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Florian Aigner ist Physiker und Wissenschaftskommunikator. Gemeinsam mit Dominik Grafenhofer betreibt er die Webseite naklar.at. Er promovierte über Quantentheorie an der TU Wien, heute arbeitet er dort als Wissenschaftsredakteur. Außerdem ist er Mitglied der Skeptikervereinigung GWUP und der Wiener „Gesellschaft für Kritisches Denken".

Kommentare

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03.02.12 · 00:18 Uhr

Mit Quanten zaubert man nicht!

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 11

Professor Anton Zeilinger ist zweifellos ein bedeutender Physiker. Außerdem hat er populärwissenschaftliche Bücher geschrieben - das ist eine lobenswerte Tätigkeit. In Österreich hat er einen sehr hohen Bekanntheitsgrad, und ich kann mir gut vorstellen, dass es eine ganze Menge junger Menschen gibt, die durch ihn zu ihrer Begeisterung für Wissenschaft gefunden haben. Das alleine genügt schon, ihm herzlich zu gratulieren.

Weniger gratulieren kann man ihm aber wohl dazu, dass sein Name und seine Arbeit immer wieder als Argumentationshilfe für Quanten-Esoteriker missbraucht wird (- das hat er im Übrigen mit Sir Roger Penrose gemeinsam). Egal ob Astrologen, Heilwasserzauberer oder Homöopathen - von Vertretern all dieser Gruppen wurde mir schon die Quantenphysik als angeblicher Beleg dafür präsentiert, dass die behaupteten mysteriösen Effekte tatsächlich möglich seien. Bei einem Quantenphysik-Vortrag wurde ich einmal sogar von der bekannten Esoterikerin Christl Meyer (sie leugnet beharrlich und konsequent einen Zusammenhang zwischen HIV und Aids) lautstark angegriffen, weil ich nicht an die magischen Mächte der Quantenphysik glaube. Nun, damit kann ich gut leben. Schade finde ich aber, dass die Quantenphysik - meine wissenschaftliche Lieblingstheorie - so oft von seltsamen Leuten missbraucht wird.

Anton Zeilinger wurde von der Süddeutschen Zeitung nun darüber befragt, wie er zu Homöopathie steht, und was er darüber denkt, als wissenschaftliches Feigenblatt für esoterische Theorien herhalten zu müssen. Es ist schön, dass er dazu klare Worte gefunden hat: Er bedauert, mit solchen Dingen in Verbindung gebracht zu werden. Aber man muss schon auch die Frage stellen: Hat er diese Verbindung nicht auch selbst provoziert? Wenn er sein Buch „Einsteins Spuk" nennt - darf er sich dann wundern, als Legitimation für spukhafte Theorien herhalten zu müssen?

Will man Quantenphysik populär vermitteln, hat man es immer mit einer Gratwanderung zu tun: Einerseits will man den Zuhörern klar darstellen, wie erstaunlich und weltbildverbiegend die Quantenphysik ist. Man muss klarmachen, dass sich die Regeln der Quantenphysik dramatisch von den Naturgesetzen unterscheiden, die wir aus unserem Alltagsleben in unsere menschliche Intuition übernommen haben. Andererseits muss man aber unbedingt betonen: Die Quantenphysik ist eine Theorie mit Fakten, Zahlen und Formeln. Sie ist keine unverbindliche Herumphilosophiererei, mit der man Einhörner, Wundermedizin oder Sterndeutung legitimieren kann. Wenn Quantenphysiker in populärwissenschaftlichen Vorträgen und Schriften diesen Unterschied nicht klar genug ausdrücken, dann sind sie schon auch selbst mitverantwortlich, wenn ihre Aussagen verzerrt, verdreht und verknotet werden.


Mehr dazu: naklar.at - Mystische Quantenwelt?

 

Autor: Florian Aigner· 11 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (11)

Kommentar-Direktlink Dr. Webbaer· 03.02.12 · 00:51 Uhr

Wenn er sein Buch „Einsteins Spuk" nennt ...
Spuk ist von Einstein selbst, der schrieb bezogen auf Quanteneffekte/Verschränkung von 'spooky action at a distance' - der Begriff des Spuks ist also nicht von Zeilinger hinzugebaut. - Danke für den interessanten Artikel!, MFG Dr. Webbaer

Kommentar-Direktlink Threepoints...· 03.02.12 · 02:48 Uhr

"Er bedauert, mit solchen Dingen in Verbindung gebracht zu werden."

-> War das denn die klarste Distanzierung seiner Erklärungen im Interview? Oder war noch deutlicheres vorhanden gewesen?

Kommentar-Direktlink Gustav· 03.02.12 · 02:54 Uhr

Oft ist es so, dass Autoren eines Buch nicht über den Titel entscheiden dürfen. Genau genommen dürfen sie das in den seltensten Fällen. Wie auch bei Zeitungen, Zeitschriften bestimmt der Redigator (nennt man das so ;-)) die Überschriften und den Titel. Autoren müssen nur den reinen Text abliefern.

Kommentar-Direktlink Threepoints...· 03.02.12 · 02:59 Uhr

"Man muss klarmachen, dass sich die Regeln der Quantenphysik dramatisch von den Naturgesetzen unterscheiden, die wir aus unserem Alltagsleben in unsere menschliche Intuition übernommen haben."

-> Nun brauchen wir also eine Intuitionskunst für die quantenphysikalischen Effekte des Alltagserlebens... was offenbar die Esotheriker gerade übrnehmen.

Wäre nicht doch die anerkannte Wissenschaft dazu besser geeignet?

Kommentar-Direktlink MartinB· 03.02.12 · 07:51 Uhr

Er hat auch mal gesagt:
"Man muss nur aufpassen: Gerade solche Gedankengänge werden sehr oft von Leuten verwendet, die behaupten, das unterstreiche irgendwelche mystischen oder esoterischen Gedanken. Dafür gibt es keinerlei Hinweise."
Siehe auch hier:
http://www.scienceblogs.de/hier-wohnen-drachen/2011/04/quantenmechanik-die-beliebtesten-phrasen-und-was-dahinter-steckt.php

Kommentar-Direktlink Dr. Webbaer· 03.02.12 · 08:58 Uhr

@MartinB
Sie haben in Ihrem ausgezeichneten von Ihnen verlinkten Artikel u.a. Zeilinger im Kontext QM mit 'Der Geist beeinflusst die Materie' und 'Alles ist Information' in Verbindung gebracht. Beides sind denkbare, also mögliche metaphysische Sichten, die aus Sicht des Webbaeren eher von Philsophen zu bearbeiten sind. - Eine besondere Phrasenhaftigkeit/Esoterik (wie es im verlinkten Artikel heißt: 'seine [Zeilingers] esoterische Ideen') vermag Dr. W hier nicht zu erkennen. - BTW: Das von Ihnen gezeigte Zitat Zeilingers ist doch sehr vernünftig, oder?

MFG
Dr. Webbaer

Kommentar-Direktlink Goldankaufberlin· 03.02.12 · 14:24 Uhr

Die Wissenschaft hat doch schon oft ihre theoretischen Modelle umgestoßen, um danach das Gegenteil des bisher Gültigen " bewiesen" zu haben. Inwieweit an esoterischen Denkmodellen wie Homöopathie auch wissenschaftlich " was dran" sein könnte, überlasse ich deshalb der Zukunft. Für die Gegenwart gilt für mich: aus Erfahrung wirkt sie, das ist für mich Wissen genug.

Kommentar-Direktlink WolfgangK· 03.02.12 · 15:08 Uhr

Ich bin keineswegs der Ansicht, dass man sich bei öffentlichen Äußerungen ständig von esoterischen oder anderweitigen Fehldeutungen distanzieren muss, solange die Aussagen fachlich korrekt sind. Wenn diese dann von Esoterikern missbraucht werden kann das nicht das Problem des Autors sein, schliesslich ist er nicht für die Dummheit anderer zuständig. Ich denke, Prof. Zeilinger ist (zur Zeit jedenfalls) über jede esoterische Anwandlung erhaben, und er muss sich keineswegs ständig von esoterischer Dummschwätzerei distanzieren - schon gar nicht bei seinen Kollegen. Und zur Mitverantwortlichkeit: ein Mensch ist immer nur für das verantwortlich, was er sagt und nicht für das, was andere verstehen oder verstehen wollen.

Kommentar-Direktlink MartinB· 03.02.12 · 15:22 Uhr

@WolfgangK
Das wollte ich mit dem zitat ja auch belegen - Zeilinger distanziert sich gelegentlich von der Esoterik, und das muss dann auch reichen.

Und dass die Quantenmechanik ziemlich merkwürdig ist und Dinge wie "psukhafte Fernwirkungen" enthält, ist nun mal so und darf auch gern so gesagt werden.

Kommentar-Direktlink Kurfürst· 03.02.12 · 18:53 Uhr

Spuk:
Wie unten schon angeführt, kann es nicht Aufgabe eines Forschers sein, sich in die "Denk"Welt Verrückter, Abzocker und anderer Komiker zu versetzen.

Man sollte zudem nicht vergessen, dass man auch heute noch in völliger Unkenntnis esoterischer Strömungen existieren kann!

Kommentar-Direktlink BreitSide· 03.02.12 · 21:09 Uhr

Goldankaufberlin· 03.02.12 · 14:24 Uhr

So ein Blödsinn. Hast Du da irgendwelche Beispiele für diese Kehrtwendungen außer der kugeligen Erde, die um die Sonne kreist (was ja auch nie von "der Wissenschaft" bestritten wurde, sondern von anderen Interessensverbänden)?

Sich an die zur Zeit bekannten Fakten zu halten hat bisher immer wesentlich höheren Gewinn gebracht als das Anhängen an irgendwelche kruden Gedanken, nur weil sie irgendwie neu sein sollen.

Man braucht auch überhaupt nichts "der Zukunft" zu überlasse. Nicht "die Zukunft" bringt die Erkenntnis, sondern die Wissenschaft.

Und die Homöoquackie hat in den letzten 200 Jahren nichts, absolut überhaupt nichts "gebracht". Die war schon damals mehr als umstritten. Die Wirkung ist halt das gute alte Placebo. Wie ja auch die Süddeutsche mal wieder schön deutlich dargelegt hat.

Mehr ist da nicht.

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