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22.08.10 · 09:23 Uhr
Conservapedia's neuer Mathe-Preis
Kategorie: Politik · Kommentare: 7
Conservapedia, die rechte "Alternative" zur Wikipedia, will einen eigenen Mathematik-Preis ins Leben rufen, die ConservaMath-Medal.
Ich weiß, sowas gehört eigentlich nicht in die scienceblogs, aber es ist einfach zu (unfreiwillig?) komisch.
Anlaß für den neuen Mathe-Preis ist offenbar, daß Schlafly & Co mit den am Donnerstag bekanntgegebenen Fieldsmedaillen-Preisträgern nicht einverstanden ist. Conservapedia hatte schon im Vorfeld geschrieben:
this Thursday liberals will likely give the coveted Fields Medal -- math's highest honor -- to an underachieving woman and to a communist-trained mathematician from Vietnam. Is the lamestream media holding back stories about this to create a bigger splash on Thursday?
Die erste "Befürchtung" hat sich jedenfalls nicht bewahrheitet und bei der zweiten Prognose weiß ich auch nicht, wer gemeint sein könnte: die 4 Preisträger haben in Israel (Lindenstrauss), Kalifornien (Smirnov) und Paris (Villani und Ngô) promoviert.
Es ist nicht das erste Mal, daß Conservapedia-Autoren sich eine Meinung zur Mathematik anmaßen.
Wir hatten hier und hier schon mal auf den Artikel zur Fermat-Vermutung verwiesen:
In a series of lectures in 1993, mathematician Andrew Wiles announced a proof using techniques in algebraic geometry, relying on the nonconstructive Axiom of Choice.[5] A flaw was found before publication, and Wiles spent a year on fixing the flaw. Then, in September 1994, he and Richard Taylor announced a new version of the proof. However, criticism does continue on the internet.[5] Further criticism came from Marilyn vos Savant, known for her very high IQ and commentary on mathematics, in her column and book.[6][7] She questioned the use of Non-Euclidean geometry and the Axiom of Choice, among other points. She retracted her argument in a 1995 addendum to the book.
Und wer die nichteuklidische Geometrie nicht versteht, lehnt natürlich konsequenterweise auch die Relativitätstheorie ab. Auf Counterexamples to Relativity:
The theory of relativity is a mathematical system that allows no exceptions. It is heavily promoted by liberals who like its encouragement of relativism and its tendency to mislead people in how they view the world.[1] Here is a list of 30 counterexamples: any one of them shows that the theory is incorrect.
Ebenfalls aus ideologischen Gründen gab es bei Conservapedia in der Anfangszeit keine Artikel zu "Complex numbers" und "Proof by Contradiction". In diesen beiden Punkten hat man sich inzwischen aber dem Mainstream gebeugt, der Artikel zu komplexen Zahlen ist sogar ausgesprochen positiv :-)
Weniger skeptisch ist man dafür bei der Beurteilung des Beweises von P≠NP:
University professors pile on against a non-professor's claim to have solved one of the millennium problems. MIT Assistant Professor Scott Aaronson declares, "Vinay Deolalikar still hasn't retracted his P≠NP claim, but a clear consensus has emerged that the proof, as it stands, is fatally flawed." He absurdly adds, with a cite to Richard Dawkins, "the only miracle in life is that there are no miracles, neither in mathematics nor in anything else." [1]
But the best of the public, aided by the internet, will inevitably solve more problems than liberal colleges will
The best of the public, aided by the internet. Da darf man wohl gespannt sein, wer die ersten ConservaMath-Preisträger sein werden.
(Conservapedia hatte übrigens vor 3 Jahren mal ein Projekt "Critical Thinking in Math" groß angekündigt, wohl gedacht als Entwurf für einen alternativen Mathe-Lehrplan. Das Projekt scheint inzwischen eingeschlafen zu sein.)
Autor: Thilo· 7 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (7)
Conservapædia ist immer wieder putzig. Bin über die Counterexamples to Relativity (Würden die sich auch so sehr an dieser Theorie reiben, wenn man sie nicht Relativitästheorie (Da schockierende „alles ist relativ“, was ja quasi zum Untergang des Abendlandes führt *g*), sondern Invarianztheorie genannt hätte?) zu den Counterexamples to an Old Earth geraten.
Bei den geologischen Argumenten verstehe ich meistens nicht mal, was die damit sagen wollen (“The continued existence of fragile natural arches without having collapsed a short time period for erosion and stresses on them.” – es behauptet doch niemand, daß die Dinger seit Entstehung der Erde bestehen), oder woher die Aussagen kommen – einfach ohne Quelle oder eigene Darlegung zu behaupten “The interior of the earth is heated by decay of radioactive isotopes, which could not possibly still be persisting in sufficient quantities after 5 billion, or even half a billion, years.” ist eher schwach.
Noch ein Beispiel für die großartigen Argumentationsfähigkeiten:
“The massive Great Lakes and freshwater lakes near the equator could not exist for millions of years.” – wieso spricht das gegen eine alte Erde? (Es spricht höchstens gegen die Existenz alter Seen.) Und: die Großen Seen sind gar nicht Millionen Jahre alt, sondern während und nach der letzten Eiszeit entstanden.
Da wird erst etwas hanebüchenes unterstellt, aus dem dann aber leider auch gar nicht die gewünschte Schlußfolgerung abgeleitet werden kann. Arme Spinner.
ach die idee war doch von anfang an eine totgeburt.. und zu ihrem preisträger den sie immernoch nicht offiziell verkündet haben hat die conservapedia noch nichtmal einen artikel...
Mensch, dass es sowas auch in der doch schön beweisbaren Welt der Mathematik gibt, hätte ich nicht gedacht. Wieviel schwerer ist es dann bei nichtmathematischen Themen auf einen Nenner zu kommen.
perk·
23.08.10 · 21:15 Uhr
öhm? häh? hier gehts um amerikanische politik und darum junge-erde-kreationismus, relativitätstheoriekritik, expertenmisstrauen und wissenschaftsfeindlichkeit zu verbreiten.. dass man sich bei so umfangreichen bildungspolitischen zielen auch an der mathematik vergreifen muss ist klar und zwangsläufig.. macht das konkrete vorgehen von conservapedia aber nicht weniger schmutzig und abscheulich@perk: „abscheulich“ trifft es ganz gut. Am Anfang findet man Conservapædia noch possierlich und mit hohem Unterhaltungswert. Bis man sich bewusst macht, daß es offensichtlich jede Menge Leute gibt, die das ernstnehmen.
Conservapædia ist wohl das Größte Auffindbare Beispiel für Poe's Law. :-/
nuja possierliche niedlichkeiten haben sie immernoch
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