem Zeitpunkt dachte man noch, dass das Licht sich unendlich schnell fortbewegt.
Ole Römer berechnete in erster Näherung diese Geschwindigkeit und sagte im August 1676 voraus, dass der Jupitermond Io am 9. November sich 10 Minuten später verdunkeln würde als im Fahrplan angegeben. (3) Denn dieser war auf der Annahme der unendlichen Lichtgeschwindigkeit aufgestellt worden.
Diese Geschichte verdeutlicht sehr schön wie Wissenschaft funktioniert:
1. Ich seh hier was Komisches. Abweichungen im Kalender für die Sichtbarkeit der galileischen Monde.
2. Was für Gesetzmäßigkeiten kann ich erkennen? Wenn der Weg zwischen den Monden und der Erde kürzer ist, tritt die Verfinsterung früher auf, wenn der Weg sehr viel länger ist, dann tritt die Verfinsterung später auf.
3. Warum ist das so? Das Licht braucht eben seine Zeit, um eine gewisse Strecke zurückzulegen. Hypothese: Licht hat eine endliche und messbare Geschwindigkeit.
4. Realitätscheck: Ich bestimme anhand früherer Abweichungen die Geschwindigkeit des Lichtes und schau mal nach, wie groß die Abweichung im Fahrplan beim nächsten Ereignis sein wird.
5. Es hat funktioniert. Meine Idee hat sich bestätigt. Eine Theorie wird langsam geboren.
6. Ich publiziere das Ganze und stehe meinen Kollegen Rede und Antwort, die ihrerseits versuchen werden, mich entweder zu widerlegen oder zu bestätigen.
Der Rest ist Geschichte...
Zum Schluss nochmal ein paar Bilder vom geschichtsträchtigen Observatorium Paris:
Wirklich schade, dass all das hinter dichten Hecken und hohen Mauern der Öffentlichkeit verborgen ist - und all das mitten in einem dichtbesiedelten Wohngebiet. (4)
--------------------------
(1) So ganz nebenbei, der Louvre bekommt nächstes Jahr einen neuen Flügel für islamische Kunst. Das Modell sah sehr edel aus und die Idee, mit einem fliegenden Teppich aus schillerndem Glas einen der Innenhöfe zu überdecken, ist großartig - und technisch sicherlich nicht so einfach zu realisieren. Da bin ich wirklich gespannt.
(2) Ja genau. Der Typ mit dem Pendel, mit dem sich - auch ohne ins Weltall zu fliegen - nachweisen lässt, dass die Erde tatsächlich um ihre eigene Achse rotiert, war gleichzeitig ein begnadeter Optiker.
(3) Vergleicht das mal mit den Wischi-Waschi-Vorhersagen so genannter Wahrsager. Pah!
(4) Obschon so ein privilegierter Zugang was für sich hat. Ich war weit und breit der einzige "Tourist" ;-) Das Gelände ist so weitläufig... Ich musste mich immer wieder daran erinnern, dass ich noch mitten in Paris war.
Autor: Ludmila Carone· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
Astronomie· Paris· Wissenschaft auf Reisen· Wissenschaftsgeschichte· Wissenschaftstheorie
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Kommentare (3)
Hallo Ludmila,
ach, das ist ja eine Überraschung, das hätte ich nicht gedacht!
Natürlich, die Glaspyramide vom Louvre war eindeutig, und solche obskuren Läden wie diesen Kammerjäger mit den ausgestopften Ratten im Schaufenster (oder was war das?) gibts in dem Viertel um den Jardin du Luxembourg... Ich hatte auch mal das Glück, just an einem der Samstage im Monat in Paris zu sein, an denen man das altehrwürdige Observatorium besichtigen kann (konnte? ... das ist schon ein paar Jahre her), aber ich dachte nicht, dass dieser Teleskop-Schuppen wirklich dort ist - ich hatte doch extra bei google maps nachgesehen ;-)
Das ist wirklich ein sehr spannender Ort :-). Trotz all der Geschichte - am meisten hat mich damals eine Pendeluhr beeindruckt, die einfach nur die Sternzeit anzeigt - ich hatte sowas nie vorher gesehen.
Viele Grüße, Stefan
Ah, es ist dieser Schuppen, das braune Dings auf dem Luftbild, oder? Auf den Google-Fotos sind die Bäume noch nicht so brutal gestutuzt...
Jepp, genau das. Ich muss trotzdem mal schauen, ob ich mal an einer Führung teilnehme. Denn ich stand oft vor fest verschlossener Tür - und ganz so unverschämt wollte ich auch nicht sein...