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Peter Artmann ist Biologe, promoviert an der Medizinischen Hochschule Hannover, arbeitet als Wissenschaftsjournalist und als Webdesigner.
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10.12.07 · 11:11 Uhr
Nobelpreis für Medizin – wofür eigentlich?
Kategorie: Medizin·Politik·Technik
Heute wollen wir uns bei zwei wichtigen Männern für großartige Forschungsarbeit bedanken. Dazu gehören unser Berliner Wissenschaftler Gerhard Ertl und natürlich unser Göttinger Computerfreak Peter Grünberg.
Vor allem Letztgenanntem verdanken wir bezahlbare große Festplatten, ohne die unser heutiger Text nicht entstanden wäre.
Zwar dürften nur sehr wenige die Theorie des Riesenmagneto-Widerstandseffekt verstanden haben (…)
aber da wir mit der daraus resultierenden Anwendung ohne Schwierigkeiten arbeiten können, ist der Wert der Forschung zweifelsfrei bewiesen.
Das Gleiche gilt für den lange in Hannover (1968-73) forschenden Ertl. Wieso es "chemische Elementarvorgänge an Einkristalloberflächen“ gibt, dürfte den meisten Menschen herzlich egal sein. Dass diese Vorgänge jedoch entdeckt werden mussten, um Abgaskatalysatoren zu konstruieren, dürfte die wenigsten kaltlassen. Schließlich profitiert unser aller Atemluft von der Effizienz dieser Technologie.
Aber wo sind die Anwendungen der Medizin?
Auch in diesem Jahr erhalten wieder Forscher den "Nobelpreis für Medizin oder Physiologie“ für eine Technologie, die zwar bezüglich der theoretischen Möglichkeit beeindruckend ist, jedoch kaum einen Einfluss auf unser Alltagsleben hat.
Ausgezeichnet wurden Capecchi, Smithies und Evans für ihre Entdeckung der Manipulierbarkeit von Lebewesen. Erst durch ihre Erfindung der Knock-out-Technologie konnten wir lernen, dass Mäuse und Affen grün leuchten.
Auf der Schattenseite stehen jedoch seitdem weltweit tausende von Doktoranden, die in mühseliger Friemel- und Hoffnungsarbeit an Konstrukten basteln, die zunächst von Stammzelllinien aufgenommen werden müssen und dann in Blastozysten überleben sollen, schließlich von der Maus nicht abgestoßen werden dürfen und zuletzt hoffentlich ausnahmsweise Mal keine letale Mutation zur Folge haben (also die Erkenntnis, dass das Gen lebensnotwendig ist und der Organismus ohne das gute Stück überhaupt nicht funktioniert – gut mittlerweile sind geschickt gewählte Promotoren … aber egal).
Wir alle warten nach wie vor auf die Anwendungen, die aus dieser Technologie entstehen und das Leben der Menschheit verbessern.
Gemäß den Vorgaben des Theoriefeindes Alfred Nobel sollen die Preise vergeben werden: für Leistungen,“
die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben“.
Bislang ist daraus lediglich Herceptin (Trastuzumab) hervorgegangen, ein Mittel, dass bei Brustkrebsbefall die medizinische Versorgung von vielleicht 20 Prozent der Patientinnen verbessern kann. Das ist zweifellos gut.
Aber reicht das für einen Nobelpreis?
Autor: Peter Artmann· 0 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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