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Peter Artmann ist Biologe, promoviert an der Medizinischen Hochschule Hannover, arbeitet als Wissenschaftsjournalist und als Webdesigner.
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02.04.08 · 12:22 Uhr
Alle Patienten sind gleich ...
Kategorie: Medizin · Kommentare: 6
... aber manche sind gleicher. Zumindest wenn es um die Wartezeit auf einen Termin geht.
Bei 186 Facharztpraxen hatten Mitarbeiter des Instituts für Gesundheitsökonomie und klinische Epidemiologie um einen Termin gebeten. Sie hatten sich dazu telefonisch mal als Privat- und mal als Kassenpatient ausgegeben.
Wie sich zeigte, spielte die persönliche Dringlichkeit keine Rolle, allein die Zugehörigkeit zur Versicherung entschied über die Wartedauer in Tagen:In der Regel mussten Kassenpatienten dreimal so lange warten, wie Privatpatienten.
Auf einen Termin für eine Magenspiegelung mussten Kassenpatienten 37 Tage warten, Privatpatienten dagegen nur zwölf Tage. Auf Hörtests müssen die gesetzlich Versicherten sieben Tage warten, Privatversicherte nur zwei Tage.
Gezählt wurden die Tage zwischen dem Telefonat und dem Arzttermin.
Focus online schreibt, dass manche Krankenkassen (AOK und Barmer) ihren Mitgliedern helfen, einen früheren Termin zu bekommen (die Kassenmitarbeiter rufen dazu direkt beim Arzt an).
Doch mehr als der berühmte Tropfen Wasser auf dem heißen Stein ist das nicht.
90 Prozent der Deutschen sind bei gesetzlichen Kassen versichert (und tragen den Großteil der Gesundheitskosten), doch viele Ärzte behandeln sie wie Patienten zweiter Klasse. Das hat die Studie erneut empirisch bewiesen.
Autor: Peter Artmann· 6 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
Arzt· Kassenpatient· Lauterbach· Lüngen· Markus· Patient· Privatpatient· Studie· Wartezeit
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Kommentare (6)
Was für ein Wunder.
Dank unseres tollen Gesundheitssystems und der Budgetierung der Ärzteleistungen zahlen viele Ärzte bei der Behandlung von Kassenpatienten drauf (wenn sie die Patienten richtig behandeln wollen), Privatpatienten hingegen bringen Geld.
Ich kenne aus meinem Verwandtenkreis jemanden, der seine Kassenpraxis aufgegeben hat und nur noch Privatpatienten behandelt. Diese Person hat inzwischen mehr Zeit und mehr Geld zur Verfügung als in den vielen Jahren zuvor.
Hallo Herr Artmann,
sehr schade, dass Sie sich nicht kritisch mit der Studie auseinandersetzen. Auch Sie verwenden die Zahl von knapp 200 Arztpraxen, die durch die Presse geistert. In der Originalarbeit steht, dass nur 128 Arztpraxen tatsächlich in die Auswertung eingingen! Außerdem: In der Studie liegt das Verhältnis von privat zu gesetzlich Versicherten bei 1:1. Sie schreiben richtig, in der Wirklichkeit liegt es bei 1:9. Das führt zu groben Verzerrungen, zumal bei so einer kleinen Stichprobe. Usw. usf...
Ich habe die Arbeit in meinem Weblog etwas ausführlicher besprochen und stelle die Frage: Zwei-Klassen-Medizin oder drittklassige Wissenschaft?
Beste Grüße.
Zettmann
Naja, dass mit den draufzahlen ist so eine Sache bei der mir keine Tränen in die Augen schießen wollen.
Sicher kann man bei Privatpatienten mehr, besser und sicherer abrechnen. Aber die anderen immer nur schnell abzuspeisen ist keine feine Sache.
Und die hochsubventionierte Medizinerausbildung zu genießen (?) und dann nur noch ausgewählte Personen zu behandeln, ist auch erklärungsbedürftig.
Hallo Herr Artmann,
Ich finde es schade, dass Sie sich nicht kritisch mit der Studie auseinandersetzen. So wiederholen Sie, dass mehr als 180 Praxen an der Studie teilgenommen hätten. In die Auswertung gingen aber nur 128 ein. Die Datenbasis ist also sehr dünn. Das Verhältnis von privat zu gesetzlich Versicherten ist in der Studie 1:1. Korrekt ist das Verhältnis, von dem Sie schreiben: 1:9, also ein privater auf 9 gesetzlich Versicherte. Usw. usf.
Ich habe mich etwas ausführlicher mit der Originalarbeit beschäftigt und stelle die Frage: Zwei-Klassen-Medizin oder drittklassige Wissenschaft?
Die Studie ist leider angelegt, um gefühlte Wirklichkeit und Vorurteile zu reproduzieren, lässt sich bei genauerer Draufsicht aber nur schwer als seriöse Wissenschaft darstellen.
Grüße.
Zettmann
@Peter Artmann, wenn man die Kassenpraxis im 64. Lebensjahr schließt, kann glaube ich nicht von Ausnutzen des teuren Studiums die Rede sein. Details gerne auf Anfrage per Mail, da ich diese nicht in der Öffentlichkeit breit treten möchte.
Hallo Herr Zettmann,
wenn es nur um gefühlte Wirklichkeit geht, wie erklären Sie sich dann die Äußerung von Jörg-Dietrich Hoppe, dem Präsidenten der Bundesärztekammer, zur Studie?
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/763152/
Im Deutschlandfunk sagte er am Mittwoch: "Wir haben eine Viel-Klassen-Medizin. Wenn man es jetzt sehr grob nimmt, dann haben wir zwei Klassen, aber nicht in der Qualität der Behandlung, sondern was den Komfort angeht." Grundsätzlich stimmt er allen Ergebnissen der Studie zu ...
Hallo h,
die Kassenpraxis ab 64 zu schließen ist meiner Ansicht nach vollkommen OK. Dann hat man garantiert lange genug zurückgegeben. Es gibt auch eine ältere jetzt ausschließlich Hömöopathisch arbeitende Ärztin, die ich kenne, die nur noch Privatpatienten annimmt.
Ich würde mir eher auf die Zunge beißen, als die diese Dame zu kritisieren.