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01.11.11 · 20:29 Uhr
Gödel-Sprüche
Kategorie: Kultur · Kommentare: 21
"Die Philosophie ist heute bestenfalls dort wo die Mathematik bei den Babyloniern war."
Durch die "Top five" of October 2011 bin ich auf die Webseite der Gödel-Ausstellung aufmerksam geworden. Die stammt zwar eigentlich schon aus dem Jahr 2006 und befindet sich zur Zeit in der Universität Santiago de Chile, also nicht gerade um die Ecke, aber man kann sich noch eine online Fotogalerie ansehen, und die lohnt sich schon wegen der Zitate auf den Plakaten.
Neben Allgemeinplätzen wie
"Eine und oft die einzige Methode zu lernen besteht darin, es erst falsch zu machen.",
"Es herrscht, wie die Wissenschaft zeigt, in allem die größte Regelmäßigkeit und Ordnung. Ordnung aber ist eine Form der Vernünftigkeit."
"Ich glaube nicht, dass die Anwendung des Verstandes in irgend einem Gebiet etwas Ungesundes ist."
finden sich auch Gödel-Bonmots wie
Die Philosophie ist heute bestenfalls dort wo die Mathematik bei den Babyloniern war.
Ich will für die Metaphysik das machen, was Newton für die Physik gemacht hat.
Je mehr ich über die Sprache nachdenke, desto sonderbarer kommt es mir vor, dass sich die Leute jemals verstehen.
oder
Um die Fähigkeit zum richtigen Denken zu entwickeln, muss man in erster Linie lernen was man vernachlässigen soll.
Alle Plakate auf http://www.goedelexhibition.at/gallery/gallery.html
Autor: Thilo· 21 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (21)
Zu "Ordnung aber ist eine Form der Vernünftigkeit" würde Paul Claudel (französischer Schriftsteller und Diplomat) sagen: "Die Ordnung ist die Lust der Vernunft, aber die Unordnung ist die Wonne der Phantasie." Sieht man ja auch auf vielen Schreibtischen. :)
Wir haben es hier auch wieder mit dem Grundproblem zu tun, dass im Spruch eines großen Mathematikers und Logikers nicht notwendigerweise mehr Wahrheit steckt als im Spruch eines jeden Anderen, wen er sich zu Gebieten äußert, in denen er sich nur bedingt auskennt.
Sprüche sind ganz nett, aber der notorische Missbrauch von Sprüchen und die Tendenz von Menschen ihnen automatisch einen bestimmten Wahrheitsgehalt zuzuerkennen, wenn sie von bekannten Persönlichkeiten stammen, geht mir ganz gehörig auf den Senkel.
Einstein und die Würfel, Einstein und die Bienen(ich weiß, dass er sich dazu nicht geäußert hat, dennoch wird es gerne zitiert)....Wenn ich mich durchsetzen will, erfinde ich inzwischen reihenweise Einstein-Zitate...Das Erschreckende ist: es funktioniert!
Wenn ich mich durchsetzen will, erfinde ich inzwischen reihenweise Einstein-Zitate...Das Erschreckende ist: es funktioniert!
:-))))
Thilo·
01.11.11 · 23:26 Uhr
Sie sind doch nicht etwa Philosoph? :-)Tja...doch...merkt man das...?
Wie Einstein schon gesagt hat: "Wenn ich Gödelzitate auf einem Weblog finde, weiss ich, dass ich kein Philosophieblog angeklickt habe". Oder so ähnlich. Ich erinnere mich nicht mehr genau an die Wortwahl und die Quelle. Aber ich bin mir ziemlich sicher es war Einstein (ganz sicher jemand mit "E").
Habe ich die Diskussion jetzt gewonnen?
Also Gödel ist als Logiker, auch bei Philosophen, mehr als anerkannt.
Und du hast verloren, Ali, weil du nämlich heute noch von Broders Bagage geschächtet wirst...mindestens.
Und es gibt kein gutes Philosophieblog, kein Einziges...und wisst ihr auch warum? Weil die deutschsprachigfen Philosophieblogs das Elfenbeinturmhafte pflegen, als wärs der heilige Gral. Jemand wie Dan Dennett würde hier dringend gebraucht.
Thilo·
02.11.11 · 01:24 Uhr
Na ja, den deutschsprachigen Philosophieblogs (Menschen-Bilder, Libertarian, Arte-Fakten) kann man sicher vieles vorwerfen (z.B. fehlende wissenschaftliche Standards), aber doch eigentlich kaum Elfenbeinturmhaftigkeit...Gut, ich müsste präzisieren, was ich genau meine. Und das hat durchaus auch etwas mit fehlenden wissenschaftlichen Standards zu tun. Aber der Reihe nach.
Was im deutschsprachigen Raum oft fehlt, sind Philosophen, die ihre Philosophie "auf den Markt tragen", also wirklich öffentlichkeitswirksam tätig sind.
Auch die genannten Blogs kreisen aus meiner Sicht um sich selbst, in einer, zumindest sprachlich, geschlossenen Monade, und es ist für Außenstehende oft nicht möglich das Geschriebene-Gedachte nachzuvollziehen. Es ist zwar inzwischen schon eine Binsenweisheit, dennoch muss immer wieder darauf hingewiesen werden, dass das z.B. im englischsprachigen Raum etwas anders läuft.
Dann werden in philosophischen Debatten die wissenschaftlichen Erkenntnisse oft ignoriert, weil viele Philosophen anscheinend der Meinung sind, sie könnten sich das leisten, und quasi im luftleeren Raum philosophieren. Das Verhalten ist schon sehr elfenbeinturmhaft.
Philosophie, die Naturwissenschaften ausblendet, braucht dann natürlich auch nicht auf wissenschaftliche Standards zu achten: sie hat ja ihren eigenen Raum, mit eigenen Regeln.
Mich stört das, und für mich ist ein Philosoph, der naturwissenschaftlich nicht fit ist, kaum ernstzunehmen. Ich nehme da auch einige Leute aus, aber die gehören dann eher zu einer anderen Generation, oder gar zu einer anderen Zeit.
@cydonia
Hast du eine Empfehlung aus dem englischsprachigen Raum? Ich lese ab und zu "Rationally Speaking" und stolpere ab und zu über "Metamagician and the Hellfire Club" (wobei ich finde, letzterer ist weniger akademisch. Ich würde mich über Tipps für meinen Newsreader freuen.
Ouuuu...falscher Fuß!
Ich bin absolut kein klassischer Blog-Leser. Ich lese die entsprechenden Publikationen, und sehe mir die Vorträge an, die im Netz kursieren. Mein Urteil basiert also auf den öffentlichen Auftritten außerhalb der Blogosphäre. Es könnte theoretisch sogar sein, dass sich die Blogs nicht so sehr von den deutschen unterscheiden, was ich mir aber aufgrund der sonstigen Aktivitäten und Auftritte der diversen philosophischen Fakultäten schlecht vorstellen kann. Ich such mal......aber...Deadline...
Wird ein wenig dauern.
..und ich war unpräzise. Ich hätte betonen müssen, dass sich mein Urteil der angelsächsischen Philosophieszene nicht auf die Blogs bezieht, was aber angesichts meiner Kritik an den deutschen Blogs so verstanden werden konnte(musste?). Mea culpa!
@cydonia
"Wenn ich mich durchsetzen will, erfinde ich inzwischen reihenweise Einstein-Zitate...Das Erschreckende ist: es funktioniert!"
Und was machst Du, wenn auf ein solches Zizat einer mit einem (auch erfundenem) Einsteinzitat antwortet?
Dann, miesepeter, behaupte ich frech, dass das Zitat gar nicht von Einstein ist, weil ich ja sämtliche Zitate kenne.........macht aber eh keiner, weil niemand zugeben will, dass er das Zitat noch nicht kannte. Eher kommt etwas wie..."Stimmt, habe ich auch schon mal gehört.."
@cydonia
kicher, kicher, Du bist ja ein ganz schlimmer Leuteaufdenarmnehmer.
Ich erhöhe auf eine IT-schöne Kommentarzahl und abonniere in Hoffnung auf einen irgendwann nachgereichten Philosophieblogtipp ;-)
Kommt bestimmt! Versprochen!
Hoffnung reicht mir, Erwartung möchte ich nicht. (Original ist glaube ich ~'Sei voller Hoffnung, doch ohne Erwartung')
Blöderweise wurde ich zurecht und meinem Sprachgefühl zuwider von einer guten Bekannten darauf hingewiesen, daß 'hoffen' und 'erwarten' synonym genutzt werden. Dem verweigere ich mich ein wenig und übersetze weiterhin ersteres zu 'ich würde mich freuen, wenn..' und letzteres zu 'bis zu einem mehr oder weniger festen Termin hat zu geschehen'. grummelgrummel.
btt: Einige Sprüche Gödels sind aber wirklich schick, z.B.: "Ich glaube nicht, daß die Anwendung des Verstandes in irgend einem Gebiet etwas Ungesundes ist". Bei passender Gelegenheit mit angemessener Mimik zelebriert hat der echtes Brüllerpotential ;-)
@ cydonia und die frage des elfenbeinturmhaften:
ich glaube das konzept was du da eigentlich kritisierst ist das der armchair-philosophy und nicht das der elfenbeinturmzurückgezogenheit..
der bewohner des elfenbeinturms wohnt da nicht alleine, sondern mit den anderen hochelfen, der ort ist mystisch aufgeladen und die ganze gravitas der erwähnung dieses ortes versetzt die leute ins staunen (aber auch ins absichtliche nicht nachvollziehen)
der armchair-philosoph hingegen macht es sich mit seinem rotwein gemütlich labert ein bisschen, streichelt sich selbst den bauch und fühlt sich einfach wohl... ungeachtet aller anderer institutionen, denn auf solche authoritäten muss er sich nicht berufen, dafür fühlt er sich grad selbst viel zu gut...
Ich glaube, ich habe das schonmal irgendwo gehört :D
wo denn karsten? ;)