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19. Februar 2009
FameLab Austria: Eine Bühne für die Wissenschaft
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften
Wissenschaftler stehen teilweise immer noch im Verdacht einer Art Geheimzirkel anzugehören. Ihrer Tätigkeit gehen die Forscher - so die klischeebehaftete Vorstellung - irgendwo in rätselhaften Elfenbeintürmen nach. Und die Dinge, mit denen sich Wissenschaftler beschäftigen sind doch sowieso viel zu kompliziert, als daß man sie als Laie verstehen könnte. Auf ScienceBlogs kann jeden Tag nachgelesen werden, daß diese Vorstellung in die Mottenkiste gehört. Und auch der Wettbewerb FameLab zeigt, daß Wissenschaft spannend, unterhaltsam und: gar nicht verstaubt ist.
"FameLab" findet dieses Jahr bereits zum dritten Mal statt. Die Idee für diesen Wettbewerb wurde in Großbritannien geboren. Und inzwischen wird der Contest in zehn europäischen Ländern ausgetragen.
Das FameLab-Konzept ist schnell erklärt: junge Wissenschaftler präsentieren in kurzen Vorträgen ihr Forschungsprojekt und anschließend wird die Präsentation von einer Jury bewertet. Im Prinzip ähnelt diese Grundidee also den bekannten Formaten à la "Deutschland sucht den Superstar" - mit dem kleinen, aber wichtigen Unterschied, daß es bei FameLab nicht um Selbstdarstellung geht und in der Jury niemand blöde Sprüche klopft.
FameLab: Österreich sucht den Super-Wissenschaftler
Bei FameLab geht es schlicht darum, junge, talentierte Wissenschaftler zu finden, die ihre Begeisterung für die Forschung an das Publikum weitergeben können. Und wenn sich dann beim Publikum und der Jury sogar noch ein Lerneffekt einstellt und man einen Einblick erhält in die faszinierenden Forschungsprojekte - umso besser.
Gesucht sind also lebendige, unterhaltsame, lustige, informative und im besten Sinne: originelle Formen der Wissenschaftskommunikation. Die Kandidaten sollen zwischen 21 und 35 Jahre alt sein und dürfen auf der Bühne selbstgewählte Hilfsmittel verwenden, mit einer Ausnahme: Powerpoint ist tabu. Wie schön!
Leider nicht in Deutschland, Bewerbungsfrist für FameLab Austria läuft!
Schade ist, daß FameLab nicht in Deutschland stattfindet. Dafür haben alle österreichischen Nachwuchswissenschaftler die Gelegenheit, ihr Können unter Beweis zu stellen. Im März finden insgesamt vier Vorentscheidungen statt (in Graz, Innsbruck, Linz und Wien). Die zehn besten Bewerber treten dann am 4. April zum Finale in Wien an.
ScienceBlogs.de wird den Wettbewerb interessiert begleiten und natürlich darüber berichten, welcher österreichische Kandidat sich für das europäische Finale in England qualifizieren kann. Vielleicht ist ja sogar ein ScienceBlogs-Leser mit in Wien dabei? Die Bewerbungsfrist läuft noch bis zum 6. bzw. 16. März!
Weitere Infos:
Und hier die Präsentation des Famelab-Siegers 2008: Bernhard Weingartner (Forschungsassistent an der TU Wien) begeisterte mit seinem spannenden Vortrag über chaotisches und reguläres Verhalten in komplexen Systemen.
Autor: Marc Scheloske· 19.02.09 · 13:30 Uhr· 0 Kommentare
16. Februar 2009
Russland sucht Miss Nuklear
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 4
Pünktlich zum Start dieser unsäglichen Serie mit den vielen Mädchen und der diesjährigen Wahl zur Miss Deutschland, überrascht Russland mit einer PR-Kampagne, die einem die Tränen aus beiden möglichen Gründen in die Augen treibt: Die russische Atomlobby sucht eine Miss. Miss Nuklear. Miss Atom 2009.
Nukleares Missverständnis? Njet.
Schon zum sechsten Mal dürfen sich junge Damen zwischen 18 und 35 bewerben - vorausgesetzt, sie arbeiten für „Rusatom" oder andere Nuklearenergieunternehmen oder auch wissenschaftliche Institute, die sich mit Kernenergie beschäftigen. Gewinnen können sie damit Reisen nach Kuba, Marokko oder Kroatien - oh, und die zukünftige Miss Atom ist natürlich Gesicht und Sprachrohr russischer Atomkraftwerke. Ist ja auch ein viel schöneres Aushängeschild als zwei Kühlturmklötze.
Autor: Jessica Riccò· 16.02.09 · 18:00 Uhr· 4 Kommentare
06. Februar 2009
Krebs im Visier: Physiker Wolfgang Enghardt für Fortschritte in der Ionen-Therapie ausgezeichnet
Kategorie: Medizin · Kommentare: 1
Jedes Jahr wird in Deutschland in rund 400.000 Fällen Krebs diagnostiziert. Glücklicherweise sind bei manchen Krebsarten die Heilungschancen - wenn die Diagnose in einem frühen Stadium erfolgt - inzwischen sehr gut. Doch trotz aller Fortschritte in der Krebstherapie: vielen Tumorerkrankungen stehen die Ärzte auch heute viel zu oft hilflos gegenüber. Der Dresdner Physiker Prof. Dr. Wolfgang Enghardt wurde jetzt für seine Weiterentwicklung der sog. Partikel-Strahlentherapie ausgezeichnet, auf der große Hoffnungen ruhen.
Die Krebsbehandlung kennt im wesentlichen drei Verfahren: einerseits natürlich die operative Entfernung des Tumors, andererseits die Chemo- und Strahlentherapie. Allen drei Behandlungsansätzen (die häufig kombiniert werden) ist gemein, daß das Tumorgewebe idealerweise vollständig entfernt oder maximal geschädigt wird, gleichzeitg aber das gesunde Gewebe möglichst geschont wird. Wenn Tumoren klar lokalisiert sind und (noch) nicht metastasiert haben, dann verspricht der chirugische Eingriff mit anschließender Bestahlung gute Erfolgsaussichten.
Rund 40% aller Krebsfälle mit Standardbehandlung nur unzureichend therapierbar
Doch leider trifft diese Grundvoraussetzung nur auf rund 60% der Neudiagnosen zu. In den anderen Fällen sind die Tumoren durch Lage oder Form inoperabel und die konventionellen Varianten der Strahlentherapie ermöglichen leider oft nur unzureichende Behandlungserfolge.
Die neuartige Strahlentherapie mit Partikeln (Protonen und schwere Ionen) ist nach Ansicht vieler Ärzte eine hocheffiziente Waffe für bislang kaum therapierbare Krebsfälle. Der Einsatz von Ionen in der Strahlentherapie bietet einige handfeste Vorteile: denn während
bei konventioneller Bestrahlung die Dosis mit der Eindringtiefe abnimmt, steigt sie bei Protonen- und Ionenstrahlen langsam an und fällt nach einem scharfen Maximum - dem sogenannten Bragg-Peak - wieder ab. Um diesen Effekt zu nutzen, ist natürlich eine hochpräzise Steuerung des Protonen oder Ionenstrahls notwendig.
Präzise Steuerung des Ionen-Strahls
Professor Enghardt, der an der TU Dresden forscht, hat für diesen Zweck ein intelligentes Verfahren entwickelt. Durch das sog. „Positronen-Emissions-Tomographie-Verfahren" (PET) kann man bei einer Tumorbestrahlung am Bildschirm den Weg des Ionenstrahls präzise verfolgen. Enghardt und seine Forscherkollegen machen sich dafür die Tatsache zu nutze, daß die Teilchen des Therapiestrahls auf ihrem Weg zum erkrankten Gewebe mit anderen Teilchen kollidieren. Dabei entstehen teilweise Positronen, die äußerst kurzlebig sind, aber kurze Lichtblitze von sich geben - diese Lichtblitze werden durch speziell entwickelte Kameras aufgezeichnet und so kann der Ionenstrahl präzise verfolgt und gesteuert werden.
Mit Hilfe dieses Verfahrens lässt sich die zerstörische Wirkung der Bestrahlung genau an den gewünschten Ort, nämlich den Tumor lenken. Das umliegende Gewebe wird geschont. Diese Forschungsarbeit fanden auch die Leser der SuperILLU* bemerkenswert: sie wählten Wolfgang Enghardt zum Preisträger des "Zukunftspreises", der gestern von Chefredaktuer Jochen Wolff und der sächsischen Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange in Berlin überreicht wurde.

Forschung fördern: Eva-Maria Stange, Wolfgang Enghardt und Jochen Wolff bei der Preisübergabe
--
* SuperILLU ist eine Zeitschrift des Burda-Verlags. ScienceBlogs.de ist ebenfalls ein Projekt von Hubert-Burda-Media.
Autor: Marc Scheloske· 06.02.09 · 16:30 Uhr· 1 Kommentar
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