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Michael Pusler ist Markt- und Medienforscher in leitender Funktion. Er beschäftigt sich primär mit grundlegenden Fragen zum Mediennutzungs- und Verbraucherverhalten sowie zur Markenführung von Medienmarken. Zunehmend spielen dabei auch neue Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften sowie der Sozialforschung eine wichtige Rolle.
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09.04.11 · 11:40 Uhr
Trend Research - Forschung für die Zukunft
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·ScienceBlogs Kategorien · Kommentare: 1
Wohin geht die Reise? Eine momentan häufig gestellte Frage, in so turbulenten Zeiten, wie wir sie aktuell in der Welt, aber auch bei uns im Lande selbst gerade in der Politik erleben. Man denke nur an die sprunghaften, hektischen Kursänderungen z. B. in der Atompolitik. Als ich kürzlich für Marktforscher eine Veranstaltung zur Trendforschung moderiert habe, habe ich mir bei der Vorbereitung die Frage gestellt, ob das, was wir im Augenblick in Deutschland und der Welt erleben ("Erwachen in der arab. Welt, Fukushima und die Folgen für die Diskussion um die Atomenergie, Eurokrise etc.) so überhaupt irgendwie vorhersagbar, planbar gewesen wäre.
Im Falle von Naturkatastrophen kann man das sicher ausschliessen, und auch die Veränderungen in der arabischen Welt entziehen sich den methodischen Möglichkeiten der Trendforschung. Leider trifft dies auch auf den Kapitalmarkt zu, obwohl die Eurokrise stark an der Seele der EU-Bürger rüttelt, insbesondere wenn die Diskussion in Richtung "Entsolidarisierung" entgleitet (keiner will für den anderen aufkommen). Denn hier wird bereits ein erster, sogenannter "Megatrend" sichtbar: bei aller Weltoffenheit und Freude am Bereisen fremder Länder der Rückzug auf den eigenen Ausschnitt, und sei es die eigene Volkswirtschaft. John Nauisbitt, ein bekannter Trendforscher, formulierte hierzu bereits früh im Global Paradox das Kürzel "Think global, act local"als konkretisierte Handlungsmaxime für diejenigen, die im Wandel der Märkte wirtschaftlich erfolgreich sein wollen.
Die Trendforschung, wie sie die Marktforschung versteht, ist heute - anno 2011 - nicht mehr diejenige der 90er Jahre des vorherigen Jahrhunderts. Sprach man damals von Megatrends wie Cocooning, ökolog.Bewusstsein, Nachhaltigkeit etc. - was auch überwiegend eingetreten ist), so sieht man sich - zumindest in westlichen Industrienationen - immer granuläreren Lebens- und Stilformen von Menschen bzw. Konsumenten gegenüber, die nicht mehr mit der Schablone breiten Strömungen zugewiesen und danach systematisiert werden können. Der Megatrend ist heute zum Mikrotrend geworden, der den Menschen als Gestalter seiner Umwelt zugleich zum Trendsetter macht. Gute Beispiele zeigen die Möglichkeiten der digitalen Technik, wobei mittels virtueller Welten konkrete Konsumerlebnisse sichtbar und erlebbar gemacht werden können. Offenbar sind die Zeiten großer Erklärungsversuche, wie die (Konsum)Welt funktioniert, für die Trendforscher von heute vorbei. Diese verstehen sich eher als Coaches bei der Begleitung von Unternehmen, deren Trends in Ihren Märkten zu erkennen und angemessen begegnen zu können.
Und somit schwindet auch die Hoffnung, wird der Wunsch von der nüchtern-relalistischen Einsicht eingeholt, dass Trendforschung eben nicht neue Trends entdecken oder gar vorhersagen kann, sondern (lediglich) bestehende, sich anbahnende Entwicklungen entdecken, aufgreifen und deren Möglichkeiten nutzbar machen kann. Für die aktuellen politischen Prozesse im In- und Ausland heisst das aber sicher sehr viel mehr, als so manch ein Politiker gegenwärtig mit dem Leitspruch (ehem. Werbekampagnen) "Wir haben verstanden" suggerieren möchhte. Das ist, wie sich nun nicht mehr verhehlen lässt, doch Ausdruck ihrer Hilflosigkeit und zeigt eine Beliebigkeit auch in grundsätzlichen Richtungsfragen. Trendforscher hätten sicher sehr viel früher als "Stuttgart21" das Wort "Wutbürger" auf die Hitliste der meistgegannten Begriffe gebracht hat, den Trend zur Notwendigkeit einer glaubwürdigen Vermittlung politischer Botschaften und politischem Handelns ausgemacht.
Aber wie so oft hätte hier auch der "gesunde Menschenverstand" gut weitergeholfen, zumal sich "Trends" der Bürgerbeteiligung ja bereits lange abzeichnen. Politikverdrossenheit ist längst kein Faktum und iwird mmer dann widerlegt, wenn politische Prozesse und ihre Folgen für die Menschen konkret werden. Insofern darf man gespannt sein - ob mit oder ohne Trendforschung - wie sich unser gesellschaftlich-politisches Leben unter dem Eindruck aktueller Trends in der nächsten Zeit verändern wird.
Autor: Michael Pusler· 1 Kommentar· Permalink· Trackback-URL
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