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29. Oktober 2008
Als menschliches Endoskop den Darm kennenlernen
Kategorie: Medizin
Gestern auf dem Weg in die Redaktion: Zwischen Supermarkt und Bäcker hat sich ein riesiger, rosafarbenen Regenwurm quer über den Rosenkavalierplatz gelegt. Fast drei Meter hoch, 20 Meter lang. Daneben stehen ein paar Leute, direkt am Hauseingang der Felix-Burda-Stiftung. Aha, so läuft der Hase also. Das was dort liegt ist nämlich doch kein Wurm - sondern ein Darmmodell.
Eine sonderbare Idee. Und doch nicht so neu: In Bremen ist die begehbare Gebärmutter im Universum seit Jahren der Renner. Im Wissenschaftsmuseum kann man sich dort gemütlich an die Schleimhaut lehnen und in kurzen Filmen die Entstehung menschlichen Lebens erklären lassen.
Autor: Jessica Riccò· 29.10.08 · 08:00 Uhr· 0 Kommentare
28. Oktober 2008
Deutscher Zukunftspreis: Nominierung für mitwachsende Herzklappe der MHH zurückgezogen
Kategorie: Medizin · Kommentare: 6
Die Jury des Deutschen Zukunftspreises hat heute Morgen die Nominierung des Forscherteams um Prof. Dr. Dr. Axel Haverich von der Medizinischen Hochschule überraschend zurückgezogen. Nachdem zuvor bereits ethische Bedenken an der von Haverich entwickelten, mitwachsenden Herzklappe geäußert wurden, erklärte die Jury nun in einer Pressemitteilung ihre Entscheidung mit patentrechtlichen Problemen.
Zwar handele es sich "bei den Arbeiten von Professor Haverich um ein außerordentlich qualifiziertes Forschungsprojekt [...], dessen Innovationspotential außer Zweifel steht." Dennoch müssten die Ansprüche Dritter berücksichtigt werden, die sich als vergessene Erfinder der Kinderherzklappe sehen.
Autor: Jessica Riccò· 28.10.08 · 16:00 Uhr· 6 Kommentare
27. Oktober 2008
... and the winner could be: ScienceBlogs?
Kategorie: Kultur
Das war mal eine Überraschung: Gestern erst wurden wir Redaktion informiert, dass ScienceBlogs unter den Nominierten für die BOB-Awards sei. Die Auszeichnung von der Deutschen Welle wird zum fünften Mal an Blogs, Podcasts und Videoblogs in elf verschiedenen Sprachen verliehen. ScienceBlogs ist in gleich zwei Kategorien nominiert: "Bestes deutsches Blog" und "Bestes Blog international".
Allerdings: Zu dem Zeitpunkt waren auch noch 2.602 weitere Blogs nominiert. "Gut," dachten wir, "immerhin muss uns jemand vorgeschlagen haben." Und hätten die Auszeichnung beinahe vergessen. Umso erstaunter waren wir, als heute bekannt wurde, dass wir unter den letzten elf sind: Die Chance, damit tatsächlich als bestes Blog ausgezeichnet zu werden, wird damit realistischer.
Autor: Jessica Riccò· 27.10.08 · 14:40 Uhr· 0 Kommentare
22. Oktober 2008
Deutscher Zukunftspreis 2008: Die potentiellen Preisträger
Kategorie: Technik
Am 3. Dezember wird der Deutsche Zukunftspreis vergeben. Die diesjährigen Teams, die sich Hoffnungen auf die mit 250.000 Euro dotierte Auszeichnung des Bundespräsidenten machen dürfen, sind bereits bekannt. Die Auszeichnung wird seit 1997 jährlich an ein innovatives Projekt aus Kunst, Wirtschaftswissenschaften, Technik, Ingenieurs- oder Naturwissenschaften vergeben.
Im letzten Jahr ging der Zukunftspreis an Dr. Klaus Streubel, Dr. Andreas Bräuer und Dr. Stefan Illek von Osram Opto Semiconductors und dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik. Die drei hatten ein System entwickelt, mit dem bis dato leuchtschwache LED-Lampen stärker und heller leuchten können. In den letzten fünf Jahren erhielten durchgängig Projekte aus technischen Bereichen die Auszeichung - wir dürfen gespannt sein, ob die Entscheidung in diesem Jahr anders ausgeht. Nominiert sind Ideen aus den Kategorien Medizin, Industrie, erneuerbare Energien und, selbstredend, Technik.
Autor: Jessica Riccò· 22.10.08 · 13:10 Uhr· 0 Kommentare
21. Oktober 2008
Wie die Antibabypille den Hormonhaushalt nachhaltig verändert
Kategorie: Medizin · Kommentare: 5
Krebsstudien zur hormonellen Verhütung sind ja zwiegespalten: Das Risiko, nach jahrelanger Pilleneinnahme an Brust- oder Gebärmutterhalskrebs zu erkranken steigt zwar - zugleich sinkt aber auch die Wahrscheinlichkeit, Eierstock- oder Gebärmutterschleimhautkrebs zu entwickeln. Wonach sich also richten?
Autor: Jessica Riccò· 21.10.08 · 15:30 Uhr· 5 Kommentare
17. Oktober 2008
Die globale, digitale Bibliothek
Kategorie: Kultur · Kommentare: 6
Nur ein kurzer Hinweis auf eine Diskussion, die mir doch sehr ScienceBlog-esk scheint: Bei Marcel Reicharts Blog tauchte heute die Frage nach der Digitalisierung von Büchern auf. Das ist natürlich eine wunderbare Vorstellung, so ein weltweites Archiv, online verfügbar für Jedermann. Aber gleichzeitig ein riesiges Problem der Logistik - kann so ein Archiv je fertiggestellt werden? Wachsen Bücher und andere Medien nicht viel zu schnell nach?
Autor: Jessica Riccò· 17.10.08 · 12:30 Uhr· 6 Kommentare
15. Oktober 2008
Gesundheitliche Chancengleichheit in Deutschland
Kategorie: Medizin
Zum heutigen Blog Action Day möchte ich nun nach Stefan und Ali auch einen Beitrag zum Thema Armut beisteuern und bleibe dazu bei meinem thematischen Steckenpferd, der Gesundheit. Dass Armut eine ganz entscheidende Rolle dabei spielt, wie hoch oder niedrig unsere Lebenserwartung ist, ist ein weltweiter Missstand.
Autor: Jessica Riccò· 15.10.08 · 19:00 Uhr· 0 Kommentare
14. Oktober 2008
"Der Urknall ist kulturell interessant" - Interview mit dem Nobelpreisträger John C. Mather
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 2
Am Montagabend im Deutschen Museum: Im beeindruckenden Ehrensaal des Gebäudes hielt der Physik-Nobelpreisträger John C. Mather wie angekündigt einen Vortrag über den Urknall, die kosmische Hintergrundstrahlung und das James Webb Telescope. Eine originalgetreues Modell des Teleskops, das in fünf Jahren ins Weltall starten soll, können Besucher des Deutschen Museums in den folgenden zwei Wochen im Innenhof des Gebäudes betrachten.
Autor: Jessica Riccò· 14.10.08 · 17:40 Uhr· 2 Kommentare
13. Oktober 2008
Wir sind keine Rassisten mehr! - Ein Interview mit Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman
Kategorie: Kultur
Als Ökonom hat Paul Krugman die Theorie des internationalen Handels revolutioniert, als Kolumnist der New York Times profilierte er sich als scharfer Kritiker der Bush-Regierung. Heute wurde der 55-jährige mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet.Niels aus dem Moore hat vor wenigen Wochen (zu einer Zeit, in der die aktuelle Krise an den Finanzmärkten noch in weiter Ferne lag) mit Paul Krugman gesprochen. Wir veröffentlichen das Gespräch mit freundlicher Genehmigung unseres Partners Cicero.
Barack Obama ist der demokratische Kandidat für das Weiße Haus. Die New York Times, für die Sie als Kolumnist arbeiten, hatte eine Wahlempfehlung für Hillary Clinton ausgesprochen. Auch sie selbst haben in ihren Beiträgen Clinton unterstützt und Obama kritisiert. Warum?
Hauptsächlich wegen seiner Positionen in der Gesundheitspolitik. Die Einführung einer garantierten Gesundheitsversorgung sollte das Kernstück eines demokratischen Regierungsprogramms sein. Obama beabsichtigt aber nur eine halbherzige Reform und er hat Clintons umfassende Pläne einer garantierten Gesundheitsversorgung für alle Bürger von rechts angegriffen. Ich glaube nicht, dass Obama eine wirklich progressive Agenda verfolgt.
Im Zentrum ihres neuen Buchs steht die Zunahme der ökonomischen Ungleichheit in den USA.
Warum ist das für Sie so ein großes Problem? Viele Ökonomen betonen ja, dass Ungleichheit ein Ansporn sei und zu mehr Wachstum und Wohlstand führe. Es kommt immer darauf an, welches Ausmaß die Ungleichheit erreicht. Woodrow Wilson hat das Problem einmal sehr klar artikuliert: „Wenn es in diesem Land Männer gibt, die reich genug sind, um die Regierung der Vereinigten Staaten zu besitzen, dann werden sie sie besitzen." In Gesellschaften mit extremer ökonomischer Ungleichheit werden politische Institutionen ausgehölt und politische Entscheidungen verzerrt.
Wir sehen das heute beispielsweise daran, wie schwer es ist, die Manager von Hedgefonds der normalen Einkommensteuer zu unterwerfen. Ihr Einfluss hat dazu geführt, dass sie den größten Teil ihres Einkommens zum günstigen Satz der Kapitalertragsteuer von 15 Prozent versteuern dürfen, während andere Großverdiener ihr Einkommen mit 35 Prozent versteuern müssen. Die Frage ist: Wie konnte es dazu kommen und warum wird dieses Schlupfloch nicht sofort geschlossen?
Der politische Prozess wird durch zu große ökonomische Ungleichheit korrumpiert.Wie lautet die Antwort?
Wahlkampfspenden. Die Spenden einiger weniger extrem reicher Männer machen einen großen Teil der Kriegskasse aus, auch bei den Demokraten. Und die Rücksichtnahme auf die entsprechenden Interessen in den Programmen und der späteren Regierungspolitik zeigt eindeutig, dass der politische Prozess durch zu große ökonomische Ungleichheit korrumpiert wird.
Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 13.10.08 · 16:30 Uhr· 0 Kommentare
Wirtschaftsnobelpreis 2008 an Paul Krugman
Kategorie: Politik
Die vergangene Woche stand ganz im Zeichen der Bekanntgabe der diesjährigen Nobelpreisträger. Am heutigen Montag wurde der Nobelpreisreigen des Jahres 2008 beendet: in Stockholm wurde vor wenigen Minuten bekannt, daß Paul Krugman mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet wird.
Mit Paul Krugman wird ein Wirtschaftswissenschaftler geehrt, der sich wie kaum ein anderer in öffentliche Debatten einmischt und auch vor provokanten Thesen nicht zurückschreckt. Der 55jährige Ökonom und erfolgreiche Sachbuchautor gilt als Begründer der "Neuen Ökonomischen Geographie". Er ist als regelmäßiger Kolumnist der New York Times seit vielen Jahren auch einer größeren Öffentlichkeit bekannt.
Paul Krugman, der bereits kurz nach seiner Promotion im Beraterstab von Ronald Reagan tätig war und später auch Bill Clinton in Wirtschaftsfragen beriet, ist nach Stationen am MIT und Stanford heute Professor in Princeton. Gleichzeitig hat sich Krugman einen Namen als einer der profiliertesten Wirtschaftsblogger gemacht.
In seinem NYT-Weblog hatte er zuletzt im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Finanzkrise heftige Kritik an der US-Regierung und Notenbankpolitik geübt. Das hilflose Krisenmanagement der Bush-Administration veranlasste ihn zur Aussage, die USA seien "zu einer Bananenrepublik verkommen."
Wirtschaftsnobelpreis an einen Kritiker der Bush-Regierung
Paul Krugman wird nun mit dem Wirtschaftsnobelpreis für seine "Analysen der Handelsmuster und Räume wirtschaftlicher Aktivität" gewürdigt. Die Entscheidung des Stockholmer Komitees, ausgerechnet in der derzeitigen Phase Paul Krugman zu ehren, ist durchaus pikant. Denn Krugman hatte als einer der ersten vor einem Zusammenbruch des Finanzsystems gewarnt.
Schon vor 3 Jahren hatte er darauf hingewiesen, daß sich die Immobilienspekulanten auf sehr dünnes Eis begeben würden und die Immobilienkäufe teilweise mit fragwürdigen "chinesischen Krediten finanziert" seien. Aber - so Krugmans Kritik - solange die Gier als Motivation handlungsleitend sei, dürfe man sich über die Irrationalität der Finanzwelt nicht wundern.
Zuletzt hatte Krugman nicht ausgeschlossen, daß die aktuelle schwere Krise sich zu einer gesamtwirtschaftlichen Depression entwickeln könne.
Wirtschaftsnobelpreis seit 1969
Der Wirtschaftsnobelpreis ist der einzige der Nobelpreise, der nicht von Alfred Nobel persönlich gestiftet wurde. Die Preisvergabe für eine herausragende Leistung im Gebiet der Wirtschaftswissenschaften wird erst seit dem Jahr 1969 vergeben - damals hatte sich die Schwedische Reichsbank anläßlich ihres 300jährigen Bestehens zu dieser Preisvergabe entschlossen.
Offiziell lautet der Titel der landläufig als Wirtschaftsnobelpreis bezeichneten Ehrung deshalb auch "Preis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank in Gedenken an Alfred Nobel". Das Nominierungsverfahren, die Kriterien der Preisvergabe und das Preisgeld entsprechen aber demjenigen der anderen "echten" Nobelpreise. Auch die Preisverleihung findet am 10. Dezember, am Todestag Alfred Nobels, in Stockholm gemeinsam mit den anderen Nobelpreisen statt.
Autor: Marc Scheloske· 13.10.08 · 13:06 Uhr· 0 Kommentare
10. Oktober 2008
Friedensnobelpreis 2008 an Martti Ahtisaari - Krisenmanager und Diplomat
Kategorie: Politik · Kommentare: 3
Es gibt wohl keinen anderen Preis, der eine so hohe Symbolkraft hat wie der Friedensnobelpreis. Nach dem Willen des Stiftungsgründers Alfred Nobel soll der Preis derjenigen Person oder Institution verliehen werden, die sich um die Menschenrechte, die Völkerverständigung oder den Frieden auf Welt am meisten verdient gemacht hat. Wie soeben in Oslo bekanntgegeben wurde, geht der Friedensnobelpreis 2008 an den finnischen Diplomaten Martti Ahtisaari
Martti Ahtisaari hatte bereits in den 80er Jahren als Krisenmanager im Dienste der UNO gewirkt, damals in Namibia. Für diesen Einsatz war er bereits im Vorjahr einer der Nominierten für den Friedensnobelpreis.
Als größter Erfolg in Ahtisaaris Laufbahn gilt die Beendigung des Bürgerkriegs in der indonesischen Unruheprovinz Aceh, dort vermittelte der Finne im Jahr 2005 mit großem Geschick zwischen der Regierung und der Separatistenbewegung "Freies Aceh".
Nachdem er sich die letzten beiden Jahre mit ganzer Kraft für die serbische Provinz Kosovo eingesetzt hatte, die unter UNO-Verwaltung steht, wird Martti Ahtisaari also dieses Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, für den er schon mehrmals heiß gehandelt wurde. Der sozialdemokratische Politiker, der zwischen 1994 und 2000 das finnische Präsidentenamt bekleidete, wird für seine "wichtigen Bemühungen ausgezeichnet, auf verschiedenen Kontinenten über drei Jahrzehnte hinweg, internationale Konflikte zu lösen."
Nobelpreisschicksal: Die Favoriten gehen leer aus
Damit sind die Favoriten, die im Vorfeld gehandelt wurden, wieder nicht zum Zug gekommen. Insider hatten gemunkelt, daß die chinesischen Dissidenten Gao Zhisheng und Hu Jia gute Chancen haben sollten. Und insofern war die gestrige Aussage eines chinesischen Regierungssprechers, daß es sich bei Hu Jia um einen "Kriminellen" handele, mit großer Irritation aufgenommen worden.
Außerdem galten der vietnamesische Mönch Thich Quang Do und die tschetschenische Anwältin Lidia Jussupowa als heiße Anwärter auf den Friedensnobelpreis.
Hintergründe zum Friedensnobelpreis
Die Auswahl der Preisträger trifft, anders als bei den fünf weiteren Nobelpreisen, das Norwegische Nobelkomitee. Deshalb wird der Preis auch im Rathaus von Oslo verliehen - diese Besonderheit erklärt sich übrigens ganz einfach: vor 100 Jahren waren Norwegen und Schweden vereinigt und die ganzen außenpolitischen Regierungsgeschäfte wurden in Stockholm getätigt. Nobel glaubte deshalb, daß das norwegische Parlament (das lediglich innenpolitische Kompetenzen hatte) unabhängiger und weniger von äußeren Einflüssen beeinträchtigt sei.
In den letzten Jahren hatte sich das fünfköpfige Komitee, dessen Mitglieder vom norwegischen Parlament, dem Storting, ernannt werden, mit seinen Entscheidungen klar gesellschaftlich- politisch positioniert. 2007 wurden der frühere US-Vizepräsident Al Gore und der UN-Klimarat ausgezeichnet - sie erhielten den Preis für ihr Engagement vor den globalen Gefahren des Klimawandels zu warnen.
2006 war der Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunus aus Bangladesh und die von ihm gegründete Grameen Bank ausgezeichnet worden. Dies war als Signal für alternative Wirtschafts- und Finanzstrukturen verstanden worden.
Der Friedensnobelpreis ist mit umgerechnet einer Million Euro (zehn Millionen Kronen) dotiert. Er wird traditionell am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896), überreicht. Letzter deutscher Preisträger war 1971 der damalige Bundeskanzler Willy Brandt.
Autor: Marc Scheloske· 10.10.08 · 11:04 Uhr· 3 Kommentare
09. Oktober 2008
Literaturnobelpreis 2008 an den französischen Schriftsteller Jean-Marie Gustave Le Clézio
Kategorie: Kultur
Der Literaturnobelpreis ist im Reigen der Nobelpreise vermutlich derjenige, der am meisten Aufmerksamkeit bekommt. Und gleichzeitig ist er der Umstrittenste. Wie die Schwedische Akademie vor wenigen Augenblicken bekanntgab, geht die wichtigste literarische Auszeichnung des Jahres durchaus überraschend an den französischen Schriftsteller Jean-Marie Gustave Le Clézio. Für Gesprächsstoff ist also gesorgt.
Die Debatten in den Feuilletons und Literaturzirkeln werden wieder an Fahrt aufnehmen. Welcher herausragende Schriftsteller, welche Schriftstellerin wurde übergangen? Welcher Autor hätte den Nobelpreis schon lange verdient und wird vom Nobelpreiskomitee konsequent ignoriert?
Philip Roth, der große amerikanische Romanautor, der seit einem halben Jahrhundert ein Œuvre geschaffen hat, das seinesgleichen sucht, wurde wieder nicht berücksichtigt. Dabei reklamieren seine Fans, daß er spätestens 1998 mit "Der menschliche Makel" zu einem Schriftsteller wurde, der mit Tolstoi, Dostojewski oder Thomas Mann in einer Reihe steht und den Literaturnobelpreis längst verdient habe.
The same procedure as every year: Meinungsverschiedenheiten vorprogrammiert
Im Anschluß an die Bekanntgabe des Literaturnobelpreisträgers haben die Diskussionen, ob die Entscheidung gerechtfertigt ist oder nicht, freilich eine lange Tradition. Zwar erleben wir dieses Jahr auch in den anderen Disziplinen wie der Medizin, Chemie oder der Physik, daß sich Wissenschaftler zu Unrecht übergangen fühlen, was aber in den Naturwissenschaften eher eine Ausnahme ist, ist beim Literaturnobelpreis die Regel.
Kein Wunder, denn Stiftungsgründer Alfred Nobel hatte verfügt, daß derjenige den Preis erhalten solle, „der in der Literatur das Vorzüglichste in idealistischer Richtung geschaffen hat." Es ist - das sollte vor diesem Hintergrund klar sein - nicht allein die literarische Qualität, die ausschlaggebend ist.
In den letzten Jahren wurden wiederholt Autoren und Autorinnen mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet, deren Werk vom Geist der Völker- und Kulturverständigung durchwirkt ist. Das ist legitim und durchaus im Sinne von Alfred Nobel. Denn egal ob Doris Lessing, die im Vorjahr den Nobelpreis erhielt oder der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk, der im Jahr 2006 ausgezeichnet wurde: es zählt eben nicht allein die erzählerische Kraft, wenn das Nobelpreiskomitee seine Auswahl trifft.
Mit Doris Lessing zeichnete die Schwedische Akademie eine Autorin aus, die in ihren Texten politisches Engagement und die Emanzipation der Frau zum Thema machte und dadurch zu einer Klassikerin des literarischen Feminismus avancierte. Und bei Orhan Pamuk wurde explizit seine Vermittlerrolle zwischen Orient und Okzident gewürdigt.
Literaturnobelpreis für Jean-Marie Gustave Le Clézio
Mit Jean-Marie Gustave Le Clézio erhält nun ein Autor den Literaturnobelpreis, der hierzulande kaum bekannt ist. Aber als einer der wichtigen französischen Literaten der letzten 40 Jahre gilt.
Jean-Marie Gustave Le Clézio hat ein umfangreiches und vielschichtiges Werk vorgelegt. Bereits mit seinem Erstling "Das Protokoll" (Procès-verbal) sorgte er für Aufsehen und erhielt dafür 1963 den Prix Renaudot. Damals war Le Clézio gerade einmal 23 Jahre alt. Seither hat er viele weitere Erzählungen und Romane, sowie Essays publiziert. 1980 bekam er für seinen Roman "Wüste" (Désert) den "Prix Paul-Morand" von der Académie Française.
In Deutschland knallen in dieser Sekunde in Köln und in München die Sektkorken. Die (bislang!) wenigen ins Deutsche übersetzten Texte werden von Kiepenheuer und Witsch, sowie zuletzt auch von Hanser verlegt. Damit setzt sich - das als Randbemerkung - eine erstaunliche Serie fort: Le Clézio ist der zwölfte Nobelpreisträger der im Carl-Hanser-Verlag publiziert.
Sinnliche Ekstase und poetische Abenteuer
Die Entscheidung der Stockholmer Jury für den 68 Jahre alten Autor fordert die literarische Welt nun dazu heraus, einen Schriftsteller zu entdecken, dessen Werk wenigstens hierzulande bislang nur in eingeweihteren Kreisen ein Thema war. Die Begründung, den Literaturnobelpreis an Le Clézio zu vergeben, liest sich jedenfalls vielversprechend und wunderschön:
Die höchste Auszeichnung der literarischen Welt wird - so der Wortlaut - einem Autor des "poetischen Abenteuers" und der "sinnlichen Ekstase" zuerkannt. Le Clézio sei ein
"Verfasser des Aufbruchs, des poetischen Abenteuers und der sinnlichen Ekstase, ein Erforscher einer Menschlichkeit außerhalb und unterhalb der herrschenden Zivilsation."
Mehr kann man sich als Schriftsteller wohl kaum wünschen. Höchste Zeit für die Leser, um zu überprüfen, ob die Einschätzung des Nobelpreiskomitees zutrifft...
Autor: Marc Scheloske· 09.10.08 · 13:05 Uhr· 0 Kommentare
08. Oktober 2008
Chemie-Nobelpreis 2008 an Martin Chalfie, Osamu Shimomura und Roger Y. Tsien
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 1
Den Chemie-Nobelpreis des Jahres 2008 teilen sich, wie das Stockholmer Nobelpreiskomitee soeben mitteilt, drei Wissenschaftler, denen wir die Entdeckung und Entwicklung des "grün fluoreszierenden Proteins", kurz: GFP, zu verdanken haben.
Die Preisträger des Chemie-Nobelpreises sind im Einzelnen: Osamu Shimomura, Martin Chalfie und Roger Y. Tsien.
Der japanische Biochemiker Osamu Shimomura beschrieb erstmals im Jahr 1961 das fluoreszierende Protein, das heute im Bereich der Zellbiologie nicht mehr wegzudenken ist. Die Wissenschaftler machen sich seine Eigenschaft zu Nutze, bei Bestrahlung mit ultraviolettem Licht grün zu leuchten.
Dadurch, daß das GFP sich beliebig mit anderen Proteinen fusionieren lässt, ist es als Marker hervorragend geeignet. Denn durch seine Fluoreszenz kann seine räumliche und zeitliche Lokalisation auch in lebenden Zellen und anderen Geweben oder Organismen direkt beobachtet werden.
Dem US-Biologen Martin Chalfie gelang es 1994 erstmals das Gen des grün fluoreszierenden Proteins außerhalb der Qualle Aequorea victoria zur Expression bringen, das war der entscheidende Fortschritt, um das Protein als genetischen Marker einzusetzen.
Und dem dritten im Bunde, dem US-Biologen Roger Y. Tsien, hat die Wissenschaft schließlich zu verdanken, daß inzwischen verschiedene Varianten des ursprünglichen grün fluoreszierenden Proteins zur Verfügung stehen. Er entwickelte weitere Modifikationen des Original-GFP, die andere Fluoreszenzspektren aufweisen. Diese Varianten von GFP schimmern bläulich oder gelb. Somit lassen sich auch verschiedene Zellbestandteile getrennt beobachten.
Randnotiz:
Auf ScienceBlogs konnte man bereits vor 6 Tagen nachlesen, wer die diesjährigen Nobelpreise für Chemie bekommen wird. (Wie zu erwarten war, ist wieder keine Wissenschaftlerin darunter. Dorothy Crowfoot Hodgkin war im Jahr 1964 die letzte Frau, die diese höchste Würdigung für wissenschaftliche Leistungen im Bereich der Chemie erhalten hat.)
Tobias Maier hatte in seinem Blog "WeiterGen!" einige Kandidaten für die verschiedenen Kategorien genannt.
Und - das wohl der endgültige Beweis dafür, wie gut informiert die Leser von ScienceBlogs sind - unser Kommentator "Argent23" teilte in Bezug auf die Chemie-Nobelpreise lapidar mit:
Chemie: Fluoreszente Proteine: Osamu Shimomura für die Isolation aus Aequorea, Doulgas Prasher/Martin Chalfie für die Klonierung. Toll wäre noch Roger Y. Tsien für die neuen Farbvarianten und BiFC.
Nun stellt sich freilich die Frage, ob sich hinter "Argent23" möglicherweise ein Mitglied des Stockholmer Nobelpreiskomitees verbirgt? Auszuschließen ist es nicht. ;-)
Autor: Marc Scheloske· 08.10.08 · 12:00 Uhr· 1 Kommentar
07. Oktober 2008
Physik-Nobelpreise für Yoichiro Nambu, Makoto Kobayashi und Toshihide Maskawa
Kategorie: Naturwissenschaften
Es begann mit Wilhelm Conrad Röntgen. Im Jahr 1901 erhielt der Physiker, der im Jahr 1895 die "X-Strahlen" entdeckt hatte, den allerersten Nobelpreis für Physik. Seitdem haben über 180 Physiker diese höchste wissenschaftliche Auszeichnung erhalten - darunter lediglich zwei Frauen.
Dafür kann man durchaus davon sprechen, daß die Physik-Nobelpreise eine Domäne der deutschen Forscher sind und waren. Klar, die Reihe der Nobelpreisträger nahm ihren Anfang mit Wilhelm Conrad Röntgen, der damals übrigens mit 150 800 Kronen belohnt wurde. Das entsprach ungefähr dem 25fachen Jahreseinkommen eines Universitätsprofessors.
Seit 1998 ging der Physiknobelpreis fünf Mal an deutsche Forscher
Seither konnten sich aber viele weitere deutsche Forscher in die ehrenvolle Liste einreihen, insgesamt waren es 22 deutsche Physiker, womit Deutschland auf Rang 2 der Nationenwertung rangiert. Und wenn in den letzten jahren wiederholt darüber lamentiert wurde, daß fast alle Nobelpreise in die USA gingen und sich daran ablesen ließe, wie rückständig und wenig konkurrenzfähig die deutsche Wissenschaft doch sei - so trifft dies zumindest auf die Physik-Nobelpreise nicht zu: in den letzten zehn Jahren erhielten stolze fünf Mal deutsche Physiker den Preis aus den Händen des schwedischen Königs.
1998 war es Horst L. Störmer der ausgezeichnet wurde, dann 2001 Wolfgang Ketterle der am renommierten MIT in Massachusetts arbeitete. Dann erhielt 2005 der deutsche Physiker Theodor W. Hänsch aus München die Auszeichnung und letztes Jahr durfte sich Peter Grünberg gemeinsam mit dem Franzosen Albert Fert über den Nobelpreis für Physik freuen, den die beiden für ihre Entdeckung des Riesen-Magnetwiderstand erhielten, ohne den sich keine Computerfestplatte drehen würde.
Nobelpreis für Physik 2008: Yoichiro Nambu, Makoto Kobayashi und Toshihide Maskawa
Nun also im Jahr 2008 geht der Physik-Nobelpreis an drei Physiker, die alle japanische Wurzeln haben bzw. deren wissenschaftliche Karriere in Japan stattfand.
Die eine Hälfte des diesjährigen Physik-Nobelpreises wird dem US-amerikanischen Physiker Yoichiro Nambu verliehen, der als einer der Väter der String-Theorie gilt und für seine Entdeckung des Mechanismus der spontanen Symmetriebrechung im subatomaren Bereich gewürdigt wird. Der 1921 geborene Nambu promovierte 1952 in Tokio, lehrte dann zunächst in Osaka, bevor er in die USA ging, wo er bis zu seiner Emeritierung eine Professur in Chigago innehatte.
Die andere Hälfte des Physik-Nobelpreies 2008 teilen sich die japanischen Physiker Makoto Kobayashi, der derzeit am Teilchenbeschleuniger in Tsukuba arbeitet und sein Kollege Toshihide Maskawa. Maskawa, 1940 geboren, lehrt seit 1980 theoretische Physik in Osaka.
Diese beiden haben sich bleibende Verdienste mit ihren Arbeiten und Postulaten zur CP-Verletzung erworben, die besagt, daß sich physikalische Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten in einem System nicht ändern, wenn gleichzeitig alle Teilchen durch ihre Antiteilchen ersetzt werden.
Das Nobelpreiskomitee zeichnet die beiden japanischen Physiker explizit für ihre Entdeckungen im Bereich der Hochenergiephysik aus. Durch ihre Arbeiten im Zusammenhang mit der CKM-Matrix konnten sie vorhersagen, daß es mindestens drei verschiedene Familien von Quarks geben muß. Diese subatomaren Elementarteilchen wurden zwischenzeitlich auch experimentell nachgewiesen.
Autor: Marc Scheloske· 07.10.08 · 12:30 Uhr· 0 Kommentare
06. Oktober 2008
Der Medizin-Nobelpreis 2008 geht an den deutschen Krebsforscher Harald zur Hausen
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 6
Der Medizin-Nobelpreis, so lautete die Verfügung von Alfred Nobel, soll an diejenige Person verliehen werden, die im jeweils vergangenen Jahr "die wichtigste Entdeckung im Bereich der Physiologie oder der Medizin" gemacht habe.
Diesem Wunsch des Stiftungsgründers kommt das Stockholmer Nobelpreiskomitee nicht in allen Punkten nach: meist wird eher ein Lebenswerk ausgezeichnet und keine einzelne Forscherleistung. Schon gar nicht aus dem zurückliegenden Jahr.
Auszeichnung für die Entdeckung des HI-Virus
Genauso ist es auch bei den Preisträgern des Jahres 2008: die beiden französischen Mediziner Luc Montagnier und Françoise Barré-Sinoussi bekommen eine Hälfte des Medizin-Nobelpreises zugesprochen. Die beiden Virologen werden für eine Entdeckung ausgezeichnet, die 25 Jahre zurückliegt: die beiden entdeckten im Jahr 1983 den HI-Virus. Den Erreger der Immunschwäche AIDS.
Sicherlich wird in diesem Zusammenhang nochmals darüber debattiert werden, wer denn diese Entdeckung tatsächlich auf seinem Konto verbuchen kann. Denn auch der US-Amerikaner Robert Charles Gallo beansprucht die Entdeckung des HI-Virus für sich. Gemeinhin wird beiden Forschergruppen gemeinsam diese Leistung zugesprochen.
Medizin-Nobelpreis 2008 an den Krebsforscher Harald zur Hausen
Erfreulich aus deutscher Sicht ist natürlich die Vergabe des Medizin-Nobelpreises an Harald zur Hausen. Der deutsche Krebsforscher erhält die andere Hälfte des Preisgeldes. Damit können sich erstmals seitdem Christiane Nüsslein-Volhard im Jahr 1995 den Medizin-Nobelpreis erhielt, wieder deutsche Mediziner über diese Auszeichnung freuen.
Der 1936 geborene und hochdekorierte Harald zur Hausen beschäftigte sich vornehmlich mit der Krebsentstehung im Zusammenhang mit Virusinfektionen. Schon vor 30 Jahren, 1976, stellte er die Hypothese auf, daß humane Papillomviren möglicherweise ein Faktor bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs sind.
Nun wird er für die Bestätigung dieser Hypothese mit dem Medizin-Nobelpreis 2008 geehrt. In den 80er Jahren war es ihm gelungen, die Virentypen HPV 16 und HPV 18 aus einer Gebärmutterhalskrebsprobe zu isolieren. Die (allerdings umstrittene) HPV-Impfung geht v.a. auf seine Arbeiten zurück.
Krönung einer wissenschaftlichen Bilderbuchkarriere
Mit der Verleihung des Medizin-Nobelpreises an Harald zur Hausen findet eine bemerkenswerte Forscherlaufbahn ihren krönenden Abschluß. Studiert hatte zur Hausen an den Universitäten von Bonn, Hamburg und Düsseldorf, wo er dann 1960 auch promovierte.
Nach Etappen am virologischen Institut der Kinderklinik in Philadelphia und am virologischen Institut der Universität Würzburg bekam zur Hausen zunächst einen Ruf auf eine Professur für Virologie an der Universität Erlangen-Nürnberg, 1977 wechselte er an die Uni Freiburg.
In dieser Zeit entdeckte er den Zusammenhang zwischen Virusinfektionen und Krebsentstehung. Seinen Verdacht, daß eine Infektion mit dem humanen Papillomavirus (HPV) für Gebärmutterhalskrebs verantwortlich ist, publizierte er 1976. In den Folgejahren arbeitete er daran, diese Hypothese experimentell zu untermauern, was ihm dann Anfang der 80er Jahre gelang.
Für diesen Nachweis, daß Gebärmutterhalskarzinome (immerhin eine der häufigsten Krebsarten bei Frauen) durch die humanen Papillomviren verursacht werden, wurde Harald zur Hausen nun ausgezeichnet. Sicherlich spielte in diese Entscheidung auch die Tatsache mit hinein, daß seit 2006 mit "Gardasil" ein Impfstoff zur Verfügung steht, der die weitest verbreiteten Papillomviren-Stämme bekämpft. Ohne die bahnbrechenden Arbeiten von zur Hausen stünde heute diese Waffe gegen Gebärmutterhalskrebs nicht zur Verfügung.
Der Geehrte, der von 1983 bis 2003 das Deutsche Krebsforschungszentrum leitete und ausbaute, nahm die Nachricht aus Stockholm einigermaßen überrascht, aber insgesamt gelassen hin. Gegen 10.45Uhr erreichte ihn der Anruf des Nobelkomitees. Den neugierigen Journalisten teilte er gegen Mittag mit: "Ich bin nicht darauf vorbereitet. Wir trinken gerade ein Gläschen Sekt."
Na denn Prost und herzlichen Glückwunsch, lieber Harald zur Hausen!
Autor: Marc Scheloske· 06.10.08 · 12:00 Uhr· 6 Kommentare
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