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02.04.08 · 18:35 Uhr
"Bedenkenträger" gegen Zukunftsoptimisten
Kategorie: Naturwissenschaften·Politik · Kommentare: 1
Der Kleinkrieg zwischen Klimaleugnern und Klimahysterikern geht in die nächste Runde:
Nature veröffentlicht (heute im Netz und morgen im Heft) einen Kommentar, in dem Tom Wigley und zwei Kollegen erörtern, warum eine Stabilisierung bzw. "Mitigation" des CO2-Ausstoßes noch viel schwieriger ist, als sich die IPCC-Szenarien das so vorstellen.
Die Kommentatoren schreiben, dass je nach "Szenarien-Familie" (zu einzelnen Szenarien z.B. Das Paper vom Wiss. Beirat der Bundesregierung "Globale Umweltveränderungen", S. 106, hier als pdf) unterschiedliche Hochrechnungen gemacht werden (Prognosen zu Kohlendioxid-Level und Durchschnittstemperaturen), ALLE Szenarien jedoch problematische Grundannahmen machen:
* Es wird eine Art globaler technischer Fortschritt vorausgesetzt, was in diesen Modellen eine fortdauernde Zunahme von Energieeffizienz und eine fortdauernde Abnahme von CO2-Emissionen pro konstanter Energiemenge beinhaltet
* Die Referenzmodelle der IPCC gehen von "spontanem", sprunghaftem technischen Fortschritt aus, was quasi-automatisch zu geringeren CO2-Emissionen führen würde
-- Fazit: "Two thirds or more of all the energy efficiency improvements and decarbonization of energy supply required to stabilize greenhouse gas emissions is already built in to the IPCC reference scenarios..." (Nature, Pielke / Wigley / Green: Commentary - IPCC underestimates challenge of global warming, pp. 531-532)
Auf seltsam selbstbezügliche Weise sind die Klimaziele und die praktischen / technischen Mechanismen, um diese zu erreichen, also schon in die Zukunftsmodelle eingebaut, die diese Ziele abbilden sollen. Das IPCC unterschätze also massiv die technischen Veränderungen, die diesen Szenarien zugrunde liegen. Das nenne ich eine Catch-22-Szenarienfamilie.
Passenderweise erscheint wenige Stunden vor dem Nature-Beitrag auf Focus Online ein Interview mit dem Zukunftsforscher Matthias Horx, der pessimistischen "Bedenkenträgern" keine rosigen Zeiten prognostiziert.
Zum Schlagwort "Weltklimawandel" befragt, erklärt er seinen Optimismus folgendermaßen:
"... Erstens erkennt man darin die Handschrift großer Medienhypes, in denen hemmungslos übertrieben wird. Der Einfluss des Menschen auf das Klima wird meiner Meinung nach überschätzt, und einen Klimawandel gab es auch schon vor der technischen Zivilisation.
Zweitens werden wir neue Technologien entwickeln, die Antworten auf die Energiefragen von heute bieten. Das zeichnet sich schon ab. Meiner Meinung nach wird die Menschheit diese Entwicklung schneller voranbringen, als viele denken."
Laut Pielke, Wigley und Green ist das Gegenteil der Fall -- doch das konnte Horx nun wirklich nicht voraussagen.
Ich prognostiziere jetzt auch mal einen "Zukunfts-Trend": das Zukunftsinstitut wird mehr und mehr futur(optim)istische Jünger an sich binden, während das IPCC in der Bedeutungslosigkeit versinkt.
Wenn man dem Blogpulse der letzten 6 Monate (gibts leider noch nicht in die Zukunft gerichtet) Glauben schenken will, ist das schon geschehen:
Nielsen BuzzMetrics Grafik für das Suchwort "IPCC" auf Blogpulse.com
Autor: Anwen Roberts· 1 Kommentar· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (1)
Ich weiß immer noch nicht was ein Klimaleugner ist. Ist das jemand der behauptet, dass es kein Klima gibt? Ist es Tobias?
Oder ist das Wort "Klima" mittlerweile unwiderruflich mit einer Theorie verbunden, die widerlegt werden kann?
Naja, seit irgend so ein dicker Ami für heiße Luft den Friedensnobelpreise gewonnen hat, habe ich Schwierigkeiten die Debatte nachzuvollziehen.