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Ulrich Berger, Mathematiker und Wirtschaftswissenschaft- ler, ist Professor für VWL an der Wirtschaftsuniversität Wien. Er ist Vorsitzender der GkD sowie Mitglied im Wissenschaftsrat und im Vorstand der GWUP. Auf Kritisch gedacht bloggt er über Pseudowissenschaft und verwandte Themen.


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Archiv Juli 2009

26. Juli 2009

Charles Darwin, der Graf und die Ethik

Kategorie: Medizin·Politik

Dr. Martin Graf (FPÖ) ist zwar dritter Präsident des Nationalrates, doch ich wage die Behauptung, dass seine Bekanntheit hierzulande hauptsächlich daher rührt, dass er in den Medien mit unschöner Regelmäßigkeit im Zusammenhang mit irgendwelchen rechtsbraunolympischen Geschmacklosigkeiten auftaucht. Aber Politik ist auf diesem Blog nur Thema, sofern sie sich mit Wissenschaft überschneidet. Das letzte Mal, als dies der Fall war - bei Minister Hahns (ÖVP) peinlicher Aberkennungsverweigerung des Ehrenkreuzes für den Wasseresoteriker Johann Grander - hatten wir (die GkD) als Initiatoren einer parlamentarischen Anfrage den Vorsitzenden des parlamentarischen Wissenschaftsauschusses als Mit-Anfragesteller auf unserer Seite. Dessen Name ist Dr. Martin Graf.

Man könnte also meinen, Martin Graf träte für die Wissenschaft ein. Doch das wäre vermutlich ein voreiliger und recht naiver Schluss. Denn Martin Graf stellt auch gerne parlamentarische Anfragen betreffend die skandalösen Vorgänge an der Urologie der Medizinuni Innsbruck (MUI). Dabei geht es ihm aber anscheinend gar nicht so sehr um die Wissenschaft. An der MUI gärt es seit über einem Jahr ganz gewaltig - Sie erinnern sich vielleicht daran, dass Nature im August 2008 "something rotten" in Austria diagnostizierte. Was da in Innsbruck vor sich hinrottet ist tatsächlich ein Medizin- und Wissenschaftsskandal, der schön langsam ins Surreale abdriftet. Um alle Details zu schildern, müsste man eine ganze Artikelserie darüber schreiben. Gottseidank hat das Laborjournal genau das getan - mittlerweile stehen wir bei Folge 17 von "Inkontinenz am Inn".

Als die Zustände rund um die zusammengeschusterte Phase-III Studie der Urologen Bartsch und Strasser öffentlich bekannt wurden, war die Ethikkommission der MUI schon längst intensiv an der Arbeit. Die Folge waren in jüngster Zeit Dienstaufsichtsbeschwerden, polizeiliche Untersuchungen und staatsanwaltliche Ermittlungen.

Aber wie das in felix Austria halt vorkommen kann - diese Ermittlungen richteten sich nicht gegen Bartsch und Strasser, sondern gegen zwei Mitglieder der Ethikkommission. Und aus irgendeinem Grund spielt Martin Graf bei dieser Farce mittels parlamentarischer Anfragen fleißig mit.

Eines der beiden angegriffenen Mitglieder der Ethikkommission der MUI ist Univ.-Prof. Dr. Andreas Scheil, dem es jetzt langsam reicht. Sein folgender offener Brief ging an alle Abgeordneten zum Nationalrat und wurde auch im Laborjournal online veröffentlicht.

UB

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Autor: Ulrich Berger· 26.07.09 · 21:39 Uhr· 0 Kommentare

24. Juli 2009

Tamira Paszeks Doppelfehler: homöopathisches Doping

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 14

Newsflash: Die von Rückenschmerzen geplagte Tennisspielerin Tamira Paszek plauderte bei einer Pressekonferenz über ihre alternative Therapie. Ihre mongolische Alternativärztin habe ihr Blut abgenommen, es mit "homöopathischen Essenzen" angereichert und wieder zurück gespritzt. Dumm: Das wirkt nicht. Noch dümmer: Das gilt als Doping. Nicht wegen des homöopathischen Brimboriums - die NADA weiß: wo nix drin ist, kann nix wirken - sondern wegen der Gabe von Eigenblut.

Ojuna Altangerel, ihre Ärztin, ist anscheinend mehrfach "qualifiziert". Vor sechs Jahren hatte sie bereits einen Bert-Hellinger-Workshop zum Familienstellen in der Mongolei organisiert. Wer solche Ärzte hat, braucht keine Feinde mehr.

Autor: Ulrich Berger· 24.07.09 · 00:01 Uhr· 14 Kommentare

23. Juli 2009

Zuwendung als Ware

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Medizin  ·  Kommentare: 28

Roswitha Trimmel unterrichtet Deutsch, Geschichte und Kommunkation an einem Wiener Gymnasium. Außerdem ist sie Stammleserin und -kommentatorin unseres Blogs. Sie hat bereits bei Florian einen lesenswerten Gastbeitrag veröffentlicht und ich freue mich, dass sie dies heute auch an dieser Stelle tut. UB

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Zuwendung als Ware: Überlegungen zu Sinn und Unsinn der Komplementärmedizin am Beispiel von Cranial Fluid Dynamics

ein Gastbeitrag von Roswitha Trimmel

Woran denken Sie, wenn Sie das hübsche Anglizismen-Konglomerat "Cranial Fluid Dynamics" lesen? Ulrich Berger denkt "an ein Hirn, das gerade ausrinnt", meine Freunde an ein besonders teures Haarpflegemittel und ich hätte bis vor kurzem auf eine aufgebrezelte Form von rhythmischer Gymnastik in laut beschallten Studios getippt. Alles falsch. Cranial Fluid Dynamics, kurz CFD, gehört zum wachsenden Sektor der "Fünf C-Ökonomie", die in aufsteigender Reihenfolge Computing, Caring, Catering, Consulting, Coaching umfasst."[1]

cranial.gif

Der Markt für komplementärmedizinische, "ganzheitliche" Dienstleistungen, die irgendwo zwischen Caring, Consulting und Coaching herumeiern, wächst rasant. Diesen Trend hat auch das WIFI Wien erkannt und bietet neuerdings Lehrgänge an, deren Absolventen auf diesem bunten Marktplatz mitmischen dürfen. Beispielsweise, indem sie das Diplom für den Cranial Fluid Dynamics-Practitioner erwerben: Der gleichnamige Lehrgang, der ohne medizinische Vorkenntnisse auskommt, erstreckt sich über zehn Module zu je drei Tagen, kostet ohne verpflichtende Supervision 3.600 Euro und dauert von Oktober 2009 bis zum Juli 2010. Welches freie Gewerbe könnten Berufene - übrigens auch ohne Qualifikationsnachweis - am Ende anbieten? Das WIFI empfiehlt als Mustertext zur Vorlage bei der Gewerbebehörde:

Hilfestellung zur Erreichung einer körperlichen bzw. energetischen Ausgewogenheit.

Was immer das bedeutet.

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Autor: Ulrich Berger· 23.07.09 · 14:37 Uhr· 28 Kommentare

22. Juli 2009

Entmannte Raumfahrt?

Kategorie: Naturwissenschaften·Technik·Themenwoche  ·  Kommentare: 26

Ja, Neil Armstrong war auch für mich ein Held, als ich noch ein Kind war. Als Teenager war ich fasziniert und begeistert von der Idee einer Raumstation, die als Basis für zukünftige Ausflüge ins All, zum Mond und vielleicht sogar zum Mars dienen könnte. Und natürlich wollte ich dann dabei sein.

Aber ich wurde älter und während die Begeisterung darüber, dass "wir" da oben waren, blieb, fragte ich mich immer öfter, ob "wir" da wirklich wieder und wieder rauf müssen. Nachdem meine damalige naive Technikgläubigkeit durch die Challenger-Katastrophe und Tschernobyl arg in Mitleidenschaft gezogen worden war, änderte ich irgendwann meine Meinung. Zumindest, was den Mars betrifft. Gewiss, wenn wir es darauf anlegen, dann werden wir dorthin gelangen und irgendein Mann (so weit in der Zukunft liegt der Zeitpunkt nicht, dass es realistischerweise eine Frau sein könnte) wird seinen Fuß auf die Marsoberfläche setzen, salbungsvolle Worte sprechen und darauf achten, sich nicht wie Neil Armstrong vor Nervosität zu verhaspeln. Wir sind Helden. Wir müssen nur wollen! Die Frage ist nur, ob wir wirklich immer alles wollen sollen.

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Autor: Ulrich Berger· 22.07.09 · 22:52 Uhr· 26 Kommentare

03. Juli 2009

Notaufnahme der Zukunft...

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 5

Ja, ich fürchte, so wird es tatsächlich über kurz oder lang in der Notaufnahme zugehen, wenn die bornierte Schulmedizin "endlich" einem "ganzheitlichen" Ansatz weicht. Aber, keine Angst, vorläufig ist das nur ein Sketch des britischen Komiker-Duos David Mitchell und Robert Webb... Trotzdem viel Spaß beim Ansehen! EE


Autor: Erich Eder· 03.07.09 · 18:34 Uhr· 5 Kommentare

02. Juli 2009

Bioresonanz: alles, was Sie wissen wollten

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 74

Bei uns hier gibt es bekanntlich Medien, die im Gesundheitsbereich vorwiegend Ihren Inserenten nach dem Maul schreiben. Kritische Artikel zu Alternativ- und Komplementärmedizin sucht man mit der Lupe. Um zu sehen, dass es anders auch geht, müssen wir nur einen Blick nach Westen werfen. Dort schreibt der Tagesanzeiger über die Bioresonanz, deren Proponenten in Österreich u.a. von der GAMED und dem Dachverband für Ganzheitsmedizin hofiert werden. Lesenswert!

bioresonanz.gif


Autor: Ulrich Berger· 02.07.09 · 13:21 Uhr· 74 Kommentare

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