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Peter Artmann ist Biologe, promoviert an der Medizinischen Hochschule Hannover, arbeitet als Wissenschaftsjournalist und als Webdesigner.
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08.12.08 · 15:11 Uhr
Älteste erstgebärende Mutter ist 70
Kategorie: Medizin · Kommentare: 8
In Indien hat eine Frau mit 70 Jahren ihr erstes Kind geboren.
55 Jahre lang blieb die Ehe der Inderin Rajo Devi kinderlos. Dann erfolgte am 19. April 2008 eine künstliche Befruchtung und ...
Zack. Müssen wieder mal die Medizinlehrbücher umgeschrieben werden,
denn es erfolgte im Hisar fertility centre im Bundesstaat Haryana eine Geburt, wie die Times of India berichtet. Den Angaben zufolge ist die Inderin damit die weltweit erste Frau, die ihre erste Schwangerschaft mit über 70 Jahren erfolgreich beendet hat. Nach Angaben des Arztes Anurag Bishnoi sind Mutter und Kind sogar wohlauf.
Allerdings berichtete er nicht, von wem die Ei- und Samenzellen der Befruchtung stammten.

Die Familienverhältnisse der Eltern Rajo Devi und ihres 72-jährigen Ehemann Bala Ram sind ohnehin etwas komplizierter. Denn der Mann ist auch gleichzeitig mit Rajos Schwester verheiratet, die er nach 10 Jahren kinderloser Ehe mit der ersten Frau ... also ... zusätzlich heiratete. Aber auch diese Verbindung blieb kinderlos.
Zwar lädt dieser Umstand geradezu ein, um über die Ursachen der Kinderlosigkeit zu spekulieren, doch es ändert nichts an dem Status der ältesten erstgebärenden Mutter der Welt, die bereits vor 20 Jahren zum letzten Mal menstruierte.
Wir vom Medlog beglückwünschen die Menopausen-Rekord-Mutter und ihr Kind.
Auch wenn wir grundsätzlich künstlichen Befruchtungen in diesem hohen Alter kritisch gegenüberstehen, gefällt uns die pragmatische Einstellung der Eltern. Der Times of India sagten sie: Selbst wenn wir es selber nicht mehr schaffen, sind wir zuversichtlich, dass das Kind in einem stabilen Umfeld aufwachsen wird.
Schließlich leben die Eltern - wie es im ländlichen Indien typisch ist - in einem großen Familienverband.
Außerdem freuen sich die Senioren darüber, dass sie ab sofort nicht mehr sozial geächtet werden, da sie jetzt nicht mehr kinderlos sind.
Auch, das hätten wir nicht gedacht.
Unserer Ansicht nach kam das Christkind bei den beiden reichlich spät.
Autor: Peter Artmann· 8 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (8)
"Wir vom Medlog (...)"
"Auch wenn wir grundsätzlich (...)"
"Auch, das hätten wir nicht gedacht. "
"Unserer Ansicht nach (...)"
Schreiben hier mehrere Leute??
Ansonsten weiß ich nicht recht, was ich davon halten soll. Ethisch wohl eine knifflige Sache. Einerseits ist da der Wunsch der Eltern nach einem Kind - andererseits ist da dann ein Kind, dass wohl den größten Teil seines Lebens ohne Eltern verbringen wird (von Großeltern u.ä. mal ganz abgesehen). Ich denke eigentlich, ab einem gewissen Alter sollte man verantwortungsbewußt genug sein, um sich die Sache mit dem Kinderkriegen sehr genau zu überlegen...
Hallo Florian,
die Diskussion mit dem "Wir" ist etwas älter (gab da mal was bei Marcus, ich finde den Link nicht mehr), aber hier schreibe nur ich.
Ich verwende allerdings immer noch gerne das wir, weil ich finde, dass es blöd klingt, wenn man so oft "ich" schreibt.
und wegen der Kinder und der Verantwortung ... das stimmt natürlich, aber ich bin ganz überrascht, dass der weibliche Körper überhaupt so lange ... kann.
Man muß das auch vom kulturellen Umfeld sehen. Dort hat eine kinderlose Ehefrau einen ganz miserablen sozialen Status. SChon aus diesem Grund sind andre Maßstäbe anzulegen, als in unserer Gesellschaft
kulturelles Umfeld? miserabler Status?
In Indien und China wirds demnächst massive Probleme geben. Da vorgeburtliche Geschlechtsdiagnostik dazu geführt hat dass pro 1000 neugeborene Buben nur ca 800 Mädchen kommen. Das ist auch kulturelles Umfeld.
wie wärs mit Menschenrechten des Kindes? Da braucht man das kulturelle Umfel weniger beachten-das gilt nämlich global.
Zack. Müssen wieder mal die Medizinlehrbücher umgeschrieben werden
Ach ja? Was genau muss denn dort umgeschrieben werden? Dass Frauen auch im hohen Alter durch künstliche Befruchtung schwanger werden können, wenn Eizelle und Sperma von Spendern stammen, ist doch allgemein bekannt.
Auch wenn wir grundsätzlich künstlichen Befruchtungen in diesem hohen Alter kritisch gegenüberstehen, gefällt uns die pragmatische Einstellung der Eltern.
Eine bestechende Analyse, wahrhaft würdig, unter dem ScienceBlogs-Banner zu erscheinen. Keine genaue Erklärung der Risiken, die mit einer solchen Schwangerschaft verbunden sind, kein Wort über die mittelalterliche Ignoranz, die das Leben von Indiens Landbevölkerung dominiert und die für diese Irrsinnsschwangerschaft überhaupt erst verantwortlich ist, kein Gedanke an ein Kind, das ohne Eltern aufwachsen wird. Stattdessen eine oberfläche, aus diversen nicht verlinkten Tageszeitungen abgeschriebene Ansammlung von Platitüden.
Ach, das war doch jetzt wirklich was für´s Herz. (*tupft eine Träne der Rührung weg*) Bollywood.
Sehr pragmatisch, sehr eindrucksvoll. "Glückwunsch" für das Kind. Hoffentlich ist es kein Mädchen geworden.
Also den Artikel unter Vermischtes in der Bild finde ich dann doch informativer.
http://www.bild.de/BILD/news/vermischtes/2008/12/09/neue-aelteste-mutter-der-welt/inderin-bekommt-maedchen.html
Früher war ich auch der Auffassung, dass die Natur nicht umsonst Schranken gesetzt hat. Aber das Argument: Wenn die Eltern sterben... zieht meines Erachtens nicht mehr, bzw nicht in dieser Konstellation.
Eltern können jederzeit sterben, mit 20, 30, 40 etc, es ist schlicht das Risiko größer, im fortgeschrittenem Alter eher zu sterben als junge Menschen.
Nicht nur seit Amstetten (Niederösterreich- Österreich) wissen wir, dass Eltern nicht unbedingt "Eltern" sein müssen. Fakt ist, Kinder brauchen Bezugspersonen, wer sie sind, ist fast egal, hauptsache das Kind fühlt sich geborgen. Wenn das Kind in diesem Fall in einer Großfamilie aufwächst, wo der Zusammenhalt größer ist und die Interaktion mit den Mitgliedern permanent auf menschlicher Ebene geschieht, ist dies doch super.
Der einzige Grund der gegen ältere Mütter ( oder alte) spricht ist, dass die Wahrscheinlichkeit von Missbildungen für das Kind steigt, aber auch dagegen könnte man jetzt wieder spitzfindig argumentieren.