Blog durchsuchen
Profil
퀘 스 너 틸 로 wohnt in Seoul und arbeitet über
geometrische Topologie.
Letzte Einträge
- Topologie von Flächen CCXXI2 Kommentare· 25.05.12
- 25000 Unterzeichner gesucht6 Kommentare· 23.05.12
- Wissenschafts-Fernsehen3 Kommentare· 21.05.12
- Selbstorganisierende Untergrundbahnen8 Kommentare· 20.05.12
- Topologie von Flächen CCXX0 Kommentare· 18.05.12
Kommentare
- Thilo · 25.05.12 · 15:22 Uhr Topologie von Flächen CCXXI
- stag sprey · 25.05.12 · 13:19 Uhr 25000 Unterzeichner gesucht
- miesepeter3 · 23.05.12 · 10:26 Uhr Selbstorganisierende Untergrundbahnen
- Rainer · 22.05.12 · 13:26 Uhr Wissenschafts-Fernsehen
- Thilo · 18.05.12 · 14:17 Uhr "Nature" vor Gericht
Blogroll
- ScienceBlogs.de
- ScienceBlogs.com
- Mathematics Websites
- Mathematics Journals
- arXiv
- Mathblogging.org
- Terence Tao: What's new
- Images des Mathematiques
- Geometry and the Imagination
- Low dimensional Topology
- n-category cafe
- secret blogging seminar
- God Plays Dice
- Combinatorics and more
- The accidental mathematician
- Annoying precision
- Gödels lost letter
- XOR's Hammer
- Frank Morgan
- 360
- Area 777
- Ian Agol's Research Blog
- Links to Low-dimensional Topology
- Mathematical Reviews
- Zentralblatt
- Thilo Kuessner
Kategorien
Archiv
- Mai 2012
- April 2012
- März 2012
- Februar 2012
- Januar 2012
- Dezember 2011
- November 2011
- Oktober 2011
- September 2011
- August 2011
- Juli 2011
- Juni 2011
- Mai 2011
- April 2011
- März 2011
- Februar 2011
- Januar 2011
- Dezember 2010
- November 2010
- Oktober 2010
- September 2010
- August 2010
- Juli 2010
- Juni 2010
- Mai 2010
- April 2010
- März 2010
- Februar 2010
- Januar 2010
- Dezember 2009
- November 2009
- Oktober 2009
- September 2009
- August 2009
- Juli 2009
- Juni 2009
- Mai 2009
- April 2009
- März 2009
- Februar 2009
- Januar 2009
- Dezember 2008
- November 2008
- Oktober 2008
- September 2008
- August 2008
- Juli 2008
- Juni 2008
- Mai 2008
- April 2008
- März 2008
- Februar 2008
« vorheriger Beitrag · nächster Beitrag »
17.06.11 · 22:37 Uhr
Topologie von Flächen CLXXII
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 5
Algebra is the offer made by the devil to the mathematician. The devil says: `I will give you this powerful machine, it will answer any question you like. All you need to do is give me your soul: give up geometry and you will have this marvellous machine.' (Atiyah)

Jordanscher Kurvensatz: jede geschlossene Kurve zerlegt die Ebene in zwei Gebiete
Letzte Woche hatten wir gesehen, wie man den Jordanschen Kurvensatz leicht beweisen kann, wenn man einmal die Maschinerie der Homologiegruppen kennt.
Wie man die Homologiegruppen eines Raumes X definiert, hatten wir vor 2 Wochen beschrieben.
Man beginnt (diese Idee geht auf Poincaré zurück) mit 'Ketten', das sind formale Summen von 'singulären Simplizes' (d.h. von stetigen Abbildungen des Standard-n-Simplex in den Raum X). Es gibt dann Zykel (Ketten ohne Rand) und Ränder - letztere bilden eine Untergruppe Bn der Zykel Zn. Die Homologie ist die Quotientengruppe Hn(X)=Zn/Bn.
Anstatt, wie es heute getan wird, mit der Gruppe Hn(X)=Zn/Bn zu arbeiten, benutzte man nach Poincaré (und noch mindestens bis in die 20er Jahre) die Elementarteilertheorie, um aus den die Untergruppe Bn in Zn definierenden Gleichungen gewisse Zahlen (als Invarianten des Raumes X) zu gewinnen - die sogenannten Betti-Zahlen und die Torsions-Zahlen.
Man hatte also noch nicht die algebraische Maschine, sondern arbeitete direkt mit den geometrisch definierten Zykeln, und mit den Betti- und Torsions-Zahlen.
Ein paar historische Anmerkungen über die Anfänge der Homologietheorie, wie man sie in Band 6 von Poincaré's gesammelten Werken findet:
Poincaré arbeitete in "Analysis Situs" (veröffentlicht 1895 in CRAS) nicht mit Ketten von Simplizes, sondern mit Ketten von Untermannigfaltigkeiten. In seiner nächsten Arbeit, 1899 in Rend.Palermo, ging es dann aber schon um Simplizialkomplexe und deren simpliziale Homologie. In diesem Zusammenhang fragte er dann auch, ob sich jede Mannigfaltigkeit triangulieren läßt. (Er diskutierte aber nicht, ob verschiedene Triangulierungen einer Mannigfaltigkeit kombinatorisch äquivalent sein müssen - das ist die später von Steinitz und Tietze formulierte sogenannte Hauptvermutung, von der man inzwischen weiß, daß sie nicht zutrifft - allerdings ist die Homologie trotzdem unabhängig von der gewählten Triangulierung.)
Überhaupt scheint es damals bei Definitionen noch einiges Hin und Her gegeben zu haben. So hatte Poincaré in seiner ersten Arbeit den Poincaré-Dualitätssatz (für n-dimensionale geschlossene, orientierbare Mannigfaltigkeiten stimmen die k-te und die (n-k)-te Betti-Zahl überein, für jedes k) bewiesen. Nachdem Poul Heegard dann Widerlegungen zu diesem Beweis veröffentlichte, stellte Poincaré in einem kurzen CRAS-Artikel klar, daß seine Definition von Betti-Zahlen mit Bettis ursprünglicher Definition nicht identisch ist und daß Poincaré-Dualität nur mit seiner Definition gilt. (In Bettis ursprünglicher Definition waren Ränder immer von der Form z1+...+zk, wobei die z1,...,zk paarweise verschieden zu sein hatten. D.h. es gab in Bettis Definition keine ganzzahligen Koeffizienten.)
Betti hatte die (von Poincaré später so genannten) Betti-Zahlen 1871 definiert, sie waren dann von Picard in seinen Arbeiten über komplexe algebraische Flächen verwendet worden.
Etwas kurios wirkt auch, daß die von Betti und Poincaré definierten Betti-Zahlen per Definition um 1 größer waren als nach der später üblich gewordenen Definition. D.h. sie definierten die m-te Betti-Zahl als die größte Zahl Pm, so daß es (modulo Rändern) Pm-1 linear unabhängige Zykel gibt. In heutiger Notation also bm=Pm-1.
Die Erkenntnis, daß man statt mit diesen Zahlen besser direkt mit den Gruppen arbeiten sollte, geht auf Emmy Noether zurück. Die einzige schriftliche Quelle dazu ist wohl ihre Notiz "Ableitung der Elementarteilertheorie aus der Gruppentheorie" von 1925 (siehe D87Vj0v9.part, untere Hälfte), wo es zum Schluß heißt:
Der Gruppensatz erweist sich so als der einfachere Satz; in den Anwendungen des Gruppensatzes - z.B. Bettische und Torsionszahlen in der Topologie - ist somit ein Zurückgehen auf die Elementarteilertheorie nicht erforderlich.
(Mit "Gruppensatz" ist die Klassifikation der endlich erzeugten abelschen Gruppen gemeint.)
Man weiß natürlich nicht, inwieweit Emmy Noether tatsächlich vorhergesehen hat, daß man mit Gruppen sehr viel effektiver topologische Sätze beweisen kann als mit Zahlen.
Was ist der Vorteil der algebraischen Maschine? Der Punkt ist, daß man zu jeder stetigen Abbildung zwischen topologischen Räumen einen Homomorphismus zwischen ihren Homologiegruppen bekommt. (In der Sprache der Kategorientheorie: Homologie ist ein Funktor von der Kategorie der topologischen Räume und stetigen Abbildungen in die Kategorie der abelschen Gruppen und Gruppen-Homomorphismen.)
Zum Beispiel letzte Woche im Beweis des Jordanschen Kurvensatzes hatten wir benutzt, daß die Inklusion einer Kurve K in die Ebene R2 einen Homomorphismus zwischen den Homologiegruppen gibt (und daß diese Homomorphismen in eine lange exakte Sequenz paßt) um die 0-te Bettizahl, und damit die Anzahl der Zusammenhangskomponenten, von R2-K zu berechnen. Es wäre sicherlich schwierig (mindestens beim formalen Aufschreiben) diesen Beweis nur mit dem Begriff der Betti-Zahlen, ohne die Homologiegruppen und die Homomorphismen zwischen ihnen, zu führen.
Umgekehrt kann es aber natürlich auch oft hilfreich sein, sich die eigentliche Definition von Homologiegruppen durch Zykel zunutze zu machen. Einen Überblick über geometrische Interpretationen der Ergebnisse der algebraischen Topologie gibt der von Gromov letztes Jahr veröffentlichte Preprint Manifolds: Where do we come from? What are we? Where are we going?, der zwar im 1. Kapitel etwas polemisch beginnt:
For more than half a century, starting from Poincaré, topologists have been laboriously stripping their beloved science of its geometric garments.
"Naked topology", reinforced by homological algebra, reached its to-day breathtakingly high plateau with the following Serre [Sn+N-->SN]-Finiteness Theorem. (1951)
[...]
The proof by Serre (a geometer's nightmare) consists in tracking a multitude of linear-algebraic relations between the homology and homotopy groups of infinite dimensional spaces of maps between spheres and it tells you next to nothing about the geometry of these maps. (See [Podkorytov] for a "semi-geometric" proof of the finiteness of the stable homotopy groups of spheres and section 5 of this article for a related discussion. Also, the construction in [Gaifullin] may be relevant.)
aber im 4. Kapitel dann eine geometrischere Definition von Homologiegruppen gibt, mit der man zum Beispiel das Schnittprodukt und den Thom-Isomorphismus besser verstehen kann.
Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7 , Teil 8, Teil 9 , Teil 10 ,Teil 11, Teil 12, Teil 13, Teil 14, Teil 15, Teil 16, Teil 17, Teil 18, Teil 19, Teil 20, Teil 21, Teil 22, Teil 23, Teil 24, Teil 25, Teil 26, Teil 27, Teil 28, Teil 29, Teil 30, Teil 31, Teil 32, Teil 33, Teil 34, Teil 35, Teil 36, Teil 37, Teil 38, Teil 39, Teil 40, Teil 41, Teil 42, Teil 43, Teil 44, Teil 45, Teil 46, Teil 47, Teil 48, Teil 49, Teil 50, Teil 51, Teil 52, Teil 53, Teil 54, Teil 55, Teil 56, Teil 57, Teil 58, Teil 59, Teil 60, Teil 61, Teil 62, Teil 63, Teil 64, Teil 65, Teil 66, Teil 67, Teil 68, Teil 69, Teil 70, Teil 71, Teil 72, Teil 73, Teil 74, Teil 75, Teil 76, Teil 77, Teil 78, Teil 79, Teil 80, Teil 81, Teil 82, Teil 83, Teil 84, Teil 85, Teil 86, Teil 87, Teil 88, Teil 89, Teil 90, Teil 91, Teil 92, Teil 93, Teil 94, Teil 95, Teil 96, Teil 97, Teil 98, Teil 99, Teil 100, Teil 101, Teil 102, Teil 103, Teil 104, Teil 105, Teil 106, Teil 107, Teil 108, Teil 109, Teil 110, Teil 111, Teil 112, Teil 113, Teil 114, Teil 115, Teil 116, Teil 117, Teil 118, Teil 119, Teil 120, Teil 121, Teil 122, Teil 123, Teil 124, Teil 125, Teil 126, Teil 127, Teil 128, Teil 129, Teil 130, Teil 131, Teil 132, Teil 133, Teil 134, Teil 135, Teil 136, Teil 137, Teil 138, Teil 139, Teil 140, Teil 141, Teil 142, Teil 143, Teil 144, Teil 145, Teil 146, Teil 147, Teil 148, Teil 149, Teil 150, Teil 151, Teil 152, Teil 153, Teil 154, Teil 155, Teil 156, Teil 157, Teil 158, Teil 159, Teil 160, Teil 161, Teil 162, Teil 163, Teil 164, Teil 165, Teil 166, Teil 167, Teil 168, Teil 169, Teil 170, Teil 171
Autor: Thilo· 5 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
Kommentar schreiben
Top5
- Liebe Piraten, lasst uns endlich vernünftig miteinander reden!Astrodicticum Simplex· 14.05.2012
- Risikowahrnehmung: Wenn man vor den falschen Dingen Angst hatAstrodicticum Simplex· 20.05.2012
- Dr. h.c. im Sonderangebot für 39 Euro[sic]· 14.05.2012
- Pi auf dem Einrad!Astrodicticum Simplex· 20.05.2012
- Die Erde dreht sich nicht um die Sonne...Astrodicticum Simplex· 12.05.2012
Top5
- Liebe Piraten, lasst uns endlich vernünftig miteinander reden!Astrodicticum Simplex· 14.05.2012
- Klimaschmock des Monats Mai 2012Primaklima· 20.05.2012
- Die kalte Sonne von Vahrenholt/Lüning: Le Trend, c'est moi!Primaklima· 16.05.2012
- Risikowahrnehmung: Wenn man vor den falschen Dingen Angst hatAstrodicticum Simplex· 20.05.2012
- Der NRW Wahlkampf - eine Analyse mit Noten.Primaklima· 14.05.2012
ScienceBlogs.com
- Doubt and other products: The National Toxicology Program's Report on Carcinogens, bad for whose business?by Elizabeth Grossman As it pursues its anti-regulatory agenda the ...The Pump Handle· 22.05.2012 · 16:39 Uhr
- Weekend Recap: My Annular Eclipse Expedition!A little more persistence a little more effort and what ...Starts With A Bang· 22.05.2012 · 00:11 Uhr
- Water, waterThis image has been going around the intertubes recently I ...A Few Things Ill Considered· 21.05.2012 · 22:59 Uhr
- To be or not to be? The Prevention and Public Health Fundby Kim Krisberg We will pay for this by taking ...The Pump Handle· 21.05.2012 · 15:19 Uhr
- An important revelation regarding Heartland Gate (global warming denialism)Peter Gleick has been cleared of faking a key memo ...Greg Laden's Blog· 21.05.2012 · 12:52 Uhr

Kommentare (5)
Ich dachte bisher immer, die Poincaré-Dualität gelte nur für kompakte, orientierbare Mannigfaltigkeiten? Für R^n gilt sie jedenfalls nicht - zumindest nicht auf Ebene der Bettizahlen. Und für das Möbiusband ebenfalls nicht.
So wie ich die PD kenne, sagt sie in ihrer allgemeinen Form aus, dass H^k_DR(M,R) die kte (deRham)-Kohomologiegruppe der n-dimensionalen Mannigfaltigkeit M isomorph ist zur (n-k)ten Kohomologiegruppe mit kompaktem Träger H^(n-k)_comp(M,R). Da diese beiden auf kompakten orientierbaren Mannigfaltigkeiten äquivalent sind, folgt dann die von dir gezeigte Version.
Oder überseh ich grad was?
Ganz recht, hab die Bedingungen oben nachgetragen. Für nichtorientierbare Mannigfaltigkeiten hat man noch Poincare-Dualität mit Z_2-Koeffizienten. Für Mannigfaltigkeiten mit Rand hat man den Lefschetz-Dualitätssatz b_k(M,partial M)=b_n-k(M), der wurde (in einer anderen Version) letzte Woche beim Beweis des Jordanschen Kurvensatzes benutzt. Und für nichtkompakte Mannigfaltigkeiten dann die Version mit kompaktem Träger.
"jede geschlossene Kurve zerlegt die Kurve in zwei Gebiete"
Bist Du sicher?
Unter der Annahme, daß die zweite Buchstabengruppe 'Kurve' im Kontext Jordanscher Kurvensatz die Bedeutung 'Ebene' hat, ja ;-)
Die Bildunterschrift ist jetzt korrigiert.