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20.02.08 · 14:15 Uhr
Programmieren im Wissenschaftleralltag
Kategorie: Naturwissenschaften·Technik · Kommentare: 1
Mindestens 50% meiner Arbeit besteht darin, Programme zu schreiben. Nicht, dass ich das irgendwann mal "richtig" gelernt hätte.
Ich erinnere mich da eine denkwürdige "Studier-Physik!"-Veranstaltung an meiner Alma Mater, der Uni Bonn, für Schüler der Oberstufe, im Rahmen dessen ein Schüler fragte: "Ich hab gehört, in der Physik muss man viel programmieren. Lernt man das auch irgendwann während des Studiums?"
Die Antwort des Professors lautete: "Och ja, Sie lernen das schon. Spätestens während Ihrer Diplomarbeit."
Bei mir war das auch dann tatsächlich so. Ich bekam ein historisch über 30 Jahre gewachsenes und durch unzählige Diplomanden-/Doktorandenhände gegangenes Programmpaket in Fortran 77 übergeben. Und dann hieß es: Mach mal!
Gestandene Programmierer und Informatiker werden spätestens ab hier einen Anfall nach dem anderen bekommen. Manchmal pflegen Physiker einen recht unbekümmerten Umgang mit den "Hilfswissenschaften" (1) Mathematik und Informatik.
So kommt es, dass sich nicht wenige Physiker mit suboptimaler Software plagen, die aber dennoch irgendwie (ich staune selbst manchmal) ihren Zweck erfüllt.
Warum ich das jetzt schreibe? Weil ich gerade dabei bin, Fehler in zweien meiner Programme zu suchen und ich ein bisschen angenervt bin.
Deshalb folgende völlig subjektive Gedanken über das Programmieren im Rahmen meiner Arbeit:
1. 80% meiner Programmierarbeit besteht aus Fehlersuche.
2. 90% aller Fehler lassen sich auf folgenden gemeinsamen Nenner bringen: "Ich bin zu doof" oder "Mist, an diesen Fall hab ich gar nicht gedacht".
3. 10 % aller Fehler lassen sich auf folgenden gemeinsamen Nenner bringen: "Keine Ahnung, warum das Programm das (nicht) macht. Wie kann ich das umgehen?"
4. Wenn ich einen Fehler demonstrieren möchte, dann
a) geht es entweder auf einmal doch oder b) es tritt ein ganz anderer Fehler auf.
5. Physiker schreiben niemals Dokumentationen. Wenn man Glück hat, dann hat der Autor wenigstens in den Kommentaren im Quelltext beschrieben, was das Programm eigentlich macht. Wenn man Pech hat, dann sind diese Kommentare in irgendeiner unbekannten slawischen Sprache verfasst worden.(2)
6. "Never change a running system." Wenn es läuft und nicht völligen Unsinn ausspukt...Dann lass die Finger davon!
7. Wir kochen alle nur mit Wasser.
------------------------------------
(1) Mathematiker und Informatiker mögen mir bitte verzeihen! Ich gebe nur meine Einschätzung wieder, wie das teilweise innerhalb meines Berufsumfeldes gehandhabt wird. Natürlich sind diese beiden Fächer jeder für sich auch so relevant und spannend.
(2) Und ja, genau das ist mir persönlich schon mal passiert. Spätestens da hab ich meine Arbeit herzlich und ausgiebig unter Zuhilfenahme aller mir bekannter Schimpfwörter verflucht.
Autor: Ludmila Carone· 1 Kommentar· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (1)
Ich musste schmunzeln bei diesem Eintrag. Zum Trost sei folgendes gesagt:
1) Das mit den 80% Fehlersuche bessert sich mit zunehmender Erfahrung. Bei mir sind es nach ca. 20 Jahren Beruf nur noch etwa 40% denke ich :).
2) Manchmal macht es Sinn, alten Code einfach wegzuwerfen und neu zu schreiben. Objekt-Orientierte Programmierung ist am Anfang zwar etwas schwerer, rentiert sich aber schnell.
3) Kommentare schreiben ist den meisten Leuten lästig (mir auch) :). Zumindest sollte man aber Funktionsnamen und Variablennamen benutzen, die den Sinn dahinter korrekt wiedergeben. Und wenn sich eine Funktion mal ändert, sollte sich auch ihr Name ändern.