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12.02.12 · 09:54 Uhr
Erfolgreiche Geschäftsmodelle
Kategorie: Politik · Kommentare: 6
Wie man mit Spitzenforschung Geld verdient.
Wir hatten hier vor 2 Wochen über den Boykottaufruf gegen Elsevier berichtet. Der hat inzwischen an die 6000 Unterstützer und hat zu einem Kurssturz (na ja, immerhin 3%) der Elsevier-Aktien geführt.
Die Investment-Firma Exane BNP Paribas gibt ihren Kunden nun unter der Überschrift "Noise around boycott against Elsevier offers short term trading opportunity" folgenden Ratschlag (meine Übersetzung):
Reed Elsevier war in der letzten Woche die am schlechtesten performende Medien-Aktie. Wir glauben, dass dies auf Befürchtungen der Anleger im Zusammenhang mit T.Gowers Petition zum Boykott des Publizierens und Referierens in Elsevier-Zeitschriften zuruckzuführen ist. Wir halten die Reaktion der Aktienkurse fur übertrieben und empfehlen, die Aktie zu kaufen.Wissenschaftler boykottieren den Boykott
Ähnliche Aktionen fur Open Access waren 2000 und 2007 organisiert worden und blieben ohne Einfluss auf Elseviers Geschäftszahlen. Unsere Analyse zeigt nicht nur, dass diese neueste Petition hinter den beiden anderen zurückbleibt, sondern deutet auch an, dass sie an Impuls verliert. Weniger als 5000 Wissenschaftler haben unterzeichnet, während Elsevier mit mehr als 6 Millionen Wissenschaftlern weltweit arbeitet. Das langsame Infahrtkommen der Petition zeigt die verbesserte Wahrnehmung Elseviers in der wissenschaftlichen Gemeinschaft.
Open Access mittelfristig wahrscheinlich ohne finanzielle Folgen und eingepreist
Der Anteil von Open Access wächst um weniger als 1% im Jahr. Elseviers Vertragszeiträume wachsen und die Wachstumsbestrebungen des Unternehmens richten sich nicht auf die Preise, sondern auf neue Produkte. Es ist unwahrscheinlich, dass Open Access in den nachsten 5 Jahren Elsevier schaden wird und die längerfristigen Risiken sind aus unserer Sicht mehr als eingepreist.
Um zumindest ein Missverständnis hier auszuräumen: beim aktuellen Boykottaufruf geht es nicht primär um Open Access, jedenfalls nicht in der Form von "Autor zahlt" (warum das "Autor zahlt"-Modell für die Mathematik ungeeignet ist, hatten wir hier schon mal diskutiert, sinnvoll als Erganzung zu Fachzeitschriften sind natürlich aber frei zugängliche Server wie das ArXiv), sondern es geht den Inititiatoren des Boykotts in erster Linie ganz schlicht und banal um die viel zu hohen Zeitschriftenpreise.
Mehr Informationen bei Gowers's Blog, insbesondere auch in den Kommentarspalten.
Autor: Thilo· 6 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (6)
Das sind Betriebswirtschaftler die da sitzen. Denen wird im Studium beigebracht die Welt nicht zu verstehen. Somit sind kleine Missverständnisse, wie dass es um Open Access ginge und nicht etwa um die Zeitschriftenpreise, ja noch zu verschmerzen.
Sind die Initiatoren des Boykotts eigentlich identisch mit jenen, die die angeprangerten Zeitschriftenpreise zahlen? Oder stampft da nur ein Häuflein mit dem Fuß auf, weil es gerne mehr Einfluss hätte?
@Sven Türpe
Aber ja doch. Sie stehlen sich immer des nachts in die Verwaltung der Universitätsbibliothek und klicken sich dort zum 10000€ teuren Universitätsabonnement durch.
@Sven Tuerpe:
Bezahlt werden die Preise von den Institutsbibliotheken, d.h. aus den Etats der Fachbereiche oder Forschungsinstitute. Das Geld fehlt dann logischerweise an anderen Stellen.
Zu "mehr Einfluss": alle inhaltlichen Entscheidungen der Fachzeitschriften werden auch jetzt bereits von Wissenschaftlern (in ihren Funktionen als Herausgeber oder Gutachter) getroffen, die Verlage sind in die inhaltlichen Entscheidungen der Fachzeitschriften nicht im geringsten involviert. Es geht also nicht darum, dass die Wissenschaft mehr Einfluss auf den Inhalt der Fachzeitschriften haben will (den hat sie bereits 100%ig), sondern nur darum, nicht mehr viel Geld ohne Gegenleistung auszugeben.
"Wie man mit Spitzenforschung Geld verdient."
Na, das war ja ein schön in die Irre führender Untertitel! :-)
Eigentlich hätte er ja eher "Wie man mit Spitzenforschung anderer Leute Geld verdient." heißen müssen.
In der Realität ist es nämlich ein Trauerspiel, wie alle möglichen Leute an Spitzenforschung Geld verdienen, bloß die Forscher selber meistens nicht.
Wieso versucht man nicht, aus Diplom/Masterarbeiten z.B. von Ingenieuren Patente zu generieren? Der Absolvent wird zwar nicht über Nacht zum Millionär, aber er/sie hat dann schon mal was Handfestes in der Vita stehen.
Und vielleicht regnets ja doch irgendwann mal Lizenzgebühren...
http://www.thestreet.com/story/11560589/2/ruk-the-maturing-threat-of-open-access.html