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Peter Artmann ist Biologe, promoviert an der Medizinischen Hochschule Hannover, arbeitet als Wissenschaftsjournalist und als Webdesigner.
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26.09.08 · 10:06 Uhr
Klinik-Parade in Berlin
Kategorie: Medizin
Nein, Dr. House hat nicht aufgelegt und auch seine Freunde Techno und Grindcore waren nicht dabei. Trotzdem kamen 130.000 (unerotisch) Gekleidete mit Fahnen und Transparenten.
"Schluss mit dem Sparkurs" riefen sie und zogen mit grimmigem Blick durchs Brandenburger Tor.
Die ganze Zeit über ging es um Milliarden.
Trotzdem hatte es mit der weltweiten Bankenkrise nichts zu tun.
Drei zusätzliche Milliarden erhält die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), fordert aber 6,7 Milliarden.
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Demonstranten die Rechnungen der DKG nachvollziehen können.
Was natürlich nicht heißt, dass die Beschäftigten genau wissen, dass seit Jahren in den Krankenhäusern gespart wird und die Betreuung der Patienten zunehmend schlechter geworden ist.
Freiwerdende Pflegerstellen werden nicht besetzt und über Wochenenddienste oder Nachtschichten darf sich ohnehin niemand beklagen, der in einem Krankenhaus arbeitet.
Wirklich niemand?
Aber da gibt es doch ... Richtig, den gewaltigen Verwaltungswasserkopf eines jeden Krankenhauses. Also die Leute, die genau wissen, was erlaubt und verboten ist.
Und wer glaubt, dass Menschen, die dringend Hilfe benötigen, in den Krankenhausbetten liegen, der sollte sich mal auf der Verwaltungsetage einer Klinik umsehen. Jede vierte Person wird dort von einer chronischen Erkrankung gepeinigt - da hilft nur regelmäßiges Kuren.
Und wenn man dann so oft weg ist, ist es natürlich praktisch, dass man sich auf dieser Etage so gut mit dem Kündigungsschutz auskennt, der Oberexperte ist immer der Betriebsrat - wenn es ehrlicher laufen würde, müsste der eigentlich Jurist sein.
Doch ganz cremig läuft es in der Verwaltung auch nicht. Zwar wird hier als einzige Abteilung im Krankenhaus pünktlich das Licht ausgemacht, doch als außen Stehender sieht man deutlich, dass die Arbeitsbelastung sehr hoch sein muss, da der Stress so viele Mitarbeiter adipös gemacht hat.
Doch genug des Spottes, im Prinzip ist auch das nur ein Nebenschauplatz.
Wenn sich wirklich etwas an der Situation in den Krankenhäusern ändern soll, dann ist die Machtzentrale in der Verwaltung erst die zweite Anlaufstelle nach dem übermächtigen Chefarztprinzip. Wobei man sich dennoch den Nebensatz erlauben darf, dass die Verwaltung von keiner Pathologie kontrolliert wird.
Doch wie bereits gesagt verbieten sich jegliche Hoffnungen auf Veränderungen im Klinikalltag, solange die beteiligten Mitarbeiter an der Basis öffentlich nachbeten, was ihnen ihre Chefs einimpfen.
Alle rufen brav: "Mehr Geld, mehr Geld". Da wundert es nicht, dass die Kliniken ihren Mitarbeitern für die Demo sogar freigegeben haben.
Keine Frage, an unseren Kliniken läuft sehr vieles schief.
Aber eine Besserung kann man nur erwarten, wenn die Beschäftigten auf die Straße gehen, um für mehr eigenständige Entscheidungen am Krankenbett zu demonstrieren.
Das gilt sowohl für Assistenzärzte, als auch für Schwestern und Pfleger. Dann hätten wir auch endlich einen Wettbewerb um die beste Versorgung des Patienten.
Aber davon war gestern nichts zu sehen.
Autor: Peter Artmann· 0 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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